Castel Gandolfo (auch Castelgandolfo, lateinisch Castrum Gandulphi) ist eine italienische Stadt 1994 bekam Castel Gandolfo das Stadtrecht mit Einwohnern (Stand: ), die zur Metropolitanstadt Rom Hauptstadt in der Region Latium gehört.

Bekannt ist die Stadt wegen der hier befindlichen Papstresidenz, die seit dem 17. Jahrhundert den Päpsten als Sommerresidenz dient und seit 2016 als Museum allgemein zugänglich ist.

Geographie mini|links|Lage von Castel Gandolfo in der Metropolitanstadt Rom Hauptstadt

Castel Gandolfo liegt 24 km südöstlich von Rom in den Albaner Bergen oberhalb des Albaner Sees, eines Maars, das sich in der Caldera eines alten Vulkans gebildet hat. Das Gemeindegebiet erstreckt sich über eine Höhe von 155 bis

Die Gemeinde liegt in der Erdbebenzone 2 (mittel gefährdet). mini|Castel Gandolfo auf OpenStreetMap Castel Gandolfo teilt sich in vier Gebiete auf. Die Altstadt von Castel Gandolfo liegt auf dem Rand der Caldera eines erloschenen Vulkans. Der Albaner See, der zum Gemeindegebiet gehört, liegt auf dem Kratergrund, 130 m unterhalb der Stadt. Entlang des Ufers liegen Ausflugslokale und Strandbäder. Am Westhang der Caldera liegt der Stadtteil Mole mit moderner Wohnbebauung. Im Südwesten liegt um einen weiteren, heute trockengelegten Kratersee (Laghetto di Turno) der Ortsteil Pavona, der in den 1920er Jahren entstand. In ihm leben heute die meisten Einwohner der Gemeinde. Hier befindet sich auch das Gewerbegebiet. mini|zentriert|hochkant=3.0|Piazza della Libertà

Castel Gandolfo wird zu den Ortschaften der Castelli Romani gezählt und ist Mitglied der Vereinigung I borghi più belli d’Italia (Die schönsten Orte Italiens).

Die Nachbarorte sind im Uhrzeigersinn: Marino, Grottaferrata, Rocca di Papa, Albano Laziale und Rom.

Verkehr 25px Castel Gandolfo liegt 14 km von der Auffahrt Monteporzio Catone auf den Autobahnzubringer zur Autobahn A1 Autostrada del Sole entfernt. 42px Castel Gandolfo liegt an der Staatsstraße 7 Via Appia, die den Ort mit Rom verbindet. 42px Die Via Nettunense (Staatsstraße SS 207), die den Stadtteil Pavona durchquert, führt nach Anzio (41 km) ans Meer. 25px|FL4 Castel Gandolfo hat einen Bahnhof an der Regionalbahnstrecke FL4 Rom-Albano. Der Bahnhof Pavona an der Regionalbahnstrecke FL4 Rom-Velletri liegt bereits im Stadtteil Pavona von Albano Laziale.

Geschichte mini|hochkant=1.5|Garten der päpstlichen Sommerresidenz mit Überresten der Villa des Kaisers Domitian (rechts) mini|hochkant=1.5|Ansicht von Palast und Stadt aus dem Jahr 1665

Archäologische Ausgrabungen und historische Quellen lassen vermuten, dass an der Stelle des heutigen Ortes um etwa 1100 v. Chr. bis 600 v. Chr. die antike Stadt Alba Longa lag, die lange kultureller Mittelpunkt und Hauptstadt des Latinerbundes war. Alba Longa spielte in der römischen Mythologie bei der Gründung Roms eine herausragende Rolle. Die Vestalin Rhea Silvia, Tochter des Königs von Alba Longa, Numitor Silvius, eines Nachfahren des Aeneas, soll die Mutter der beiden ausgesetzten Zwillinge Romulus und Remus gewesen sein; daher gilt Alba Longa als die Mutterstadt Roms. 665 v. Chr. wurde Alba Longa jedoch von Rom zerstört.

Wegen der kühlenden Winde auf der Höhe des Kraterrandes, die den Aufenthalt im Sommer gegenüber der römischen Hitze angenehm machen (der Unterschied beträgt tagsüber etwa 4 Grad Celsius), ferner aufgrund der günstigen Lage an der Via Appia (ab 312 v. Chr. erbaut) wurden in dem Gebiet bereits in der Antike zahlreiche villae urbanae errichtet, darunter als größte die Villa des Kaisers Domitian. Sie ist der Vorgängerbau des heutigen Päpstlichen Palastes, in dessen Gärten sich noch Überreste befinden.

Im Mittelalter gehörte die Domitianvilla unter dem Namen Massa Caesariana den Grafen von Tusculum, anschließend den Rittern Gandolfi, die auf den antiken Überresten eine Burg errichteten, die nach ihnen benannt wurde. 1221 erwarben die Savelli die Herrschaft Castel Gandolfo und erweiterten die Burg später um einen Renaissancebau. 1596 wurde die Anlage aufgrund unbeglichener Schulden der Familie Savelli von der Apostolischen Kammer beschlagnahmt und in der Folge zum barocken Papstpalast umgebaut. Seit 1628 wird dieser Palazzo Pontificio (oder Palazzo Apostolico di Castel Gandolfo) von den Päpsten als Sommerresidenz genutzt. Paul V. ließ die Wasserversorgung durch ein Aquädukt wiederherstellen, das Quellwasser aus den Hügeln bei Rocca di Papa heranschafft.

mini|hochkant=1.2|Papst Clemens XIV. und der Hof verlassen Castel Gandolfo zu Pferd (1770) Im 18. Jahrhundert war Castel Gandolfo eine mondäne Sommerfrische; Goethe besuchte sie im Oktober 1787 für drei Wochen von Rom aus während seiner Italienischen ReiseGoethe, Italienische Reise, Zweiter Römischer Aufenthalt, Briefe vom 8. und 12. Oktober 1787; Bericht vom Oktober 1787. Die in der Region weilenden Damen der eleganten Gesellschaft aus Rom erhielten in Castel Gandolfo Audienzen und durften Pius VI. den Pantoffel küssen. Als 1798 die Region von französischen Soldaten besetzt wurde, schloss der Ort sich der kurzlebigen Republik von Albano an, bevor er an das ebenfalls kurzlebige Königreich Italien (1805–1814) kam, das 1805 aus der Cisalpinischen Republik Napoleons hervorgegangen war. Anschließend wurde der Kirchenstaat wiederhergestellt, jedoch 1870 endgültig aufgelöst, woraufhin Castel Gandolfo in das Königreich Italien (1861–1946) eingegliedert wurde.

1929 sicherten die Lateranverträge der Vatikanstadt die Staatlichkeit und u. a. dem Lateran und der Papstresidenz in Castel Gandolfo den Status einer exterritorialen Besitzung des Heiligen Stuhls. Papst Franziskus ließ 2016 Teile des Palastes als Museum öffnen.

Bevölkerungsentwicklung Jahr 1881 1901 1921 1936 1951 1971 1991 2001 2011 2016 Einwohner 1767 1980 2577 2955 4172 4709 6843 7930 9091 8971 Quelle: ISTAT

Politik

Milvia Monachesi (PD) wurde im Mai 2012 zur Bürgermeisterin gewählt und im Juni 2017 im Amt bestätigt. Ihr Vorgänger und Parteifreund Maurizio Colacchi amtierte von 2002 bis 2012. Bei den Wahlen 2002, 2007 und 2012 erreichte die rot-grüne Bürgerliste Arcobaleno (Regenbogen) immer die absolute Mehrheit der Sitze im Gemeinderat.Information des Innenministeriums, abgerufen am 11. Januar 2016 2017 trat die Nachfolgeliste Insieme (Zusammen) an, die 8 der 12 Gemeinderatssitze gewann.Information des Innenministeriums, abgerufen am 12. Januar 2018

Partnerstädte , die ehemalige Sommerresidenz der Päpste in der Provence auf Mauritius

Religion Die Einwohner von Castel Gandolfo gehören mehrheitlich der römisch-katholischen Glaubensgemeinschaft an. Die Stadt gehört zum Bistum Albano.Diözese Albano (italienisch), abgerufen am 20. Dezember 2015

Papstresidenz mini|zentriert|500px|Apostolischer Palast mini|Die exterritorialen Gebiete in Castel Gandolfo:1: Apostolischer Palast2: Garten der Villa Cybo3: Landgut der Villa Barberini4: Oliveto ex-Bacelli5: San Tommaso di Villanova

Castel Gandolfo beherbergt eine Residenz des Papstes, die – ebenso wie die im Vatikan – Apostolischer Palast oder auch Palazzo Pontifico genannt wird. Ursprünglich ein Sommerpalast von Kaiser Domitian, kam das Areal später an die im Frühmittelalter mächtigen Grafen von Tusculum, dann an die Adelsfamilie Gandolfi, die hier auf den antiken Überresten eine erste Burg errichtete, die nach ihnen benannt wurde, und 1221 an die Savelli, welche die Burg erweiterten und später zum Renaissanceschloss ausbauten. Dieses wurde von Papst Clemens VIII. 1596 beschlagnahmt und unter Urban VIII. (Maffeo Barberini) von 1624 bis 1629 zum frühbarocken Palast umgebaut und erweitert; planender Architekt war Carlo Maderno, an der Ausführung waren Bernini und Contini beteiligt. Seither wurde der Palast von vielen Päpsten vor allem in den Sommermonaten als Residenz genutzt; die Winter hingegen sind hier kühler als in der römischen Ebene und die hohen Räume des Palastes kaum beheizbar. Anfangs verfügte das auf steilem Kratersporn gelegene Kastell nur über einen kleinen Garten, den Giardino del Moro. Clemens XIV. erwarb daher 1773 auch die benachbarte Villa Cybo, die zwischen dem Papstpalast und der Villa Barberini liegt. Der Architekt Francesco Fontana hatte sich das Gebäude Anfang des 18. Jahrhunderts als Sommersitz errichtet; einige Jahre nach seinem Tod hatte es 1717 der Kardinal Camillo Cybo-Malaspina erworben. So konnten die Parkanlagen der Sommerresidenz erheblich erweitert werden. Clemens XIV. war ein begeisterter Reiter und unternahm in der Umgebung von Castel Gandolfo wilde Ausritte, zur Freude der Einheimischen.Vatikankenner skizziert Geschichte der Pferde im Vatikan, domradio.de, 19.10.2025

Die Päpste des 19. Jahrhunderts restaurierten den während der napoleonischen Besetzung Italiens zwischen 1798 und 1813 heruntergekommenen und leerstehenden Palast und nutzten ihn häufig bis 1870, als infolge des Risorgimento zuerst der Kirchenstaat und schließlich Rom selbst vom italienischen Königreich annektiert wurden und Pius IX. sowie seine Nachfolger sich protestierend in den Vatikan zurückzogen. Dieser Protest endete erst 1929 mit der Schaffung des Vatikanstaats durch die Lateranverträge, wodurch die Römische Frage gelöst wurde. Gemäß diesen Verträgen erhielt der Vatikan seine Eigenstaatlichkeit, und diverse andere Liegenschaften des Heiligen Stuhls, darunter der Lateranspalast und das päpstliche Landgut Castel Gandolfo, wurden zwar nicht Teil des Territoriums des Staates der Vatikanstadt, sondern blieben italienisches Staatsgebiet, welches sich im Eigentum des Heiligen Stuhls befindet. Doch wurde die Sommerresidenz (welche den Papstpalast, die Villa Cybo, die Villa Barberini, die Gärten des Belvedere sowie den Gutshof mit seiner Landwirtschaft mit einer Ausdehnung von insgesamt 55 Hektar umfasst) als exterritoriale Besitzung des Heiligen Stuhls bezeichnet. Als solche ist sie vergleichbar mit diplomatischen Missionen: Die Besitzung ist von italienischen Steuern und Enteignungen befreit, italienische Behörden dürfen sie ohne Zustimmung des Heiligen Stuhls nicht betreten, für die Sicherheit ist die Vatikanpolizei zuständig und bei Anwesenheit des Papstes zusätzlich die Schweizergarde.Lateranvertrag, Artikel 15 und Anhang II. Der Vertrag beschreibt dies als Exterritorialität, ein Begriff, der im heutigen Völkerrecht wegen seiner Missverständlichkeit nicht mehr verwendet wird. Das Landgut ist flächenmäßig etwas größer als der gesamte Vatikanstaat, der eine Ausdehnung von 44 Hektar hat.

mini|hochkant=1.3|Villa Barberini In der Folge wurde die Nutzung des Papstpalastes wieder aufgenommen. Pius XI., bekannt als „Bergsteiger-Papst“, unternahm oft Wanderungen im Umland. Er erwarb zudem die am Südende der Altstadt, unmittelbar an der Straße Viale Pio XI. gelegene Villa Barberini, deren weitläufige Parkanlagen den Garten der Villa Cybo nach Süden erweitern. Die Villa Barberini wurde für Scipione Visconti († 1630) erbaut und 1631 von Taddeo Barberini (1603–1647), Fürst von Palestrina, erworben, einem Neffen Urbans VIII., welcher zu dieser Zeit gerade den Umbau des Palastes beendet und diesen bezogen hatte. Taddeo Barberini ließ die Villa verändern sowie die Gärten und ein landwirtschaftliches Gut anlegen. Ihm folgte sein Sohn Maffeo Barberini (1631–1685), 2. Fürst von Palestrina, und diesem sein Sohn Kardinal Francesco Barberini (1662–1738), der 1706 ein neues Tor errichtete. Über seine Nichte Cornelia Costanza Barberini (1716–1797) fiel die Villa an die Familie Barberini-Colonna und 1893 an die Marchesi Sacchetti, die sich Barberini-Sacchetti nannten und auch Fürsten von Palestrina wurden.Origins of the Villa Barberini in Castel Gandolfo, villepontificie.va Die Familie veräußerte die Villa schließlich an den Heiligen Stuhl. Anschließend wurde das Piano nobile als repräsentatives Appartement für den Kardinalstaatssekretär eingerichtet, im Obergeschoss erhielt der Präfekt des Päpstlichen Hauses eine Wohnung.Pope Leo XIV's Return to Castel Gandolfo, ilmessaggero.it, 17. Juni 2025