Ein Start-up-Unternehmen (von ), auch Startup-Unternehmen oder kurz Start-up, ist eine Unternehmensgründung mit einer Geschäftsidee und hohem Wachstumspotenzial. Oft operieren Start-ups in jungen oder noch nicht existierenden Märkten und müssen erst ein funktionierendes Geschäftsmodell finden. Haben sie dieses etabliert, gelten sie allgemein nicht mehr als Start-up. Ehemalige Startup-Unternehmen bewahren sich mitunter die erfolgreichen Ansätze ihrer Gründungszeiten (wie Innovationsfähigkeit, Flexibilität, Modernität, flache Hierarchien), fördern sie gezielt durch Inkubatoren, gründen bzw. gliedern eigene Sparten als Start-ups aus (sogenannte Spinoffs) oder übernehmen andere Start-ups durch Zukäufe. Die Finanzierung eines Start-ups erfolgt wegen der hohen Risiken meist nicht über klassische Finanzquellen, sondern beispielsweise durch Business Angels (Privatinvestoren), Wagniskapitalfinanzierer oder Crowdfunding.

Begriff Der Begriff entstand in den 1990er Jahren. Nicht jedes neu gegründete Unternehmen wird als Startup bezeichnet. Zum Beispiel starten Handwerksbetriebe (wie Tischler und Friseure) oder Freiberufler (wie Architekten und Rechtsanwälte) im Regelfall weder mit einer innovativen Geschäftsidee noch haben sie das vorrangige Ziel, schnell zu wachsen. Sie bedienen einen existierenden und bewährten Markt und gelten häufig als Existenzgründer. Beim Franchising ist der Franchisenehmer ebenfalls kein Startup, der Franchisegeber kann es hingegen durchaus sein. Copycat-Unternehmen im Tech-Bereich werden mitunter als Startups bezeichnet, erfüllen aber meist nur bedingt das Kriterium der Innovation, vielmehr führen sie diese häufig auf einem anderen Markt ein als das kopierte Unternehmen.

Obwohl als Startup im Prinzip Unternehmen aller Branchen bezeichnet werden können, welche die Kriterien Innovation und Skalierbarkeit erfüllen, sind in der Praxis die meisten Startups im Technologie- und Internetsektor tätig. Typische Branchen sind der Elektronische Handel, Anwendungssoftware, Finanztechnologie, Biotechnologie, Nanotechnologie, neue Fertigungsverfahren, Industrie 4.0 oder Luft- und Raumfahrttechnik. Mitunter verändern Startups ganze Geschäftszweige und -modelle, was auch als Disruption bezeichnet wird.

Laut dem Begründer der Lean-Startup-Methode und Autor Eric Ries ist „Ein Startup […] eine menschliche Institution, die ein neues Produkt oder eine neue Dienstleistung in einem Umfeld extremer Ungewissheit entwickelt“.

Oft haben die Gründer und Investoren eines Startups die Absicht, das Unternehmen nach wenigen Jahren auf dem freien Markt anzubieten, entweder einem etablierten Unternehmen durch Kapitalbeteiligung oder Unternehmenskauf oder vielen Aktionären durch einen Börsengang. Häufig soll dadurch die Tragfähigkeit bzw. das Potenzial des Unternehmens dargestellt werden oder neue Ideen verwirklicht werden. Eine fruchtbare Gründerszene entsteht demzufolge häufig durch die Dynamik von Talenten und Finanzmitteln, die durch Verkäufe und regionale Netzwerke mit wachsendem Know-how angeregt wird. Die Ballung bestimmter Branchen oder insgesamt vieler Startups heißt Startup-Cluster. So bildeten sich nach dem Vorbild des Silicon Valley unterschiedliche politisch geförderte Cluster in Deutschland, beispielsweise das BioCon Valley in der Greifswalder Region, das Solar Valley in Mitteldeutschland und das BioValley im Südwesten Deutschlands. Für die Startup-Gründer sind politische Stabilität und Rechtssicherheit wichtige Faktoren bei der Standortwahl.dazu Christoph Ludewig, Dirk Buschmann, Nicolai Herbrand: Silicon Valley – Made in Germany. 2000, S. 275.Wolfgang Rössler, Margarete Childs: Wien als Sprungbrett für Südosteuropa. In: Die Presse. 20. September 2014. Neben der entscheidenden Register- und Vertragssicherheit bzw. kompetenten Rechtsprechung und internationalen Rechtssicherheit ist Schnelligkeit bei der Registereintragung wichtig.

Die Startup-Szene im Silicon Valley legt auch in Bezug auf Unternehmensgründung besonderen Wert auf persönliche Begegnung und Kommunikation, auch um Vertrauen von Investoren zu gewinnen. Virtuelle Kommunikation oder weite Wege zu Geschäftspartnern und Fachkollegen gelten als hemmend für Innovationen.Siehe dazu u. a. Christoph Keese: Silicon Valley. 2014, S. 37 ff.

Erfolgsfaktoren Viele der global erfolgreichen Startup-Unternehmen haben sich unter anderem durch innovative Ansätze zur Problemlösung, durch Regionalisierung und Globalisierung, durch Skalierbarkeit (Steigerungsfähigkeit) ihrer Technik und ihrer Geschäftsmodelle, dank funktionierender Gründungsförderung und Unternehmensfinanzierung aus ihrem Umfeld sowie durch intelligentes (Entrepreneurial) Marketing innerhalb relativ kurzer Zeit die Position des Weltmarktführers in ihrem Bereich erarbeitet oder haben sogar einen vollkommen neuen Markt erschaffen. Auch Erfolgsmethoden (best practice) zur Unternehmensstrukturierung spielen bei vielen erfolgreichen Startups eine Rolle. Eine der wesentlichen Faktoren zur Gründung und zum Erfolg der neuen Unternehmen ist die Verbindung der Gründer und Mitarbeiter mit lokalen Forschungseinrichtungen, wie etwa die Beispiele der Stanford University mit dem Stanford Linear Accelerator Center im Silicon Valley, das International Centre for Theoretical Physics in Triest oder der Wissenschaftscluster WISTA in Berlin-Adlershof zeigen.Siehe dazu ausführlich: Christoph Keese: Silicon Valley. 2014, S. 54 ff.

Entscheidend für den Erfolg von Startups insgesamt sei laut einer RKW-Studie von November 2015 ein „fruchtbares regionales Gründer-Ökosystem“ und gründerfreundliches Klima, welches durch das Zusammenspiel von Talenten, erfolgreichen Unternehmern, Finanzierungsmöglichkeiten, Bildungseinrichtungen, bürokratiearmer Politik und Verwaltung, potenziellen Kunden, leistungsfähiger Infrastruktur (vor allem digitaler) und Anbindung an den öffentlichen Verkehr, die Offenheit für Innovationen, Kreativität und eine hohe Lebensqualität entstehe. Dies sei mit guter Koordinierung auch außerhalb großer Städte möglich, etwa mit einem proaktiven, qualitätsvollen Regionalmanagement und durch die Vernetzung regionaler Gründer-Initiativen.Neues RKW Magazin zum Treffpunkt: Gründerökosystem. RKW, abgerufen am 20. November 2015.

Einer stadtökonomischen Untersuchung Berlins von März 2014 zufolge sei im urbanen Umfeld eine hohe Einwohnerdichte und ein lebendiges Ausgeh- und Kulturleben für die Startup-Gründerszene wichtig, die Arbeit und Leben nah beieinander zusammenbringt. So prägt zum Beispiel Silicon Valley auch einen extremen Kult der Nähe – persönliche Anwesenheit ist Pflicht, virtuelle Kommunikation ist verpönt; wer wegfährt, verliert den Anschluss und wer dort ist, bekommt Kontakte.Christoph Keese: Silicon Valley. 2014, S. 37 ff. Büroviertel, Technologieparks und Gründerzentren auf der Grünen Wiese seien demzufolge höchst unattraktiv für die meisten Gründer, auch bei guter Verkehrsanbindung.Culturally Clustered or in the Cloud? Location of Internet Start-ups in Berlin (englisch), Kristoffer Moeller (TU Darmstadt), Studie für das Spatial Economics Research Centre (Zusammenfassung auf Deutsch bei gruenderszene.de [PDF; 3,8 MB]).

Gründer

Da die Produkte von Startups häufig auf neuen Technologien basieren, stammen die Gründer von Startups oft aus den Ingenieurwissenschaften und der Informatik, wo sie im Rahmen ihres Studiums auf ihre Geschäftsideen gestoßen sind. So waren beispielsweise die beiden Gründer von Google, Larry Page und Sergey Brin, Doktoranden der Informatik und ihre Suchmaschine beruhte auf dem PageRank-Algorithmus, den die beiden im Rahmen ihrer Forschung an der Universität entwickelt hatten. Dennoch haben die meisten Gründer überwiegend einen wirtschaftswissenschaftlichen Studiengang abgeschlossen.

Die Gründer von Startups sind oft verhältnismäßig jung.Studie Deutscher Startup Monitor 2021 Deutscher Startup Monitor. Abgerufen am 9. Juli 2022. So waren beispielsweise Page und Brin beide 25 Jahre alt, als sie ihre Firma gründeten und Mark Zuckerberg erst 20, als er zusammen mit drei Mitstudenten Facebook gründete.

Einer Studie vom Herbst 2022 der Technischen Universität München (TUM) in Zusammenarbeit mit der Roland Berger Stiftung für europäische Unternehmensführung zufolge seien Frauen in deutschen und französischen Start-ups deutlich unterrepräsentiert, insbesondere im Technologiebereich. Dies gelte sowohl für Gründerinnen als auch für Mitarbeiterinnen. Wurden die Unternehmen von weiblichen Teams gegründet, sei der Frauenanteil der Belegschaft fast doppelt so groß wie bei Gründungen von Männerteams. Zudem würden von Männern gegründete Start-ups höher bewertet.idw: Start-ups von Männern dominiert. 8. November 2022, Originalpublikation: Treffers, T., Heidegger, L., Welpe, I.M. (2022): Gender diversity in German and French startups – still a long way to go to close the gap.

Finanzierung Finanzierungsphasen mini|Beispiel für Startup-FinanzierungGraham Horton: (PDF; 396 kB) Innovationslabor der Universität Magdeburg, 29. November 2014, abgerufen am 13. April 2021 (Power-Point-Präsentation). (logarithmische Skala) Erfolgreiche Startups durchlaufen mehrere Stufen der Unternehmensfinanzierung mit immer höheren Beträgen. Diese werden in verschiedenen Systemen in verschiedene Phasen unterteilt. Typisch ist die Aufteilung in vier bzw. fünf Hauptphasen:

Pre-Seed Stage Seed Stage Early Stage Growth Stage Later Stage

Am Anfang finanzieren die Gründer ihre Idee aus der eigenen Tasche. In der zweiten Stufe erhalten sie Unterstützung von Familienmitgliedern oder Bekannten. Die Beträge hier liegen – je nach persönlichem Vermögen – im fünfstelligen Euro-Bereich. In dieser Phase müssen kaum mehr als die Lebenshaltungskosten der Gründer finanziert werden.

Die erste formale Finanzierungsphase wird Seed-Runde genannt. Hier investieren private Geldgeber (meistens Business Angels) in das Startup. Dafür erhalten sie einen gewissen Anteil am Unternehmen. Seed-Investitionen gehen bis in den sechsstelligen Euro-Bereich, bei ein bis drei Mitarbeitern benötigen sie im Schnitt rund 700.000 Euro. Diese Mittel werden zum Beispiel dafür genutzt, um Prototypen zu erstellen oder Marktanalysen durchzuführen.

War das Startup bis dahin erfolgreich, folgt die sogenannte Early Stage (als erste große Investitionsrunde häufig auch Series A genannt). Das Unternehmen braucht weitere Mittel – zunächst, um das Produkt bis zur Marktreife zu entwickeln und dann, um den Marktauftritt und das Wachstum zu finanzieren. Hierfür können sieben- oder sogar achtstellige Beträge erforderlich sein. Solche Investitionen werden häufig von Venture-Capital-Gesellschaften getätigt und finden oft in mehreren Finanzierungsrunden statt. Im Gegenzug müssen die Gründer meist weitere Unternehmensanteile abgeben.

In der Growth-Stage entwickelt sich das Unternehmen weiter. Steigende Kunden-, Umsatz-, und Mitarbeiterzahlen prägen die Entwicklungsphase. Bei guten Marktbedingungen finden in dieser Phase häufig mehrere Finanzierungsrunden statt (Series B, C, D), die i. d. R. durch steigende Investitionssummen gekennzeichnet sind. Bei weniger optimalen Marktbedingungen, finden auch Finanzierungsrunden, zu den Konditionen vorheriger Runden statt, die als „Flat-Round“ bezeichnet werden. Liegen die Bedingungen einer Runde sogar unterhalb den Bedingungen der vorherigen spricht man von einer „Down-Round“.

Schließlich kommt – typischerweise nach wenigen Jahren – der Exit, bei dem das Unternehmen auf dem Markt angeboten wird. Dies kann durch einen Börsengang oder durch den Verkauf an ein anderes Unternehmen erfolgen.