Der Bundesverband Deutscher Film-Autoren e. V. (kurz: BDFA) ist ein Dachverband der nichtkommerziellen Filmer in Deutschland. Er vereint etwa 1100 Mitglieder, die entweder einem von rund 50 Film- und Videoclubs oder dem BDFA als Einzelmitglieder direkt angehören. Der BDFA ist Mitglied der Union Internationale du Cinéma (UNICA), die ihrerseits dem Conseil International du Cinéma et de la Télévision (C.I.C.T.) der UNESCO angeschlossen ist.

Geschichte

Von den Anfängen bis 1933 Mit der Entstehung des Films gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab es – wie in vielen anderen Ländern – auch in Deutschland Menschen, die sich mit dem damals noch neuen Medium nicht als beruflichen oder kommerziellen Interessen heraus beschäftigten, sondern die Gestaltung von Filmen als Liebhaberei betrieben. Um das Jahr 1925 bildete sich in Deutschland eine erste Gemeinschaft solcher Filmamateure. Ihr Ziel war es, sich gegenseitig bei ihren Filmvorhaben zu unterstützen und die Ergebnisse auszutauschen bzw. gegenseitig vorzuführen. Um diesem Zweck auch eine mediale Plattform zu geben, erschien ab 1927 die Zeitschrift Film für alle.

Schließlich wurde 4. Juni 1927 der Bund der Filmamateure gegründet, dessen Wirkungskreis sich zunächst fast ausschließlich auf Berlin beschränkte, weil hier die meisten Filmamateure jener Zeit lebten. Erster Präsident wurde Joachim Graßmann, der zur gleichen Zeit auch der Deutschen Kinotechnischen Gesellschaft (DKG) vorstand., abgerufen am 30. Juli 2013. Bald schon schlossen sich dem Bund Filmgruppen in anderen deutschen Großstädten wie Frankfurt (Main) oder Hamburg an. Ziel des BDFA war es damals, seine Mitglieder zu beraten und die Filme zwischen den angeschlossenen Klubs auszutauschen oder im Rahmen gemeinsamer Veranstaltungen einem öffentlichen Publikum vorzuführen. Gleichzeitig begann der BDFA, Filmwettbewerbe auszurichten.

Die Amateure jener Tage benötigten für ihr Hobby nicht unerhebliche finanzielle Mittel, um Filme und Technik privat anzuschaffen. Dementsprechend war der Amateurfilm in dieser Zeit keine Massenbewegung. Der BDFA zählte 1930 rund 200 Mitglieder. Infolge der Weltwirtschaftskrise, ging der Mitgliederbestand danach zeitweilig auf rund 100 Personen zurück.

1933 bis 1945 Anders, als andere Organisationen, wurde der BDFA nach der Machtübernahme durch die Nazis nicht aufgelöst und bestand während der Zeit des Nationalsozialismus weiter. Grund hierfür waren vor allem die Themenfelder, in denen sich die BDFA-Filme zumeist bewegten. So ging es vielen Autoren vor allem um das private Filmen und andere „unpolitische“ Inhalte. Dennoch überlegten die neuen Machthaber, wie sie auch den Amateurfilm für ihre propagandistischen Zwecke nutzbar machen konnten. Ziel war es, die Amateure „aus der Sphäre der privaten Liebhaberei“ herauszulösen und sie „in die Front des Kulturschaffens“ einzugliedern.Hanns Plaumann: Der Amateurfilm marschiert. In: Völkischer Beobachter v. 2. November 1936

So begann bereits 1933 eine Neuausrichtung des BDFA nach politisch-ideologischen Gesichtspunkten. Damit einher ging eine Umbenennung des Verbandes in Bund deutscher Filmamateure. Gleichzeitig sollte eine direkte Kontrolle des BDFA durch Staats- oder Parteidienststellen ermöglicht werden. Dazu wurden die BDFA-Landesverbände in „Gauverbände des BDFA“ umgewandelt, deren Führung nach und nach in die Hände der Leiter der Gaufilmstellen, der Landesbildstellen oder der Bezirksbeauftragten der Reichsfilmkammer übergingKleine Enzyklopädie Film. VEB Bibliographisches Institut, Leipzig 1966. Die Gaufilmstellen ihrerseits waren untergeordnete Parteidienststellen der Reichspropagandaleitung der NSDAP, die Landesbildstellen unterstanden dem Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung und die Reichsfilmkammer wurde durch das Propagandaministerium geführt. Von 1933 bis 1945 war Hanns Plaumann Geschäftsführer des BDFA. Auch die Wettbewerbe des BDFA wurden zunehmend auf die Ziele der Nazis ausgerichtet, was beispielsweise durch die Auslobung von Sonderpreisen durch offizielle Stellen für Filme im Sinne des Hitler-Regimes deutlich wurde.

Mit der Überwindung der Wirtschaftskrise stiegen auch wieder die Mitgliederzahlen im BDFA. 1936 hatte er erstmals mehr als 1000 Mitglieder, 1937 existierten 27 Gauverbände. Gleichzeitig begann der BDFA, sein Wettbewerbswesen auszubauen. So wurden 1935 in Berlin zum ersten Mal die „Deutschen Amateurfilmfestspiele“ (DAFF) durchgeführt.

Mit der Verflechtung von BDFA- und Partei- oder staatlichen Strukturen gingen auch neue Angebote an die Mitglieder einher. So gab es beispielsweise eine Ermäßigung des Mitgliedsbeitrags für Angehörige der Hitlerjugend. Zudem konnte sich der BDFA auf die Möglichkeiten der Partei- und staatlichen Dienststellen stützen. So wurden Kosten für BDFA-Veranstaltungen zum Teil von diesen Dienststellen übernommen. Gleichfalls verfügten beispielsweise die Gaufilmstellen über ein weites Netz an Vorführmöglichkeiten für eigene Filmprogramme, in denen dann auch BDFA-Film gezeigt wurden.

Neben Schulungen, Technik und einer Möglichkeit für die Vorführung von Filmen konnte der BDFA seinen Mitgliedern so auch Unterstützung bei der Umsetzung von Filmvorhaben anbieten. Filme, die sich durch einen Einzelamateur nicht verwirklichen ließen, konnten gemeinschaftlich und mit der Hilfe von Ämtern und Behörden realisiert werden. So nahm der BDFA auch inhaltlich Einfluss auf die Amateurfilmproduktion und förderte besonders politisch konforme Filmprojekte. Zudem vermittelte er in Einzelfällen auch staatliche bzw. öffentliche Filmaufträge an Einzelamateure oder Klubs.

Gleichsam wurden Filmamateure, die nicht Mitglied im BDFA waren, bei der Ausübung ihres Hobbys behindert. So war die öffentliche Vorführung von Privatfilmen nach 1933 ohne Genehmigung verboten. Wollte ein Amateur seinen Film vor einem größeren Personenkreis oder öffentlich zeigen, musste er den Film der Zensur vorlegen. Bei einer einmaligen Vorführung konnte er die Genehmigung für die öffentliche Vorführung bei den örtlichen Polizeibehörden beantragen. Waren mehrere Vorführungen geplant, war eine Freigabe durch die Filmprüfstelle im Propagandaministerium notwendig. Zu dieser Prüfung musste durch den Autoren unter anderem auch ein der Nachweis arischer Abstammung erbracht werden. Arbeits- und Vorführräume des BDFA hingegen waren als Forschungs- und Bildungsstätten anerkannt und waren als solche nicht von dieser Prüfpflicht betroffen.

Trotz dieser Begünstigungen war der BDFA im Dritten Reich keine Massenorganisation. Den Mitte der 1930er Jahre knapp 1000 BDFA-Mitgliedern standen Schätzungen zufolge etwa 15000 aktive Schmalfilmer in Deutschland gegenüber, die nicht im BDFA organisiert waren. Und in einem Artikel für den Film-Kurier vom 24. Dezember 1941 klagt Hanns Plaumann, dass „nach wie vor immer nur ein Teil der Amateure in der Organisation zusammengeschlossen“ sei, „während der weitaus größere Teil ‚wild’ filmt.“Hanns Plaumann: Deutscher Amateurfilm 1941. In: Film-Kurier Nr. 302 vom 24. Dezember 1941

Mit dem Anschluss Österreichs im März 1938 wurde der 1927 in Wien gegründete Klub der Kinoamateure Österreichs (KdKÖ) als Arbeitsgruppe WIEN des BDFA in den BDFA eingegliedert.

Mit Ausbruch des Krieges wurden die Arbeitsbedingungen für die Filmamateure und damit auch für den BDFA immer schwieriger. Schnell kam es zu Engpässen bei der Versorgung mit Filmmaterial und Geräten. Aufnahmeverbote und Repressalien erschwerten die Arbeit zusätzlich. Zwar stieg die Zahl der BDFA-Mitglieder bis 1941 an, dennoch gingen die Aktivitäten des BDFA zurück. Bis 1942 führte der BDFA noch öffentliche Vorführungen und Wettbewerbe durch, auch wenn die letzten nationalen Amateurfilmfestspiele in der Zeit des Nationalsozialismus bereits 1941 in Berlin stattfanden. Ab 1943 traten die deutschen Filmamateure als solche kaum mehr in Erscheinung. Stattdessen rekrutierten die Propagandakompanien der Wehrmacht Filmberichterstatter und Frontkameraleute für die Wochenschau aus den Reihen der BDFA-Mitglieder. Dennoch drehten einige Filmamateure während des Krieges oft unter persönlichen Gefahren wichtige historische Filmdokumente. Und auch einige Wehrmachtsoffiziere hatten ohne offiziellen Auftrag ihre Filmkamera mit dabei.

1945 bis 1990 1945 wurde der BDFA zunächst aufgelöst. In der Sowjetischen Besatzungszone und später in der DDR entstanden danach neue Strukturen. Mit Unterstützung der Gewerkschaften wurden hier in zahlreichen Betrieben und bei gesellschaftlichen Organisationen Amateurfilmstudios geschaffen, in denen sich Interessierte dem Amateurfilm widmen können, ohne selbst Technik und Filmmaterial anschaffen zu müssen. Deren Aktivitäten wurden im Nationalen Zentrum Amateurfilm der DDR zusammengefasst.

In der Bundesrepublik nahm der Amateurfilm seit den 1950er Jahren einen enormen zahlenmäßigen Aufschwung. Dabei war das Amateurfilmschaffen vor allem vom Einzelamateur geprägt, der Technik und Filme selbst finanziert. Zahlreiche dieser Amateure schlossen sich in Filmklubs zusammen. 1949 wurde der BDFA wiedergegründet, dem in der Folge viele dieser Klubs betraten. 1950 wurden in Braunschweig die ersten Deutschen Amateurfilmfestspiele nach dem Krieg durchgeführt. Mitte der 1960er Jahre zählte der BDFA über 170 Klubs und hatte über 5000 Mitglieder.

Prägendes Filmformat der folgenden Jahrzehnte waren der 8-mm- und der 16-mm-Film. Ende der 1970er, Anfang der 1980er kamen Heim-Videoformate hinzu und verdrängten den herkömmlichen Schmalfilm fast vollständig. Vor diesem Hintergrund benannte sich der BDFA in Bund Deutscher Film- und Videoamateure um, behielt seine Abkürzung allerdings bei.

Im Zuge der politischen Wende in der DDR wurde 1990 dort der Bund der Film- und Videoamateure der DDR (BdFV/DDR) gegründet, der analog zum BDFA in der Bundesrepublik in Landesverbände gegliedert war. So entstand zum Beispiel im März 1990 als einer der ersten in Dresden nach neuem Recht registrierten Vereine überhaupt der Video- und Filmverband Sachsen e. V., abgerufen am 4. Dezember 2016.Video- und Filmverband Sachsen e. V.: Kurze Geschichte des VFS, abgerufen am 4. Dezember 2016 Diesen Landesverbänden konnten Nachfolgeeinrichtungen der DDR-Amateurfilmstudios, die meist als Vereine entstanden, beitreten. Aufgrund der politischen und gesellschaftlichen Unsicherheiten in dieser Zeit, machten allerdings nur wenige Amateurfilmgemeinschaften der DDR davon Gebrauch. Viele der bis dahin in der DDR bestehenden Amateurfilmstrukturen zerfielen daraufhin oder wurden durch den Wegfall der Trägerbetriebe und -einrichtungen zerschlagen. Im Zuge der Wiedervereinigung löste sich der BdFV/DDR auf und seine Landesverbände traten dem BDFA bei.

1990 bis heute Durch die weitere Verbreitung der Videotechnik und mit dem Beginn des Digitalen Zeitalters vollzog sich seit dem Ausgang des 20. Jahrhunderts auch im Amateurfilm ein Wandel, der die private Aufzeichnung bewegter Bilder zur „Massenerscheinung“ und den einzelnen Filmamateur unabhängig von aufwändiger und teurer Technik werden ließ. Hinzu kam, dass das Internet neue Möglichkeiten der Veröffentlichung von nichtkommerziellen, mithin privaten Filmen eröffnete. Für den BDFA machte sich das in einem zunehmenden Rückgang der Mitgliederzahlen bemerkbar, der bis heute anhält.

So verlegt der BDFA in den letzten Jahren seinen Schwerpunkt zunehmend auf die Ausrichtung attraktiver Wettbewerbe für ambitionierte Amateure mit professionellem Gestaltungsanspruch und öffnet sich auch für Filmstudenten und andere Filmschaffende mit professionellem Hintergrund, aber ohne kommerzielle Ausrichtung. Im Zuge dieser Entwicklung erhielt der BDFA in den 2000er Jahren seinen heutigen Namen Bundesverband Deutscher Film-Autoren, wobei die Abkürzung BDFA nach wie vor beibehalten wird.

Präsidenten 1927–1935: Johannes Graßmann 1935–1945: Karl Melzer 1950–1952: Erich Schau 1952–1954: Walther Bever-Mohr 1954–1955: Josef Mehler 1955–1962: Hans Debois 1962–1991: Josef Walterscheidt 1991–1997: Eckart Stiehl