Pfarrkirche St. Josefrahmenlos|230px|Foto West-Fassade Adresse Berlin-Köpenick, Lindenstraße 43 Baumeister Maurer Thieme, Architekt Paul Franke Konfession römisch-katholisch Gemeinde St. Josef Aktuelle Nutzung GemeindekircheGebäude Baubeginn 1898 Einweihung 25. Mai 1899 Erneuerungen mehrfach u. a. 1910, 1937, 1957–1968, 1990er Stil Neugotik Maße Turm: quadratische Grundfläche 5 m × 5 m Kirchenschiff: Länge: 20 m, Breite: 10 m
St. Josef im Berliner Ortsteil Köpenick ist eine katholische Pfarrkirche im Dekanat Berlin Treptow-Köpenick, die in der Dammvorstadt steht. Die Kirche wurde bei ihrer Eröffnung 1899 mit dem Patrozinium des hl. Josef geweiht. Sie steht seit den 1980er Jahren unter Denkmalschutz.
Im Jahr 2020 wurde die Gemeinde St. Josef mit anderen katholischen Gemeinden im Bezirk Treptow-Köpenick zur Großpfarrei St. Josef zusammengelegt.Kirchenfenster, katholisch in Köpenick. Pfarrbrief, Juli/August 2019, S. 3.
Geschichte der Katholiken in Köpenick Am Zusammenfluss von Dahme und Spree entstand im 14. Jahrhundert auf der Schlossinsel Coepenick eine erste Burganlage. In der Umgebung siedelten sich vor allem Bauern und Handwerker an, es entstand das Dorf Coepenick, das sich zu einer kleinen Stadt im Kreis Teltow/Mark entwickelte. Im 19. Jahrhundert entfaltete sich hier erste Industrie, und Fabrikarbeiter zogen in die Nähe. Die meisten der Zugezogenen waren Katholiken und bildeten um 1850 eine Gemeinde mit rund 150 Mitgliedern. Zwischen 1855 und 1884 fanden nun monatlich ein Gottesdienst und Kommunionsunterricht im Haus des Köpenicker Kaufmanns Gerhard Schmidt (Schloßallee 2) statt. Im Jahr 1857 hatte er das obere Stockwerk zu einer kleinen Kapelle ausgestaltet.Buch Chronik…, S. 3–5, 18.
Cöpenicker Pfarrgemeinde 1719 bis zum Ende des 19. Jahrhunderts mini|links|hochkant=1.5|Übersicht der von St. Josef ausgehenden Gründungen von Pfarrgemeinden im Umland St. Josef ist die älteste Pfarrei an der Oberspree und wurde ab 1719 von Berliner Dominikanern seelsorgerisch mitversorgt. Die erste heilige Messe, die dort regelmäßig gefeiert wurde, zelebrierte der Missionsvikar Eduard Müller aus der Berliner St.-Hedwigs-Gemeinde am 26. Dezember 1852 in einem Zimmer der damaligen Weißbierbrauerei Peters, Schloßstraße 27.Sankt Josef, Berlin-Köpenick. Heft aus Anlass des 100-jährigen Bestehens. Herausgegeben von der Kathol. Kirche St. Josef, ohne Jahr
Die katholische Gemeinde in Coepenick (Schreibweise seit 1930: Köpenick) wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der katholischen Missionspfarrei Fürstenwalde zugewiesen, deren Seelsorger Pfarrer Rieger war. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts stieg die Anzahl der Katholiken aufgrund der stark expandierenden Industrie sowie des in Köpenick stationierten Militärs und der damit in Verbindung stehenden Einwanderung aus Polen und Schlesien auf rund 3000 Personen.
Bis zur Fertigstellung eines eigenen Kirchengebäudes gründete der Pfarrer Langer (aus Fürstenwalde) in dem vorhandenen Gebäude an der Lindenstraße, das zu einem provisorischen Pfarrhaus umgenutzt worden war, auf dem gekauften Baugrundstück die „erste katholische Privatschule in Coepnick“.Buch Chronik…, S. 3–5, 7.
Danach fanden zwischen 1890 und 1899 dort auch 14-täglich Sonntagsgottesdienste statt. Die beauftragten Seelsorger erteilten ab 1894/1895 auch katholischen Religionsunterricht in den Orten Kalkberge (Rüdersdorf) (ab August 1894), Schenkendorf bei Königs Wusterhausen (ab 1. November 1894) sowie Erkner (ab Ostern 1895). Der Pfarrbezirk Fürstenwalde war ein weites Feld (2500 km²), zu dem unter anderem Köpenick, Adlershof, Rüdersdorf, Königs Wusterhausen und Erkner gehörten.
Köpenick wurde am 2. Mai 1896 zur selbstständigen Pfarrei erhoben und gilt damit als Mutterkirche später entstandener Berliner Pfarreien.
Entstehung des Kirchengebäudes
Vorarbeiten Der Kirchenvorstand erwarb 1884 ein Grundstück in der Lindenstraße 11 samt dem darauf befindlichen Landhaus nahe der Dammbrücke, die die Verbindung zwischen Altstadt Köpenick und den westlich gelegenen Erweiterungsvierteln herstellt. (Die Hausnummern wurden später so verändert, dass das Grundstück seit Mitte des 20. Jahrhunderts die Nummer 43 trägt.) mini|hochkant|links|Titelbild einer Spendenkarte Die Gemeinde beauftragte nun den Berliner Architekten und Baumeister Paul Franke mit ersten Planungen eines Kirchengebäudes. Die 1894 vorgelegten Bauzeichnungen dienten dann als Basis zur Beantragung einer Baugenehmigung bei Fürstbischof Georg Cardinal Kopp, der diese am 4. Juni 1895 erteilte. Doch den staatlichen Stellen des Deutschen Reiches genügte diese Genehmigung nicht, sie verlangten von der Kirchengemeinde einen Nachweis, dass die geschätzte Bausumme von etwa 55.000 Mark (kaufkraftbereinigt in heutiger Währung: rund Euro) ohne Probleme aufgebracht werden könne.
Ein bereits 1890 gegründeter Kirchbausammelverein hatte bis dahin zwar schon 11.000 Mark an Spenden aufgebracht, was aber den Beamten nicht reichte. Der Kirchenvorstand erweiterte seine Aktivitäten deshalb und konnte größere Beträge von den Bonifatiusvereinen Breslau, Münster, Köln und Freiburg im Breisgau auftreiben sowie Garantien von wohlhabenden Cöpenicker Bürgern vorlegen. Zusätzlich fanden Spendenkonzerte, eine Lotterie und der Verkauf von Spendenkarten statt.
Trotzdem zog sich dieser Vorgang Monate und Jahre hin, bis die Königliche Regierung in Potsdam am 2. Juli 1897 endlich die Staatsgenehmigung (Conzession) zum Neubau eines katholischen Gotteshauses am Ufer der Dahme erteilte. Diesem Beschluss folgte dann am 24. November 1897 auch die baupolizeiliche Genehmigung der Stadt Cöpenick.Buch Chronik, …, S. 7.
Unmittelbare Bauarbeiten mini|links|Grundstein
Der Architekt verfeinerte seine Baupläne nun und fügte diesen auch den Neubau eines Pfarrhauses anstelle des alten Landhauses hinzu. Für beide wählte er den damals weit verbreiteten neugotischen Stil aus Backsteinen. Er bekam die Bauleitung übertragen und am 4. Oktober 1897 konnte der erste Spatenstich mit einem Hochamt gefeiert werden.Buch Chronik…, S. 12.
Wichtig war, dass wegen der Nähe zum Ufer der Dahme und weil der Boden aus Sand, Torf und Moor bestand, das Gotteshaus auf 435 Holzpfählen errichtet werden musste. Die Eichenbohlen ließ der beauftragte Köpenicker Ratszimmermeister Martin in Bündeln zu je etwa neun bis zehn schräg in den Boden schlagen und im oberen Bereich mit einem Kranz aus einem Meter starken Zementbeton vergießen. mini|hochkant|links|Erinnerungsansichtskarte zur Kirchweihe Die Grundsteinlegung fand am 8. Mai 1898 unter Anwesenheit des Fürstbischöflichen Delegaten für Brandenburg und Pommern des Bistums Breslau Propst Karl Neuber aus der Berliner St-Hedwigs-Gemeinde statt. Der Stein kam jedoch nicht in den Baugrund, sondern wurde mit dem Datum versehen neben dem Altarraum sichtbar in den Triumphbogen eingemauert (siehe Bild).Buch Chronik, S. 18: Urkunde zur Grundsteinlegung mit ausführlichem Text.
Während der Bauarbeiten musste fleißig weiteres Baugeld gesammelt werden, wozu nun auch in hiesigen Zeitungen und anderen Druckwerken Annoncen geschaltet sowie Ansichtskarten verkauft wurden. Außer den „blanken“ Bauwerken ging es schließlich ebenfalls um eine angemessene Innenausstattung wie Altäre, Bänke und um Liturgisches Gerät.
mini|links|St. Josef rechts neben dem Postamt Köpenick im Jahr 1901; Ausschnitt aus einer kolorierten Ansichtskarte Bereits im folgenden Jahr, am 25. Mai 1899Vermutlich tatsächlich: 25. Mai 1899; es muss sich hier um einen Fehler in der Quelle handeln, denn das Hochfest Mariä Verkündigung wird seit langem am 25. März (9 Monate vor dem Fest der Geburt Christi am 25. Dezember) gefeiert. zum Hochfest Mariä Verkündigung weihte Propst Karl Neuber die Kirche. Sie wurde unter das Patronat des heiligen Josefs gestellt. Zahlreiche Ehrengäste aus Politik, aus verschiedenen Kirchengemeinden, aus der Wirtschaft und aus Berlin und den damaligen Vororten nahmen an der Feier teil. 60 ausgewählte Gäste begingen die Kirchweihe mit einem anschließenden Festessen im Köpenicker Restaurant Kaiserhof.Buch Chronik…, S. 17.
Von der Kirchweihe bis Mai 1945 Gemeindeleben Im Jahr 1899 wurde ein zweiter Geistlicher eingestellt, der unter anderem weitere Gottesdienste in Pfarrfilialen übernahm, wie in der Heilanstalt Neurahnsdorf, in Oberschöneweide und kurzfristig auch in Rudow. Beide Seelsorger führten darüber hinaus weiterhin Religionsunterricht in den verschiedenen katholischen Gemeinden durch, beispielsweise ab 10. November 1900 in Grünau und ab Ende 1901 noch in Altglienicke. Zur weiteren Verstärkung der Christlichen Missionsarbeit stellte die Cöpenicker Gemeinde im Jahr 1901 drei Barmherzige Schwestern der Congregation des hl. Borromäus ein, für die in der Annenallee die Grunersche Villa angekauft und als Unterkunft hergerichtet wurde.Buch Chronik …, S. 20; S. 27.
Im Jahr 1900 wurde die Josefs-Pfarrei dem Archipresbyterium der Stadt Charlottenburg zugeordnet.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatten sich in allen Filialbereichen so viele Katholiken angesiedelt, dass Abtrennungen von Köpenick vorgenommen wurden, zuerst in Friedrichshagen und in Oberschöneweide, alle anderen oben Genannten folgten schrittweise.
Im Jahr 1912 feierte Cardinal Kopp sein Goldenes Priesterjubiläum, was er auch zum Anlass nahm, die Verdienste von Pfarrer Christoph Karst beim Aufbau der Köpenicker Gemeinde dadurch zu würdigen, dass er ihn zum Erzbischof ad hon. ernannte. Karst selbst beging sein 25-jähriges Priesterjubiläum im Januar 1914 mit einem Hochamt.Artikel in der Zeitschrift Germania über das 25-jährige Priesterjubiläum von Christoph Karst; Faksimilé im Chronikbuch. Im gleichen Jahr war die eigene Kapelle der Ehrwürdigen Schwestern in ihrem Heim fertiggestellt und wurde am 9. August 1912 eingeweiht.Buch Chronik…, S. 46.
Im Ersten Weltkrieg kamen zahlreiche Mitglieder der katholischen Gemeinde ums Leben, für die Trauergottesdienste bzw. Kriegsandachten stattfanden. Außerdem wurde Köpenick 1916 offiziell zur Garnisonstadt, für die Militärangehörigen katholischen Glaubens führte Pfarrer Karst zusätzlich 14-tägige Militärgottesdienste durch.Buch Chronik…, S. 53 f.
In den 1920er Jahren beeinflusste die Inflation auch das kirchliche Leben in St. Josef: insbesondere waren die Beerdigungskosten „ins Unermessliche“ gestiegen, so dass kommunale Feuerbestattungsvereine großen Zulauf erhielten. Die Berliner Pfarreien (nun in der Gemeinde Groß-Berlin vereinigt) gründeten als Gegenentwicklung das Hilfswerk der Groß-Berliner Pfarreien sowie den umlagefinanzierten Begräbnisbund und konnten damit auch den Ärmeren Angebote für bezahlbare Beerdigungen machen. Die kirchlichen Vereine hatten wegen der Geldabwertung kaum noch Einnahmen durch Mitgliedsbeiträge, die Gehälter des Pfarrers und des Kaplans mussten gekürzt werden. Um aus der wirtschaftlichen Misere herauszukommen, schlossen sich die Köpenicker Katholiken zum 1. April 1923 dem Gesamtverband der Katholischen Gemeinden Groß-Berlins an.Buch Chronik…, S. 64 f.
Ab dem Jahr 1933 war auch in der St.-Josefsgemeinde der politische Umbruch spürbar: Anhänger des Nationalsozialismus marschierten im Ortsteil auf und erschienen auch in der Kirche.
Während der Olympischen Spiele 1936 in Berlin fanden im Ortsteil Grünau des Groß-Berliner Bezirks Köpenick die Ruderwettkämpfe statt. Die dafür angereisten rund 20 Sportler katholischen Glaubens hatten ihren Franziskanerpater P. Jaimes mitgebracht – dieser konnte in der St.-Josef-Kirche an drei Sonntagen Predigten in englischer Sprache halten. Der hiesige Pfarrer stellte aber mit Bedauern fest, dass die erhofften Spenden für das Kirchensäckel ausgeblieben waren.Buch Chronik…, S. 100.