Of ist eine Stadtgemeinde (Belediye) im nordöstlichen Teil des gleichnamigen Ilçe (Landkreis) der Provinz Trabzon und gleichzeitig eine Gemeinde der 2012 geschaffenen Büyükşehir belediyesi Trabzon (Großstadtgemeinde/Metropolprovinz Trabzon). Seit der Gebietsreform 2013 ist die Gemeinde flächen- und einwohnermäßig identisch mit dem Landkreis.
Geografie links|mini|Of, Darılı mahallesi Die Region ist niederschlagsreich, bewaldet, gebirgig und landwirtschaftlich geprägt. Haupterzeugnisse sind Tee und Haselnüsse. Das Städtchen Of liegt an der Küstenstraße (E 97) zwischen Trabzon und Rize auf einer vom Fluss Solaklı Çayı geschaffenen Ebene. Die nächsten Kleinstädte sind Sürmene, 14 Kilometer westlich, und İyidere, 10 Kilometer östlich. Nach Süden zweigt eine Nebenstrecke in einem Taleinschnitt des Pontischen Gebirges nach Bayburt ab (90 Kilometer). 4 km weiter östlich bei der Ortschaft Kıyıcık mündet der Fluss Baltacı Deresi.
Geschichte Antike Óphis (griechisch „Schlange“), daraus abgeleitet Of, ist als Name der Region und des Flusses seit dem 2. Jahrhundert n. Chr. nachgewiesen. In der Tabula Peutingeriana ist die Stadt Of als Opiunte kartografiert.
Im heutigen Ortsteil Eskipazar, gelegen am Ostufer des Flusses Baltacı Deresi (in der Antike als Psychros, von altgriechisch „kalt, kühl“, bekannt), befinden sich hinter einem modernen Schulgebäude die Überreste eines massiven Tores, das von runden Türmen flankiert wird. Diese Anlage wird als spätrömisches Kastell gedeutet. Es handelt sich dabei möglicherweise um das in der Notitia dignitatum erwähnte Kastell Caene Parembole beziehungsweise um das in einem Periplus des späten 6. Jahrhunderts genannte Kali Parembole. Osmanisches Reich Die Konversion des Bezirks Of zum Islam vollzog sich nach heutigen historischen Erkenntnissen als ein schrittweiser, generationsübergreifender Prozess, der ab der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts begann und sich bis in das späte 17. Jahrhundert erstreckte. Die Bewohner standen später wegen ihrer Medrese im Ruf einer besonders dogmatischen Religionsauslegung.Thomas Alexander Sinclair: Eastern Turkey: An Architectural and Archaeological Survey. Vol. II. The Pindar Press, London 1989, S. 151
Nach den Forschungen des Anthropologen Michael Meeker war die Islamisierung kein abruptes Einzelereignis, sondern verlief allmählich und lässt sich anhand osmanischer Register nachvollziehen. Während die muslimische Bevölkerung im Jahr 1515, mehr als ein halbes Jahrhundert nach dem Fall von Trapezunt, mit 50 Haushalten (etwa 2 %) noch verschwindend gering war, wuchs sie bis 1583 auf 976 Haushalte (24 %) an.
+ Anzahl der christlichen und muslimischen Haushalte nach Sektor (Of) nach Meeker (1971) Sektor 1515 1554 1583 Christlich Muslimisch Christlich Muslimisch Christlich Muslimisch Unterer Osten 979 26 1.039 187 908 551 Oberer Osten – – 61 7 200 16 Unterer Westen 988 22 1.078 128 1.160 264 Oberer Westen 288 2 427 27 646 95 Nicht lokalisiert 97 – 124 10 201 50 Gesamt 2.352 50 2.729 359 3.115 976 Anteil Muslime 2 % 12 % 24 %
mini|Ausschnitt einer Karte von 1877, der die ursprünglichen Namen von Städten und Dörfern in der Region Of zeigt
Bemerkenswert ist, dass die christliche Bevölkerung in diesem Zeitraum insgesamt zunächst noch anwuchs und sich ab etwa 1554 unter dem beginnenden Druck zunehmend in die höher gelegenen Täler zurückzog und dort neue Dörfer gründete. Der Wandel vollzog sich durch ein Zusammenspiel aus muslimischer Ansiedlung, steuerlich-wirtschaftlichem Druck und phasenweisen Gruppenübertritten einzelner Dörfer. Im Gegensatz zur Provinzhauptstadt Trabzon, wo der osmanische Staat aus strategischen und wirtschaftlichen Gründen aktiv Muslime ansiedelte und so eine raschere Konversion der Christen erzwang, waren die Vorteile eines Religionswechsels im abgelegenen Of anfangs geringer. Im Laufe des 17. Jahrhunderts nahm der Druck jedoch zu und die Zahl der christlichen Haushalte kollabierte. Verzeichnete ein offizielles Dokument aus dem Jahr 1631 noch 441 christliche Haushalte, waren es 1673 nur noch 90. Der Bezirk wurde bis zum späten 17. Jahrhundert fast vollständig muslimisch.
Der eigentliche Treiber dieser Entwicklung war die zunehmende Integration der Region in das Osmanische Reich. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurden die ländlichen Küstengesellschaften spezifisch „imperial-muslimisch“, indem eine große Anzahl von Einwohnern (Oflus) in reguläre osmanische Truppen und irreguläre Milizen eintrat oder zu islamischen Religionslehrern und Studenten wurde.
Demgegenüber etablierte sich in der traditionellen griechischen Erinnerungskultur die Legende einer plötzlichen Massenkonversion, um diesen demografischen Wandel zu verarbeiten. Für die Christen in Trabzon war dies lange ein traumatisches Problem, das sie durch eine mythische Formel lösten. Um die Existenz einer großen muslimischen Bevölkerung mit byzantinischem Hintergrund zu erklären, entstand das Narrativ des Hochverrats. Ein prominenter christlicher Anführer habe das Christentum verraten, um sich die Gunst der osmanischen Herrscher zu sichern. In der griechischen Geschichtsschreibung spiegelt sich diese Sichtweise bis heute wider. Nach der dort vorherrschenden Auffassung vollzog sich die Islamisierung der Ofiten primär während der Regierungszeit von Sultan Mehmed IV. (1648–1687), als viele Bewohner unter dem Druck lokaler Feudalherren (Derebeys) zusammen mit ihrem Bischof Alexander die Religion gewechselt haben sollen. Laut den vom griechischen Lokalhistoriker Stavros G. Kokkinidis gesammelten Überlieferungen soll der damalige Bischof Alexandros Potouras aus Rache nach einem erbitterten Streit mit dem Metropoliten von Trapezunt zum Islam konvertiert sein, unter dem Namen İskender zum osmanischen Mufti in Trabzon aufgestiegen sein und seine Gemeinde zur Konversion gedrängt haben. Diese Überlieferung beruht jedoch auf einer chronologischen Verwechslung. Der legendäre Bischof Alexander des 17. Jahrhunderts wird fälschlicherweise oft mit dem realen osmanischen Gouverneur İskender Pascha gleichgesetzt, der bereits 1515 verstarb, also rund 150 Jahre vor den in der Legende beschriebenen Ereignissen.
Als Gegenstück zu dieser Erzählung schreibt die lokale türkische Überlieferung den aus Maraş stammenden Gebrüdern (Osman Efendi, Hasan Efendi und İlyas Efendi) eine zentrale Rolle bei der Islamisierung der Region Of zu. Demnach sollen bereits zur Zeit des Kalifen Omar zwei christliche Gelehrte aus Of für einen religiösen Disput nach Medina entsandt worden sein. Von der Bescheidenheit und Gerechtigkeit des Kalifen beeindruckt, konvertierten sie zum Islam. Statt in ihre byzantinische Heimat zurückzukehren, ließen sie sich im klimatisch ähnlichen Maraş nieder. Fast tausend Jahre später, so die Legende, seien diese Urahnen zweien ihrer Nachfahren im Traum erschienen und hätten ihnen aufgetragen, nach Of zurückzukehren, um die dortige Bevölkerung zum Islam zu führen. Die reale historische Präsenz dieser Gelehrtenfamilie weicht jedoch von der Legende ab. Zwar existieren für ihre Ankunft keine zeitgenössischen schriftlichen Belege, doch stützen Archivdokumente aus dem frühen 18. Jahrhundert ihre reale historische Präsenz als lokale religiöse Autoritäten. In den „Hurufat“-Registern von 1710/1711 ist dokumentiert, dass diese Familie vom Staat den Auftrag erhielt, die Region zu erschließen und als Imame und Leiter von religiösen Zentren (Zaviye) tätig zu sein.
Die populäre Vorstellung einer spontanen „Massenbekehrung“ durch bloße religiöse Debatten gilt in der Forschung als romantisierte Volkstradition. Haupttreiber des religiösen Wandels war ein langfristiger Anpassungsprozess der ansässigen, pontischsprachigen Bevölkerung. Verstärkt und beschleunigt wurde diese Entwicklung durch regionale Krisen, wie die Celali-Aufstände, den damit einhergehenden Abwanderungsdruck auf Teile der christlichen Bevölkerung sowie punktuelle muslimische Ansiedlungen. Die Gelehrtenfamilie der Maraşlıs fungierte dabei weniger als initiale Ursache der Konversion, sondern vielmehr als strukturgebende Kraft für die Festigung des islamischen Lebens in der neu integrierten Region. Dies deckt sich auch mit den Aufzeichnungen des osmanischen Historikers Şakir Şevket. Er hielt die Überlieferung fest, wonach rund 200 Jahre nach der osmanischen Eroberung ein Gelehrter der Maraş-Ulema namens Osman Efendi über Bayburt anreiste und die lokale Bevölkerung zum Islam führte.
Sprache und Autonomie im 19. Jahrhundert Die gemeinsame Kommunikationssprache aller Ofiten (im Türkischen Oflular, im Griechischen Oflides genannt) war unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit das Ofitisch-Pontische, eine lokale Variante der Pontischen Sprache. Dies deckt sich mit historischen Berichten aus dem 19. Jahrhundert. Der französische Konsularbeamte Victor Fontanier berichtete 1830, dass Of eine Siedlung mit rund 3000 Häusern sei, deren muslimische Bewohner ausschließlich Romeyka sprachen. Auch der osmanische Historiker Şakir Şevket hielt fest, dass Schüler, die kein Türkisch beherrschten, in den lokalen Medresen auf Romeyka unterrichtet wurden. Durch die Isolation nach der Islamisierung im 16. und 17. Jahrhundert bewahrten die muslimischen Sprecher in Of (das sogenannte ophitische Romeyka) archaische Sprachmerkmale des Altgriechischen, die bei den christlichen Pontos-Griechen durch deren andauernde Kontakte nach außen bereits verloren gegangen waren.
mini|Das Çakıroğlu İsmail Ağa Konağı im Dorf Sıraağaç (Çalek) gilt als das größte historische Sandstein-Herrenhaus der Schwarzmeerregion
Laut Fontanier stand die Region unter der Kontrolle lokaler Machthaber, während der osmanische Pascha von Trabzon dort keine reale Autorität besaß. Die Region war im frühen 19. Jahrhundert ein zentraler Schauplatz der Tuzcuoğlu-Aufstände gegen die osmanische Zentralregierung. Im Zuge dieser Unruhen flüchtete der Rebell Tuzcuoğlu Memiş Ağa in den Schutz von Çakıroğlu İsmail Ağa, wurde jedoch nach dem Ende dieses Protektorats am 26. Oktober 1817 in Of gefangen genommen und hingerichtet. Auch in den Folgejahren kam es in Of wiederholt zu bewaffneten Konflikten, so während der Aufstände von Tuzcuoğlu Abdülkadir Ağa im Jahr 1832, Tuzcuoğlu Tahir im Jahr 1833 sowie bei einer erneuten Erhebung durch Abdülkadir Ağa im Jahr 1834. Erst mit dessen Tötung im Jahr 1834 endete die Rebellion, was zu einer Phase der Stabilität in der Region führte.
Der britische Konsul James Brant stellte 1835 fest, dass sich die Bräuche der Ofiten deutlich von jenen der benachbarten Lasen unterschieden. Er schätzte ihre militärische Stärke auf 24.000 bewaffnete Männer, was deutlich mehr war als die Lasen aufbieten konnten. Brant verglich die Ofiten mit den Bewohnern der griechischen Halbinsel Mani, da sie eine stark ausgeprägte Kultur der Blutrache pflegten, die von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Mitte des 19. Jahrhunderts beschrieb der deutsche Forscher Karl Heinrich Koch die Region „Off“ als ein weitgehend autonomes Gebiet. Bei dem von Koch erwähnten lokalen „Herrn von Off“ handelte es sich nach Einschätzung des Anthropologen Michael E. Meeker um den lokalen Machthaber Çakıroğlu Memiş Ağa, den Sohn des in der Region einflussreichen Derebeys Çakıroğlu İsmail Ağa. Dieser zahlte dem Pascha von Trabzon zwar Tribut, verwehrte osmanischen Regierungsbeamten jedoch den Zutritt. Obwohl die Region von Of wegen angeblicher Räubereien im Umland gefürchtet war, erlebten Reisende die Bewohner in ihrer Heimat als äußerst gastfreundlich. Diese Unabhängigkeit von staatlichen Steuereintreibern führte laut Koch zu einem vergleichsweise hohen landwirtschaftlichen Ertrag und Wohlstand. Anmerkung: Meeker verwendet in seinen Forschungsarbeiten für die Familie das Pseudonym „Muradoğlu“. Der historische Nachweis, dass es sich bei den von ihm beschriebenen Muradoğlu um die Çakıroğlu handelt, wird erbracht in: