Das Dorf Löwenbruch ist ein OrtsteilAuflistung als Ortsteil der Stadt Ludwigsfelde im Kommunalverzeichnis Brandenburg; abgerufen am 26. April 2026 von Ludwigsfelde, einer Mittelstadt im brandenburgischen Landkreis Teltow-Fläming. Das bis 1997 selbständige Dorf liegt rund drei Kilometer östlich des Stadtzentrums von Ludwigsfelde und etwa 30 Kilometer südlich von Berlin. Der Ort hat 271 Einwohner (Stand: Dezember 2020) auf einer Gemarkungsfläche von 10,98 km².

Die Dorfgeschichte prägten im späten Mittelalter und in der Neuzeit bis in das 20. Jahrhundert märkische Uradels- und Adelsfamilien. In dieser Zeit hatte Löwenbruch eine größere Bedeutung als der heutige Hauptort Ludwigsfelde. Markantestes Bauwerk im Dorf ist das denkmalgeschützte Herrenhaus der Familie von dem Knesebeck aus der Zeit um 1800. Die Landschaft des landwirtschaftlich orientierten Ortes ist von einer Niederung mit Wiesen, Kanälen, Seen und Bruchwäldern geprägt.

Geographie und Naturraum Verkehrsanbindung und Nachbargemeinden mini|Pharusplan von 1903, noch ohne Autobahn – Damsdorf ist in Ludwigsfelde aufgegangen Löwenbruch liegt direkt südlich der Bundesautobahn 10, dem Berliner Ring. Durch das Dorf führt die alte Trasse der Bundesstraße 101, die Löwenbruch mit der rund einen Kilometer entfernten Autobahnanschlussstelle Genshagen verbindet. Seit ihrem vierspurigen Teilausbau zur sogenannten Gelben Autobahn umgeht die neue Trasse der B 101n den Löwenbrucher Dorfkern in einer Entfernung von rund zwei Kilometern im Westen.

Folgende Orte umgeben Löwenbruch: Im Westen die Kernstadt Ludwigsfelde, im Nordwesten/Norden der Ludwigsfelder Ortsteil Genshagen, im Nordosten und Osten die Blankenfelde-Mahlower Ortsteile Blankenfelde und Jühnsdorf, im Südosten der Ludwigsfelder Ortsteil Groß Schulzendorf und im Süden/Südwesten die Ludwigsfelder Ortsteile Wietstock und Kerzendorf.

Naturraum mini|Schild Landschaftsschutzgebiet Notte-Niederung mini|See mini|Bruchwald

Das Dorf gehört kulturräumlich zum Teltow. Die naturräumliche Zuordnung zum Teltow ist unsicher, da die südliche Begrenzung der geologischen Hochfläche Teltow unscharf ist. Im Raum Löwenbruch wird der Teltow von Niederungen zerschnitten, die zwischen der Nuthe- und Notte-Niederung von Nord nach Süd verlaufen. Das Land Brandenburg ordnet die Flurstücke eins bis vier der Löwenbrucher Gemarkung dem ausgedehnten Landschaftsschutzgebiet Notte-Niederung zu. Dabei wird als Schutzzweck u. a. „die Erhaltung, Entwicklung oder Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes, insbesondere […] des regional übergreifenden Biotopverbunds, besonders zu den Niederungsflächen des Potsdamer Wald- und Seengebietes, des Nuthe-Nieplitztales, des Landschaftsschutzgebiets Diedersdorfer Heide und Großbeerener Graben, des Baruther Urstromtales sowie des Dahmetales“ herausgestellt .§ 3 Abs. 1g der Verordnung über das Landschaftsschutzgebiet „Notte-Niederung“ vom 8. Januar 1999, vgl. auch Verordnung vom 23. Januar 2012

Charakteristisch für die Niederung bei Löwenbruch sind weite, meist offene Wiesen, die von Feuchtwiesen, Brüchen, kleineren Bruchwäldern und Seen sowie von landwirtschaftlichen Nutzflächen durchsetzt und insbesondere im östlichen Bereich von einem ausgedehnten Grabensystem durchzogen sind. Hauptkanal ist der Nuthegraben, der über das Klärwerk Waßmannsdorf auch die südlichsten Teile Berlins und die angrenzende brandenburgischen Region, deren Wasser er unter anderem durch den Mahlower Seegraben aufnimmt, sowie die sumpfigen Gebiete um Großbeeren zur Nuthe entwässert. Plattenwege und ein Saum aus Pappeln, aus dem die Gesänge von Goldammern (Emberiza citrinella), Stieglitzen (Carduelis carduelis) und Mönchsgrasmücken (Sylvia atricapilla) zu hören sind, begleiten den Graben über weite Strecken. Auch der Pirol (Oriolus oriolus), Vogel des Jahres 1990 und in Deutschland gemäß § 10 Abs. 2 Nr. 5 und Nr. 11 BnatSchG streng geschützt, ist in der Niederung anzutreffen.Carsten Rasmus, Bettina Rasmus: Berliner Umland Süd ..., S. 82.

Etymologie mini|links|hochkant=0.5|Wappen am Feuerwehrhaus Der Name Löwenbruch hat ursprünglich keine Beziehung zum Tier Löwe, auch wenn das Wappen am Feuerwehrhaus einen Löwen zeigt und steinerne Löwen vor verschiedenen Häusern stehen. Der Name ist ein Flurname und bedeutet so viel wie tiefes Bruch. Der Wortbestandteil bruch steht für das Bruchgebiet als feuchtes, sumpfiges Gelände. Löwen ist eine abgeleitete Form aus dem Mittelniederdeutschen Lawen, Lowen, Lewen oder Leuen. Laut dem Namensforscher Gerhard Schlimpert gehört das Bestimmungswort entweder zu lo (loh, loch) mit der Bedeutung Gehölz, Busch, Waldwiese, Waldaue oder zu lo (lowe, louwe, louwenstück) mit der Bedeutung Ackerstück, wo früher Wald gestanden hat.Gerhard Schlimpert: Brandenburgisches Namenbuch ..., S. 125 f.

Die älteste überlieferte schriftliche Erwähnung Löwenbruchs stammt aus dem Jahr 1346 als Lawenbruch. 1450 findet sich der Name Lowenbruke, 1462 Lawenbruck, 1480 Lowenbruck und 1583 Lewenbruch. 1775 und 1828 ist das Dorf dann als Löwenbruch vermerkt, 1775 auch als Leuenbruch.

Geschichte Löwenbruch hatte bis in das 19. Jahrhundert eine wesentlich größere Bedeutung als Ludwigsfelde beziehungsweise die lange wüst gefallene Ludwigsfelder Vorgängersiedlung Damsdorf. Über das 1750/1753 neu begründete Ludwigsfelde heißt es 1800: Kolonie bei Löwenbruch, die mit Damsdorf einen Ort ausmacht. Homepage Ludwigsfelde

Frühe Besiedlung Die feuchte, fruchtbare Niederung bei Löwenbruch zog schon sehr früh Siedler an. Die Denkmalliste des Landes Brandenburg führt eine Reihe von Fundstellen in Löwenbruch an, darunter eine Siedlung aus der Ur- und Frühgeschichte, einen Rast- und Werkplatz aus der Steinzeit, ein Großsteingrab aus dem Neolithikum, Siedlungsplätze aus der Bronzezeit sowie Gräberfelder und Siedlungen aus der Eisenzeit. Ferner wurde eine Siedlung zur Zeit der Römischen Kaiserzeit nachgewiesen. Aus dem slawischen Mittelalter gibt es Bodendenkmäler für Siedlungen auf den Flurstücken Nr. 1 und 5. Deutsche mittelalterliche Siedlungen entstanden mit dem Landesausbau im Zuge der Ostkolonisation im 12./13. Jahrhundert auf den Stücken Nr. 1 und 4. (PDF) S. 4.

Gutsherren bis 1749 mini|Allianzwappen der von dem Knesebeck und der Familie von Bredow am Gutshaus In der Neuzeit war Löwenbruch im mehrfach wechselnden Besitz beziehungsweise Gutsbesitz verschiedener märkischer Uradels- und Adelsfamilien.

Urkunden aus den Jahren 1413, 1462 und 1472 nennen die Herren von Torgow auf Zossen als Besitzer des Dorfes, denen unter anderem auch Genshagen, Kerzendorf, Kleinbeeren, Rangsdorf und der heutige Berliner Ortsteil Steglitz gehörten. Johann von Torgow wurde 1413 durch Burggraf Friedrich VI. von Nürnberg (später Friedrich I. von Brandenburg) mit Hebungen aus dem Zoll zu Berlin und den genannten Dörfern belehnt. Für das Jahr 1535 gibt die Beelitzer Chronik Heinrich von Thümen zu Löwenbruch als Eigentümer an. (PDF; 498 kB) Die Familie von Thümen saß einige Kilometer südwestlich von Löwenbruch im Thümenschen Winkel mit dem Hauptsitz Stangenhagen. Auch eine Quelle von 1545 spricht von den Thymen zu Löwenbruch. a

Nach Theodor Fontane besaßen ferner die Familien von Otterstedt und von Boytin zwischenzeitlich das Dorf beziehungsweise das Gut.Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Band 4 (Spreeland) „Links der Spree“ – Löwenbruch, erste beide Abschnitte. Hiltrud und Carsten Preuß gehen in ihren Ausführungen in Die Guts- und Herrenhäuser im Landkreis Teltow-Fläming hingegen davon aus, dass neben der Familie von Thümen und der Familie von Otterstedt zunächst die Familie von Spiel mit Löwenbruch belehnt war.Hiltrud und Carsten Preuß: Die Guts- und Herrenhäuser im Landkreis Teltow-Fläming, Lukas Verlag für Kunst- und Geistesgeschichte, 1. Auflage, 29. November 2011, ISBN 978-3-86732-100-6, S. 125 ff. Im 16. Jahrhundert kam der Thümensche Anteil an die Familie von Boytin.

1562 heiratete Huprecht von Otterstedt auf Löwenbruch Barbara von der Liepe. Als Ehegeld wurden 200 Taler festgesetzt.George Adalbert von Mülverstedt (Hrsg.): Sammlung von Ehestiftungen und Leibgedingsbriefen ritterschaftlicher Geschlechter der Provinzen Sachsen, Brandenburg, Pommern und Preußen. E. Baensch, Magdeburg 1863, S. 178. (Digitalisat) Die von Otterstedts waren im 17. Jahrhundert ferner Eigentümer des Nachbarorts Jühnsdorf, in dessen Kirche eine Grabtafel an die Familie erinnert. Die von Boytins sind in einer weiteren Quelle, ebenfalls für das 17. Jahrhundert, als die von Boytin zu Löwenbruch angeführt.Siehe: Theo Engeser, Konstanze Stehr: Dorfkirche Glasow. Ein Vorfahr der Familie, Balthasar Boytin, war 1449/1450 Bürgermeister in Berlin und hatte eine bedeutende Rolle im Berliner Unwillen gespielt.Edition Luisenstadt, Balthasar Boytin

Im Dreißigjährigen Krieg starb mit Caspar von Boytin das Geschlecht aus. Sein Anteil ging an die Familie von Schlieben und von dort 1663 an die Familie von der Gröben, während der Anteil der Familie von Spiel im 17. Jahrhundert an die Familie von Wilmersdorf und schließlich an Ernst Ludwig von der Gröben ging. Der Otterstedtsche Anteil kam im Januar 1691 an Achaz von Alvensleben, der sich für den Bau einer Kirche einsetzte. Seine Nachkommen weihten im Jahr 1716 die noch heute stehende Kirche ein.

Gutsherren 1749 bis 1945 Spätestens 1749 verkauften die von Alvenslebens das Gut an die Familie von der Gröben. Die Gröbens zählten zu den ältesten Teltow-Adelsfamilien und hatten um 1170, rund 15 Jahre nach der Gründung der Mark Brandenburg durch Albrecht den Bären, nach ihrer Einwanderung aus der Altmark das Kolonistendorf Gröben gegründet, das an der Nordspitze des Thümener Winkels liegt und heute gleichfalls als Ortsteil zu Ludwigsfelde gehört. 1750/1753 kam es im Zuge der Binnenkolonisation unter Friedrich II. zur Wiedergründung der Kolonie Damsdorf und zur Gründung der Kolonie Ludwigsfelde, die später zu Ludwigsfelde vereinigt wurden. Den Namen erhielt Ludwigsfelde nach dem damaligen Gutsherrn von Löwenbruch und Kurmärkischen Kammerpräsidenten Ernst Ludwig von der Gröben (1703–1773). Nach seinem Tod übernahm der jüngere der beiden Söhne, Erasmus, den Ort. Er gilt als Bauherr des Gutshauses, das zwischen 1796 und 1800 errichtet wurde. Die Vollendung erlebte Erasmus jedoch nicht mehr – er starb 1799, woraufhin das Gut an seinen älteren Bruder Karl Wilhelm von der Gröben überging, ein Major a. D. Nach seinem Freitod am 29. November 1805 erlosch der Mannesstamm dieser Familienunterlinie Golm-Bornstedt-Löwenbruch und über Elisabeth von der Gröben, verheiratet mit Wilhelm Leopold von dem Knesebeck (1735–1803) aus Karwe am Ruppiner See, kam der Ort an die altmärkische Uradelsfamilie Knesebeck und ging 1823 testamentarisch an Wilhelm von dem Knesebeck über. Er verpachtete das Gut und wohnte im benachbarten Jühnsdorf, das der Familie ebenfalls gehörte. Ihm folgte der Justizrat a. D. Eugen von dem Knesebeck (1801–1888). Der Besitz betrug zu jener Zeit 1029 ha. Dann übernahm dessen Sohn, der preußische Generalleutnant und Rechtsritter des Johanniterordens Lothar von dem Knesebeck (1837–1928). Kurz vor der großen Wirtschaftskrise, die auch alle kleinen und großen Landwirtschaftsbetriebe erreichte, hatte das Rittergut Löwenbruch 1065 ha. Dem Gutsbesitzer zur Seite stand als Verwalter der Administrator Fischer. Dies spricht dafür, dass ein Kreditgeber, zumeist der Ritterschaftsbank, einen Einfluss auf den Besitz ausübten. Achaz von dem Knesebeck (1867–1937) war Major in preußischen Diensten und ebenso im Johanniterorden. Letzter Gutsherr bis zur Bodenreform wurde Götz-Lothar von dem Knesebeck. Er machte sein Abitur auf dem Adelsinternat der Brandenburger Ritterakademie, studierte in Oxford mit dem Abschluss Bachelor Litterarum und übernahm das Gut 1937 bis 1939. Im Krieg diente Knesebeck als Hauptmann. Er übte verschiedene Berufe aus und eröffnete in den 1960er Jahren erfolgreich in Berlin eine Druckerei und einen Verlag.