|} Die Bahnstrecke Reichenbach–Göltzschtalbrücke war eine Nebenbahn in Sachsen. Sie begann im oberen Bahnhof von Reichenbach im Vogtland an der Bahnstrecke Leipzig–Hof und führte hinab ins Göltzschtal nach Mylau, wo im Bahnhof Göltzschtalbrücke Anschluss zur Bahnstrecke Lengenfeld–Göltzschtalbrücke bestand.
Geschichte In der Frühzeit der Industrialisierung war die Wasserkraft als Energiequelle unabdingbar. In den an der Sächsisch-Bayerischen Eisenbahn gelegenen Orten Reichenbach und Mylau siedelten sich die ersten Industriebetriebe in den Tälern von Göltzsch und Raumbach an. Umso problematischer war der Transport der Produkte zu den Bahnhöfen in Reichenbach und Netzschkau, da diese fast 100 Meter über der Talsohle an der auf der Hochfläche trassierten Hauptbahn lagen.
Eine erste Petition zum Bau einer Zweigbahn richteten die Fabrikanten erstmals 1873 an die sächsische Regierung, die abschlägig beschieden wurde. Als problematisch erwies sich für den Bahnbau der enorme Höhenunterschied, der nur mittels künstlicher Längenentwicklung oder gar einer Zahnradbahn überwunden werden konnte. 1885 forderten Lengenfelder Bürger eine Bahn von Lengenfeld über Mylau ins damals Reußische, heute thüringische Greiz, welche technisch unschwierig im Göltzschtal verlaufen wäre.
1889 wurden erste Vorarbeiten für den Bau einer Strecke von Reichenbach nach Mylau durchgeführt. Es sollte weitere drei Jahre dauern, bis das Projekt vom sächsischen Landtag genehmigt wurde. Insgesamt standen drei Varianten für die Bauausführung zur Wahl. Realisiert wurde schließlich eine Trassierung, die an der Ostseite von Reichenbach ob Bf begann und über den Spitzkehrenbahnhof Oberreichenbach hinab nach Mylau führte. Dort war zunächst ein provisorischer Endpunkt nahe der Göltzschtalbrücke vorgesehen. Im August 1893 begann der Streckenbau mit dem Abriss von Häusern auf der vorgesehenen Trasse.
Der erste Spatenstich zum Bau der Strecke erfolgte am 9. Oktober 1893. Am 30. April 1895 wurde die Strecke mit einem Festakt eröffnet. Einen Tag später – am 1. Mai 1895 – wurde der planmäßige Personen- und Güterverkehr aufgenommen. Nach der Jahrhundertwende wurde die Strecke Lengenfeld–Mylau realisiert. Ab dem 16. November 1903 verkehrten die Züge von Mylau weiter bis Weißensand, ab 17. Mai 1905 dann durchgängig von Reichenbach bis Lengenfeld. Die ursprünglich geplante Weiterführung nach Greiz kam nicht mehr zustande.
Am 15. Dezember 1957 ging der spärliche Reiseverkehr auf einen Schienenersatzverkehr über. Im Güterverkehr wurde die Strecke noch bis 1970 durchgängig bedient. Offiziell wurde der Güterverkehr zwischen Reichenbach unt Bf und Göltzschtalbrücke am 26. September 1970 eingestellt, jedoch verkehrten danach noch einzelne Güterzüge bis Göltzschtalbrücke. Bis zum 27. Mai 1977 wurde Reichenbach Ost bedient, dann ruhte jeglicher Verkehr. Erst 1993 wurde dieser letzte verbliebene Abschnitt demontiert, nachdem das Gleis zwischen Reichenbach Ost und Göltzschtalbrücke in den 1970er Jahren abgebaut worden war.
Streckenbeschreibung Verlauf Ausgehend vom Bahnhof Reichenbach (Vogtl) ob Bf an der Bahnstrecke Leipzig–Hof führte die Bahnstrecke bis zum Bahnhof Reichenbach (Vogtl) Ost parallel zur Bahnstrecke Leipzig–Hof. In der Station machten die Züge „Kopf“ und fuhren nun durch Oberreichenbach in Richtung Bahnhof Reichenbach (Vogtl) unt Bf, wo Anschluss an die schmalspurige Rollbockbahn nach Oberheinsdorf bestand. Im Tal des Raumbachs und der Göltzsch führte die Trasse nach Mylau. Beim Haltepunkt Mylau Anker wurde die Bahnstrecke Lengenfeld–Göltzschtalbrücke eingebunden. Die Gleise führten zum Bahnhof Göltzschtalbrücke und endeten nach Unterquerung der Göltzschtalbrücke.
Betriebsstellen Reichenbach (Vogtl) ob Bf mini|Reichenbach (Vogtl) ob Bf, auf dem heutigen Bahnhofsvorplatz lagen früher die Bahnsteiggleise in Richtung Norden
Bereits am 31. Mai 1846 wurde in Reichenbach der erste Bahnhof zusammen mit dem Teilstück Werdau–Reichenbach der Bahnstrecke Leipzig–Hof durch die Sächsisch-Bayerische Eisenbahn-Compagnie eröffnet. Das Empfangsgebäude war ein repräsentativer dreistöckiger Bau; davor lag der überdachte Hausbahnsteig.Wilfried Rettig: Die Eisenbahnen im Vogtland – Band 1: Entwicklung, Hauptstrecken, Fahrzeuge, Bahnbetriebswerke und Hochbauten, S. 14 Der Weiterbau bis Plauen verzögerte sich durch den Bau der Göltzschtalbrücke und der Elstertalbrücke bis 1851. Erst am 15. Juli 1851 konnte mit dem Abschnitt Reichenbach–Plauen das letzte Teilstück der Strecke eröffnet werden. mini|Bahnhof Reichenbach (Vogtl) ob Bf, Bahnnebengebäude (2017) Als 1895 die Sekundärbahn nach Göltzschtalbrücke über Oberreichenbach und Mylau eröffnet wurde, erhielt der Reichenbacher Bahnhof einen zusätzlichen Bahnsteig (Gleis 7) am Ende von Gleis 4 auf Höhe der Güterabfertigung für diese Bahnstrecke. Da mit der neuen Bahnstrecke ein weiterer Bahnhof in Reichenbach entstand, wurde der große Reichenbacher Bahnhof in diesem Zuge in Reichenbach i.V. ob Bf umbenannt. Seit 1911 trägt er die heutige Bezeichnung Reichenbach (Vogtl) ob Bf, die auch nach der Stilllegung der Bahnstrecke nach Göltzschtalbrücke über Reichenbach (Vogtl) unt Bf 1970 bestehen blieb.
Das Bahnbetriebswerk wurde 1999 geschlossen. In den 2000er Jahren wurden die Gleisanlagen in großem Umfang zurückgebaut, seitdem ist Reichenbach (Vogtl) ob Bf kein Inselbahnhof mehr. Zwischen 1963 und 2012 endete in Reichenbach (Vogtl) ob Bf die Streckenelektrifizierung aus den Richtungen Leipzig und Zwickau über das Bogendreieck Werdau. Somit mussten alle Züge, einschließlich der Interzonenzüge nach Süden in Richtung Plauen oberer Bahnhof und Hof Hbf, umgespannt werden. Seit 2013 ist die Strecke durchgängig bis Hof elektrifiziert.
Reichenbach (Vogtl) Ost
Der Bahnhof Reichenbach (Vogtl) Ost wurde am 1. Mai 1895 als Haltestelle Oberreichenbach i.V. eröffnet und 1905 zum Bahnhof gewidmet. 1911 erfolgte die Umbenennung der Station in Oberreichenbach (Vogtl) und 1927 in Reichenbach (Vogtl) Ost. Der Kopfbahnhof besaß drei Gleise, sieben Weichen, eine einfache Kreuzungsweiche, einen hölzernen Güterschuppen, eine Seiten- und Kopframpe und ein Ladegleis. Über die „Oberreichenbacher Straße“ erreichte man das Ladegleis, den Güterschuppen und die beiden Rampen. Das Empfangsgebäude mit dem Freiabort und die Personenzüge hatten einen Zugang von der „Eisenbahnstraße“ aus. An der „Oberreichenbacher Straße“ existierte für die am Ort tätigen Eisenbahner ein Wohnhaus mit Nebengebäude.
Besonderheit der Station war, dass alle Züge aus den Richtungen Reichenbach (Vogtl) ob Bf und Reichenbach (Vogtl) unt Bf im Bahnhof ihre Fahrtrichtung bei der Weiterfahrt ändern mussten. In Richtung Göltzschtalbrücke war eine Bremsprobe erforderlich, da die Strecke dort ein Gefälle von 1:40 auf 150 m Länge hatte. Mit der Einstellung des Personenverkehrs auf der Bahnstrecke Reichenbach–Göltzschtalbrücke wurde der Bahnhof Reichenbach (Vogtl) Ost am 29. September 1957 zu einem Güterbahnhof gewidmet und 1962 zur Ladestelle degradiert. Nachdem 1974 der Streckenabschnitt zwischen Reichenbach (Vogtl) Ost und Reichenbach (Vogtl) unt Bf stillgelegt wurde, war die Station bis zu ihrer Schließung 1977 Endstation. Die Gleise in Richtung Reichenbach (Vogtl) ob Bf wurde im Zuge des Ausbaus der Bahnstrecke Leipzig–Hof 2012 abgebaut.
Reichenbach (Vogtl) Dittesschule mini|Ehemaliger Haltepunkt Reichenbach (Vogtl) Dittesschule (2017) Der ausschließlich dem Personenverkehr dienende Haltepunkt Reichenbach (Vogtl) Dittesschule wurde am 15. Mai 1935 in der Nähe der heute noch existierenden Dittes-Grundschule in Oberreichenbach eröffnet. Er verfügte lediglich über einen 30 m langen Bahnsteig ohne Hochbauten.
Bereits am 16. Dezember 1945 wurde die Station Reichenbach (Vogtl) Dittesschule wieder außer Betrieb genommen. Am einstigen Standort vor der Dittes-Grundschule in der „Dittesstraße“ in Oberreichenbach befindet sich heute ein Parkplatz.
Reichenbach (Vogtl) Karolinenstraße mini|Ehemaliger Haltepunkt Reichenbach (Vogtl) Karolinenstraße (2017) Der Haltepunkt Reichenbach (Vogtl) Karolinenstraße wurde am 27. August 1897 unter dem Namen Reichenbach i.V. Karolinenstraße eröffnet und 1911 in Reichenbach (Vogtl) Karolinenstraße umbenannt. Er war bis 1935 die einzige Station zwischen den Bahnhöfen Reichenbach (Vogtl) Ost und Reichenbach (Vogtl) unt Bf und diente dem Personen- und Güterverkehr. Die Station befand sich in einem in Streckenrichtung linken Gleisbogen vor dem Bahnübergang „Bachgasse“. Sie war zudem Schrankenposten und verfügte neben dem 85 m langen Bahnsteig über folgende Hochbauten in der „Unteren Dunkelgasse“: ein Empfangsgebäude, ein Wirtschaftsgebäude und ein Wagenkasten als Geräteschuppen. In der „Bachgasse“ dienten zwei Gebäude als Beamtenwohnhäuser. Diese Gebäude waren bereits vor dem Bahnbau vorhanden und wurden durch Ankauf bzw. Vertrag für die Betriebszwecke nutzbar gemacht. Die in den Jahren 1933 und 1944 als „unbesetzt“ geführte Station fiel in den Zuständigkeitsbereich des Bahnhofs Reichenbach (Vogtl) unt Bf.
Mit der Einstellung des Personenverkehrs ging der Haltepunkt Reichenbach (Vogtl) Karolinenstraße am 29. September 1957 außer Betrieb. Die Station befand sich an der Kreuzung „Karolinenstraße“/ „Bachgasse“/ „Untere Dunkelgasse“.
Reichenbach (Vogtl) Reichsstraße mini|Ehemaliger Haltepunkt Reichenbach (Vogtl) Reichsstraße, Blick Richtung Oberreichenbach (2017) Der Haltepunkt Reichenbach (Vogtl) Reichsstraße wurde am 15. Mai 1935 am südöstlichen Rand der Reichenbacher Altstadt eröffnet. Bereits seit Aufnahme des Personenverkehrs auf der Schmalspurbahn Reichenbach (Vogtl) unt Bf–Oberheinsdorf am 1. Oktober 1909 befand sich kurz hinter der Trennung der beiden Strecken der Haltepunkt Reichenbach (Vogtl) Altstadt an der schmalspurigen Rollbockbahn. Mit der Eröffnung dieser Strecke 1902 wurde das Einfahrsignal des Bahnhofs Reichenbach (Vogtl) unt Bf auf die Höhe des Schrankenpostens 3 verlegt. Das Dreischienengleis von Reichenbach (Vogtl) unt Bf lag bis zum Schrankenposten 3 vor der Haltestelle an der Reichsstraße. Während die Normalspurbahn aus Richtung Reichenbach (Vogtl) unt Bf dem Tal des Oberreichenbacher Bachs (Seifenbach) zum Bahnhof Reichenbach (Vogtl) Ost folgte, verlief die Schmalspurbahn weiter in der „Reichsstraße“ nach Oberheinsdorf. Ein 32 Meter langer Bahnsteig, der von Fahrgästen der Schmal- und der Normalspurbahn genutzt werden konnte, erleichterte das Umsteigen in die Züge der Schmalspurbahn. An Hochbauten existierte lediglich das massive Gebäude des Schrankenpostens 3. Der Bahnsteig selbst war nur mit einer Bank und dem Stationsschild ausgerüstet.
Am 29. September 1957 ging der Haltepunkt Reichenbach (Vogtl) Reichsstraße mit der Einstellung des Personenverkehrs auf der Bahnstrecke Reichenbach–Göltzschtalbrücke außer Betrieb. Der sich in unmittelbarer Nähe befindliche Haltepunkt Reichenbach (Vogtl) Altstadt der schmalspurigen Rollbockbahn nach Oberheinsdorf war bereits mit der Stilllegung der Schmalspurbahn am 4. September 1957 außer Betrieb gegangen.
Am einstigen Standort am Übergang der „Äußeren Reichsstraße“ (heute: „Reichsstraße“) in die „Innere Reichsstraße“ (heute: „Am Graben“) sind heute keine Zeitzeugen mehr vorhanden. Auf dem Gleiskörper der Rollbockbahn und des Dreischienengleises verläuft die Bundesstraße 94. Das am Raumbach gelegene Areal südlich des einstigen Haltepunkts wurde im Rahmen der Landesgartenschau 2009 in den „Park der Generationen“ umgestaltet. Das Gebäude des „Schrankenpostens 3“ wurde 2004 durch den Traditionsverein „Rollbockbahn“ e. V. originalgetreu am Standort des Rollbockbahnmuseums in Oberheinsdorf nachgebaut.Der Haltepunkt Reichenbach (Vogtl) Reichsstraße auf www.sachsenschiene.net
Reichenbach (Vogtl) unt Bf mini|Reichenbach (Vogtl) unt Bf, Empfangsgebäude (2017) mini|Reichenbach unt Bf mit dem ehemaligen Güterschuppen (rechts)