mini|William Derham mini|Titelseite von Derhams Physico-Theology (Ausgabe 1723) William Derham (* 26. November 1657 in Stoulton bei Worcester, Worcestershire; † 5. April 1735 in Upminster) war ein englischer Geistlicher, Naturphilosoph und Vertreter der Physikotheologie.
Leben und Wirken Leben Derham besuchte die Grammar School in Blockley (Gloucestershire). Am 14. Mai 1675 wurde er als „servitor“ am Trinity College in Oxford zugelassen.Joseph Foster: Alumni oxonienses: The members of the University of Oxford, 1500–1714: their parentage, birthplace and year of birth, with a record of their degrees. Parker and Co., Oxford 1888, Band 1, S. 397 (online). Dort erwarb Derham am 28. Januar 1679 den Grad eines Bachelor of Arts (B.A.).
Ralph Bathurst, Präsident des Trinity College, empfahl Derham dem Bischof von Salisbury Seth Ward. Dieser wiederum empfahl ihn der Witwe Lady Catherine Grey of Werke (1634-um 1682) als Kaplan. Am 29. Mai 1681 wurde Derham von Henry Compton, dem Bischof von London zum Diakon ordiniert. Seth Ward weihte ihn am 9. Juli 1682 zum Priester. Im gleichen Monat wurde Derham von Richard Neville (1655–1717), dem Schwiegersohn von Lady Grey, das Benefiziat von Wargrave, Berkshire, präsentiert. Dort war er bis 1682 als Vikar tätig.
Derham beantragte am 17. Januar 1684 die Heiratserlaubnis für Isabella Darrell (getauft 1655) aus Kingsclere.Joseph Foster (Hrsg.): London marriage licences, 1521–1869. Bernhard Quaritch, London 1887 (online). Über diese Verbindung ist jedoch nichts Näheres bekannt.
Ab 1689 war Derham Rektor in Upminster. Dort lebte er im „High House“ das sich gegenüber der St Laurence’s Church befand.High House and its rich cast of characters, abgerufen am 12. Juni 2025.
Verwitwet heiratete Derham am 2. Juni 1699 Anna Scott (* um 1675) aus Chigwell. Das Paar hatte fünf Kinder: Anna (1700–1710), Elizabeth (1701–1780), William (1702–1757), Thomas (1704–1738) und Jane (1709–1735). Ihr Sohn William war ab 1748 Präsident des St John’s College in Oxford.
1711 und 1712 hielt Derham in der Londoner Kirche St Mary-le-Bow die Boyle-Vorlesung, die er 1713 als Physico-theology veröffentlichte.
1714, nach der Thronbesteigung von Georgs I., wurde Derham Kaplan des Prinzen von Wales (Georg II.) und 1716 Kapitular von Windsor Castle.
Die University of Oxford verlieh ihm am 26. Juni 1730 einen Abschluss als Doctor of Divinity (D.D., als Diplom).
Wirken 1696 erschien sein Buch The artificial clock-maker, in dem er den Mechanismus eines Uhrwerks und die Berechnungen im Getriebe der Zahnräder so zu erklären versucht, dass ihn ein gewöhnlicher Arbeiter verstehen kann.A. D. Atkinson: William Derham, F.R.S. (1657–1735). In: Annals of Science. Band 8, Nr. 4, 1952, S. 377. Es enthielt außerdem eine kurze Geschichte der Uhrmacherkunst. Das Buch wurde ins Deutsche (Der kunstreiche Uhrmacher, 1708) und Französische (1731) übersetzt.Kaspar von Greyerz: European Physico-theology (1650–c.1760) in Context: Celebrating Nature and Creation. Oxford University Press, Oxford 2022, ISBN 978-0-19-286436-9, S. 288.
In den Philosophical Transactions der Royal Society wurden ab 1698 über 30 seiner Beiträge veröffentlicht.A catalogue of the works of the Rev. Dr. W. Derham. In: Physico-theology. Neue Auflage, A. Strahan; T. Cadell jun. and W. Davies, Band 1, London 1798 S. LXVII–LXXI (Digitalisat). In seinem ersten Beitrag beschäftigte er sich mit einem tragbaren Quecksilberbarometer, mit dem er die Höhe des Londoner Monuments vermaß. Derham beschäftigte sich mit astronomische Beobachtungen. Seine 1700 begonnenen Jupiterbeobachtungen veröffentlichte er 1727. Derhams Aufzeichnungen der Sonnenflecken von 1703 bis 1711 fallen in die Zeit des „Maunder-Minimum“ (1645–1715) und sind noch heute von wissenschaftlichen Interesse. Er beschrieb die Mondfinsternis vom 12. Januar 1712. Derham interessierte sich für das Wetter und berichtete beispielsweise über den Großen Sturm von 1703. In seinem Artikel Experimenta observationes de soni motu von 1708 berichtete er über sein Verfahren zur Messung der Schallgeschwindigkeit. Sein erhaltener Wert bestätigte frühere Ergebnisse von John Flamsteed und Edmond Halley.George S. K. Wong: Air Sound Speed Measurements and Computation: A Historical Review. In: Allan J. Zuckerwar: Handbook of the speed of sound in real gases. Band 3, Academic Press, London 2002, ISBN 0-12-782513-4, S. 265.
1713 veröffentlichte Derham sein Hauptwerk Physico-theology (13. Auflage, 1768). Es wurde ins Italienische (1719), Französische (1726) und Niederländische (1728), Deutsche (Physicotheologie oder Natur-Leitung zu Gott, 1730) und Schwedische (1736) übersetzt. Das Folgewerk Astro-theology (14. Auflage, 1777) erschien 1715. Es wurde ins Deutsche (Astrotheologie, oder himmliches Vergnügen in Gott, 1728), Niederländische (1728), Italienische (1728) und Französische (1729, 1760) übersetzt. In seiner Astro-theology erwähnte er als einer der ersten Beobachter das „Aschgraue Licht der Venus“.John C. Barentine: Mystery of the Ashen Light of Venus. Investigating a 400-Year-Old Phenomenon. Springer, Cham 2021, ISBN 978-3-030-72714-7, S. 53–56.
Mit John Ray korrespondierte Derham über Insekten sowie Frösche und besuchte ihn mindestens ein Mal (1704). Vermittelt durch Hans Sloane, Tancred Robinson (um 1658–1748), Samuel Dale und William Pyke, dem Rektor von Black Notley, dem Wohnsitz von Ray, wurde Derham mit der Bearbeitung der Schriften des Naturforschers beauftragt.A. D. Atkinson: William Derham, F.R.S. (1657–1735). In: Annals of Science. Band 8, Nr. 4, 1952, S. 380–381. Ab 1713 gab er mehrere Werke Rays erstmals oder in Bearbeitung heraus und veröffentlichte Teile dessen Briefwechsels als Philosophical letters.
1724 gab Derham eine um umfangreiche Anmerkungen und eigene Beobachtungen vermehrte Ausgabe von Eleazar Albins A natural history of English insects (1720) heraus. Eine am 2. November 1729 in Bath gehaltene Predigt wurde im folgenden Jahr als Christo-theology veröffentlicht.A. D. Atkinson: William Derham, F.R.S. (1657–1735). In: Annals of Science. Band 8, Nr. 4, 1952, S. 390.
Ehrungen Am 3. Februar 1703 wurde Derham als Mitglied („Fellow“) in die Royal Society gewählt.
Schriften (Auswahl) Bücher The artificial clock-maker The artificial clock-maker: a treatise of watch and clock-work, wherein the art of calculating numbers for most sorts of movements is explained to the capacity of the unlearned. Also the history of clock-work, both ancient and modern, with other useful matters never before published. London 1696 (Digitalisat).
Übersetzungen Der kunstreiche Uhrmacher […]. In: Eberhard Welper: Neu-vermehrte Welperische Gnomonica […]. 3. Auflage, Weigel, Nürnberg 1708 (Digitalisat). Traité d’horlogerie pour les montres et les pendules […]. Grégoire Dupuis, Paris 1731 (Digitalisat).
Physico-theology Physico-theology: or, a demonstration of the being and attributes of God, from his works of creation […]. London 1713 (Digitalisat) – eine Boyle-Vorlesung. 2., ergänzte Auflage, W. Innys, London 1714 (Digitalisat). 3., korrigierte Auflage, W. Innys, London 1714 (Digitalisat). 4., korrigierte Auflage, W. Innys, London 1716 (Digitalisat). 5. Auflage, London 1720 (Digitalisat). 6. Auflage, W. and J. Innys, London 1723 (Digitalisat, Digitalisat). 7. Auflage, W. and J. Innys, London 1727 (Digitalisat). Nachdruck als „8. Auflage“: Dublin 1727 (Digitalisat). Nachdruck als „10. Auflage“: Dublin 1730 (Digitalisat). 8. Auflage, W. Innys and R. Manby, London 1732 (Digitalisat). 9. Auflage, W. Innys and R. Manby, London 1737 (Digitalisat). 10. Auflage, W. Innys, London 1742 (Digitalisat). 11. Auflage, 2 Bände, W. Innys, London 1749 (Band 1, Band 2). 12. Auflage, W. Innys and J. Richardson, London 1754 (Digitalisat). 13. Auflage, Robinson and Roberts, London 1768 (Digitalisat). Neue Auflage, A. Strahan; T. Cadell jun. and W. Davies, London 1798 (Band 1, Band 2).
Schottische Auflagen „11. Auflage“, R. Urie and Company, Glasgow 1745 (Digitalisat). „12. Auflage“, Robert Urie, Glasgow 1752 (Digitalisat). „3., schottische Auflage“, Robert Urie, Glasgow 1758 (Digitalisat).
Übersetzungen Dimostrazione della essenza, ed attribute d’Iddio del’opere della sua Creazione […]. Tartini e Franchi, Florenz 1719 (Digitalisat) – übersetzt von Giovanni Gaetano. Theologie physique ou démonstratiom de l’existence et des attributs de Dieu, tirées des oeuvres de la création […]. Jean Daniel Beman, Rotterdam 1726 (Digitalisat). 2., überarbeitete und korrigierte Auflage, Jean Daniel Beman, Rotterdam 1726 (Digitalisat 2. Teil) – übersetzt von Jacques Lufneu. Pierre Paupie, Den Haag 1740 (Digitalisat) – übersetzt von Jacques Lufneu. Neue Auflage, S. et J. Luchtmans, Leiden 1769 (Digitalisat). Neue Auflage, Amand König, Strasbourg 1769 (Digitalisat). God-leerende natuurkunde, of eene betooging van Gods wezen en eigenschaften […]. Isaak Severinus, Leiden 1728 (Digitalisat) – übersetzt von Abraham van Loon. Neue, korrigierte Auflage, 1739. Neue, durchgesehene und verbesserte Auflage, Jacobus Loveringh, Amsterdam 1742 (Digitalisat). Physicotheologie oder Natur-Leitung zu Gott […]. Johann Christian Brandt, Hamburg 1730 (Digitalisat) – Übersetzung nach der 7. Auflage durch Christian Ludwig. 2. Auflage, Johann Christian Brandt, Hamburg 1732 (Digitalisat). Neue Auflage: Physico-Theologie oder Naturleitung zu Gott […]. Johann Christian Brandt, Hamburg 1741 (Digitalisat). Neue Auflage: Physico-Theologie oder Naturleitung zu Gott […]. Johann Christian Brandt, Hamburg 1764 (Digitalisat, Digitalisat). Physico-theologie, eller: Til Gud ledande naturkunnighet medelst jord-klotets och de deruppå befintelige creaturens upmärcksama betracktelse […]. Joh. Laur. Horrn, Stockholm 1736 (Digitalisat, Digitalisat) – nach den deutschen und französischen Ausgaben übersetzt von Anders Nicander. Neue Auflage, Stockholm 1760.
Astro-theology Astro-theology: or a demonstration of the being and attributes of God, from a survey of the heavens. London 1715 (Digitalisat). 2., korrigierte Auflage, London 1715 (Digitalisat). 3., verbesserte Auflage, London 1719 (Digitalisat). 4., stark korrigierte Auflage, London 1721 (Digitalisat). 5. Auflage, London 1726 (Digitalisat). 6. Auflage, London 1731 (Digitalisat). 7. Auflage, London 1738 (Digitalisat). 8. Auflage, London 1741 (Digitalisat). 9. Auflage, London 1750 (Digitalisat). 10. Auflage, London 1767 (Digitalisat). […] Neue Auflage, W. Darling, Edinburgh 1777 (Digitalisat).
Übersetzungen Godgeleerde starrekunde […]. Isaak Severinus, Leiden 1728 (Digitalisat). Teologia astronomica […]. Neapel 1728. Astrotheologie, oder himmliches Vergnügen in Gott, bey aufmercksamen Anschauen des Himmels, und genauerer Betrachtung der Himmlischen Cörper, zum augenscheinlichen Beweiss dass ein Gott, und derselbige ein allergütigstes, allweises, allmächtiges Wesen sey. Theodor Christoph Felginer, Hamburg 1728 – nach der 5. Auflage übersetzt von Johann Albert Fabricius. Astrotheologie, oder Himmlisches Vergnügen in Gott […]. Theodor Christoph Felginer, Hamburg 1732 (Digitalisat). Astrotheologie, oder Anweisung zu der Erkenntniß Gottes aus Betrachtung der himmlischen Körper […]. Johann Carl Bohn, Hamburg (Digitalisat). Neuauflage, Johann Carl Bohn, Hamburg 1765 (Digitalisat). Theologie astronomique […]. Chaubert, Paris 1729 (Digitalisat) – übersetzt durch Bellenger. Theologie astronomique […]. Heidegguer & Compagnie, Zürich 1760 (Digitalisat) – übersetzt durch Jean Bertrand.
Weitere Christo-theology, or a demonstration of the divine authority of the Christian Religion. 1729. A defence of the churches right in leasehold estates […]. W. Innys, London 1731 (Digitalisat) – Entgegnung auf Everard Fleetwoods An enquiry into the customary estates and tenant-rights of those who hold lands of the church and other foundations.
Philosophical Transactions