Der Kölngau war eine mittelalterliche Gaugrafschaft. Er bestand spätestens am Ende des 8. Jahrhunderts unter der Regierung Karls des Großen. Der Kölngau ging mit der Erhebung Bruns zum Erzbischof von Köln und Belehnung mit dem Herzogtum Lothringen im entstehenden Kurfürstentum Köln auf. Gau und Verwaltung mini|hochkant|Die Gebietsaufteilung des Fränkischen Reiches im Vertrag von Verdun 843 Neben der Einigung der germanischen Stämme in einem mächtigen Reich, der Förderung der Christianisierung und der Verbesserung des Rechtswesens schuf Kaiser Karl der Große auch die Grafschaftsordnung. So wurde das Land in Gaue unterteilt und diese wiederum in Centenen aufgesplittet, denen ein Gaugraf oder auch Centenariusnach Rosellen residierte auch in Kendenich ein Centenarius vorstand. Diesem Grafen unterstand sowohl die militärische Gewalt als auch die Gerichtsbarkeit im Gau. Die ab dieser Zeit vermehrt vorhandenen Urkunden belegen Köln als die Hauptstadt des Kölngaues.Clemens Klug, Seite 34

Send-, Gau- oder Pfalzgrafen Unter den Nachkommen Karls zerfiel das Reich und wurde dann unter seinen Enkeln 843 aufgeteilt. Das Mittelreich erhielt Lothar, dem auch die Kaiserkrone blieb. Auch er übertrug nun in seinem Herrschaftsbereich an Grafen Gebiete, in denen diese Kontroll- und Verwaltungsaufgaben wahrnahmen. Stellvertretend für ihren Herrscher übten diese die Gerichts- und Verwaltungshoheit aus. Je nach konkreter Funktion oder Aufgabe konnten unter anderen Send-, Mark-, Pfalz- oder Burggrafen unterschieden werden.

Die Geschlechter der Grafen (lat. Comes buw. Plural Comites) besaßen im fränkischen und den Folgereichen eine bedeutende Machtstellung. Sie begründete sich durch die Bündelung diverser Grafenrechte (Privilegien). Infolge weiterer zugewiesener Aufsichtsrechte über Reichsgüter des Königs, wie Wälder, Gewässer und Straßen, sowie über Regalien (Hoheitsrechte) vergrößerte sich die Macht der Grafen beträchtlich. Nach der aufgekommenen Erblichkeit des Grafenamtes im 10. Jahrhundert ging zuvor durch die Grafen lediglich verwaltetes Reichsgut über in Allodialbesitz.Peter Schreiner, Seite 108

Gaugraf Emundus von Friesheim mini|hochkant|Emundus von Friesheim Gedenktafel im Kölner Dom von 1731 So wie beispielsweise Deocar im Auftrag Kaiser Karls in der Ostmark als Sendgraf (Königsbote) eingesetzt wurde, war es um das Jahr 829 der Edelherr Emundus aus Friesheim, der zur Regierungszeit Lothars als Send- und Gaugraf im Kölngau amtierte.Carl Dietmar, Seite 49 Er war Herr des Friesheimer Höfeverbandes mitsamt dem dortigen Haupthof, dem Fronhof. Das Grafengeschlecht des Emundus entstammte einer aristokratischen karolingischen Familie. Graf Emundus vermachte seinen Besitz, die Villikation Friesheim, der alten Kölner Domkirche St. Petrus. An den Grafen, der auch im alten Kölner Dom beigesetzt wurde, erinnert eine im heutigen Kölner Dom in der Nähe des Nordausganges angebrachte Gedenktafel. Der lateinische Text bezieht sich auf den ursprünglichen Bestattungsort im alten Dom, er besagt:

Berühmt war ich einst, Graf Emundus wurde ich genannt Hier wurde ich nach meinem Tode niedergelegt unter diesem Dach, wie ich gewollt. Meine Grafschaft Friesheim trage ich dir an, heiliger Petrus, und gebe du mir dafür eine himmlische Statt, so bitte ich dich. Dieser Haufen Steine birgt die Gebeine des Grafen.

Lage und Nachbarschaft mini|hochkant|Köln und seine Nachbargaue (Grenzen zu Gill- und Mühlgau sind unklar; Keldachgau falsch dargestellt) Der Kölngau entsprach etwa dem Gebiet der Kölner Bucht. Er grenzte (im Uhrzeigersinn) an den Bonn- und Ahrgau, den Zülpichgau, den Jülichgau, den Gillgau und den Nievenheimer Gau. Ihm gegenüber befanden sich auf der rechtsrheinischen Seite im Norden der Ruhrgau und der Deutzgau, welcher seine südliche Grenze am Auelgau hatte.

Gemeinden Der Kölngau erstreckte sich über die Residenzstadt des Gaugrafen, Köln, hinaus auf einige aus heutiger Sicht nicht zusammenhängende linksrheinische Örtlichkeiten. Diese sind größtenteils noch heute existent. Die betreffenden Gemeinden, deren damalige Ausdehnung nicht bekannt ist oder die heute nicht mehr existieren, waren wahrscheinlich: Dresmann, S. 1, Verweis auf: Rudolph Sohm, Die altdeutsche Reichs- und Gerichtsverfassung. Bd. I. S. 17

Bayen mini|hochkant|Ecke „Am Römerberg“ Anfang „Im Römerkastell“. Blick zum Rheinufer mini|hochkant|Bayenturm Südlich der Römerstadt befand sich an der heutigen Grenze zwischen den Stadtteilen Bayenthal und Marienburg das mit etwa 1000 Mann belegte Flottenkastell Alteburg, an dessen Lage die jetzigen Straßenbenennungen Am Römerberg und Im Römerkastell erinnern.Olaf Höckmann Bd. 31 (1998), S. 323 Unterhalb dieses erhöht am Rheinufer liegenden Geländes lag in Sichtweite des Lagers die römische Rheinflotte (Classis Germanica) vor Anker. Diese wurde 276 bei Angriffen der Franken zerstört. Für die Wahl dieses Geländes zur Errichtung des Kastells und des Ankerplatzes dürfte eine vorgefundene natürliche Kombination der Anhöhe und einer wahrscheinlichen Ausbuchtung des Rheins ausschlaggebend gewesen sein.

Eine Urkunde Erzbischof Wichfrids (924 bis 953)H. Keussen, Topographie der Stadt Köln im Mittelalter, Band I., S. 44, Verweis auf Lacomblet: V. J. 948, U. B. 1, 102 (Cardauns, Niederrhein. Annalen 26/37,314 – 347) beschrieb die ursprünglichen Grenzen des Sprengels St. Severin, in der „Bayen“ erstmals angeführt wurde.

So lagen innerhalb der Kirchspielgrenzen die ersten Bebauungen um St. Severin, die vermutete Ansiedlung „Everich“ (später Overich, Oversburg), sowie die der später nicht wieder erwähnten Ansiedlung „Thiedenhoven“ an der Gebietsgrenze zu St. Pantaleon. Weiter das Dörfchen „Nothausen“ am Rhein (um St. Maria Lyskirchen), die weiter südwestlich liegenden Hofstätten „Beina“ (später Beien oder Bayen), und weit außerhalb die Ansiedlungen von Immendorf, mit seiner ebenfalls dem heiligen Severin geweihten Kirche, und der Weiler des heute zu Rondorf gehörenden kleinen Ortes Höningen.H. Keussen, Topographie der Stadt Köln im Mittelalter, Band I., S. 41 ff

So ist in diesen Zusammenhängen wohl die spätere Flurbezeichnung Bayen entstanden, nach der sich erste Höfe benannten. Auch die Stadtteilbezeichnung Bayenthal oder der Bayenturm und die Bayenstraße leiten ihre Namen wohl von der Flurbezeichnung ab.Thomas / Trümper

Rumenthorp mini|hochkant|Johannishof Der heutige Ortsteil des Stadtbezirkes Rodenkirchen, Rondorf, entwickelte sich aus einer 922 erfolgten Schenkung des Erzbischofs Hermann an das Stift St. Ursula. Der dem Stift übereignete Besitz, ein Fronhof, wurde erstmals im Jahr 941 in einer Urkunde des Nachfolgers Hermanns, des Erzbischofs Wichfrid, erwähnt. Er wurde als „Rumenthorp“ bezeichnet und war vermutlich der Ursprung des heutigen Anwesens Johannishof.https://www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/stadtbezirke/rodenkirchen/rondorf Rondorf auf koeln.de

Palmerstorp mini|hochkant|Palmersdorfer Hof Im Ostteil Brühls liegt der Palmersdorfer Hof. Die Geschichte des Hofes „zu Palmerstorp“ geht bis auf das Jahr 929 zurück. Er wurde als dem Kölngau zugehörig bezeichnet.Dresmann, Seite 1, Verweis auf F. Lau: „Entwicklung der kommunalen Verfassung und Verwaltung der Stadt Köln bis zum Jahre 1386“, S. 4 Das Adelsgut soll nach Aegidius Gelenius auch eine römische Gründung gewesen sein.Rosellen schreibt: „Gelenius, welcher Ursprung und Namen der meisten Dörfer am Vorgebirge von römischen Großen ableitet, nimmt an, dass auch das östlich ganz in der Nähe von Brühl gelegene und hierzu gehörige adelige Gut Palmersdorf seinen Namen von einem Römer Palmatius habe und nennt es deshalb Palmatii pagus“ (Gelen S. 256) Urkundliche Hinweise geben den Aufschluss, dass Kölner Erzbischöfe in diesem Gebiet größere Besitzungen hatten. So schenkt durch Diplom Erzbischof Brun im Jahr 961 einen und einen halben Mansus in Palmersdorf den Schwestern von St. Cäcilien in Köln.Robert Wilhelm Rosellen, nach:

Cantenich mini|hochkant|Burg Kendenich, Herrenhaus Kendenich wurde als „Cantenich“ bezeichnet. Erstmals erwähnt wird der Ort um 941, als der Kölner Erzbischof Wichfrid dem Cäcilienstift in Köln den Zehnten vom Herrenhof in Cantenich schenkte. Die alte Bezeichnung des Ortes verweist auch auf seine hervorgehobene Stellung im Gau (Nach Rosellen residierte in Cantenich ein Centenarius).

Efferne Efferen mit seiner Sehenswürdigkeit, einem römischen Kammergrab, wurde in einer Urkunde des Kölner Erzbischofs Philipp im Jahr 1189 erstmals als Efferne erwähnt.Clemens Klug, Seite 39 und Rosellen Seite 175 mit Verweis auf Lacomblet Urk. IV. 639, 934 Schon für das 7. Jahrhundert (696) zitiert Rosellen eine Schenkung in Efferen durch Plektrudis, der Gemahlin Philipps von Herisdahl, an das von ihr errichtete Stift St. Maria im Capitol zu Köln.

Guntheresthorp mini|hochkant|Römischer Sarkophag am Adenauer Weiher Von früher Besiedelung des Ortes Junkersdorf, damals „Guntheresthorp“ genannt, zeugen zahlreiche Funde aus römischer und fränkischer Zeit. Schon im Jahre 898, nachdem die Normannen Köln und sein Umland verwüstet hatten (881–882), wurde von einem Gunterisdorp berichtet. Urkundlich belegt wurde Junkersdorf erstmals im Jahre 962 durch eine Schenkung des Erzbischofs Brun, der dem Stift der Nonnen von St. Cäcilien zu Köln Land in Guntheresthorp zu eigen gab.https://www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/stadtbezirke/lindenthal/junkersdorf Junkersdorf auf den Seiten der Stadt Köln

Frekena und Bachheim mini|hochkant|Burg Bachem In Frechen, dem alten Frekena (877), verweisen alte Herrensitze wie die Burgen Bitz, Burgruine Hemmerich und Burg Bachem auf eine frühe Besiedelung. Günstige Voraussetzung für eine Wirtschaftsentwicklung boten auch hier ein Bachverlauf und fruchtbarer Boden. Der auch Lohr genannte Bach sorgte für Trinkwasser und die Bewässerung der Felder, trieb Mühlen an, füllte die Schutzgräben der Burgen und gab der Ansiedlung den fränkischen Namen Bachheim. Dieser Name wurde 866 in einer Urkunde erwähnt, in der die edle Frau Hiebildis ihre Güter und die der heiligen Maria geweihte Kirche sowie drei Mühlen und einen Herrenhof in Bachheim dem eng mit der Familie der Karolinger verbundenen Kloster Prüm in der Eifel schenkte. Erhalten sind heute noch Grundmauerreste der Burg Hemmerich und die Fundamente der ehemaligen Burg des Ritters Antonius von Bachem, auf denen zum Teil die heutige Burg Bachem steht.Henriette Meynen, Seite 34 f

Horoheim mini|hochkant|Horrem, Burg Hemmersbach Horrem („Horoheim“, 864) wurde erstmals um 980 durch den Edelmann Wigmannus von Heymenbach erwähnt. 1077 hatte der Ritter von Hemmersbach seine Burg als vir militaris et nobilis zum freien Eigentum. Wilhelm von Hemmersbach übertrug diesen Adelsbesitz 1176 an den Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg. Gleichzeitig nahm er dies Gut als erbliches Lehen. Die damalige Burg lag südlich der heutigen Wasserburg zwischen der Ortschaft Hemmersbach und der Erft, innerhalb eines sie schützenden sumpfigen Geländes. In einem westlich von Horrem gelegenen Waldstück zeichnen sich noch Konturen des überwucherten Wallgrabens und des Ziegelschutthügels der alten Wehranlage ab. Wahrscheinlich wurde die Anlage im 14. Jahrhundert zerstört und nicht wieder aufgebaut.Henriette Meynen, Seite 88 f

Sinthern Sinthern (962) wurde erstmals in einer Urkunde des Kölner Erzbischofs Brun genannt. Sinthern, wie andere Nachbarorte des heute zum Mittelpunkt der Region herangewachsenen Brauweiler, war im letzten Viertel des 10. Jahrhunderts im Besitz des lothringischen Pfalzgrafen Hermann.