mini|Eingang zum Bundesinstitut für Sportwissenschaft in Bonn Das Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) ist eine nicht rechtsfähige Bundesanstalt im Geschäftsbereich des deutschen Bundeskanzleramts (BKAmt). Sitz des Bundesinstituts ist Bonn; die Gebäude befinden sich im Ortsteil Bonn-Castell (ehemalige Düppel-Kaserne).
Aufgaben Die Aufgaben des Bundesinstituts für Sportwissenschaft (BISp) sind in einem Errichtungserlass des Bundeskanzleramts festgelegt. Infolge der stärkeren Leistungsorientierung nach dem schwachen Abschneiden bei den Olympischen Spielen 1968 und in Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 1972 in München wurde das BISp 1970 gegründet. Bis 2025 gehörte das Bundesinstitut für Sportwissenschaft zum Geschäftsbereich des Bundesministeriums des Innern. Nach den Neuwahlen 2025 und der Ernennung einer Staatsministerin für Sport und Ehrenamt wechselte der Sport zum Bundeskanzleramt. Die neue Fassung des Errichtungserlasses datiert vom 25. November 2025, veröffentlicht im GMBI 2025, S. 1.054f. Das Bundesinstitut für Sportwissenschaft hat die Aufgabe, Forschungsbedarf zu ermitteln und Forschungsvorhaben auf dem Gebiet des Sports (Ressortforschung) zu initiieren, zu fördern und zu koordinieren, die Forschungsergebnisse auszuwerten und den Transfer der Forschungsergebnisse in die Praxis in Zusammenarbeit mit dem Sport zielgruppenorientiert vorzunehmen. Dies gilt insbesondere für die Bereiche Spitzensport einschließlich Nachwuchsförderung und Talentsuche, Sportgeräte, Dopingbekämpfung, Fragestellungen zur Sportentwicklung, die für die Bundesrepublik Deutschland als Ganzes von Bedeutung sind und durch ein Bundesland allein nicht wirksam gefördert werden können. Ferner hat das Bundesinstitut für Sportwissenschaft die Aufgabe, das Bundeskanzleramt und die Staatsministerin für Sport und Ehrenamt bei ihrer Aufgabenerfüllung auf dem Gebiet des Sports fachlich zu beraten. Es wirkt auf dem Gebiet des Sportstättenbaus und der Sportgeräteentwicklung an der nationalen und internationalen Normung mit.
Der Gesamthaushalt des BISp beträgt im Jahr 2026 11,392 Mio. €, davon 6,534 Mio. € für Forschungsförderung . Die Personal- und Sachausgaben, die Investitionen des BISp sowie die Ausgaben für die Forschungsförderung sind im Kapitel 0417 veranschlagt. Aus dem vom BISp bewirtschafteten Forschungstitel 0417 / 686 01 wurden im Haushaltsjahr 2025 insgesamt 82 Projekte gefördert.
Die Forschungsförderung des BISp orientiert sich am BISp-Rahmenprogramm leistungssportbezogener Forschung und Entwicklung zur Schwerpunktsetzung sportwissenschaftlicher Forschung des BISp, welches 2024 unter Mitwirkung des Wissenschaftlichen Beirats des BISp fertiggestellt wurde. Sie erfolgt zum einen durch die Bezuschussung von Forschungsanträgen, zum anderen durch die Initiierung, Planung und Vergabe von Forschungsprojekten.
Das BISp- Rahmenprogramm umfasst folgende Forschungsfelder: Sozialstrukturelle Rahmenbedingungen spitzensportlichen Erfolgs, Gesellschaftliche Funktionen des (Spitzen-)Sports, Integrität im Sport, Leistung und Gesundheit, Leistung, Training und Wettkampf, Leistung, Psyche und soziale Interaktion, Sport- und Sportstättenentwicklung, Bildung im und durch Sport, Talent und Nachwuchsleistungssport, Nachhaltigkeit, Leistung und Technologie, Wissensmanagement, Transfer und Dissemination.
Im Jahre 2023 hat das BISp zusätzlich den Schwerpunkt „FeMaLe – Frauen und Mädchen im Leistungssport“ ausgerufen, um das Bewusstsein für die Belange von Frauen und Mädchen im Leistungssport zu schärfen und mit Forschungsprojekten gezielt und aktiv zur Aufhebung der geschlechtsspezifischen Forschungslücken und der Unterrepräsentation von Athletinnen beizutragen. Der Forschungsschwerpunkt FeMaLe ist Teil der Gesamtstrategie "Frauen im Sport" des BISp und bildet den Auftakt zu weiteren Maßnahmen zur Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Aspekte und zu entsprechenden Veranstaltungen und findet sich im Strategiepapier „Frauen und Mädchen im Sport“.
Im Herbst 2025 wurde der neue Forschungsschwerpunkt „Nachhaltigkeit und Klimaanpassungen im Leistungssport“ („NiKlas“) eingerichtet und die Maßnahmenplanung in einer Roadmap hinterlegt. Im Kontext der Klimaanpassung stehen Athletinnen und Athleten vor neuen Herausforderungen, da extreme Wetterbedingungen, Luftqualität und veränderte Umweltfaktoren direkte Auswirkungen auf ihre Leistungsfähigkeit, Gesundheit und Trainingsbedingungen haben. Praxisorientierte Lösungsansätze zur zukunftsorientierten und klimaangepassten Entwicklung des Leistungssports sowie zum Schutz der Athletinnen und Athleten sind zu entwickeln.
Das BISp ist per Erlass gemäß § 44 BHO für die Durchführung der Erfolgskontrolle der Projekte der Institute für Angewandte Trainingswissenschaft (IAT) und Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) zuständig.
Zu den Aufgaben des BISp gehört es, externe Daten zu Forschungsprojekten und -erkenntnissen mit Bezug zum Leistungssport zur zielgruppenorientierten Informationsversorgung und als Instrument für Beratungstätigkeiten für die Sportpolitik, die Wissenschaft und den Sport zu erfassen, aufzuarbeiten und zu dokumentieren. Dafür betreibt das BISp unter anderem das Sportinformationsportal SURF (www.bisp-surf.de) mit den Datenbanken SPOLIT (Literaturdatenbank), SPOFOR (Forschungsprojektdatenbank), SPOMEDIA (Audiovisuelle Medien) und dem Fachinformationsführer Sport (Internetquellen). Darüber hinaus bietet das BISp auf weiteren Internetportalen und Themenseiten zahlreiche Informationen für den (Spitzen-)Sport an.
Die Geschäftsstelle der PotAS-Kommission ist organisatorisch an das BISp angegliedert und hat ihren Sitz in Bonn. In Zusammenarbeit mit der PotAS-Kommission und im Auftrag des Bundeskanzleramtes sowie des Deutschen Olympischen Sportbundes analysiert sie die deutschen Erfolge und Perspektiven in den Sportarten des olympischen Spitzensports und stellt den Auftraggebern vergleichende Berichte zur Verfügung. Damit wird eine nachvollziehbare Datengrundlage für die Verteilung öffentlicher Fördergelder geschaffen. Darüber hinaus unterstützt die PotAS-Geschäftsstelle die Kommission in ihrer Gremienarbeit wissenschaftlich und administrativ. Zu den zentralen Aufgaben der Geschäftsstelle gehören das Datenmanagement, die wissenschaftliche Weiterentwicklung des Potenzialanalysesystems, die Kommunikation mit den Stakeholdern sowie die Aufbereitung der Analyseergebnisse.
Um die sportliche Leistungsentwicklung ganzheitlich zu unterstützen, stellt das Wissenschaftliche Verbundsystem Leistungssport (WVL) dem deutschen Leistungssport ein nachhaltiges Wissensmanagementsystem du eine Wissensmanagementplattform zur Verfügung. Hierzu wurde die Servicestelle Wissensmanagement mit Sitz am Bundesinstitut für Sportwissenschaft in Bonn eingerichtet. DOSB und BISp planen, koordinieren und moderieren gemeinsam die relevanten Wissensmanagementformate, die durch die Servicestelle und Netzwerkpartner umgesetzt werden.
Direktoren 1970–1973: Hermann Rieder 1973–1990: August Kirsch 1990–1995: Horst de Marées 1995–2005: Martin-Peter Büch 2005–2018: Jürgen Fischer 2018–2022: Ralph Tiesler 2022–2025: Andrea Schumacher seit 2025: Mirjam Rebel
Kritik Das BISp habe „für die bundesdeutsche Anabolika-Forschung im Zusammenwirken des haupt- und des ehrenamtlichen Apparates eine zentrale Rolle“ gehabt, Ommo Grupe als Direktoriumsvorsitzender und Sportmediziner Joseph Keul hätten dabei „zentrale Positionen“ eingenommen, heißt es in der Studie „Doping in Deutschland von 1950 bis heute aus historisch-soziologischer Sicht im Kontext ethischer Legitimation“, die vom BISp in Auftrag gegeben wurde. Nach Einschätzung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hat „die vom Staat finanzierte Einrichtung (…) praktisch vom Tag ihrer Gründung 1970 an Dopingforschung gefördert.“
Die Ergebnisse von Untersuchungen seien zurückgehalten worden, nach Einschätzung von Sporthistoriker Erik Eggers vermieden „das BISp und die Anabolika-freundlichen Sportmediziner“ eine größere Aufmerksamkeit, „um ihr wissenschaftliches Ziel, die Anabolika-Gabe an Sportler zu begründen, nicht zu gefährden. Mit dieser Entscheidung nahmen die verantwortlichen Personen die gesundheitliche Schädigung vieler Athleten billigend in Kauf.“ Der Studie zufolge sei das BISp in dieser Zeit als „willfähriges Instrument für die Drittmittelerschließung“ zu bewerten. Das Institut habe nicht seine Vorstellungen durchgesetzt, sondern ihm seien in der Sportmedizin die „Konzepte der bestehenden Netzwerke“ aufgedrückt worden. Das BISp und die Eliten der deutschen Sportverbände hätten laut Eggers lange vor 1976 das Ziel verfolgt, „mit der Verabreichung von anabolen Steroiden im Spitzensport größere Erfolge zu feiern“. Nach Einschätzung der Wochenzeitung Die Zeit habe das BISp „vor allen Dingen dazu“ gedient, „Anabolika-Doping wissenschaftlich zu legitimieren“. Dass mit Wildor Hollmann und Joseph Keul jahrelang zwei der führenden Sportmediziner Westdeutschlands den Fachausschuss des BISp bestimmten und damit großen Einfluss darauf hatten, wie Forschungsgelder des Instituts verteilt wurden, seien die Mittel insbesondere an Hollmanns und Keuls Institute nach Köln und Freiburg gegangen. Der Spiegel schrieb: „Über viele Jahre kassierte das Freiburger Institut sechsstellige Summen vom BISp.“ Und: „Um sein Kölner Institut zu versorgen, ließ sich Hollmann auch das BISp, dieses staatliche Füllhorn, nicht entgehen. Im Fachausschuss Medizin des BISp hielt der Kölner Kardiologe von Anfang an seine Hand auf das Budget.“ In der Studie ist von einer „Dominanz der sportmedizinischen Achse Köln-Freiburg“ die Rede, die vom BISp zu vergebenen Forschungsgelder seien „ohne echte Kontrolle verwendet“ worden. Hollmann wies das zurück, er betonte, im Fachausschuss des BISp habe es unter seinem Vorsitz (1970 bis 1992) „nie Willkür in Entscheidungen gegeben“ gegeben.
Im ersten Band des „Das Anti-Doping-Handbuches“ wird der langjährige BISp-Direktor Kirsch als der „wohl am meisten dopingbelastete Spitzenfunktionär in der Geschichte des bundesdeutschen Sports“ bezeichnet.
Dem BISp wurde vorgeworfen, wichtige Sportinstitutionen der DDR, nämlich das Forschungsinstitut für Körperkultur und Sport in Leipzig, das Dopingkontroll-Labor in Kreischa sowie die Forschungs- und Entwicklungsstelle für Sportgeräte in Berlin, integriert zu haben. Damit seien „die Giftschränke der DDR (…) im wiedervereinigten Sport“ verblieben.
Siehe auch Doping in der Bundesrepublik Deutschland
Weblinks
Homepage des Bundesinstituts für Sportwissenschaft Sportinformationsportal SURF – Sport Und Recherche im Fokus Internetportal Sportpsychologie Wissensmanagement-Plattform für das WVL
Einzelnachweise
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