Haiger ist eine Kleinstadt im nördlichen Teil des mittelhessischen Lahn-Dill-Kreises und liegt zwischen den Städten Wetzlar und Siegen.

Geografie Lage Haiger liegt am östlichen Rand des Westerwalds bzw. an den südlichen Ausläufern des Rothaargebirges (Kalteiche) etwa neun Kilometer nordöstlich des Dreiländerecks Hessen–Nordrhein-Westfalen–Rheinland-Pfalz und ist zugleich die flächenmäßig größte, aber nach Einwohnerzahlen viertgrößte nach Wetzlar, Dillenburg, Herborn und nördlichste Stadt im Lahn-Dill-Kreis. Nördlich des Ortsteils Offdilln entspringt die Dill, nördlich des Gewerbe- und Industriegebiets „Haiger-Kalteiche“ entspringt die Heller. In Haiger münden der Aubach und der Haigerbach in die Dill.

Nachbargemeinden Haiger grenzt im Norden an die Stadt Netphen (Kreis Siegen-Wittgenstein in Nordrhein-Westfalen) und die Gemeinde Dietzhölztal, im Osten an die Gemeinde Eschenburg und die Stadt Dillenburg, im Süden an die Gemeinde Breitscheid (alle im Lahn-Dill-Kreis), sowie im Westen an die Gemeinden Burbach und Wilnsdorf (beide im Kreis Siegen-Wittgenstein in Nordrhein-Westfalen).

Stadtgliederung Zur Stadt gehören neben der Kernstadt Haiger die Stadtteile Sechshelden, Langenaubach, Flammersbach, Allendorf mit der Wohnsiedlung Kalteiche, Seelbach, Steinbach, Rodenbach, Fellerdilln, Dillbrecht, Offdilln, Weidelbach, Oberroßbach und Niederroßbach.

Geschichte mini|hochkant=1.2|Haiger – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian 1655

Von den Anfängen bis zur Neuzeit Die erste urkundliche Erwähnung Haigers im Lorscher Codex stammt aus dem Jahr 778: Die Adlige Theutbirg schenkt dem Kloster Lorsch an der Bergstraße ihre Besitzungen in Haigrahe. Die Schenkung wird im Jahr 781 erneuert und vermehrt. abgerufen am 18. April 2017. Haiger ist damit die älteste der drei Städte an der Dill, vor Dillenburg und Herborn. Das damalige Haiger hat sein Zentrum auf dem heutigen Kirchhügel. Dort stand im 9. Jahrhundert eine Taufkirche sowie ein Königshof Heigera, welche König Konrad I. am 14. April 914 zusammen mit den Marktrechten, dem Zehnten und dem dritten Teil des Königscheffels dem Walpurgisstift in Weilburg schenkt. Das Marktrecht muss daher zu diesem Zeitpunkt bereits verliehen worden sein. Haiger war bis zum 10. Jahrhundert der Mittelpunkt der Haigerer Mark bzw. des Haigergaus, wohl einem Untergau des Oberlahngaus. Aus Wormser Überlieferung geht hervor, dass 1048 Erzbischof Eberhard von Trier zusammen mit dem Bischof von Worms den Neu- bzw. Ausbau der Haigerer Stadtkirche weiht, welche noch heute das Wahrzeichen von Haiger ist. Ritter Udo von Haiger wird am 1. April 1159 als erster Adliger des Geschlechts derer von Haiger erwähnt. Die Erwähnung Udos (vermutlich als Zeuge) findet statt im Zuge der Belehnung der Grafen von Laurenburg mit der Burg Nassau durch den Erzbischof von Trier.

Die Haigerer Mark ging mit dem Ende der konradinischen Familie an die Pfalzgrafen über. Diese gaben ihn als Lehen an die Herren von Molsberg. Diese übertrugen die Herrschaft an die Niederadligen „von Haiger“. Ab dem 13. Jahrhundert drangen die Grafen von Nassau verstärkt in das Gebiet der Haigerer Mark und der benachbarten Herborner Mark vor. Es kam zur Dernbacher Fehde zwischen Nassau und den Landgrafen von Hessen. Die nassauischen Grafen konnten sich an der Dill durchsetzen. Im frühen 14. Jahrhundert gelangten die Gerichtsrechte über Haiger endgültig an die Grafen aus dem Haus Nassau.

1457 wird die erste Haigerer Eisenschmelzhütte („Haigerhütte“) erwähnt.Karl Löber: Haigerer Hefte. Haiger. In der Haigerer Umgebung wurde somit bereits damals Eisenerz abgebaut (siehe auch Liste der Bergwerke in Haiger).

Um 1490 lassen Hermann von Haiger und sein Sohn Jost von Haiger, der letzte Haigerer Ritter, den Chorraum der Kirche mit Fresken ausschmücken. Rund 90 Jahre später werden diese übertüncht und geraten in Vergessenheit. Sie werden erst Anfang des 20. Jahrhunderts (1904) wiederentdeckt.

Neuzeit Während der Nassauischen Herrschaft nahm Haiger eine städtische Entwicklung, ohne dass eine Stadtrechteverleihung erfolgte. Die Lage am Zusammentreffen der drei Täler Haigerbachtal, Aubachtal und Dilltal war verkehrsgünstig und in der Nähe der Fernhandelsstraße von Köln nach Leipzig („Brabanter Straße“).

1603 grassierte die Pest in der Stadt. Im November 1623 brandschatzten und plünderten spanische Soldaten vom Regiment Don Lorenzo de Mestro Haiger. Bevor sie abzogen, geriet durch Unachtsamkeit die Stadt in Brand. 70 Gebäude, darunter 40 Wohnhäuser, gingen in Flammen auf. Der Schaden wurde auf eine halbe Million Reichstaler geschätzt. 250 Haigerer Einwohner standen zum Winteranfang praktisch vor dem Nichts. Kurze Zeit nach dem Brand brach erneut die Pest aus und raffte ganze Familien dahin.

Ein Aufstand in der Stadt bewirkt, dass die Bürgerschaft 1672 ihren Ratssechser erhält, ein Mitspracherecht bei städtischen Entscheidungen durch eine Vertretung von sechs Räten.

Am 8. Mai 1723 wurde die gesamte Innenstadt Haigers durch eine Feuersbrunst zerstört. In wenigen Stunden brannten innerhalb der Stadtmauern beinahe sämtliche Gebäude. Das Kirchendach brannte ab, nicht aber die Kirche selbst. Die schnelle finanzielle Hilfe aus den umliegenden Fürstentümern, Städten und Ländern, sowie eine großzügige Spende der Fürstin Isabella (ein „Legat von 400 Floren Capitäl!“) halfen zu Linderung der großen Not. Die viertorige, turmbewehrte Stadtmauer, welche auch zwischen dem Aubach und der südlichen Stadtgrenze verlief, wurde bei der Brandbekämpfung als hinderlich angesehen und 1824 niedergelegt.Haiger Lokal – Informationen zu Haiger (PDF; 1,0 MB) abgerufen am 18. April 2017. Dies ermöglichte der Stadt eine Neuordnung und eine planmäßige Erweiterung. Weitere Stadtbrände, die größeren Schaden verursachten, fanden in den Jahren 1827 und 1829 statt.Manfred Niemeyer: Deutsches Ortsnamenbuch. Walter de Gruyter GmbH. 2012.

Am 23. Februar 1849 wurde durch eine Bürgerinitiative von 56 heiratsfähigen Männern und 49 Damen die Einführung einer städtischen Heiratssteuer in Höhe von 10 Gulden vereitelt.

mini|Haiger (Stahlstich) um 1863 Der Haigerer Bahnhof wurde im Ackerfeld vor der Stadt am 12. Januar 1862 eröffnet und verbindet seitdem Haiger mit der Welt. Am 17. Dezember 1898 wurde eine Schmalspurbahn, die Erze der Grube Constanze zum Bahnhof lieferte, eröffnet. Grube Gnade Gottes aus der Hachelbach dorthin. Dieser Bahnhof wurde am 15. Dezember 1926 ebenfalls Startpunkt der 12,3 Kilometer langen Bahnstrecke Haiger–Breitscheid.

Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs lebten in Haiger mehrere jüdische Familien, die nach Zerstörungen in der Reichspogromnacht sowie weiteren Anfeindungen bis zum Kriegsausbruch 1939 geflohen waren oder getötet wurden.mündl. Überlieferungen sowie alemannia-judaica.de In der Zeit des Weltkrieges waren in Haiger und Umgebung ferner zahlreiche Zwangsarbeiter und russische Kriegsgefangene untergebracht. Ein Denkmal unweit des Zentralfriedhofes erinnert daran.

Im Zweiten Weltkrieg wurden außerdem große Teile der Oberstadt durch alliierte Bombenangriffe zerstört. Es gab mehr als 72 Tote und zahlreiche Verletzte. Die Hauptangriffe fanden am 12. und 14. März 1945 durch die 8. US-Luftflotte statt. In den Jahren 1944–1945 fanden zahlreiche Nacht- und Tagangriffe (vermutl.) US-amerikanischer Jagdbomber statt (im Volksmund „Eiserner Gustav“ genannt).Hubert-Georg Quarta: Ad Maiorem Dei Gloria. Zur größeren Ehre Gottes. Eine chronologische Darstellung des Katholizismus im Haigerer Raum. Teil 1. Von den Anfängen bis zum Jahr 1945. Ohne Verlagsangabe. 1978.Hans Weber: Betrachtungen zum Wochenende. 1945: Bomben auf Haiger. In: Haigerer Zeitung. 18. Januar 2003. Vermutlich war die Bahnstrecke Siegen-Gießen das Hauptziel sowie zahlreiche Munitions- und Nachschubzüge, die am alten Bahnhof häufig zum Stehen kamen. Bei Luftangriffen wurden u. a. die 1930 fertiggestellteH.-G. Quarta (ebenda). Hier bes. S. 24 ff. Der Bau wurde bereits 1926 beschlossen, aber erst 1930 vollendet. katholische Kirche (12. März) sowie die alte Schule stark zerstört. Haiger wurde im April/Mai 1945 durch Teile der US-Army eingenommen bzw. befreit (1st US Army unter Gen. Hodges). In der Innenstadt und um Haiger herum befanden sich noch versprengte Reste deutscher Truppen, Glück und Zufall verhinderten einen weiteren verheerenden Angriff alliierter Bomber.1200 Jahre Haiger. 778–1978. In: Haigerer Zeitung u. a. (1978).

Am 20. März 2018 erhielt Haiger durch den Hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier den Zuschlag für den Hessentag 2022. Das Fest sollte innenstadtnah z. B. auf dem großen Firmengelände der Firma Rittal stattfinden. Parkplätze waren in der Nähe der Autobahn 45 geplant – zudem sollte eine Behelfsausfahrt auf Höhe der „Talbrücke Haiger“ genutzt werden. Als Motto war „Innovative Wirtschaft, Ökologie und Energie“ vorgesehen, da auch die enge Verbindung von Wirtschaft und Hessentag den Charakter in Haiger ausmachen sollten. Die Stadtverordnetenversammlung stimmte am 19. Januar 2022 mit 30 Ja-Stimmen, einer Nein-Stimme und zwei Enthaltungen dafür, wegen der COVID-19-Pandemie auf das Landesfest zu verzichten. Haiger diskutiert bereits über eine neuerliche Bewerbung – möglicherweise im Zusammenhang mit der 1250-Jahr-Feier der Stadt im Jahr 2028.

Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde am 1. Januar 1970 die bis dahin selbständige Gemeinde Flammersbach auf freiwilliger Basis in die Stadt Haiger eingemeindet. Es folgten ebenfalls auf freiwilliger Basis am 1. Februar 1971 die Gemeinde Rodenbach und am 1. Oktober 1971 die Gemeinde Dillbrecht.

Am 1. Januar 1977 wurden die Gemeinden Allendorf, Fellerdilln, Haigerseelbach, Langenaubach, Offdilln, Roßbachtal, die am 1. Oktober 1971 durch freiwilligen Zusammenschluss der Gemeinden Niederroßbach und Oberroßbach entstanden war, Sechshelden, Steinbach und Weidelbach kraft Landesgesetz in die Stadt Haiger eingegliedert. Ortsbezirke nach der Hessischen Gemeindeordnung wurden nicht errichtet.

Namensgebung Der Stadtname Haiger kommt aus dem Althessischen: Die große Anzahl von Fischreihern am Haigerbach, Aubach und der Dill verhalfen zum Namen „Reiherbach“, bzw. auf althessisch „Heigerahe“. Dieser Name besteht aus den Begriffen „Heiger“, also Reiher, und „Ahe“, also Bach oder Gewässer. Im Laufe der Geschichte wandelte sich diese Schreibweise über die Worte → „Heigrahe“ → „Heigera“ → „Heigere“ → „Heigerin“ → „Heigre“ → „Heigeren“ → „Hegere“ → „Hegera“ → „Heygere“ → „Heyger“ → „Heiger“ → „Häger“ → und „Häyer“ hin zum Namen Haiger. Der Vogel im Haigerer Wappen könnte sich ebenfalls auf den Fischreiher beziehen, ebenso kann es sich um eine Veränderung des Nassauer Löwen handeln. auf haiger.de Eine andere, heute eher abgelehnte, Deutung der Namensgenese sieht den Ursprung beim Eichelhäher (von Häher). Argumentiert wird u. a. damit, dass der Vogel im Stadtwappen keinem Reiher ähnelt.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Haiger angehört(e):

781: Frankenreich, Lahngau (in pago Logenehe) 914: Ostfrankenreich, in pago Heigera, Heigera [Kop. 12. Jahrhundert Struck, Quellen zur Geschichte der Klöster 2, Nr. 1048] 1048: Grafschaft in der Haigermark (sicuti ductus est comitatus in Heigeromarca), Heigerin, in loco [Kop. Mitte 12. Jahrhundert Struck, Quellen zur Geschichte der Klöster 2, S. 444–446 Nr. 1053] vor 1739: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft/Fürstentum Nassau-Dillenburg, Amt Dillenburg mit Gericht Haiger ab 1739: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Nassau-Diez, Amt Dillenburg mit Gericht Haiger 1806–1813: Großherzogtum Berg, Département Sieg, Arrondissement Dillenburg, Kanton Dillenburg 1813–1815: Fürstentum Nassau-Oranien, Amt Dillenburg mit Gericht Haiger