Bad König (odenwälderisch Kinnisch, bis 1948 König, 1948–1952 Bad-König) ist eine Kurstadt im südhessischen Odenwaldkreis. Die Stadt ist ein anerkanntes Heilbad.
Geografie Nachbargemeinden Bad König grenzt im Norden an die Gemeinden Höchst und Lützelbach, im Osten und Süden an die Stadt Michelstadt sowie im Westen an die Gemeinden Brombachtal und Brensbach.
Stadtgliederung Zur Stadt gehören neben der Kernstadt Bad König die Ortsbezirke Zell, Momart, Etzen-Gesäß, Fürstengrund, Kimbach, Nieder-Kinzig und Ober-Kinzig (mit Mittel-Kinzig und Gumpersberg).
Geschichte Übersicht mini|links|Altes Schloss und Rentmeisterei „Quinticha“ ist der Name, mit dem Bad König in den Jahren 820 bis 822 urkundlich erwähnt wurde. Im Mittelalter war es ursprünglich Reichsbesitz und gehörte dann zum Besitz des Reichsklosters Fulda. Der Ort war schon im frühen Mittelalter befestigt und Mittelpunkt eines Zentgerichts und Zentamtes. Im Jahr 1477 wurde „Künnig als Chur Maintzisch Lehn“ an den Schenken Konrad von Erbach gegeben. Spätestens ab dem 16. Jahrhundert errichteten die Grafen von Erbach das Schloss Bad König im heutigen Ortskern. Mit der Erbachischen Landesteilung 1747 kam das Amt König in den Besitz der Grafen der Linie Erbach-Schönberg. Als Teil der Grafschaft Erbach gehörte der Ort zum Fränkischen Reichskreis. Zusammen mit dem Großteil der Grafschaft gelangte der Ort 1806 infolge der Rheinbundakte (Artikel 24) zum Großherzogtum Hessen. Nach Auflösung der alten Amtsstruktur 1822 fiel der Ort in den Zuständigkeitsbereich des Landgerichts Höchst, nach der Reichsjustizreform von 1877 ab 1879 in den des Amtsgerichts Höchst im Odenwald.
Im Jahr 1900 fand in Bad König die Verlobung der niederländischen Königin Wilhelmina mit Herzog Heinrich zu Mecklenburg statt. Es bestanden verwandtschaftliche Beziehungen zum Grafenhaus: Wilhelminas Mutter Emma zu Waldeck und Pyrmont war eine Schwester von Gräfin Elisabeth zu Erbach-Schönberg.
Die Anfänge als Kurbad gehen auf das 19. Jahrhundert und die Entdeckung von zwei heilsamen Quellen zurück. Im Februar 1948 wurde der Gemeinde König vom Hessischen Minister des Innern das Recht zur Führung der Ortsbezeichnung „Bad-König“ verliehen. Erst im Jahr 1948 durfte sich Bad-König „staatlich anerkanntes Bad“ nennen. Die amtliche Schreibweise wurde im Juni 1952 von „Bad-König“ nach „Bad König“ geändert. Am 10. Oktober 1980 erhielt das Odenwälder Heilbad die Stadtrechte, welche mit einem dreitägigen Festprogramm (10.–13. Oktober 1980) gefeiert wurden. Durch Neubauten nach 2000 (Odenwaldtherme und neue Wandelhalle) befindet sich das Kurzentrum in Modernisierung.
Hessische Gebietsreform (1970–1977) mini|Bad König Am 1. Oktober 1971 wurden im Rahmen der Gebietsreform in Hessen die selbständigen Gemeinden Fürstengrund, Kimbach, Momart, Nieder-Kinzig und Ober-Kinzig eingegliedert. Etzen-Gesäß und Zell kamen am 1. August 1972 hinzu.
Jüdische Gemeinde In (Bad) König bestand eine jüdische Gemeinde bis 1939. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1880 mit 100 Personen erreicht. Die Gemeinde war orthodox geprägt. Den jüdischen Familien gehörten am Ort Vieh- und Pferdehandlungen, Getreide- und Mehlhandlungen sowie Geschäfte für Manufakturwaren, Kolonialwaren, Glas und Porzellan. Die Firma J. Mannheimer hatte ein großes Geschäft für landwirtschaftliche Maschinen. Für jüdische Kurgäste bestand eine koschere Pension. Aus König stammt der spätere Rabbiner David Mannheimer (1863–1919). Er amtierte in Oldenburg (Oldb), im Großherzogtum Oldenburg als Landrabbiner von 1891 bis zu seinem Tod im Jahr 1919. Er ist auf dem jüdischen Friedhof in Oldenburg bestattet. Die 1795/97 erbaute Synagoge wurde beim Novemberpogrom 1938 schwer beschädigt und 1939 abgebrochen. 1933 lebten noch 72 jüdische Personen in der Stadt. Auf Grund höchst brutaler Szenen im Zusammenhang mit dem Novemberpogrom verließen die meisten den Ort, zumal sie seit 1939 keine Lebensmittel mehr kaufen durften. Mindestens zehn jüdische Personen aus Bad König wurden nach den Deportationen ermordet.
Politik Stadtverordnetenversammlung Für die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Bad König erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:
Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 20,4532,0936,41032,3944,21242,313 19,2516,8524,3626,6745,21245,714 ZBK Zukunft Bad König46,91341,81132,0926,67———— 7,429,427,428,724,41—— 6,2 2—————————— BL Bürgerliste Bad König——————5,82———— ————————6,222,91 GAL Grün-Alternative Liste Bad König——————————6,72 ÜWG Überparteiliche Wählergemeinschaft Bad König——————————2,41 Gesamt 100,0 27 100,0 27 100,0 27 100,0 27 100,0 27 100,0 31 Wahlbeteiligung in % 56,8 49,5 47,9 47,9 47,4 59,6 Ortsbeiräte bestehen in den Stadtteilen Etzen-Gesäß, Momart, Nieder-Kinzig, Ober-Kinzig und Zell. Fürstengrund und Kimbach haben seit der Kommunalwahl 2016 keine Ortsbeiräte.
Bürgermeister Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Magistrats, dem in der Stadt Bad König neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Stadtrat und sechs weitere Stadträte angehören.Gremien: Magistrat der Stadt Bürgermeister ist seit dem 1. Januar 2025 Frank Hofferbert (ZBK), der in der Kommunalpolitik zuletzt Stadtverordnetenvorsteher war. Er setzte sich am 9. Juni 2024 im ersten Wahlgang gegen Amtsinhaber Axel Muhn, der sich um eine zweite Amtszeit beworben hatte, bei 60,3 Prozent Wahlbeteiligung mit 61,5 Prozent der Stimmen durch.hessenschau: Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 in Bad König
Amtszeiten der Bürgermeister; Hinweis: für die Ansicht der archivierten Einzelergebnisse ggf. die Endung index.html aus der Webadresse löschen und diese dann neu laden 2025–2030 Frank Hofferbert (ZBK)Echo online, 9. Juni 2024: In Bad König siegt Frank Hofferbert im ersten Wahlgang: „Der 40-Jährige, seit Beginn der laufenden Legislaturperiode Vorsitzender der Bad Königer Stadtverordnetenversammlung, holte bei der Direktwahl am Sonntag 61,49 Prozent Zustimmung“ 2019–2024 Axel MuhnFact, 7. August 2018: Bürgermeisterwahl in Bad König: Axel Muhn tritt gegen Amtsinhaber Uwe Veith an - ZBK, 16. Februar 2024: Ressourcen bündeln, so auch beim Wahltermin: „Am 31.12.2024 endet die Amtszeit von Bürgermeister Axel Muhn. … Bürgermeister Muhn hat im November 2023 durch die Bekanntgabe seiner Kandidatur das Rennen um die Wahl eröffnet.“ 2007–2018 Uwe Veithecho-online, 9. September 2012: 1995–2006 Johann Weyrich (CDU)Herzlich willkommen in Bad König - Informationsbroschüre: „Bürgermeister (seit 01.12.1995) Johann Weyrich“ (PDF-Datei 372 KB) 1989–1995 von Hohenau (SPD) 1983–1989 Kurt Süssenberger (SPD)Fact, 30. August 2018: Leserbrief - Bad König und die vielen Bürgermeister: „Dabei bleibt mir nur Kurt Süssenberger in geschätzter Erinnerung. Ohne ihn hätte Bad König nie eine „Einfache Stadterneuerung“ oder eine Freilichtbühne bekommen und vieles wäre für Bad König nicht auf gutem Wege gewesen. … Über sein SPD-Nachfolger Von Hohenau gab es außer seinem Joggen und der dazu erforderlichen Straßenbeleuchtung, im Wiesengrund wenig zu berichten.“ 1979–1983 Hermann Krönung (SPD) (1941–1983)Dieter Reuschling, 8. Januar 2008: 100 Jahre SPD-Fraktion Hofheim a. T. 1908 bis 2008, Eine Dokumentation: „Hermann Krönung wurde zunächst von 1973 bis 1979 Bürgermeister von Usingen und danach bis zu seinem frühen Tod 1983 Bürgermeister von Bad König“ (PDF-Datei 16,9 MB) 1948–1979 Walter PröhlAnita Dickhaut, 10. Juni 2021: 102 Jahre Lebenserfahrung – Herzlichen Glückwunsch, Frau Pröhl: „Gertrud Pröhl ist noch vielen Bad Königern bekannt, da ihr Mann Walter Pröhl von 1948 bis 1979 Bürgermeister war.“
Wappen mini|100px
Flagge Am 15. August 1952 wurde der Gemeinde Bad König im damaligen Landkreis Erbach durch das Hessische Innenministerium die Führung einer Flagge in den Farben rot-weiß-rot mit Wappenbild genehmigt.
Städtepartnerschaften Bad König pflegt seit 1982 eine Städtepartnerschaft mit Argentat in der Region Nouvelle-Aquitaine im Südwesten Frankreichs. Sie wurde am 21. Mai 1982 durch die beiden Bürgermeister Pierre Celles von Argentat und Herrmann Krönung von Bad König beurkundet.
Wirtschaft und Infrastruktur Ein Wirtschaftsunternehmen ist die seit 1912 in Zell ansässige Jakob Maul GmbH. Daneben gibt es z. B. die Odenwälder Lackfabrik GmbH in der Kernstadt.
Kuranlagen und medizinische Einrichtungen Ende des 19. Jahrhunderts wurden zwei Quellen entdeckt: Eine eisen- und manganhaltige Stahlquelle und eine 32 °C warme Thermalquelle (Odenwaldquelle), ein Natrium-Calcium-Magnesium-Hydrogencarbonat-Sulfat-Chlorid-Wasser. Beide wurden zunächst für Trinkkuren verwendet.
Bad König ist seit 1948 staatlich anerkanntes Kurbad. Es befindet sich heute in Wandlung von einem herkömmlichen Kurort zu einem Wellness- und Freizeitzentrum. Zugleich ist es Rehabilitation-Therapiezentrum, verfügt über ein dichtes Netz von Ärzten und Apotheken und zwei Kliniken: Asklepios Schlossberg-Klinik (Frührehabilitation bei Hirnschädigungen), Z.F.M. Zentrum für Fernöstliche Medizin und Naturheilverfahren GmbH + Co KG.
1952 gab es die ersten Initiativen, den morastigen Wiesengrund der Mümling zu einem Kurpark umzugestalten. Unter erheblichem technischen Aufwand wurden in den 1960er Jahren zwei artifizielle Seen (seit 1991 mit Wasserfontäne), umgeben von Grünflächen und Promenadenwegen, angelegt. Der Kurpark ist heute ein erweiterter Familien-Freizeitpark mit Restaurant und Biergarten, Minigolfplatz, Freiluftschach, Bocciabahn, Kneipp’schem Wassertretbecken (1987) und Tennisplätzen sowie seit Frühjahr 2012 einem Wasserspielplatz. Es gibt organisierte Nordic Walking- und Kurparklauf Aktivitäten. Im Juli 2012 wurden 10 große Sandstein-Skulpturen verschiedener Bildhauer im Park aufgestellt.Skulpturen im Kurpark von Bad König auf skulpturenpark-odenwald.de Mit einer der Nordic Walking-Routen fällt teilweise ein 1997 angelegter Planetenweg von ca. 3 km Länge zusammen, auf dem an zehn Stationen die Sonne und die neun Planeten unseres Sonnensystems erklärt sind; die Stationen liegen im Abstand so zueinander, wie es der Konstellation im Sonnensystem entspricht. Die Erklärungstafeln für die Sonne und die inneren Planeten befinden sich dicht aufeinanderfolgend im Eingangsbereich des Kurparks, die letzte Station (Pluto) an der Grenze zum Ortsteil Zell. Zum astronomischen Didaktikprogramm im Kurpark gehören bereits seit 1987 drei Sonnenuhren, an denen die bis 1893 gültige wahre Ortszeit (WOZ), die MEZ und die Sommerzeit erklärt sind; der natürliche Mittag (Sonnenhöchststand) von Bad König (9 ° östliche Länge) ist 24 Minuten später als der für die Festlegung der MEZ auf 12:00 Uhr ausschlaggebende Mittag auf dem 15. Längengrad (Görlitzer Zeit); im Sommer ist – eine Stunde später – Sonnenhöchststand in Bad König um 13:24 Uhr (Görlitz 13:00 Uhr).
Zu den Kuranwendungen bei Muskel- und Gelenkproblemen, Stoffwechsel- und vegetativen Störungen gehörten in der Vergangenheit vor allem Kohlensäure- und Sauerstoffbäder, Unterwassermassagen, Fangopackungen und Wannenbäder; das Pendant in der Freizeit bestimmten traditionelle Heimatvorträge, Theateraufführungen, Kurkonzerte und Tanztees im Kurcafé der ehemaligen Wandelhalle. Diese Wandelhalle des Kurzentrums wurde 2010/2011 durch einen Neubau ersetzt, in dem regelmäßig Veranstaltungen stattfinden. Im gleichen Gebäude ist die Brunnenhalle untergebracht, in der das Bad Königer Heilwasser gekostet werden kann.