mini|Kutchin-Jäger 1847 mini|Siedlungsgebiet der Gwich'in (mittleres blauviolett im Norden) u. a. First Nations im Yukon-Territorium, Nordwest-Territorien und Alaska vor Ankunft der Europäer. Karte (russisch) des Linguarium-Projektes der Lomonossow-Universität. Die Gwich'in oder Gwitchin (früher auch Kutchin genannt) sind eine indianische Stammesgruppe im Grenzgebiet zwischen Kanada und Alaska und zählen sowohl sprachlich als auch kulturell zu den Alaska Athabasken und Nördlichen Athabasken. Von französisch-kanadischen Voyageurs (Pelzhändlern) wurden sie als Loucheux oder Loucheaux („Schielende“, „Schieler“ oder „Schielauge“) bezeichnet, während die Briten sie als Tukudh oder Tukkuth bezeichneten, da die erste Bibelübersetzung durch anglikanische Missionare im Dialekt der Dagoo Gwich'in / Dagudh Gwich'in / Tukudh Kutchin / Tukkuthkutchin / Upper Porcupine River Kutchin erfolgte.
Weitere Namen der Gwich'in (meist nur die Bezeichnung für eine einzelne Gruppe, die dann auf alle übrigen übertragen wurde) sind: Kutcha Kutchin, Yukon Flats Kutchin, Fort Indians, Ik-kil-lin, Gilder, Itchali, It-ka-lya-ruin, Nuwukmiut, Itkpe’lit, It-ku’dlin, Lowland People, Na-Kotchpo-tschig-Kouttchin, O-til’-tin und Rat Indians.Aus dem Artikel Kutchin vom Indianer-Wiki übernommen.
Sie bezeichnen sich selbst bisweilen als Dinjii Zhuu (wörtlich: „kleine Leute“, mit der Bedeutung: „demütige, bescheidene Leute“)Traditional Ecological Knowledge and Biological Sampling of Nonsalmon Fish Species in the Yukon Flats Region, Alaska - Ethnohistoric Summary of the Denduu and Gwichyaa Gwich’, wobei sie unter diesem Begriff oftmals alle Indianer verstanden, um sie von den oftmals feindlichen Yupik und Iñupiat Eskimo – von ihnen Ch'ineekaii genannt – sowie später von den Europäern abzugrenzen.
Sie stehen sprachlich-kulturell den ebenfalls zu den Alaska Athabasken zählenden Han (Hän Hwëch'in), den Tutchone (Huč’an / Ku Dän) und Upper Tanana (Kohtʼiin) sehr nahe, wobei nördliche Gwich'in Bands von den Yupik und Iñupiat Eskimo manche Kulturtechniken übernommen haben.
Die rund 9000 Gwich'in leben heute zumeist in 15 Siedlungen und Gemeinden im Nordosten und Osten vom Interior Alaska, im Norden vom Yukon und im Nordwesten der Nordwest-Territorien. Weitere Gwich'in leben in drei mehrheitlich von Koyukun (Hut’aane / Hotana) sowie in einer mehrheitlich von Han (Hän Hwëch'in) bewohnten Siedlung in Alaska.
Stammesgebiet Die Gwich'in durchstreiften einst die Nadelwälder, Waldtundren und offenen Tundren Alaskas und Kanadas im Flussgebiet des Yukon River und dessen Nebenflüssen Birch Creek, Beaver Creek, Pelly River, Porcupine River und Chandalar River sowie im Flussgebiet und Delta des Mackenzie River und dessen Nebenflüssen Arctic Red River, Peel River und Horn River. Die meisten Gebiete lagen hierbei nördlich des Polarkreises. Die Gwich'in sind der am weitesten im Norden lebenden Stamm aller Indianer Nordamerikas.
Im Norden ihres Stammesgebiets lebten verschiedene Gruppen der Iñupiat (Alaska) und Inuvialuit Inuit (Yukon und Nordwest-Territorien),www.alaskool.org - Indigenous Languages and Peoples of AlaskaCouncil of Yukon First Nations - Yukon Language Map im Osten lebten die regionalen Stammes- bzw. Dialektgruppen der K'ahsho Got'ine (Hare(skin) Dene) und Shita Got'ine/Shúhtagot'ine (Mountain Dene) der North Slavey (zumeist östlich des Anderson River und Mackenzie River), im Südosten die Northern Tutchone, im Süden die eng verwandten Han (Hän Hwëch'in) (Han Gwich'in), im Südwesten die Tanacross und Tanana (Lower Tanana) / Middle Tanana der Tanana Athabasken (Tanan Gwich'in) sowie im Westen die Koyukon (Teetsii Gwich'in).
Als halbnomadische Jäger und Sammler zogen sie zumeist in kleinen Familienverbänden umher und lebten mehrheitlich vom Fischfang, der Karibujagd und dem Sammeln von Früchten und Wildpflanzen.
Sprache mini|Sprachbeispiel Gwich'in, WIKITONGUES-Projekt Ihre gleichnamige Sprache Gwich'in (Kutchin, Takudh, Tukudh, Loucheux) oder Dinjii Zhu' Ginjik gehört zur Familie der Nördlichen Athabaskischen Sprachen, dort zur regionalen Untergruppe namens Central Alaska–Yukon und bildet zusammen mit dem Hän (Häɬ goɬan) bzw. Han (Hankutchin, Moosehide, Dawson, Gens du Fou, Han Gwich-in, Han-Kootchin) der Hän (Hän Hwëch'in) hierin nochmals die sprachliche Untergruppe Kutchin-Han. Allgemein wird eine westliche Dialektgruppe (größtenteils in Alaska) und eine östliche Dialektgruppe (Yukon und Nordwestterritorien) unterschieden, wobei jede Band bzw. heute Siedlung wiederum einen eigenen Dialekt aufweist. Waren die meisten Sprecher Alte und Ältere, von denen 1998 nur noch 40 ihre Muttersprache zu Hause sprachen und weitere angaben, sie zu beherrschen, jedoch nicht aktiv zu sprechen, so hat sich die Anzahl der Muttersprachler bzw. derjenigen die diese beherrschen durch ein intensives Revitalisierungsprogramm an Schulen, das versucht diese an die nächsten Generationen weiterzugeben, wieder erhöht. Die Sprache wird heute wieder von ca. 400 Stammesangehörigen in den Nordwest-Territorien und im Yukon gesprochen (westliche Dialektgruppe) sowie von ca. 300 weiteren Stammesangehörigen in Alaska (östliche Dialektgruppe).Omniglot Gwich'in Gwich'in (Dinjii Zhu' Ginjik) hat – neben anderen indigenen Sprachen und dem kanadischen Englisch sowie dem kanadischen Französisch – zudem den Status einer offiziellen Amtssprache in den Nordwest-Territorien.
Zugehörige Stämme und Clans Einst unterteilten sich die Gwich'in in neun separate regionale Bands, die in mehrere Lokalgruppen (local bands) gegliedert waren, die wiederum aus einer oder mehreren matrilinearen Großfamilien bestanden. Jede dieser Bands sprach ihren eigenen Dialekt, konnte sich jedoch gegenseitig verständigen. Jede Band bezeichnete sich als Gwich'in („Volk“; wörtlich: „Bewohner einer Gegend“) sowie unter Einbeziehung des Namens des jeweiligen Hauptdorfes oder Flusses als Ortsangabe zur eindeutigen Identifizierung und Abgrenzung gegenüber benachbarter, aber unterschiedlicher Bands. So bezeichneten sich die Gwich'in entlang des Black River als Draan'jik Gwich'in; der Name leitet sich von der Bezeichnung des Black Rivers als Draan'jik (und somit als Ortsangabe) und von Gwich'in („Bewohner einer Gegend“) als Hinweis, dass es sich hierbei um ihr Stammesgebiet handelt, ab und bedeutet wörtlich („Bewohner der Gegend entlang des Black River“) – wird jedoch meist als („Volk entlang des Black River“) wiedergegeben (siehe gleiches: Hwech’in / Hwëch’in bei den Han sowie Huč’an / Ku Dän bei den Tutchone).
Historische Gwich'in Bands von West nach Ost: Di'hąįį Gwich'in / Di'haii Gwich'in / Upper Koyukuk River Kutchin („Volk, das am weitesten flussabwärts lebt“; lebten in der Tundra entlang des Colville River nördlich des Polarkreises im Norden Alaskas bis zum Upper Koyukuk River in der Waldtundra im Süden, wurden Mitte des 19. Jhd. von den Nunamiut Iñupiat aus ihrer Heimat vertrieben, schlossen sich hierauf den südöstlich lebenden Neets'ąįį Gwich'in an; heute: Venetie (Vįįhtąįį), Alaska)Alaska Native Place Names Neets'ąįį Gwich'in / Neets'it / Natsikutchin / Chandalar River Kutchin („Bewohner der Nordseite [des Yukon River]“; lebten am Nordufer des Yukon River (Yukon – „großer Fluß“) sowie im Flussgebiet des Chandalar River (T'eedriinjik) ostwärts bis zum Sheenjek River; heute: Arctic Village (Vashrąįį K’ǫǫ) und Venetie sowie einige in Fort Yukon, Alaska) Dendu Gwich'in / Deenduu / Dendoo Gwich'in / Birch Creek Kutchin („Volk im Vorgebirge der Tanana Hills und White Mountains“ wörtlich jedoch „Bewohner der anderen Seite [Südseite des Yukon River], d. h. Bewohner des Birch Creek“, lebten meist am Südufer des Yukon River sowie im Flussgebiet des Birch Creek (K'iidòotinjik) und Beaver Creek (Tsèenjik)Talking Alaska Reflections on the Native languages of Alaska - Win some, lose some, auch als Ishenzhik Gwich’in – „Bewohner des Birch Creek“ bezeichnet, Eigenbezeichnung: Tsatet’aich’in – „Bewohner der zusammenfließenden Bäche, d. h. des Birch Creek, Beaver Creek, deren Nebenflüsse und die Sumpfgebiete“; heute: Birch Creek (Denduu) sowie einige in Fort Yukon, Alaska)Einige Historiker und Anthropologen glauben, dass diese Band durch eine Scharlach-Epidemie in den 1880er Jahren ausgelöscht wurde Gwichaa Gwich'in / Yukon Flats Kutchin („Volk der Yukon Flats (Yukon Ebenen)“ oder „Fort Yukon Volk“, lebten in den Yukon Flats beiderseits des Yukon River bis zum Zusammenfluss von Yukon River (Yukon – „großer Fluss“) und Porcupine River (Ch’ôonjik); heute: Fort Yukon (Gwicyaa Zhee / Gwichyaa Zheh – „Haus in den Yukon Flats (Yukon Ebenen)“), Circle und Beaver, Alaska) Draan'jik Gwich'in / Tranjikutchin / Black River Kutchin („Volk entlang des Black River (Draan'jik)“, lebten östlich der Gwichaa Gwich'in / Yukon Flats Kutchin im Flussgebiet des Black River (Draan'jik – „Proviantlager entlang des Flusses“) und des Salmon Fork River; heute: Chalkyitsik (Jałgiitsik) sowie einige in Fort Yukon, Alaska) Van Tat Gwich'in / Vuntut / Vantee Gwitchin / Crow River Kutchin („Volk inmitten der Seen (der Old Crow Flats)“ oder „Old Crow Flats Volk“, lebten entlang Bluefish River (Shriijaa Njik) sowie entlang des Middle Porcupine River (Ch’ôonjik) und des Old Crow River (Chyahnjik) sowie in den ca. 6.170 km² großen Old Crow Flats (Old Crow Ebenen), 75 km nördlich des Polarkreises und 110 km südlich der Beaufort Sea, die von den Richardson Mountains im Osten, den British und Barns Ranges im Norden, den Davidson Mountains im Westen und den Crow Mountains im Südwesten fast eingeschlossen sind, und durch mehr als 2000 kleinen Seen, Teichen und Sümpfen geprägt werden und daher von den Gwich'in Van Tat („viele Seen“, abgel. von Van = „See“, Tat = „viele“) genannt wurdenPlunge Into Vuntut Gwitchin Waters - Gwitchin Vocabulary; heute: Old Crow (Van Tat), Yukon), traditionelle Camps der Van Tat Gwich'in (einige wurden später zu Handelsposten und festen Siedlungen ausgebaut) waren Rampart House (Gindèhchìk, 1947 als Siedlung aufgegeben), Schaeffer Lake (K’ìi Zhìt, am Schaeffer Creek (Neetaii)), Crow River (Chyahnjik) und Crow Flats (Van Tat). – manchmal auch als Middle Porcupine River Kutchin bezeichnet. Dagoo Gwich'in / Dagudh Gwich'in / Tukudh Kutchin / Tukkuthkutchin / Upper Porcupine River Kutchin („Volk im Gebiet der Schneehühner“ oder „[Upper] Porcupine River Volk“, lebten östlich und südlich der Van Tat Gwich'in zumeist im Bergland entlang des Upper Porcupine River (Ch’ôonjik), des Whitestone River (Sheihveenjik), des Fishing Branch River (Ni'iinlii Njik), Driftwood River (Troo Chòo Njik), des Miner River (Ch'inèetsii Njik), des Bell River (Chii Vee Njik), des Eagle River (Ch'izhìn Njik) bis zum Blackstone River (Tth'oh zraii njik) und dem Oberlauf des Ogilvie River (Gwazhàl Njik), beides Quellflüsse des Peel River (Teetl'it njik), einschließlich des westlichen Oberen Peel River-Beckens, traditionelle Camps der Dagoo Gwich'in (einige wurden später zu Handelsposten und festen Siedlungen ausgebaut) waren LaPierre House (Zheh Gwatsàl – „kleines Haus“, am Bell River, ca. 120 km westlich von Old Crow), Whitestone Village (Chuu Tl'it), Johnson Creek Village (Kâachik, wörtlich: „Wintersiedlung“) und Driftwood Village (Troo Chòo Njik, an dessen Mündung), Fischgründe stellten große Seen wie der Whitefish Lake (Ch'ihilii Chìk, östlich des Porcupine River und südlich des Bell River)Van Tat Gwich’in cultural technology Project Year Three: Dagoo und der Porcupine Lake (Ch'ijuulaii) dar, schlossen sich nach einer Epidemie und der Dezimierung der Karibuherden in den 1950er Jahren den Van Tat und Teetł'it Gwich'in an; heute: Old Crow (Van Tat), Yukon und Fort McPherson, Northwest Territories)