mini|Dom von Wiener Neustadt mini|Südostansicht des Domes

Der Dom von Wiener Neustadt (auch Liebfrauendom) ist ein im Kern spätromanischer Kirchenbau in Wiener Neustadt in Niederösterreich.

Der römisch-katholische Dom, war zunächst eine Pfarrkirche, die 1279 dem Patrozinium der Hl. Jungfrau Maria und des Hl. Rupert unterstellt wurde. Von 1468 bis 1785 war er Kathedrale der Diözese Wiener Neustadt.. Geschichte in Kurzfassung, abgerufen am 27. Januar 2016. Bei der Gründung der Stadt gehörte Wiener Neustadt zum Herzogtum Steiermark und somit zur Erzdiözese Salzburg, weshalb die Kirche das Patrozinium des Hl. Rupert erhielt. Seit 1990 ist Wiener Neustadt eine Titulardiözese.

Heute ist der Dom ist Propsteipfarrkirche von Wiener Neustadt im Dekanat Wiener Neustadt im Vikariat Unter dem Wienerwald der Erzdiözese Wien. Die Kirche steht unter Denkmalschutz (Listeneintrag).

Geschichte Lage und Orientierung Die Lage und Orientierung des Domes ist Teil der mittelalterlichen Stadtplanung. Seine Achse (Langhaus) schneidet die Nord- und Westseite genau in der Mitte und zeigt dorthin, wo am Pfingstsonntag (24. Mai 1192) die Sonne aufgegangen ist. Dieser Termin entspricht dem Tag, an dem Herzog Leopold V. durch Kaiser Heinrich VI. mit der Steiermark belehnt worden ist. So wurde dieses Ereignis im Grundriss der Stadt verewigt. Ein Jahr später, am Pfingstsonntag 1193 (16. Mai), wurde der Chor ebenfalls nach der aufgehenden Sonne orientiert und der Grundriss des Domes vom Portalpunkt P aus abgesteckt. Die Lage des Portalpunktes wurde als Schnittpunkt zweier Geraden definiert, und zwar der Achse Langhaus mit der Verbindungslinie zwischen dem Absteckpunkt der Stadt A am Hauptplatz und dem NW-Eckpunkt der Stadt (Reckturm). Die Punkte A und P sind heute durch beschriftete Metallmarken lagetreu kenntlich gemacht. Durch die unterschiedlichen Orientierungstage erklärt sich der auffällige Achsknick im Dom zwischen Langhaus und Chor, der nach Süden zeigt. Er wurde bei der Errichtung des gotischen Chores als „heilige Linie“ vom romanischen Bau übernommen.Erwin Reidinger: Planung oder Zufall – Wiener Neustadt 1192. Wiener Neustadt 1995/Wien 2001 (Planbeilage), ISBN 3-900844-33-X/ISBN 3-205-99339-X, S. 267–389; Erwin Reidinger: Stadtplanung im hohen Mittelalter, Wiener Neustadt – Marchegg – Wien. In: Europäische Städte im Mittelalter, Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte. Band 52, Wien 2010, ISBN 978-3-7065-4856-4, S. 155–176.

Geschichte des Gebäudes Im Jahre 1207 wurden die führenden Pfarrrechte der Mutterpfarre der Pfarrkirche Lanzenkirchen hl. Nikolaus in Lanzenkirchen nach Wiener Neustadt übertragen. Etwa zur gleichen Zeit begann der Bau der Pfarrkirche, die ursprünglich aus dem heutigen Langhaus und den Westtürmen bestand. Anstelle der romanischen Apsis wurde im 14. Jahrhundert ein Querschiff und ein Chor im gotischen Stil errichtet. Außerdem wurde die Sakristei angebaut. Ende des 15. Jahrhunderts wurde der Dom mit lebensgroßen Holzstatuen der 12 Apostel ausgestattet, die traditionell Lorenz Luchsperger zugeschrieben wurden. Ein bemerkenswertes Modell dieser Apostelgruppe ist in der Pfarrkirche Hausmannstätten erhalten.

Von 1588 bis 1630 war Melchior Khlesl Administrator des Bistums Wiener Neustadt. Er stiftete die frühbarocke Kanzel. Der spätbarocke Hochaltar mit dem Hochaltarbild von Gian Domenico Cignaroli,Dehio S. 2608 das die Himmelfahrt Mariens darstellt, wurde 1776 eingeweiht.

Im Jahr 1870 wurde der südlich des Domes stehende romanische und gotische Karner Wiener Neustadt hl. Michael abgetragen.

Nach mehreren Erdbeben wurden die 64 Meter hohen Türme im 19. Jahrhundert baufällig. 1886 wurden sie abgetragen und nach den alten Plänen unter der Leitung des Wiener Architekten Richard Jordan von 1892 bis 1899 wieder aufgebaut.

Beim Erdbeben vom 16. April 1972 Vormittag (EMS = 7) mit einem Epizentrum unter Seebenstein fielen während einer Messe Mauerteile herab. Es wurde jedoch niemand verletzt.

Von 1975 bis 1999 wurde der gesamte Dom zunächst innen unter Bischof Florian Kuntner, dann außen unter Dompropst Heinrich Hahn von Steinrestaurator Klaus Wedenig vollständig renoviert.Klaus Wedenig, Steinrestaurierung am Wiener Neustädter Dom. Das Bauwerk des Domes von Wiener Neustadt, abgerufen am 28. September 2009.

Brand 2012 Am 6. März 2012 brach aufgrund von Brandstiftung in einer Seitenkapelle (ehemalige Taufkapelle) durch einen 15-Jährigen ein Feuer aus, welches einen alten Betstuhl, die in der Kapelle abgestellte Erntekrone sowie eine Weihnachtskrippe völlig zerstörte. Der Feuerwehr gelang es, ein Übergreifen der Flammen auf den Dachstuhl zu verhindern. Durch die starke Rauchentwicklung und den Löschwassereinsatz wurde der Dom stark in Mitleidenschaft gezogen. Der Schaden in der Kirche belief sich auf mehr als eine Million Euro, so musste unter anderem die gesamte Domorgel in die kleinsten Einzelteile zerlegt und gesäubert werden. Für die Sanierungsarbeiten war der Dom für sechs Monate gesperrt, als Ersatzort diente in dieser Zeit die Vorstadtkirche St. Leopold.Website der Dom- und Propsteipfarre, abgerufen am 24. März 2012.

Am 20. April 2012 wurde bekannt, dass der 15-jährige Brandstifter gefasst wurde. Bei der Gerichtsverhandlung leugnete der Angeklagte jedoch die Brandstiftung. Am 21. November 2012 wurde der Jugendliche zu 20 Monaten bedingter Haft verurteilt.

Seelsorge Mit 1. September 2020 wurde Monsignore Franz Xaver Brandmayr Propst am Dom von von Wiener Neustadt. Er folgte Karl Pichelbauer nach, der in den Ruhestand trat. Ab 1. September 2026 wird Abt em. Thomas Renner OSB neuer Propst des Domes.

Architektur

Äußeres Der Dom steht ungefähr in der Diagonale des im Wesentlichen rechteckigen Domplatzes (zur Ausrichtung siehe oben). An das Westwerk mit den beiden romanischen Türmen und dem Emporengeschoß schließt sich das romanische Langhaus an. Nach den beiden Querschiffarmen folgt im Osten der gotische Chor. Über der Vierung erhebt sich ein spätgotisches Vierungstürmchen.Der Abschnitt „Architektur“ beruht zusammengefasst und gekürzt auf Dehio S. 2603–2614

Westwerk Das Westwerk wird von den beiden Türmen, die 1886 wegen Baufälligkeit abgetragen und von 1892 bis 1899 dem vorherigen Zustand weitestgehend entsprechend wieder aufgebaut wurden, und der dazwischen gelegenen Fassade gebildet. Die Türme sind durch Rundbogenfriese gegliedert, haben mächtige Eckstreben, kreisrunde Maßwerkfenster im Erdgeschoß, Biforenfenster sowie Spitzbogenöffnungen in den Glockengeschoßen und tragen achtseitige Spitzhelme. Dem südlichen Turm ist an der Westseite ein kleiner Wendeltreppenturm mit steilem Spitzhelm aus dem dritten Drittel des 13. Jahrhunderts vorgestellt.

Das Portal ist als rundbogiges profiliertes Trichterportal ausgeführt. Den darüber gelegenen Tympanon nimmt die Kopie eines Wandgemäldes der thronenden Maria mit dem Jesuskind ein (das Original aus der Mitte des 13. Jahrhunderts wurde abgenommen und befindet sich im Stadtmuseum). In der oberhalb davon gelegenen, durch einen Rundbogenfries abgeteilten Giebelwand sitzt eine große zentrale Fensterrosette.

Östlich der Türme schließt sich das Emporengeschoß an, das bis zur Dachtraufe des Mittelschiffs reicht; es ist in gleicher Art wie das erste Turmgeschoß mit einem Kreisfenster gestaltet.

Langhaus Das als Basilika ausgeführte Langhaus datiert aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Das Mittelschiff ist mit Gliederung durch Lisenen, Zahnschnitt- und Rundbogenfriese sowie schmale Rundbogenfenster romanisch gestaltet und mit einem hohen Satteldach versehen. Die Seitenschiffe sind durch flache Strebepfeiler sowie Friese gegliedert und tragen Pultdächer; unterhalb der Traufe wurden 1755 kartuschenartige barocke Fenster in tiefen segmentbogigen Nischen eingesetzt, welche jeweils im zweiten Joch die Dachtraufe durchbrechen und mit Kalotten abgeschlossen sind. Jeweils im fünften Joch befindet sich auf beiden Seiten ein romanisches gestuftes Portal in einem seichten Vorbau, wobei das südliche (das so genannte Brauttor) besonders reich gestaltet ist.

An der südlichen Wand des Langhauses befindet sich links vom Brauttor ein Denkmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege in Form eines monumentalen Standbildes eines Kreuzritters, geschaffen von Josef Krippel 1930/31. Rechts vom Brauttor ist als Spolie eine Inschriftenplatte eingearbeitet, die sich ursprünglich über dem Tor des 1776 aufgelassenen Friedhofs am St.-Michaels-Karner befunden hatte. Am dritten Joch ist ein Epitaph aus rotem Marmor für die 1671 in Wiener Neustadt hingerichteten kroatischen Magnaten Petar Zrinski und Fran Krsto Frankopan angebracht – das einzige Grabdenkmal, das 1885 nicht ins Innere des Doms transferiert wurde. Zwischen erstem und zweitem Joch befindet sich die Skulptur einer spätgotischen Ölbergszene unter einem spätgotischen Baldachin (aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts).

Querschiff Das schmale Querschiff stammt aus dem ersten Viertel des 14. Jahrhunderts. Es ist gleich hoch wie das Mittelschiff und trägt ein Satteldach. Die Fassaden sind durch Friese und, an den Giebelfronten, flankierende schmale Strebepfeiler gegliedert. In den Giebelfassaden befinden sich auf beiden Seiten seichte spitzbogige Trichterportale und darüber ein hohes Spitzbogenfenster. Dem südlichen Portal ist eine Renaissance-Portalvorhalle in Form eines Baldachins mit Rundbogenarkaden und Sternrippengewölbe vorgestellt.

An der Ostwand des südlichen Querschiffarms ist ein halbrunder spätgotischer Wendeltreppenturm angebaut, der bis zur Dachtraufe reicht.

An der Westseite des nördlichen Querschiffs befindet sich ein stark verwittertes spätgotisches Relief (bezeichnet 1482), ebenfalls eine Ölbergszene.

Über der Vierung steht ein spätgotisches sechsseitiges zweigeschoßiges Türmchen (erbaut 1482) mit einem spitz zulaufenden sechsteiligen Helm.

Chor mini|Chor, Querschiff und Vierungstürmchen (Ansicht von Nordosten) Der dreijochige Chor wurde ebenfalls im ersten Viertel des 14. Jahrhunderts erbaut, trägt ein Halbwalmdach und ist als 5/8-Polygon ausgeführt. Er weist hohe schmale Spitzbogenfenster auf, von denen um 1770 die im Polygon gänzlich, jene in den Seitenwänden teilweise zugemauert wurden. In den Chorwinkeln schließen korrespondierende einjochige Nebenchöre mit Spitzbogenfenstern an. Seitlich an den Nebenchören sind auf beiden Seiten Kapellen mit Halbwalmdach und einem großen Maßwerkfenster angebaut; die nördliche (so genannte Taufkapelle) ist mit 1486 bezeichnet, die südliche, dem heiligen Franz von Assisi geweihte stammt aus den 1520er Jahren.

An der Nordseite ist zwischen den Strebepfeilern des Chors die zweigeschoßige Wintersakristei angebaut; ein eingemauerter Stein trägt die Inschrift „AEIOV 1447“. Daran schließt sich die eingeschoßige Sommersakristei an.

An der Südseite ist an den Chor die Silbersakristei (bezeichnet 1491) angebaut.

Innenraum mini|Blick aus dem Mittelschiff zum Chor, bedingt durch den Achsknick Pfingstsonntag 1193 (16. Mai) ist der Hochaltar nach rechts verschoben sichtbar Das Langhaus aus der Übergangszeit von der Spätromanik zur Frühgotik ist eine siebenjochige, dreischiffige Basilika mit einem schmalen hohen Mittelschiff sowie Seitenschiffen, die bis zur halben Höhe des Mittelschiffs reichen. Das Mittelschiff öffnet sich in spitzbogigen Arkaden zu den Seitenschiffen; es ist durch tief eingeschnittene rundbogige Obergadenfenster belichtet und durch ein Kreuzrippengewölbe zwischen massiven Gurten gedeckt. Die Seitenschiffe weisen ebenfalls Kreuzrippengewölbe zwischen spitzbogigen Gurtrippen auf. Die Empore im Westen reicht über alle drei Schiffe, ist bis zum Gewölbescheitel hochgemauert und gegen das Mittelschiff durch einen breiten gedrückten Spitzbogen, gegen die Seitenschiffe durch Biforenfenster geöffnet.

Das schmale Querschiff ist durch ein sechsteiliges Birnstab-Rippengewölbe eingedeckt.

mini|links|Chor mit Hochaltar