mini|250px|Verlauf der ehemaligen Stadtbefestigungen im heutigen Stadtbild mini|250px|Die Belagerung von 1552 war die größte Bewährungsprobe der Frankfurter Stadtbefestigung. mini|250px|Abbruch der Stadtbefestigung 1806 Die Frankfurter Stadtbefestigung war ein System von Verteidigungsanlagen der Stadt Frankfurt am Main, das vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert bestand. Um das Jahr 1000 entstand eine erste Stadtmauer, die im Wesentlichen das Gelände der Königspfalz Frankfurt einschloss. Im 12. Jahrhundert dehnte sich die Siedlung auf das Gebiet der heutigen Altstadt aus. Zu ihrem Schutz wurde die sogenannte Staufenmauer errichtet. Ab 1333 entstand nördlich der Altstadt die Neustadt, die mit einem zusätzlichen Mauerring mit fünf Stadttoren umzogen wurde. Die im 15. Jahrhundert angelegte Frankfurter Landwehr erstreckte sich um das gesamte Territorium der Freien Reichsstadt. Ab 1628 wurde die mittelalterliche Stadtmauer unter Stadtbaumeister Johann Wilhelm Dilich zu einer Sternschanzenfestung ausgebaut.

Frankfurt hielt sich seit der Niederlage in der Kronberger Fehde im Jahre 1389 konsequent aus militärischen Konflikten heraus und stützte sich auf ein Netz diplomatischer Beziehungen innerhalb und außerhalb des Reiches. Dadurch mussten sich die Stadtbefestigungen – soweit überliefert – in den fast acht Jahrhunderten ihres Bestehens nur einmal, nämlich im Juli 1552 während des Fürstenaufstandes, in einer Belagerung bewähren.

Ab dem 18. Jahrhundert waren die Befestigungsanlagen militärisch nutzlos und standen der Entwicklung der Stadt im Wege. Nicht zuletzt deswegen wurden sie 1806 bis 1818 geschleift. Sie bilden heute mit den Wallanlagen einen Grüngürtel um die Innenstadt. Noch erhalten sind sieben Türme, darunter der Eschenheimer Turm, ein etwa 200 Meter langes Stück der Staufenmauer, Reste der Landwehr sowie ein erst 2009 wieder aufgedecktes, 90 Meter langes Stück einer Kasematte der barocken Sternschanzenfestung.

Die erste Stadtmauer Königspfalz Frankfurt mini|Reste der karolingischen Pfalz Frankfurts älteste Befestigungsanlagen entstanden zum Schutz der 822 erstmals urkundlich erwähnten karolingischen Pfalz. Ihre Lage war lange Zeit nicht genau bekannt. Bis in die 1930er Jahre galt sie als Vorgängerbau des heutigen Saalhofs. Heinrich Bingemer konnte 1936 durch Grabungen beweisen, dass der Saalhof erst der Stauferzeit entstammte, und vermutete deshalb, dass die karolingische Pfalz weiter östlich lag. Tatsächlich stieß man 1953 bei archäologischen Grabungen im innersten Altstadtkern, die nach der Zerstörung der Altstadt durch die Luftangriffe auf Frankfurt am Main im Zweiten Weltkrieg möglich geworden waren, westlich des Doms im Keller der einstigen Goldenen Waage auf die Reste der Pfalz.Ernst Mack: Von der Steinzeit zur Stauferstadt. Die frühe Geschichte von Frankfurt am Main. Knecht, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-7820-0685-2, S. 121 ff.

Die Pfalz lag auf dem Domhügel, einer hochwassergeschützten Anhöhe im Osten der Altstadt. Er war ursprünglich eine Insel zwischen dem südlich verlaufenden Main und der nördlich gelegenen Braubach, einem bereits im ersten christlichen Jahrtausend verlandetenKarl Nahrgang: Die Frankfurter Altstadt. Eine historisch-geographische Studie. Verlag Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1949, S. 10 (Fußnote); nach Pollenanalysen und archäologischen Funden der Altwasserläufe von Rhein und Neckar. und im Mittelalter kanalisiertenJohann Georg Battonn: Oertliche Beschreibung der Stadt Frankfurt am Main – Band I. Verein für Geschichte und Alterthumskunde zu Frankfurt am Main, Frankfurt am Main 1869, S. 72–76; 1468 erfolgte zwecks besserer Kanalisierung eine Auskleidung mit Holzbohlen, ab 1558 die Ausmauerung und Einwölbung auf Kosten der Anwohner, wobei letztere Maßnahme erst im frühen 19. Jahrhundert vollendet war. Seitenarm. Südlich des Domhügels befand sich die Furt, der Frankfurt nicht nur den Namen, sondern überhaupt seine Existenz verdankt. Zwischen dem Domhügel und dem westlich davon gelegenen Karmeliterhügel zog sich eine sumpfige Niederung quer über den heutigen Römerberg zum Main hinab.

Bis in das frühe 20. Jahrhundert hinein galt als unstrittig, dass das karolingische Frankfurt nicht nur den Domhügel, sondern auch den Karmeliterhügel umfasste, also das südwestliche Viertel des heutigen Stadtteils Altstadt. Diese Annahme stützte sich auf die bereits genannte These, dass die Pfalz ein Vorgängerbau des Saalhofs war, und so genau in der Mitte der ersten Befestigung gelegen hätte. Entsprechend zeigt es dann auch ein Plan des Geographen Christian Friedrich Ulrich aus dem ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts, in dem die angeblich ältesten Stadtgrenzen und zugleich der mutmaßliche Verlauf der ältesten Stadtmauer eingetragen war.

Die Mauer wäre demnach vom Ufer etwas oberhalb der heutigen Alten Brücke nach Norden den Wollgraben entlang bis zum späteren Dominikanerkloster verlaufen. Von dort hätte sie nach Westen dem Verlauf der heutigen Braubachstraße und Bethmannstraße gefolgt und wäre kurz vor dem westlichen Ende der heutigen Weißfrauenstraße wieder Richtung Süden zum Main hin abgeknickt, wo sie am Ufer entlang wieder am östlichen Ausgangspunkt angeschlossen hätte.

Erkenntnisse der Archäologie Geschichte der Grabungen mini|Mauerstück an der Braubachstraße mit deutlich erkennbarem Fischgrätenmauerwerk („opus spicatum“), 1904 Als 1827 bei der Erbauung des Dompfarrhauses am nördlichen Domplatz, später auch in den Kellern mehrerer Häuser im westlichen Altstadtgebiet vermeintliche Reste der Mauer zum Vorschein kamen, sah man die von Ulrich vorgegebene Vorstellung der frühmittelalterlichen Befestigung noch bestätigt. Erst beim Durchbruch der Braubachstraße durch die Altstadt 1904 bis 1906 konnten jedoch planmäßig umfangreiche Grabungen auf wissenschaftlicher Grundlage durchgeführt werden. Dem vom Historischen Museum beauftragten Architekten Christian Ludwig Thomas war es möglich, in über 50 Grabungsschächten entlang der neuen Straße den nördlichen und nordwestlichen Zug der Mauer nachzuweisen.Christian Ludwig Thomas: Der nordwestliche Zug der ersten Stadtmauer von Frankfurt a. M. In: Einzelforschungen über Kunst- u. Altertumsgegenstände zu Frankfurt am Main. Band 1 (mehr nicht erschienen), Verlag von Joseph Baer, Frankfurt am Main 1908, S. 163.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg beschäftigten sich in den Jahren 1953 bis 1955 wieder Archäologen mit der Stadtmauer im Bereich des einstigen Hauptzollamtes (heute Haus am Dom).Magnus Wintergerst: Franconofurd. Band I. Die Befunde der karolingisch-ottonischen Pfalz aus den Frankfurter Altstadtgrabungen 1953–1993. In: Egon Wamers, Archäologisches Museum Frankfurt im Auftrag des Dezernats Kultur und Wissenschaft (Hrsg.): Schriften des Archäologischen Museums Frankfurt 22/1. Archäologisches Museum Frankfurt, Frankfurt am Main 2007, S. 96. Der Nachweis über Teile des südlichen (also entlang des Mains) und ein kleines Stück des westlichen Verlaufs unter der Saalgasse konnte im Zuge der Untersuchungen von Otto Stamm auf dem Gebiet des Saalhofs in den Jahren 1958 bis 1961 erbracht werden.Otto Stamm: Der königliche Saalhof zu Frankfurt am Main. Sonderdruck aus den Schriften des Historischen Museums Frankfurt am Main XII, Verlag Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1966, S. 16; vgl. auch Beilage 2. Die bisher letzte auf die Mauer gerichtete Grabungen fand 1976 erneut auf dem Grundstück des Dompfarrhauses statt. Untersuchungen zwecks Nachweises des südöstlichen und östlichen Verlaufs gab es bisher nicht. Auch erlaubte die vermutlich durch die Bautätigkeit des Mittelalters im Bereich des Römerbergs stark gestörte und durch den Bau der Tiefgarage in den 1970er Jahren schließlich vernichtete Stratigraphie nur sehr spärliche Rückschlüsse auf den Verlauf an dieser Stelle.

Befunde und heutiger Forschungsstand mini|links|Schnittbild der Mauer nach Thomas, 1904 Das deutlichste Bild zeichnen die Befunde vom Erscheinungsbild und der Zusammensetzung der Mauer.Christian Ludwig Thomas: Die erste Stadtmauer von Frankfurt a. Main. In: Bericht über die Fortschritte der römisch-germanischen Forschung. Band 1, Verlag von Joseph Baer, Frankfurt am Main 1904, S. 75–78. Sie war im Mittel etwa zwei Meter dick wie hoch, auf der südlichen Schauseite zum Main betrug die Dicke – wohl aus rein psychologischen GründenWintergerst, S. 98. – sogar drei Meter, in den Befundkatalogen wird sie hier deshalb oft als „Dreimetermauer“ aufgeführt. Das Verteidigungswerk bestand aus Geröllen, grob behauenen Bruchsteinen, teils aber auch besser gearbeiteten Werkstücken aus Basalt und Vilbeler Sandstein, die wohl dem Abbruch römischer Hochbauten entstammten. Das Material war recht unbeholfen und überhaupt nur auf den Schauseiten planmäßig in einem fischgrätenartigen Verbund aufeinandergeschichtet, der Mörtel von äußerst geringer Qualität, im Grunde nur mit Pflanzenfasern und Tierhaaren vermischter Lehm. Laut Thomas war die Fundamentierung so mangelhaft, dass die Mauer noch zu Zeiten, als sie nicht vom Zivilisationsschutt überdeckt war, um bis zu 30 Zentimeter aus der Lotrichtung kippte. Stellenweise deckte er auch spätere Reparaturen mit besserem Mörtel auf, was die Bedeutung der Mauer dokumentiert, wollte man sie doch offenbar trotz ihrer schwerwiegenden baulichen Mängel erhalten.

Bezüglich der Datierung ergeben die Befunde alleine schon ein weniger eindeutiges Bild. Thomas datierte die Mauer noch aufgrund im näheren Umfeld gefundener Zivilisationsreste, vor allem aber sogenannter Pingsdorfer Keramik, die man in dieser Zeit für karolingisch hielt, in das 9. Jahrhundert und schrieb die Bauherreneigenschaft Ludwig dem Deutschen zu.Thomas 1904, S. 77. Bei der Grabung 1976 konnte eine Becherkachel aus grober Glimmerware in einer Grube unter der Mauer geborgen werden. Becherkacheln kommen gegen Ende des 10. Jahrhunderts auf, und auch die bereits genannte Pingsdorfer Keramik wird heute tendenziell erst in die Zeit ab 900 gesetzt, so dass zumindest die bisher gemachten archäologischen Befunde eher für eine Stadtmauer der späten ottonischen denn der karolingischen Epoche sprechen. Dazu kommt allerdings noch eine Urkunde aus dem Jahr 994, die die Stadt erstmals als castello, also Burg bezeichnet,Johann Friedrich Boehmer, Friedrich Lau: Urkundenbuch der Reichsstadt Frankfurt. Band I 794–1314, J. Baer & Co, Frankfurt am Main 1901–1905, S. 10 u. 11, Urkunde Nr. 14. was die Existenz einer Stadtmauer zu diesem Zeitpunkt nahelegt und sich hervorragend mit dem Ergebnis der archäologischen Untersuchungen deckt.Wintergerst, S. 95 und 98.

mini|Toranlage in der Borngasse, 1906 Der Verlauf der Mauer ist aufgrund der zahlreichen Grabungen der Jahrhundertwende und der für archäologische Verhältnisse damals noch luxuriösen Situation, in völlig ungestörten Kulturschichten graben zu können, im Nordwesten am besten dokumentiert. Die Verteidigungsanlage erstreckte sich in einer nahezu geraden Linie vom Hainer Hof nördlich der Kannengießergasse bis hin zu einer von Thomas aufgedeckten, 1,10 Meter breiten Toranlage im Bereich der Borngasse. Von hier erstreckte sie in gerade Richtung weiter zum Steinernen Haus und knickte dann wider Erwarten scharf Richtung Römerberg ab.