mini|Clavis Systematis Sexualis (Schlüssel zum Sexualsystem) in der ersten Auflage von Systema Naturae (1735). Als Sexualsystem der Pflanzen wird Carl von Linnés wegweisende botanische Klassifikation des Pflanzenreiches bezeichnet, in der er die Pflanzen anhand von Merkmalen ihrer Fortpflanzungsorgane klassifizierte. Die Grundzüge dieses Systems veröffentlichte Linné zum ersten Mal Ende 1735 in der ersten Auflage seines Werkes Systema Naturæ.Linnés Einleitung Observationes in Regna III. Naturae ist auf den 23. Juli 1735 datiert.Das Vorwort der Druckauflage von Jan Frederik Gronovius und Isaac Lawson mit der Widmung an Hans Sloane ist auf den 19. Dezember 1735 datiert.

Klassifizierungsmethode In seinen Schriften verwendete Linné den Begriff Fructificatio, der sich von den lateinischen Begriffen fructus („Frucht“) und facere („hervorbringen“) ableitet und mit Fruchtbildungsorgane wiedergegeben werden kann. Linné verstand darunter die Gesamtheit der Bestandteile einer Blüte, die der Fortpflanzung dienen. Besondere Bedeutung maß er den Staubblättern und Stempeln, also den männlichen und weiblichen Geschlechtsorganen einer Pflanze, bei.

Linné definierte seine Klassen durch die Sichtbarkeit und Lage der Fruchtbildungsorgane sowie durch die Eigenschaften der Staubblätter. Die Ordnung ergab sich bei ihm aus der Zahl und den Lageverhältnissen von Staubblättern und Stempeln. Er war sich bewusst, dass er die Pflanzen nach einem künstlichen System ordnete, das die natürlichen Verwandtschaftsverhältnisse nicht berücksichtigte.

Linnés System mini|Clavis Systematis Sexualis in der 10. Auflage von Systema Naturae. mini|Die von Georg Dionysius Ehret gezeichnete Tafel Caroli Linnaei Classes Sive Literae in der 1. Auflage von Systema Naturale. mini|Spätere Fassung der Zeichnung Ehrets.

Linné erläuterte Georg Dionysius Ehret während seiner Arbeit am Hortus Cliffortianus sein neues Klassifizierungssystem für Pflanzen, woraufhin Ehret, zunächst für seinen privaten Gebrauch, eine Zeichnung mit den Unterscheidungsmerkmalen der 24 Klassen anfertigte. Die Tafel mit dem Titel Caroli Linnaei classes sive literae war schon 1735 Bestandteil der Erstausgabe von Linnés Systema Naturæ und wurde später auch in anderen Werken von Linné verwendet.

Hier dienen die Zeichnungen Ehrets der Veranschaulichung von Linnés Sexualsystem der Pflanzen. Unter dem fettgeschriebenen Klassennamen sind die dazugehörigen Ordnungen aufgelistet. Danach folgen beispielhaft einige Pflanzengattungen die der jeweiligen Klasse angehören.

Fruchtbildungsorgane sind deutlich sichtbar   Monocliniamonoklin = zwittrig: Staubblätter und Stempel auf einer Blüte     Staubblätter sind nicht verwachsen       alle Staubblätter sind gleich lang, variieren aber in der Anzahl       rahmenlos|100px I. MonandriaMonogynia, Digyniaz. B. Canna       rahmenlos|100px II. DiandriaMonogynia, Digynia, Trigyniaz. B. Olea, Piper       rahmenlos|100px III. TriandriaMonogynia, Digynia, Trigyniaz. B. Crocus, Iris       rahmenlos|100px IV. TetrandriaMonogynia, Digynia, Tetragyniaz. B. Protea, Hamamelis, Ilex       rahmenlos|100px V. PentandriaMonogynia, Digynia, Trigynia, Tetragynia, Pentagynia, Polygyniaz. B. Primula, Stapelia       rahmenlos|100px VI. HexandriaMonogynia, Digynia, Trigynia, Tetragynia, Polygyniaz. B. Bromelia, Oryza       rahmenlos|100px VII. HeptandriaMonogyniaz. B. Trientalis       rahmenlos|100px VIII. OctandriaMonogynia, Digynia, Trigynia, Tetragyniaz. B. Acer       rahmenlos|100px IX. EnneandriaMonogynia, Trigynia, Hexagyniaz. B. Laurus       rahmenlos|100px X. DecandriaMonogynia, Digynia, Trigynia, Pentagynia, Decagyniaz. B. Cassia, Dianthus, Silene, Oxalis       rahmenlos|100px XI. DodecandriaMonogynia, Digynia, Trigynia, Pentagynia, Dodecagyniaz. B. Sempervivum       rahmenlos|100px XII. IcosandriaMonogynia, Digynia, Trigynia, Pentagynia, Polygyniaz. B. Prunus       rahmenlos|100px XIII. PolyandriaMonogynia, Digynia, Trigynia, Tetragynia, Pentagynia, Hexagynia, Polygyniaz. B. Papaver, Paeonia, Reseda       die Staubblätter sind ungleich lang       rahmenlos|100px XIV. DidynamiaGymnospermia, Angiospermiaz. B. Thymus       rahmenlos|100px XV. TetradynamiaSiliculosa, Siliquosaz. B. Iberis     die Staubblätter sind verwachsen       rahmenlos|100px XVI. MonadelphiaPentandria, Decandria, Polyandriaz. B. Geranium, Hibiscus       rahmenlos|100px XVII. DiadelphiaHexandria, Octandria, Decandriaz. B. Lupinus       rahmenlos|100px XVIII. PolyadelphiaPentandria, Icosandria, Polyandriaz. B. Citrus, Hypericum       rahmenlos|100px XIX. SyngenesiaPolygamia aequalis, Polygamia superflua, Polygamia frustranea, Polygamia necessaria, Monogamiaz. B. Gerbera, Senecio, Helianthus, Calendula, Lobelia       rahmenlos|100px XX. GynandriaDiandria, Triandria, Tetrandia, Pentandria, Hexandria, Decandria, Polyandriaz. B. Orchis, Passiflora, Arum   Dicliniadiklin = eingeschlechtlich: Staubblätter und Stempel befinden sich auf verschiedenen Blüten       rahmenlos|100px XXI. Monoeciamonözisch = einhäusigMonandria, Diandria, Triandria, Tetrandria, Pentandria, Hexandria, Heptandria, Polyandria, Monadelphia, Syngenesia, Gynandriaz. B. Najas, Sparganium, Buxus, Ambrosia, Zizania, Jatropha, Pinus, Ricinus       rahmenlos|100px XXII. Dioeciadiözisch = zweihäusigMonandria, Diandria, Triandria, Tetrandria, Hexandria, Octandria, Enneandria, Decandria, Polyandria, Monadelphia, Syngenesia, Gynandriaz. B. Salix, Cannabis, Taxus       rahmenlos|100px XXIII. PolygamiaMonoecia, Dioecia, Polyoeciaz. B. Musa Fruchtbildungsorgane sind nicht deutlich sichtbar       rahmenlos|100px XXIV. CryptogamiaFilices, Musci, Algae, Fungiz. B. Ficus, Ophioglossum, Sphagnum, Jungermannia, Mucor, Spongia

Namensbildung Die von Linné gebildeten Namen für seine Klassen und Ordnungen lassen sich in der Regel leicht erschließen. So leitet sich beispielsweise der Name der Klasse Triandria von den beiden Wortbestandteilen tri, also „drei“ und andria für „männlich“ her und steht für eine Pflanze mit drei Staubblättern. Die Klasse Didynamia, bestehend aus di für „zwei“ und dynamia für „mächtig“ erschließt sich so als „Zweimächtige“ (zwei Staubblätter sind länger als die übrigen).

Die Pfingstrosen, die viele Staubblätter und zwei Stempel aufweisen, gehören demnach zur Klasse Polyandria und in die Ordnung Digynia.

Die folgende Tabelle soll das Verständnis für die von Linné gebildeten Name erleichtern:

Zahlwörter Andere Vorsilbe Bedeutung Silbe Bedeutung mono- ein- andr- Mann di- zwei- gyn- Weib tri- drei- -oecia häusig tetra- vier- clin- liegen penta- fünf- dynam- Macht hex- sechs- delphy- brüdrig hept- sieben- crypt- verborgen oct- acht- syn- mit, zusammen enne- neun- gam- Hochzeit, vereinigt dec- zehn- gymn- nackt dodec- zwölf- angi- Behälter icos- zwanzig- poly- viel-

Nachweise Literatur Carl von Linné: Systema Naturæ. 1. Auflage, Leiden, 1735. Carl Heinrich Schultz: Natürliches System des Pflanzenreichs nach seiner inneren Organisation, nebst einer vergleichenden Darstellung der wichtigsten aller früheren künstlichen und natürlichen Pflanzensysteme. 1832. Gottlieb Wilhelm Bischoff: Handbuch der Botanischen Terminologie und Systemkunde. 1844, Band 3, S. 1086 ff. Fritz Clemens Werner: Wortelemente lateinisch-griechischer Fachausdrücke in den biologischen Wissenschaften. 1. Auflage, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1972 (= Suhrkamp-Taschenbuch; 64), ISBN 3-518-36564-9. (aktuell: 9. Aufl., 2003)

Einzelnachweise

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