Brunfelsia ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae). Es sind ausdauernde Pflanzen, die meist als Sträucher, gelegentlich als kleine Bäume oder nur selten auch als Lianen wachsen. Die 46 Arten sind in die drei Sektionen Brunfelsia (22 Arten), Franciscea (18 Arten) und Guianenses (6 Arten) eingeteilt, die sich sowohl in der Verbreitung als auch in den Merkmalen deutlich unterscheiden. Molekulare Daten zeigen aber, dass nur zwei Sektionen natürlich (monophyletisch) sind, nämlich die karibische Sektion „Brunfelsia“ und eine gemeinsame Sektion für alle südamerikanischen Arten. Die Sektion Brunfelsia kommt ausschließlich auf den Westindischen Inseln vor und besitzt die im Verhältnis zum Kelch größte Kronröhre. Die Blüten der in Südamerika weit verbreiteten Sektion Franciscea besitzen eine deutlich ausgeprägte Verdickung am Übergang zwischen Kronröhre und Kronsaum. Die Sektion Guianenses kommt im Norden Südamerikas vor und besitzt die kleinsten Blüten innerhalb der Gattung. Bei vielen Arten verblasst die Krone während der Blütezeit, so dass es scheint, als würde die Pflanze in zwei Farben blühen, weshalb einige Arten auch als Zierpflanzen genutzt werden. Von vielen Arten ist auch eine ethnomedizinische Nutzung bekannt.

Beschreibung Vegetative Merkmale Habitus mini|Habitus von Brunfelsia pauciflora in Kultur

Die meisten Brunfelsia wachsen als Sträucher, nur einige Arten auch als kleine Bäume. Innerhalb der Sektion Brunfelsia erreichen die Arten typischerweise Wuchshöhen von 2 bis 3 m, jedoch können Brunfelsia jamaicensis, Brunfelsia americana und Brunfelsia lactea auch 10 bis 12 m hoch werden. Die Arten der Sektionen Franciscea und Guianenses werden meist 1 bis 3 m hoch, jedoch gibt es auch hier größere Arten. So wird Brunfelsia grandiflora als Baum durchschnittlich 4 bis 5 m hoch, einige Sammlungen sollen aber auch von bis zu 10 m hohen Bäumen oder genauso langen lianenartigen Pflanzen stammen. Die Art mit der geringsten Wuchshöhe ist Brunfelsia latifolia, die bereits mit einer Höhe von 30 cm blüht und nur selten eine Höhe von 1 m erreicht.

Die Arten bilden entweder einen Hauptstamm aus oder sind nahe der Basis mehr oder weniger stark verzweigt. Gelegentlich können so unter anderem bei den Arten Brunfelsia australis, Brunfelsia grandiflora und Brunfelsia brasiliensis zwei oder drei Hauptstämme entstehen. Bei den kultivierten Formen von Brunfelsia nitida, Brunfelsia undulata und Brunfelsia australis bilden sich um den Hauptstamm oftmals Wurzelschösslinge, wodurch eine große Anzahl an Klonen entsteht.

Die Verzweigung der Pflanzen erfolgt sympodial. In der Sektion Brunfelsia werden oftmals nur einige, lange und rutenförmige Zweige gebildet, an deren Ende nur wenige Laubblätter stehen. In den Sektionen Franciscea und Guianenses sind die Zweige verworrener und abgespreizt, im Alter biegen sie sich oft nach unten.

Wenn eine endständige Knospe nicht austreibt, übernehmen seitenständige Knospen knapp unterhalb der Triebspitze das Wachstum. Selten können neue Triebe auch aus den Achseln der Tragblätter der Blütenstände entstehen. An neuen Trieben werden zunächst einige Vorblätter gebildet, die nach und nach in reguläre Laubblätter übergehen.

Laubblätter mini|Blattspreite von Brunfelsia pauciflora

Die Laubblätter stehen wechselständig in einer 5/13-Phyllotaxis, entweder gleichförmig entlang der Zweige verteilt oder in dichten Gruppen an der Zweigspitze. Selten stehen sie durch eine Verkürzung der Internodien beinahe quirlförmig. Dies tritt beispielsweise bei den Arten Brunfelsia mire, Brunfelsia hydrangeiformis und Brunfelsia rupestris auf.

Die Blattstiele sind im Vergleich zu den Blattspreiten mit einer Länge von nur 1 bis 10 mm verhältnismäßig kurz. Der Querschnitt der Stiele ist halbkreisförmig bis rinnig, oftmals entstehen im Alter oder beim Trocknen Querrisse und -furchen.

Die Blattspreiten sind bei allen Arten ganzrandig und nicht geteilt, jedoch bestehen große Unterschiede in Form und Größe. Die Form ist meist entweder elliptisch bis lanzettlich oder umgekehrt eiförmig bis umgekehrt lanzettlich; selten treten auch spatelförmige, eiförmige, linealische oder linealisch-lanzettliche Blattformen auf. Einige Arten wie Brunfelsia uniflora, Brunfelsia americana oder Brunfelsia lactea haben selbst an einer Pflanze eine große Variabilität der Blattformen, bei Brunfelsia portoricensis und Brunfelsia densifolia treten starke Unterschiede zwischen den Blättern junger und älterer Pflanzen auf. Die Spitze der Blätter kann stumpf, spitz oder zugespitzt sein. Die Spitzen von Arten, die wie Brunfelsia grandiflora, Brunfelsia macrocarpa, Brunfelsia chocoensis und Brunfelsia amazonica vor allem in feuchten, tropischen Wäldern wachsen, sind zugespitzt und zu einer Träufelspitze modifiziert.

Die Größe der Blätter variiert zwischen 1 und 30 cm in der Länge sowie 0,1 und 1 cm in der Breite. Dabei kann auch die Blattgröße innerhalb einer Art abhängig von Umgebungsbedingungen wie Licht und Feuchtigkeit stark schwanken. So können die Blätter von Brunfelsia grandiflora zwischen 6 und 23 cm lang werden. Die Beschaffenheit der Blätter ist meist fest-häutig bis nahezu ledrig, sie fühlen sich weich und gummiartig an. Auch dickere, lederartige und glänzende Blätter treten bei einigen Arten und Varietäten auf, so zum Beispiel bei Brunfelsia splendida, Brunfelsia dwyeri, Brunfelsia obovata var. coriaceae oder Brunfelsia rupestris. Auch einige Bestände von Brunfelsia uniflora und Brunfelsia brasiliensis, die an ungewöhnlich trockenen oder ungeschützten Standorten wachsen, bilden ledrige Blätter aus.

Die Blätter sind auf der Oberseite hell- bis dunkelgrün gefärbt, die Unterseite ist etwas heller. Bei Brunfelsia pilosa, Brunfelsia plicata und Brunfelsia undulata tritt an jungen Trieben eine dunkelviolette Pigmentierung auf, die auf Anthocyanine zurückzuführen ist. Die Blattadern sind auf der Blattoberseite kaum hervorgehoben, treten aber auf der Unterseite deutlich hervor. Auf jeder Blatthälfte gehen von der Hauptader drei bis zwölf Nebenadern fiederig ab, nahe dem Rand münden benachbarte Nebenadern wieder ineinander. Die Zwischenadern sind fein netzartig und können undeutlich ausgeprägt oder leicht hervortretend sein. Eine Besonderheit bildet Brunfelsia hydrangeiformis, bei der auf der Oberseite die Mittelrippe, die Nebenadern und die größeren Zwischenadern in schwache Furchen eingebettet sind und dadurch eine sehr unregelmäßige Oberflächenstruktur bilden.

Wurzeln Sämlinge und junge Pflanzen besitzen diffus verzweigte Wurzeln, jedoch bildet sich bei älteren Pflanzen oftmals eine starke Pfahlwurzel aus. Besonders deutlich ausgeprägt ist diese Pfahlwurzel bei einigen Vertretern der Sektion Brunfelsia, die vor allem auf felsigem Untergrund wachsen. Bei einigen Arten der Sektion Franciscea ist die Hauptwurzel mehr oder weniger stark verzweigt.

Behaarung Die meisten Arten der Gattung sind überwiegend unbehaart. Oftmals sind junge Laubblätter und die Blütenknospen leicht flaumig behaart, verkahlen aber im Alter. Bei behaarten Arten befinden sich die Trichome (Pflanzenhaare) vor allem an den Zweigen, Laubblättern, Blütenstielen, Blütenkelch und der Kronröhre. Die Arten der Sektion Guianenses sind bis auf gelegentlich auftretende drüsige Trichome an Blatt- und Blütenstielen unbehaart. Unverzweigte, mehrzellige, drüsige oder nichtdrüsige Trichome kommen sowohl in der Sektion Brunfelsia als auch Franciscea vor, innerhalb der Sektion Brunfelsia können sich auf den Laubblättern auch verzweigte Trichome befinden. Bei einigen Arten ist die Stärke der Behaarung von Umweltbedingungen wie Wasserangebot abhängig, bei anderen Arten ist die unterschiedliche starke Behaarung als diagnostisches Merkmal zur Einteilung in Unterarten tauglich. Nur in wenigen Fällen ist die Behaarung auch diagnostisches Merkmal auf Artebene.

Blütenstände Die Stellung der Blütenstände der Brunfelsia variiert je nach Art zwischen ausschließlich endständig, ausschließlich achselständig oder gemischt end- und achselständig. Die Blütenstandsform ist ein Wickel, der jedoch auch reduziert oder abgewandelt sein kann.

Die nicht reduzierten oder abgewandelten Blütenstände haben folgenden Aufbau: Eine einzelne Blüte steht terminal an der Hauptachse des Blütenstandes. Unterhalb dieser Blüte stehen ein bis drei (nur selten auch mehr) kleine, laubblattähnliche Hochblätter, in deren Achseln je eine Knospe steht. Aus einem oder mehreren dieser Hochblätter, die damit zu Tragblättern werden, entspringen die Nebenachsen des Blütenstandes. Diese sind meist stark reduziert und tragen eine einzelne terminale Blüte und unter dieser zwei sehr kleine Vorblätter. Die Nebenachsen stehen jeweils im rechten Winkel zu ihren Tragblättern. In höheren Verzweigungsordnungen entspringt nur noch aus einem der zwei Vorblätter eine weitere Nebenachse, wobei die Verzweigung abwechselnd nach links und rechts erfolgt. Ältere Blütenstände bilden so bei einigen Arten, beispielsweise bei Brunfelsia grandiflora und Brunfelsia latiflora, zickzack-förmige Muster.

Die verbreitetste Blütenstandsform innerhalb der Gattung ist ein kompakter, aufsitzender Wickel mit wenigen Blüten und stark reduzierten Nebenachsen. Bei einigen Arten ist die Reduzierung der Nebenachsen so stark, dass sie nicht klar auszumachen sind und die Blüten dicht zusammenstehen. Brunfelsia grandiflora und Brunfelsia brasiliensis bilden offene und lockere Blütenstände, in denen die Achsen unterschiedlich stark verlängert sein können. Bei einigen Arten bestehen die Blütenstände nur aus einer einzigen Blüte, so beispielsweise bei Brunfelsia americana, Brunfelsia dwyeri, Brunfelsia macrocarpa und Brunfelsia uniflora, bei anderen aus ein bis drei Blüten, zum Beispiel bei Brunfelsia pilosa, Brunfelsia australis, Brunfelsia cuneifolia und Brunfelsia rupestris.

Blüten mini|Blüten von Brunfelsia uniflora

Die zwittrigen Blüten der Brunfelsia-Arten sind gestielt. Sie sind leicht zygomorph, was je nach Art am Kelch, der gebogenen Kronröhre, dem unregelmäßigen Kronsaum oder den zwei unterschiedlich geformten Staubblattpaaren zu sehen ist. Die größten Blüten kommen in der Sektion Brunfelsia vor, sie sind vor allem am Abend stark duftend. Etwas kleinere und nicht duftende Blüten besitzt die Sektion Franciscea. Die kleinsten Blüten kommen innerhalb der Sektion Guianenses vor, diese sind wiederum duftend.

Kelch mini|Illustration des Kelches von Brunfelsia brasiliensis

Der Kelch besteht aus fünf miteinander verwachsenen Kelchblättern. Er ist entweder radiärsymmetrisch oder leicht zygomorph, röhren- oder glockenförmig und oft etwas erweitert. Der Querschnitt ist meist rund, bei den Arten Brunfelsia obovata, Brunfelsia boliviana, Brunfelsia cuneifolia und Brunfelsia nitida ist der Querschnitt am Ansatz der Kelchzähne fünfeckig und darüber konkav gebogen. Die Länge variiert zwischen 3 und 35 mm. Innerhalb der Sektion Brunfelsia ist der Kelch im Vergleich zur Kronröhre sehr kurz, in den Sektionen Franciscea und Guianenses erreicht er etwa die Hälfte der Länge der Kronröhre. Bei Brunfelsia pauciflora und Brunfelsia hydrangeiformis können beide sogar genau so lang werden. Die Farbe ist meist ein helles Grün bis hin zu gelblichen (Brunfelsia undulata, Brunfelsia grandiflora) oder violetten Tönen (Brunfelsia pilosa, Brunfelsia jamaicensis).

Die Kelchzähne sind dreieckig, eiförmig oder lanzettlich. Innerhalb der Sektion Brunfelsia ist die Spitze zum Teil stumpf und bewimpert. In den Sektionen Franciscea und Guianenses sind sie zugespitzt oder spitz zulaufend, die Wimpern sind zurückgebildet oder fehlen ganz.