Leap Castle () ist eine Burg in Coolderry im irischen County Offaly. Sie steht rund 7,5 Kilometer nördlich von Roscrea und etwa zehn Kilometer südöstlich von Birr in der Baronie Ballybritt. In unmittelbarer Nähe liegen mit zwei Erdwerken und einer Motte weitere Befestigungen.
Die Anlage ging aus einem irischen Tower House hervor, das im 17. Jahrhundert durch die Familie Darby vergrößert und ausgebaut wurde. Wie viele irische Adelssitze, die Eigentum englischer Familien waren, wurde auch Leap Castle im Irischen Bürgerkrieg 1922 bis 1923 durch Gegner des 1921 geschlossenen Anglo-Irischen Vertrags stark beschädigt. Bis in die 1970er Jahre war die Burg eine Vollruine, ehe sie ab 1974 allmählich restauriert und wieder aufgebaut wurde. Die Arbeiten dazu halten bis heute an. Seit dem 15. April 1976 steht die Anlage als unter Denkmalschutz.
Geschichte Anfänge Das genaue Gründungsdatum der Anlage ist umstritten, es finden sich unterschiedliche Angaben zu ihrer Entstehung. Während manche Veröffentlichungen die ältesten Teile des Tower House dem 12. Jahrhundert zuschreiben, gehen andere Quellen von einer Gründung im 14. Jahrhundert oder sogar erst im frühen 16. Jahrhundert aus. Auch die Angaben über die Gründer der Burganlage widersprechen sich. Aufgrund des ältesten überlieferten Namens , der () bedeutet (siehe Sagen und Legenden), sehen manche den Clan OʼBannon als Bauherrn an, während andere die Gründung den OʼCarrolls zuschreiben. Das Tower House ersetzte eine ältere Befestigung, die auf einem den keltischen Druiden heiligen Platz errichtet worden sein soll. Der Standort war strategisch günstig, denn die Burg beherrschte damit den Pass von den Slieve Bloom Mountains nach Munster. Er wird heute noch The Leap genannt.
Eigentum der OʼCarrolls Die Annalen der vier Meister () berichten von einem erfolglosen Versuch des Earls of Kildare, 1514 die Burg einzunehmen. Zwei Jahre später war sein gleichnamiger Sohn erfolgreicher. Eine von ihm bei der Belagerung verwendete Kanone verursachte großen Schaden am seinerzeitigen Hauptsitz der OʼCarrolls of Ely, der anschließend aber wieder aufgebaut wurde. Nachdem 1532 der Clan-Chef Mulrony OʼCarroll gestorben war, entbrannte ein Kampf um die Nachfolge. Um ihre Interessen durchzusetzen, schreckten die Familienmitglieder nicht einmal vor Mord an engsten Verwandten zurück, doch niemand konnte sich lange an der Spitze des Clans behaupten. 1558 setzten die Burgherren ihren Besitz in Brand, um zu verhindern, dass englische Truppen ihn nutzen konnten. Trotzdem wurde Leap Castle von Soldaten unter Führung des Earls of Sussex nach einer Belagerung eingenommen. Allerdings gelang es den OʼCarrolls im darauffolgenden Jahr, die Burg zurückzuerobern, und sie bauten die Anlage wieder auf.
Eigentum der Familie Darby Von den claninternen Streitigkeiten der OʼCarrolls profitierte schlussendlich die englische Krone, die deren Herrschaftsgebiet zu Beginn des 17. Jahrhunderts unter ihre Kontrolle brachte. Leap Castle blieb aber Sitz der OʼCarrolls, denn 1629 wurde John OʼCarroll Burgherr. Durch die Heirat von Finnola (Fiona) OʼCarroll mit dem englischen Offizier John Darby gelangte der Besitz Mitte des 17. Jahrhunderts an dessen Familie. 1664 erhielt John OʼCarroll die Burg zwar vorübergehend zurück, da er als Royalist loyal zu Karl I. gestanden hatte und auf diese Weise von dessen Nachfolger Karl II. entlohnt wurde, aber schon 1667 revidierte der englische König seine Entscheidung, und Leap Castle wurde wieder an die Darbys gegeben. Sie blieben bis ins 20. Jahrhundert die Eigentümer der Anlage. Johns Nachfahre Jonathan Darby (IV.) veränderte das bestehende Tower House 1753 und ließ es durch Anbauten vergrößern. Er fügte im Norden und Süden kurze, zweigeschossige Seitenflügel an und gab der Anlage ein gotisches Aussehen, indem er spitzbogige Fenster und anstatt des bisherigen Eingangs in der Südmauer des Tower House an dessen Westseite ein großes, gotisch anmutendes Portal installieren ließ. Zudem erhielten alle Bauteile einen Zinnenkranz als oberen Abschluss, und das nördlich der Burg stehende Priesterhaus () aus der jakobinischen Zeit wurde im georgianischen Stil verändert.
mini|hochkant|Admiral Henry DʼEsterre Darby war bis 1823 Burgherr; Porträt von Sir William Beechey, 1801 Jonathans (IV.) gleichnamiger Sohn erbte den vergrößerten Besitz und starb 1802 ohne Nachkommen. Nachfolger war sein jüngerer Bruder, der spätere Admiral der Royal Navy Henry DʼEsterre Darby, der bei seinem Tod 1823 aber auch keine Kinder hinterließ. Und so kam Leap Castle an dessen Bruder John († 1834). Johns Sohn William Henry Darby starb 1880 und hinterließ die Burganlage seinem Enkel Jonathan Charles, der 1889 die englische Autorin Mildred Darby heiratete. Sie war Anhängerin des Okkultismus, der zu jener Zeit in Mode war. Durch Veröffentlichungen von Spuk- und Gruselgeschichten über Leap Castle trug sie einen Gutteil dazu bei, dass sich der Ruf der Burg als von Geistern heimgesuchter Ort fest etablierte. Auf Betreiben Mildreds wurden versteckte Bereiche bzw. Räume der Anlage wieder freigelegt und vermauerte Türen wieder geöffnet. So ließ sie zum Beispiel 1897 den Erdgeschosszugang zur Wendeltreppe wieder freilegen und diese von Müll und Schutt leerräumen. Um 1900 entdeckten Arbeiter im zweiten Obergeschoss des Tower House einen engen Raum in der Mauerstärke, der ein Loch im Fußboden besaß. Darunter lag ein versteckter Raum, in dem sich angeblich zahlreiche menschliche Knochen fanden. Bei seiner Räumung soll auch eine Taschenuhr aus den 1840er Jahren gefunden worden sein. Seither ranken sich blutrünstige Geschichten um dieses „Verlies“.
Als Jonathan Charles Darby sein Erbe antrat, gehörte ein 4.367 Acres (über 17,5 km²) großer Landbesitz zur Burg, allerdings übernahm er mit dem Erbe auch einige sehr hohe Zahlungsverpflichtungen. Um diese begleichen zu können, musste er Teile seiner Ländereien verkaufen und sein gesamtes Barvermögen aufwenden. Erschwerend kam hinzu, dass sein Großvater schon geraume Zeit nicht mehr in Leap Castle gewohnt hatte und nun teure Reparaturen und Instandsetzungsarbeiten bezahlt werden mussten. Um seine schmalen Finanzen aufzubessern, erhöhte Darby deshalb die Pachten seiner Landpächter um 30 Prozent, was ihn bei diesen sehr unbeliebt machte. Diese Unbeliebtheit des Engländers steigerte sich noch durch den irischen Land War im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts, den Irischen Unabhängigkeitskrieg 1919 bis 1921 sowie den sich daran anschließenden Irischen Bürgerkrieg. Darby weigerte sich jedoch, die Erhöhung der Pachten zurückzunehmen, und war ebenso wenig bereit, Land an seine Pächter zu verkaufen. Ab 1921 zahlten diese deshalb keine Pacht mehr und wollten erst einlenken, wenn auch der Großgrundbesitzer Entgegenkommen zeigte. Derweil mehrten sich Übergriffe auf Darbys Besitz. Wie er später angab, sei sein Eigentum allein 1922 neun Mal überfallen oder verwüstet worden. Wegen der unsicheren Lage verließ die Familie Leap Castle im April oder Mai 1922 und zog in den County Longford. Richard Dawkins, ein ehemaliger Soldat, wurde als Burgverwalter und Gärtner eingestellt, um auf das Anwesen achtzugeben, doch er konnte nicht verhindern, dass der Nordflügel von Leap Castle bei einer Brandstiftung durch sogenannte am 30. Juli 1922 zerstört wurde. Bei einem zweiten Übergriff nur einen Tag später wurden das Tower House sowie der Südflügel verwüstet und geplündert und anschließend ebenfalls in Brand gesteckt. Seit jener Zeit war die Burg eine Ruine, ihre wertvolle Inneneinrichtung – wie zum Beispiel Chippendalemöbel aus Mahagoni- und Walnussholz, Silberwaren, viele Familienporträts, eine große Sammlung von Kurzgeschichten sowie noch unveröffentlichte Manuskripte von Mildred Darby – fast vollständig zerstört. Der Burgherr zog deshalb vor Gericht, um eine Entschädigung für den erlittenen Verlust zu erhalten, er bekam aber lediglich 6.950 Pfund anstatt der von ihm geforderten 35.000 Pfund zugesprochen. Wegen seiner anhaltenden Weigerung, Land an seine Pächter zu verkaufen, wurde er im Oktober 1928 außerdem von der Irish Land Commission zu einem großen Teil zwangsenteignet.
Restaurierung und heutige Nutzung Nach dem Brand stand die Burg fast 70 Jahre lang leer. Der irischstämmige Australier Peter Bartlett erwarb die Ruine 1974 von Peter Gerrard und initiierte eine allmähliche Instandsetzung. Er baute den Torbau der Anlage wieder auf und begann mit der Restaurierung der Obergeschosse im Tower House. Nach seinem Tod im Jahr 1989 kaufte der australische Musiker Sean Ryan das Anwesen. Er setzte die Wiederaufbauarbeiten des vorherigen Eigentümers gemeinsam mit seiner Frau Anne fort. Große Teile des Tower House und 75 Prozent des Südflügels sind mittlerweile wiederhergestellt. Die Ryans nutzen den südlichen Trakt als Wohnung, während der Nordflügel und das Priesterhaus noch auf ihren Wiederaufbau warten. Besichtigungen der Anlage sind nach vorheriger Vereinbarung möglich.
Beschreibung Die Burg steht auf einem nach Osten abfallenden Terrain. Ihre östlichen Außenmauern schließen bündig mit einem danach steil abfallenden Gelände ab. Den Bauten ist westlich ein Hof vorgelagert, dessen Begrenzungsmauern anscheinend im 18. Jahrhundert stark verändert wurden. Von der Siedlung, die früher die Burg umgab, ist heute nichts mehr erhalten. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren davon nur noch Ruinen vorhanden.
Tower House und Anbauten mini|Nordwestansicht der Burg
Kern der Anlage ist ein viereckiges Tower House, dessen Außenmaße 13,2 × 10 Meter betragen. Die bis zu 2,2 Meter dicken Mauern wurden aus unverputztem, grob behauenem Kalkstein errichtet. Die drei Geschosse des Turms sind von einer zinnenbesetzten Brustwehr abgeschlossen. Dahinter erhebt sich ein flaches Satteldach, das früher mit Steinschindeln gedeckt war. An der Südseite sind noch die Maschikulis erhalten, die den früheren Eingang dort schützen sollten. Dem Tower House schließen sich nördlich und südlich zwei kurze, zweigeschossige Seitenflügel mit nur einer Achse an. Sie stammen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Der nördliche von ihnen verbindet den Turm mit einem vermutlich um 1571 errichteten Gebäude, das im 18. Jahrhundert verändert und vergrößert wurde. Dieses wird das Priesterhaus genannt.
Sämtliche Räume des Tower House wurden – mit Ausnahme des zweiten Obergeschosses – bis 2010 restauriert. Alle Stockwerke sind über eine steinerne Wendeltreppe in der Südwest-Ecke des Turms miteinander verbunden. Im Erdgeschoss ist der einstige Eingang an der Südseite noch gut zu erkennen. Die Öffnung dient heute als Fenster. Der tonnenüberwolbte Saal im ersten Geschoss besitzt einen großen Kamin in der Nordost-Ecke und eine wiederhergestellte Empore. Früher besaß er ein Gesims aus Stuck und einen Bodenbelag aus poliertem Schiefer sowie Sandstein, die wie schwarzer und weißer Marmor wirkten. Der große Raum im zweiten Geschoss wird aufgrund einer Legende () genannt. Er besitzt in der Nordost-Ecke eine schmale Öffnung, die zu einem kleinen, engen Raum führt, der (vom französischen für vergessen) genannt wird. In seinem Boden befindet sich eine viereckige Öffnung, die früher vermutlich mit einer Falltür verschlossen war und zu einem verborgenen Raum darunter führt. Die lokale Überlieferung machte aus diesem ein Verlies, in das Gefangene der Burgherren hineingestoßen und dann einfach sich selbst überlassen (vergessen) wurden. Vermutlich handelt es sich aber eher um ein Versteck für wertvollen Besitz. Eine Tür in der Nordwest-Ecke des Raums führt zu einem Erker und einem schmalen Gang innerhalb der Nordmauer, von dem früher der Nordflügel der Burg erreichbar war.
Wirtschaftsgebäude