Abū Lailā Kaʿb ibn al-Aschraf (,Zu seiner Kunya, vgl. Fuat Sezgin: Geschichte des arabischen Schrifttums. Band 2. Brill, Leiden 1975, S. 296 (online). gest. 624/625Zum Todesdatum siehe unten und dortige Quell- und Literaturverweise.) war ein Dichter, Stammesoberhaupt (Saiyid), Reiter (Fāris)Vergleichbar, allerdings nicht gleichzusetzen mit dem europäischen Ritterbegriff. Siehe Bernard Lewis: Fāris. In: The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Band 2. Brill, Leiden 1991, S. 800. sowie ein Widersacher Mohammeds in Medina,Fuat Sezgin: Geschichte des arabischen Schrifttums. Band 2. Brill, Leiden 1975, S. 296 (online). Vgl. Régis Blachère: Histoire de la Littérature Arabe des Origines a la Fin du XVe Siècle de J.-C. Band 2. Adrien-Maisonneuve, Paris 1964, S. 311: der auf dessen Geheiß ermordet wurde.Uri Rubin: The Assassination of Kaʿb b. al-Ashraf. In: Oriens. Band 32, 1990, S. 65.

Leben Über Kaʿbs Leben vor der Hidschra geht aus den vorliegenden Quellen wenig hervor. Sein Vater, dessen Name unterschiedlich mit Saʿd ibn Aswad bzw. Aswadān angegeben wird, soll einst nach Yathrib zur Begleichung einer Blutschuld gekommen sein, wo er Kaʿbs Mutter – ʿUqaila bint Abī l-Huqaiq – geheiratet haben soll.Werner Caskel: Ǧamharat an-Nasab. Das genealogische Werk des Hišām ibn Muḥammad al-Kalbī. Band 2. Brill, Leiden 1966, S. 363. Zwar war sein Vater ein Araber aus dem Stamm der Taiyi',Ein ursprünglich südarabischer Stamm, der in den Norden zum Dschabal Schammar in der Gegend um Ha'il migriert war. Siehe Irfan Shahîd: Ṭayyiʾ or Ṭayy. In: The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Band 10. Brill, Leiden 2000, S. 402b. doch galt Kaʿb wegen seiner jüdischen Mutter als ein Mitglied der Banū n-Nadīr. Nach dem frühen Tod seines Vaters erzog sie ihn als Jude und Mitglied ihres Stammes.Siehe Richard Gottheil, Hartwig Hirschfeld: Ka'b al-Ashraf. In: Jewish Encyclopedia. Band 7. Funk & Wagnalls Company, New York / London 1904, S. 400 (online). Vgl. William Montgomery Watt: Kaʿb b. al-Ashraf. In: The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Band 4. Brill, Leiden 1997, S. 315 (). Unter den Banū n-Nadīr genoss er hohes Ansehen und galt als einer ihrer Anführer.Hannah Rahman: The Conflicts Between the Prophet and the Opposition in Madina. In: Der Islam. Band 62, 1985, S. 281. Vgl. Régis Blachère: Histoire de la Littérature Arabe des Origines a la Fin du XVe Siècle de J.-C. Band 2. Adrien-Maisonneuve, Paris 1964, S. 311.

Frants Buhl bezeichnet ihn als einen begeisterten Verfechter des JudentumsSiehe seinen Artikel Kaʿb b. al-Ashraf in: E. J. Brill’s First Encyclopaedia of Islam. 1913–1936. Band 4. Brill, Leiden 1993, S. 583 (online): . und verweist dahingehend auf das Gedicht eines jüdischen Poeten namens Sammāk:

Zugleich gehen aus den Quellen keinerlei weiteren Hinweise auf eine rabbinische Tätigkeit Kaʿbs hervor, sodass hierbei von einer Fälschung bzw. Verwechslung – möglicherweise mit Kaʿb al-Ahbār – auszugehen ist.Alfred Guillaume: The Life of Muhammad. A Translation of ibn Isḥāq’s Sīrat Rasūl Allāh. Oxford University Press, Oxford 2004, S. 442, Anm. 1 (): Vgl. William Montgomery Watt: Kaʿb b. al-Ashraf. In: The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Band 4. Brill, Leiden 1997, S. 315 ():

Als Dichter wurde er geschätzt – so bezeichnet Abū l-Faradsch al-Isfahānī ihn als eine hervorragende und sprachbegabte Persönlichkeit (Faḥl faṣīḥ, wörtlich: „wortgewandter Hengst“).al-Iṣfahānī: Kitāb al-Aġānī. Band 19–20. Dār Ṣaʿb, Beirut 1980, S. 106. Gedichte Kaʿbs sind unter anderem bei al-Wāqidī,John Marsden Beaumont Jones (Hrsg.): The Kitāb al-Mag̲h̲āzī of al-Wāqidī. Band 1. Oxford University Press, London 1966, S. 185 f. at-TabarīMichael Jan de Goeje (Hrsg.): Annales auctore Abu Djafar Mohammed Ibn Djarir at-Tabari (Annalen at-Tabarīs). Band 1 (3). Brill, Leiden 1885, S. 1369 (online). und in der Prophetenbiographie Muhammad ibn Ishāqs in der Rezension ʿAbd al-Mālik ibn HischāmsFerdinand Wüstenfeld (Hrsg.): Das Leben Muhammeds. Nach Muhammed Ibn Ishāk, bearbeitet von Abd el-Malik Ibn Hischām. Band 1. Dieterichsche Universitäts-Buchhandlung, Göttingen 1859, S. 548–550 (). überliefert.Siehe auch Joseph Hell (Hrsg.): Muhammad ibn Sallâm al-Ǧumahî. Die Klassen der Dichter. Brill, Leiden 1916, S. 71 f. Vgl. Muḥammad ibn ʿImrān al-Marzubānī: Muʿǧam aš-Šuʿarāʾ. Dār al-Kutub al-ʿIlmīya, Bairūt 1982, S. 343.

Seine Festung, das Ḥiṣn Kaʿb ibn Ašraf, ist bis in unsere Zeit erhalten und stellt eine der beiden einzigen noch verbliebenen Festungen des antiken Yathrib dar.Michael Lecker: Muslims, Jews & Pagans. Studies on Early Islamic Medina. Brill, Leiden / New York / Köln 1995, S. 56, Anm. 19. Vgl. Muhammad Hamidullah: The Battlefields of the Prophet Muhammad. Kitab Bhavan, Neu-Delhi 1992, S. 105 ().

Konflikt mit Mohammed Kaʿbs Protest gegen Mohammeds neuen Markt mini|Übersicht aller Unterstämme der Ḫazraǧ Die Auseinandersetzung zwischen Kaʿb und Mohammed geht auf dessen Versuch zurück, in Medina einen Markt einzurichten, der den schon vorhandenen Markt der Banū Qainuqāʿ ersetzen bzw. in Konkurrenz dazu stehen sollte.Meir Jacob Kister: The Market of the Prophet. In: Journal of the Economic and Social History of the Orient Band 8, 1965, S. 272–276 (online). Vgl. Hannah Rahman: The Conflicts Between the Prophet and the Opposition in Madina. In: Der Islam. Band 62, 1985, S. 281. Nach einem Bericht im Geschichtswerk as-Samhūdīs (gest. 1506)Zu as-Samhūdī siehe Carl Brockelmann: Geschichte Der Arabischen Litteratur. C. F. Amelangs, Leipzig 1909, S. 204 () sowie Clifford Edmund Bosworth: al-Samhūdī. In: The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Band 8. Brill, Leiden 1995, S. 1043a. hatte Mohammed auf einer freien und unbewohnten Fläche eines früheren Friedhofs auf dem Gebiet der Banū Sāʿida, eines Clans der Chazradsch, ein Zelt aufgeschlagen und dieses als künftigen Markt der Muslime designiert.Francis Edward Peters: Muhammad and the Origins of Islam. State University of New York Press, Albany 1994, S. 197 f. (online). Vgl. Michael Lecker: Glimpses of Muḥammad’s Medinan decade. In: Jonathan E. Brockopp (Hrsg.): The Cambridge Companion to Muḥammad. Cambridge University Press, New York 2010, S. 72 (online). Daraufhin sei Kaʿb in das Zelt eingetreten und hätte dessen Seile abgetrennt, so dass Mohammed den Markt an einer anderen Stelle errichtete.as-Samhūdī: Wafāʾ al-Wafā bi-Aḫbār Dār al-Muṣṭafā. Band 3. Al-Furqān Islamic Heritage Foundation, London 2001, S. 82 (). Deutsche Übersetzung bei Ferdinand Wüstenfeld: Geschichte der Stadt Medina. Dieterichsche Universitäts-Buchhandlung, Göttingen 1860, S. 118 f. (online). Englische Übersetzung bei Meir Jacob Kister: The Market of the Prophet. In: Journal of the Economic and Social History of the Orient Band 8, 1965, S. 273 (online).

Poetischer Schlagabtausch Kaʿbs Ermunterung der Quraisch zum Kampf nach der Schlacht von Badr mini|Der Tod Abū Ḥakīms (Abū Ǧahl) in der Schlacht von Badr 624 Auf die Nachricht vom Sieg der Muslime in der Schlacht von Badr zog Kaʿb sichtlich erschüttert nach Mekka, um dort die geschlagenen Quraisch in Form von Gedichten zum Kampf gegen Mohammed und seine Anhänger anzutreiben, so dass sie ihre Niederlage rächen würden.Muhammad Hamidullah: Le Prophète de l’Islam. Band 1: Sa Vie. Librairie philosophique J. Vrin, Paris 1959, S. 385. Eines der Gedichte, das er bei dieser Gelegenheit vorgetragen haben soll, lautet in der Version, die Al-Wāqidī überliefert hat,John Marsden Beaumont Jones (Hrsg.): The Kitāb al-Mag̲h̲āzī of al-Wāqidī. Band 1. Oxford University Press, London 1966, S. 185 f. - Engl. Übers. bei Rizwi Faizer: The Life of Muhammad: Al-Waqidi’s Kitab Al-Maghazi. Routledge, Abingdon, 2011. S. 92. wie folgt:

Ṭaḥanat raḥā Badrin li-mahliki ahlihī wa-li-miṯli Badrin tastahillu wa-tadmaʿu qutilat sarātu n-nāsi ḥaula ḥiyāḍihī lā tabʿadū inna l-mulūka tuṣarraʿu wa-yaqūlu aqwāmun uḏallu bi-suḫṭihim inna Bna l-Ašrafi ẓalla kaʿban yaǧzaʿu ṣadaqū falaita l-arḍa sāʿata quttilū ẓallat tasīḫu bi-ahlihā wa-tuṣaddiʿu kam qad uṣība bi-hā min abyaḍa māǧidin ḏī bahǧatin yaʾwī ilaihī ḍ-ḍuiyaʿu ṭalqi l-yadaini iḏā l-kawākibu aḫlafat ḥammāli aṯqālin yasūdu wa-yarbaʿu nubbiʾtu anna Banī l-Muġīrati kullahum ḫašaʿū li-qatli Abī l-Ḥakīm wa-ǧuddiʿū wa-bnā Rabīʿata ʿindahu wa-Munabbihun hal nāla miṯla l-muhlakīna t-TubbaʿuBei Ibn Ishāq: . Die Mühle Badrs hat zum Verderben seinesD. h. Kaʿbs. Bei Ibn Ishāq: , d. h. der Mühle Badrs. Volkes gemahlen Wegen [Ereignissen] wie [das in] Badr hast du laut zu weinen Die Besten aller Menschen sind um die Sammelbrunnen herum getötet worden Haltet dies nicht für fernliegend!Es sind auch andere Übersetzungen möglich: Siehe Edward William Lane: An Arabic-English Lexicon. Band 1. Libraire de Liban, Beirut 1968, S. 224, s.v. (b -  - d) (). Siehe auch Weils Übersetzung von Ibn Hischāms Version mit Siehe Gustav Weil: Das Leben Mohammed's nach Mohammed Ibn Ishâk bearbeitet von Abd el-Malik Ibn Hischâm. Aus dem Arabischen übersetzt von Dr. G. Weil. Band 2. J. B. Metzler, Stuttgart 1864, S. 5 (). Vgl. aber Maxime Rodinson: Mahomet. Seuil, Paris 1994, S. 221: , deutsch: Es sind auch Könige niedergerungen worden. Ein Volk, durch dessen Empörung ich gedemütigt werde, sagt, Dass Ibn al-Aschraf eine Ferse (kaʿb) bleibt, die bekümmert ist. Wie Recht sie haben: Wäre doch die Erde zur Stunde, als sie niedergemetzelt wurden, mitsamt ihrem Volk versunken und zerbrochen! Wie viele wurden getroffen von den aufrichtigen, erhabenen Und schönen Männern, zu denen sich die Elenden flüchteten! Freigebig, wenn die Sterne [ihr Versprechen, dass es regnen wird,]Siehe John Marsden Beaumont Jones (Hrsg.): The Kitāb al-Mag̲h̲āzī of al-Wāqidī. Band 1. Oxford University Press, London 1966, S. 186, Anm. 1. nicht einhalten, Träger der Lasten, der herrscht und ein Viertel erhält. Mir ist zu Ohren gekommen, dass die Banū MughīraD. h. die Banū Machzūm, einer der bedeutendsten Stämme der Quraisch. Siehe Martin Hinds: Mak̲h̲zūm. In: The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Band 6. Brill, Leiden 1991, S. 137–140. allesamt Durch den Tod Abū Hakīms gedemütigt und verspottet wurden Und mit ihm [getötet wurden] die beiden Söhne RabīʿasʿUtba ibn Rabīʿa, Vater Hind bint ʿUtbas, und sein Bruder Schaiba. Siehe Arent Jan Wensinck: ʿUtba b. Rabīʿa. In: The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Band 10. Brill, Leiden 2000, S. 944 f. und MunabbihMunabbih ibn al-Haddschādsch von den Banū Dschumah, einem Unterstamm der Quraisch. Hat TubbaʿGemeint ist der Titel der Herrscher des im sechsten Jahrhundert untergegangenen südarabischen Königreichs Himyar – womöglich bezogen auf Abraha, der im Jahr des Elefanten einen fehlgeschlagenen Feldzug gen Mekka angeführt hatte. Vgl. Alfred Felix Landon Beeston: Tubbaʿ. In: The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Band 10. Brill, Leiden 2000, S. 575 f. [solch eine Lobpreisung] erhalten wie die [in Badr] getöteten?Es handelt sich um eine rhetorische Frage. Entsprechend in Ibn Ishāqs Version: , d. h. Vgl. aber Alfred Guillaume: The Life of Muhammad. A Translation of ibn Isḥāq's Sīrat Rasūl Allāh. Oxford University Press, Oxford 2004, S. 365 () sowie Rizwi Faizer: The Life of Muhammad. Al-Wāqidī's Kitāb al-Maghāzī. Routledge, London / New York 2011, S. 92:

Die von Ibn Hischām mit einer anderen Versreihenfolge und einzelnen Unterschieden überlieferte Version enthält zusätzlich folgende Zeilen:

Nubbiʾtu anna l-Ḥāriṯa bna Hišāmihim fī n-nāsi yabnī ṣ-ṣāliḥāta wa-yaǧmaʿu li-yazūra Yaṯriba bi-l-ǧumūʿi wa-innamā yaḥmī ʿalā l-ḥasabi l-karīmu l-arwaʿu Ich bin benachrichtigt worden, dass al-Hārith ibn HischāmEin Bruder Abū Dschahls. Den Menschen Wohltaten erweist und [Truppen] sammelt Um Yathrib mit den Truppen einen Besuch zu erstatten; in Wahrheit beschützt nur der Edle und Großartige die edle Abkunft.Ferdinand Wüstenfeld (Hrsg.): Das Leben Muhammeds. Nach Muhammed Ibn Ishāk, bearbeitet von Abd el-Malik Ibn Hischām. Band 1. Dieterichsche Universitäts-Buchhandlung, Göttingen 1859, S. 548 f. ().

Die Antwort des Hassān ibn Thābit