mini|Luftaufnahme des Heidelberger Königstuhls mit Neckar, Altstadt Heidelberg und MPI für Astronomie. mini|Nachtsicht vom Königstuhl nach Heidelberg mit dem Neckar mini|Königstuhl-Felsenmeere (Ostteil) zwischen Königstuhl und Auerhahnenkopf mini|Blick vom Neckarufer bei Neuenheim zur Königstuhl-Gipfelregion:– Fernsehturm Heidelberg (links)– Fernmeldeturm Heidelberg (rechts)– Bergstation der Heidelberger Bergbahn mini|Der ehemalige achteckige Aussichtsturm, Aufnahme von 1903. Der Königstuhl im Stadtgebiet von Heidelberg und im Rhein-Neckar-Kreis in Baden-Württemberg ist mit der höchste Berg sowohl des Kleinen Odenwaldes wie auch an der Bergstraße. Er und der Heiligenberg () sind die beiden Hausberge Heidelbergs; zwischen beiden fließt der Neckar aus dem Odenwald-Neckartal und zugleich aus dem Naturpark Neckartal-Odenwald in die westlich gelegene Oberrheinische Tiefebene ein. Überregional bekannt ist der Berg vor allem durch das auf einem unteren Hang stehende Heidelberger Schloss und die Heidelberger Bergbahn, die aus der Heidelberger Altstadt im Neckartal auf seine Gipfelregion führt.
Geographie Lage Der Königstuhl liegt im Westen des Naturparks Neckartal-Odenwald. Er liegt nach § 35 Baugesetzbuch im Außenbereich und gehört verwaltungstechnisch zum Gebiet des Stadtteils Heidelberger Altstadt, dessen bebauter Bereich sich am Nordwestfuß des bewaldeten Berges ausbreitet. Das großflächige, von Nord nach Süd über mehrere Kilometer langgestreckte Bergmassiv ist nach drei Seiten klar abgegrenzt, im Westen durch den Abfall zur flachen Oberrheinischen Tiefebene, im Norden und Nordosten durch den scharfen Taleinschnitt des Neckars und im Südosten durch den etwas geringeren der Elsenz; der nur leichte Abfall nach Süden macht dort den Übergang in die Hügellandschaft des Kraichgaus gleitend.
Der Königstuhl ist von den folgenden Ortschaften gesäumt, von denen viele Anteile an ihm haben (im Uhrzeigersinn; beginnend im Südwesten): der Stadt Heidelberg mit den Stadtteilen Emmertsgrund und Boxberg (Südwesten), Rohrbach (Westsüdwesten), Weststadt (Westen), Altstadt (Nordwesten) und Schlierbach (Norden bis Nordosten), der Stadt Neckargemünd (Osten) mit ihrem Ortsteil Waldhilsbach (Südosten), den Gemeinden Gaiberg und Bammental (Südsüdosten), der Leimener Ortsteil Lingental (Süden), der Kernstadt von Leimen und der Gemeinde Nußloch (Südsüdwesten). Auf dem Bergmassiv befindet sich, etwas südlich seines Gipfels, die zur Heidelberger Altstadt gehörende Siedlung Kohlhof. Im Bereich seiner Südausläufer liegen die zu Leimen zählenden Dörfer Gauangelloch und Ochsenbach sowie das zu Nußloch gehörende Maisbach.
Im Osten des Massivs entspringt der Kümmelbach, im Südosten der Hilsbach, weiter südlich der Weihwiesenbach und in seinen Südausläufern der Gauangelbach.
Etwa 3 km nordwestlich des Berggipfels erhebt sich jenseits des Neckars im dortigen Odenwald der Heiligenberg ().
Naturräumliche Zuordnung Das Königstuhlmassiv gehört in der naturräumlichen Haupteinheitengruppe Odenwald, Spessart und Südrhön (Nr. 14) und in der Haupteinheit Sandstein-Odenwald (144) zur Untereinheit Westlicher Kleiner Odenwald (144.1), an die sich im Norden und Osten die Untereinheit Odenwald-Neckartal (144.3) anschließt. Südöstlich grenzt die Haupteinheitengruppe Kraichgau (12) mit den Naturräumen Schwarzbachgäu (125.17) und Angelbachgäu (125.18) an. Direkt westlich liegt die Haupteinheit Bergstraße (226) mit der Untereinheit Gaisbergfuß (226.1), die zur westlich jenseits davon gelegenen Haupteinheitengruppe Nördliches Oberrheintiefland (22) überleitet.
Geologie und Buntsandstein als Baustoff Im südlich des Neckars liegenden Königstuhlmassiv stehen mächtige Schichten aus Buntsandstein an. Felsen aus diesem Gesteins rutschten in Auftauphasen zum Ende des Eiszeitalters auf Permafrostböden abwärts und bildeten an den Massivnordhängen im Übergangsbereich zum Auerhahnenkopf () oberhalb von Schlierbach zwei größere und erhaltene Blockhalden, die Königstuhl-Felsenmeere, das östliche auf etwa 270 bis und das westliche auf rund 340 bis Höhehttps://www.leo-bw.de/themen/natur-und-umwelt/naturraume/sandstein-odenwald. Stellenweise rutschten die Felsblöcke bis in das heutige Stadtgebiet von Heidelberg.Peter Sinn: Das geologische Fundament Heidelbergs – Stadtbild und Siedlungsgeschichte. In: Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt. Herausgegeben vom Heidelberger Geschichtsverein, 1997.
Aus Hanglagen des Bergmassivs wurde in mehreren Steinbrüchen Sandstein gewonnen, zum Beispiel an der Molkenkur im heutigen Teufelsloch sowie am Riesenstein. Der Buntsandstein zeigt sich aber nicht nur an Steilhängen in der Landschaft, die dessen Bänke aufschließen, sondern er prägt auch die regionale Architektur. Die in umliegenden Ortschaften aus dem Neckartäler Sandstein errichteten historischen Bauten, bekanntestes ist das Heidelberger Schloss, zeigen den charakteristischen Rotton des Gesteins.
Geschichte
Im Mittelalter war der Königstuhl wohl als Goweberg oder Govinberg bekannt.Fritz Trautz: Das untere Neckarland im frühen Mittelalter. Carl Winter Verlag, Heidelberg 1953, S. 100. Urkunden weisen im Jahr 1225 auf eine Höhenburg am Nordhang hin.Ludwig Merz: Befestigungen um Heidelberg. In : Ruperto-Carola, 1956, S. 152 Ab 1303 spricht man dann erstmals von zwei Burganlagen. Beide Burgen wurden nach ihrer topografischen Lage unterschieden, wobei die Burg an der heutigen Molkenkur als Obere Burg bezeichnet wurde, da sie deutlich höher lag als die Anlage des heutigen Heidelberger Schlosses auf dem Jettenbühl. Welche Anlage die ältere ist, lässt sich aber nicht genau sagen. Gefundene Gebäudefragmente im Heidelberger Schloss legen auch dort eine Datierung ins 13. Jahrhundert nahe.Thomas Steinmetz: Burgen im Odenwald. Brensbach 1998, S. 62 ff.
Seit dem 1. Juni 1907 ist der Königstuhlgipfel von der Heidelberger Altstadt aus mit einer Standseilbahn erreichbar.
Schutzgebiete Etwas östlich und südöstlich vom Königstuhl liegen zwei von drei Teilen des Naturschutzgebiets Felsenmeer, Russenstein, Naturpark Michelsbrunnen (CDDA-Nr. 82209; 1956 ausgewiesen; 9 ha groß). In den Südostausläufern des Bergmassivs befinden sich Teile des Landschaftsschutzgebiets (LSG) Neckartal I, Kleiner Odenwald (CDDA-Nr. 323144; 2002; 63,25 km²) und in den Südausläufern solche des LSG Bergstraße-Süd (CDDA-Nr. 344853; 2005; 27,16 km²). Auf Großteilen des Massivs liegen Bereiche des Fauna-Flora-Habitat-Gebiets Kleiner Odenwald (FFH-Nr. 6618-341; 35,6 km²). Am Südostanhang nahe Waldhilsbach liegt noch in der Heidelberger Stadtgemarkung der 1,7 km² große Schonwald Königstuhl. Am Nordhang, oberhalb der Altstadt auf Höhe der Friedrich-Ebert-Anlage, findet sich das Naturdenkmal Riesenstein.Schöttle, Manfred: Geologische Naturdenkmale im Regierungsbezirk Karlsruhe. Eine Zusammenstellung geschützter und schutzwürdiger geologischer Objekte. In: Beih. Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Bad. Württ. Band 38, 1984, Karlsruhe.LUBW Sachdaten LUBW Datenbank, abgerufen am 25. September 2022
Bergkuppen, Bergflanken und Einrichtungen Hauptkuppe Auf der Hauptkuppe mit dem Gipfel () des Königstuhls befinden sich unter anderem – mit Höhe in Meter (m) über Normalhöhennull (NHN): Radio-, Fernseh- und Richtfunk-Sendeanlagen (unter anderem mit Baujahr/-zeitraum, Bauwerks- und Standorthöhe): Fernsehturm Heidelberg des Südwestrundfunks(1958, 82 m, etwa ); diente bis 2002 auch als Aussichtsturm (Plattformhöhe 30 m), Fernmeldeturm Heidelberg der Deutschen Telekom(1958, 102 m, etwa ) Ehemaliger Fernmeldeturm der US Army(Ende der 1950er Jahre, etwa ); 2007 von der United States Army an das Land Baden-Württemberg zurückgegeben, Mikrowellenanlagen außer Betrieb, es wurde auf Glasfaser umgestellt Märchenparadies Königstuhl (etwa 560 bis ) Falknerei Tinnunculus (etwa ) Auf dem Gipfel wurde 1832 mit dem Bau eines ersten, achteckigen Aussichtsturms begonnen, der 1835 eingeweiht und an den dann 1911 außen ein Aufzug angebracht wurde.Tore, Türme, Schanzen, Masten und Befestigungen in Heidelberg südlich des Neckar. Website des Heidelberger Geschichtsverein, abgerufen am 14. April 2022. Nach Fertigstellung des Fernsehturms wurde das Bauwerk abgerissen.Manfred Bechtel: Kein Aussichtsturm mehr auf dem Königstuhl. Rhein-Neckar-Zeitung, 4. März 2022, abgerufen am 14. April 2022.Zum Standort des Bauwerks siehe diesen Stadtplan aus dem Jahre 1927.
Südsüdwestkuppe Auf der Südsüdwestkuppe des Königstuhls (), nahe der Plättleshöhe (), liegen: Max-Planck-Institut für Astronomie (MPIA) mit Haus der Astronomie (jeweils etwa ) Landessternwarte Heidelberg-Königstuhl (etwa ) Historische Gedenkstätte Leopoldstein von 1851
Flanken des Bergmassivs Auf den Massivflanken liegen unter anderem (im Gegenuhrzeigersinn): Königstuhl-Felsenmeere (Ostteil, etwa 270 bis ; Westteil, etwa 340 bis ) aus Buntsandstein-Blockhalden, auf dem Nordhang und im Übergangsbereich zum Auerhahnenkopf Teufelskanzel (etwa ), Sandstein-Felsen im Neckartal, bei Schlierbach, Nordflanke/-fuß Carl Bosch Museum Heidelberg (etwa ), im Neckartal, in Schlierbach, Nordflanke Heidelberger Schloss mit Schlossgarten Hortus Palatinus (Gartenlage: bei ), Nordwestflanke Himmelsleiter (Treppe aus 1200 Sandstein-Stufen), Nordwestflanke, zwischen Schloss und Gipfelregion Heidelberger Bergbahn (113,2 bis ), Standseilbahn, Nordwestflanke und Gipfelregion Molkenkur (frühere Kuranlage; einstiger Standort der Burg zu Berge; mit Bergbahn-Station Molkenkur, ), Nordwestflanke Arboretum I an der Sprunghöhe, Parkanlage mit ausgesuchtem Bestand verschiedenartiger Baum- und Straucharten (unter anderem mit einem Mammutbaum), Westflanke Kliniken Schmieder, Speyererhof (etwa 290 bis ), Westflanke Arboretum II am Speyererhofpark, im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts angelegte Anpflanzung exotischer Bäume (Fremdländer), Westflanke Max-Planck-Institut für Kernphysik (MPIK) (etwa 290 bis ), Südwestflanke Bierhelderhof (), altes Gehöft und heutige Gutsschänke, Südwestflanke Waldpiraten-Camp der Deutschen Kinderkrebsstiftung (etwa 270 bis ), Südwestflanke Europäisches Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL) (etwa 280 bis ), Südwestflanke Kohlhof (etwa 435 bis ), Siedlung mit nahem Aussichtsturm Posseltslust, Südflanke Rehaklinik Heidelberg-Königstuhl (etwa 450 bis ), Südflanke
Nebengipfel 1,8 Kilometer westlich des Königstuhlgipfels liegt der hohe Gaisberg (Geißberg) mit dem etwa 13 m hohen Aussichtsturm Gaisbergturm (etwa ). Der Vorberg ist Teil einer im Zusammenhang mit dem Grabenbruch der Oberrheinische Tiefebene abgesunkenen tektonischen Scholle, die Störungslinie läuft durch den hohen und zum Königstuhl überleitenden Bergsattel Sprunghöhe, an dem die Schutzhütte Sprunghöhehütte steht. Am Hang des Gaisbergs liegt der stillgelegte Buntsandsteinbruch Riesenstein mit der 1850 erbauten Aussichtskanzel (etwa ) und dem Naturdenkmal Riesenstein.
2,2 km östlich des Hauptgipfels liegt südlich von Heidelberg-Schlierbach der Auerhahnenkopf (), der mit dem Königstuhlgipfel über den hohen Bergsattel beim Hohlen Kästenbaum verbunden und durch den oberen Taleinschnitt des Neckargemünder Kümmelbachs herausmodelliert ist.
Weitere Nebengipfel im Königstuhlmassiv sind: Namenlose Erhebung () am Vorderen Schnepfenschlag, südlich der Straßenkreuzung an der Drei-Eichen-Hütte () und östlich von Heidelberg-Boxberg Hochfirst (), südlich der Weidhaushütte (etwa ) und östlich von Heidelberg-Emmertsgrund Ameisenbuckel (), mit Ehrenfriedhof Heidelberg (1933–1935 angelegt), westlich
Heidelberger Schloss