Melkendorf (oberfränkisch: MelgndoafE. F. v. Guttenberg: Land- und Stadtkreis Kulmbach, S. 200. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: „melgndoʳf“.) ist ein Gemeindeteil der Großen Kreisstadt Kulmbach im Landkreis Kulmbach (Oberfranken, Bayern). Die Gemarkung Melkendorf hat eine Fläche von 4,546 km² und ist in 1121 Flurstücke aufgeteilt. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Oberauhof, Steinenhausen und Unterkodach.

Geographie Das Pfarrdorf liegt am Zusammenfluss von Rotem und Weißem Main zum Main.

Die Staatsstraße 2190 führt nach Katschenreuth (1,8 km südwestlich) bzw. nach Kulmbach zu einer Anschlussstelle der Bundesstraße 289 (1,6 km nördlich). Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Kulmbach zur Bundesstraße 85 (2,2 km nordöstlich) und nach Unterzettlitz (1,6 km südöstlich). Anliegerwege verbinden mit Steinenhausen (1 km südwestlich) und Oberauhof (0,9 km westlich).

Bis 1993 wurde ein Haltepunkt an der Strecke Thurnau–Kulmbach bedient. Diese wurde stillgelegt und weitgehend abgebaut.

Geschichte mini|St. Aegidius Melkendorf lag an der Fernhandelsstraße Bamberg–Böhmen. 1303 wurde er als „Melchendorf“ erstmals urkundlich erwähnt und 1317 mit dem heutigen Namen „Melkendorf“. Das Bestimmungswort ist Madaleich, der Personenname des Siedlungsgründers.E. F. v. Guttenberg: Land- und Stadtkreis Kulmbach, S. 109f.

Das Schloss Steinenhausen der Grafen von Henneberg wurde im Jahr 1316 befestigt. Im Jahr 1430 wurde der Ort, ebenso wie Kulmbach, beim Einfall der böhmischen Hussiten zerstört und anschließend wieder aufgebaut. Im Zuge der Reformation wurde Melkendorf 1525 protestantisch. Noch zweimal wurde er im Bundesständischen Krieg am 14. Juli 1553 sowie im Dreißigjährigen Krieg am 15. März 1634 durch die Soldaten des Herzogs von Weimar zerstört.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Melkendorf 55 Anwesen, eine Kirche und ein Pfarrhaus. Das Hochgericht übte das bayreuthische Stadtvogteiamt Kulmbach aus. Dieses hatte zugleich die Dorf- und Gemeindeherrschaft. Grundherren waren das Kastenamt Kulmbach (6 Anwesen: 1 Mahlmühle, 1 Wirtshaus, 1 Schmiede, 1 Höflein, 1 Söldengütlein, 1 Haus), der Markgräfliche Lehenhof Bayreuth (11 Anwesen: 1 Gut, 2 Gütlein, 2 Söldengüter, 3 Tropfgüter, 2 Tropfhäuser, 1 Hofstatt), das Rittergut Steinenhausen (13 Anwesen: 4 Höfe, 9 Gütlein), das Seniorat von Guttenberg-Guttenberg (10 Anwesen: 3 Güter, 2 Gütlein, 1 Söldengut, 3 Häuser, 1 Kaplaneihaus), das Rittergut Kirchleus (11 Anwesen: 1 Halbhof, 1 Gut, 6 Gütlein, 1 Tropfgütlein, 1 Haus, 1 Hofstättlein), das Rittergut Breitenreuth (1 Hof), das Rittergut Katschenreuth (1 Gut), die Pfarrei Melkendorf (2 Gütlein).Rüdiger Barth: Kulmbach: Stadt und Altlandkreis, S. 619. Dort werden fälschlicherweise nur 53 Anwesen als Gesamtzahl angegeben.

Von 1797 bis 1810 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Kulmbach.Rüdiger Barth: Kulmbach: Stadt und Altlandkreis, S. 765f. Mit dem Gemeindeedikt wurde 1811 der Steuerdistrikt Melkendorf gebildet, zu dem Affalterhof, Ameisloch, Frischenmühle, Herlas, Hitzmain, Kessel, Oberauhof, Oberzettlitz, Plosenberg, Unterkodach, Unterzettlitz, Weiher und Windischenhaig gehörten.Rüdiger Barth: Kulmbach: Stadt und Altlandkreis, S. 786. 1812 wurde der Steuerdistrikt neu strukturiert. Zu diesem gehörten nun Oberauhof, Steinenhausen und Unterkodach. Zugleich entstand die Ruralgemeinde Melkendorf, die deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt war. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Kulmbach zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Kulmbach (1919 in Finanzamt Kulmbach umbenannt). In der freiwilligen Gerichtsbarkeit unterstanden einige Anwesen bis 1848 Patrimonialgerichten, die an die Stelle der ehemaligen Rittergüter traten. Ab 1862 gehörte Melkendorf zum Bezirksamt Kulmbach (1939 in Landkreis Kulmbach umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Kulmbach (1879 in das Amtsgericht Kulmbach umgewandelt). Die Gemeinde hatte eine Fläche von 4,546 km².

Melkendorf wurde mit der Eröffnung der Bahnstrecke Bayreuth Altstadt–Kulmbach im Jahr 1908 an das Eisenbahnnetz angebunden. Seit dem 3. September 1993 (Einstellung des Bahnverkehrs auf der letzten Teilstrecke von Kulmbach) verkehren dort keine Personenzüge mehr.

Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde die Gemeinde Melkendorf am 1. Juli 1976 nach Kulmbach eingegliedert.

Baudenkmäler In der Bayerischen Denkmalliste sind elf Baudenkmäler aufgeführt: St. Aegidius. Sie gilt als eine der ältesten Kirchen Oberfrankens. Friedhof Ehemaliges Kantorat Ehemaliges Schulhaus Drei Wohnhäuser Zwei Türrahmungen von Wohnhäusern Kleinbauernhaus Felsenkeller

Abgegangenes Baudenkmal: Haus Nr. 4: Zweigeschossiger Sandsteinbau, von drei zu fünf Achsen, nach Mitte des 18. Jahrhunderts. Zweiläufige Freitreppe, Portalrahmung und Gebälksims profiliert.A. Gebeßler: Stadt und Landkreis Kulmbach, S. 74. Denkmalschutz aufgehoben, Objekt evtl. abgerissen. Ursprüngliche Hausnummerierung.

Einwohnerentwicklung Gemeinde Melkendorf Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970Einwohner 440 462 435 432 400 426 401 419 449 458 451 463 463 442 484 522 539 606 662 1016 1078 947 1018 1020HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Von 1871 bis 1987 werden diese als Wohngebäude bezeichnet. 65 71 78 79 76 86 110 147 Quelle

Ort Melkendorf Jahr 1809 1818 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2010 2013 Einwohner 322 389 357 365 410 423 488 878 866 890 718 699Häuser 58 70 70 79 103 140 Quelle Rüdiger Barth: Kulmbach: Stadt und Altlandkreis, S. 725.

Religion Melkendorf ist seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägt und Sitz der Pfarrei St. Aegidius.Rüdiger Barth: Kulmbach: Stadt und Altlandkreis, S. 619.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

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