mini|hochkant|Universelles Recycling-Symbol angelehnt an das Möbiusband Beim Recycling (gelegentlich als RC abgekürzt) bzw. bei der regenerativen Abfallverwertung werden nicht mehr gebrauchte Produkte und Materialien wiederverwertet, indem sie vollständig oder teilweise zu Sekundärrohstoffen aufbereitet werden. Die so produzierten Stoffe werden als Rezyklate (seltener: Recyclate) oder Regenerate bezeichnet.

Der Begriff „Recycling“ ist ein Lehnwort aus dem Englischen (recycling – ausgesprochen [] – für „Wiederverwertung“ oder „Wiederaufbereitung“); etymologisch leitet er sich vom griechischen kýklos (Kreis) sowie dem lateinischen Präfix re- (zurück, wieder) ab.

Recycling trägt als wesentlicher Bestandteil der Kreislaufwirtschaft dazu bei, Materialkreisläufe zu schließen oder zu verlangsamen und so den Einsatz natürlicher Ressourcen und die Erzeugung von Emissionen zu vermindern. Gesetzlich wird erst von Recycling gesprochen, wenn der Rohstoff zuvor als Abfall einzustufen war; andernfalls handelt es sich um Wiederverwendung. Der umgangssprachliche Gebrauch des Begriffs „Recycling“ umfasst oft beide Bedeutungen.

mini|Recyclingstelle an der Technischen Universität Danzig mini|Video: Recycling – eine uralte Idee

Definition und Einordnung Die Abfallrahmenrichtlinie der EU (Richtlinie 2008/98/EG) und das Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) definieren Recycling folgendermaßen:

Das Recycling wird dabei in eine Abfallhierarchie eingeordnet, die als grundlegende Prioritätenfolge für alle Rechtsvorschriften und politischen Maßnahmen im Bereich der Abfallvermeidung und -bewirtschaftung festgelegt ist:

Vermeidung – unter anderem durch das Verbot umweltgefährdender Stoffe wie PCB und FCKW Vorbereitung zur Wiederverwendung – zur erneuten Nutzung des Guts für denselben Zweck wie bei Mehrweg-Pfandflaschen oder Second-Hand-Nutzung oder für neue Produkte wie beim Upcycling gebrauchter Paletten zu Möbelstücken Recycling – die Aufbereitung definierter Abfallstoffströme oder Teilen davon zu vermarktungsfähigen Sekundärrohstoffen durch stoffliche Verwertung sonstige Verwertung zum Beispiel energetische Verwertung – die Verbrennung oder Vergasung zur Energiegewinnung Beseitigung – zum Beispiel durch Deponieren.

Entgegen dem häufig etwas unklaren allgemeinen Sprachgebrauch beinhaltet Recycling demnach nur den Punkt 3 dieser Liste. Die Gesetzgebung legt damit eindeutig fest, dass Maßnahmen zur Vermeidung von Abfällen dem Recycling vorzuziehen sind.

Die Europäische Kommission hat 2022 in einem Evaluierungsbericht mit Sanieren und Reparieren den Punkt 2 hervorgehoben. Die zum Ökodesign fordert nachhaltige Produkte.

Hat ein Abfallgegenstand das Ende der Abfallhierarchie erreicht und soll beseitigt werden, ist dies gemäß KrWG nur in den dafür zugelassenen Anlagen (zum Beispiel Deponien) zulässig. Die Nichteinhaltung kann ein Bußgeld nach Abs. 1 Nr. 2 KrWG, in schweren Fällen auch ein Strafverfahren nach ff. Strafgesetzbuch nach sich ziehen.

Downcycling und Upcycling mini|Möbel aus alten Felgen (aufgenommen in Osttimor) Das Ausgangsprodukt, das Erfassungskonzept (Gelber Sack, Recyclinghof, gewerbliche Sammlung etc.) und die zur Aufbereitung nutzbare Infrastruktur entscheiden darüber, welche Recyclingrouten möglich sind, und damit über die Qualität des gewonnenen Rezyklats. Viele vermischte oder verschmutzte Stoffe lassen sich nicht ökonomisch aufbereiten, ohne die Stoffeigenschaften oder die Verarbeitbarkeit zu verschlechtern. Um die Qualitätsminderung, die mit vielen Recyclingprozessen einhergeht, zu verdeutlichen, wird der Begriff Downcycling verwendet.

Wird ein Produkt hingegen in ein neues, höherwertiges Produkt umgewandelt, wird dies als Upcycling bezeichnet. Dabei sind viele Formen des Upcyclings wie die Bearbeitung von Produktionsresten für Kunstprojekte oder die Sammlung von Fallobst eigentlich eine Vorbereitung zur Wiederverwendung, also kein Recycling im Sinne des KrWG, sondern eine Maßnahme zur Abfallvermeidung. Beispiele für Upcycling als Formen des Recyclings im engeren Sinn sind die Verwertung von Kaffeesatz bei der Produktion von Kaffeetassen oder die Herstellung von Designermode aus Textilabfällen.

Die Verwertung von Kunststoffabfällen ist in der Regel ein Downcycling, da Polymere bei der Wiederverarbeitung und unter Umwelteinflüssen dazu neigen zu degradieren. Der Grad der Degradation hängt vom Grundpolymer, von der Beanspruchung während der Nutzung, vom gewählten Aufbereitungs- und dem anschließenden Verarbeitungsverfahren sowie vom Gehalt an Additiven ab. Stabilisierende Additive können den oxidativen Abbau der Molekülketten bei der Verarbeitung und während der Gebrauchsphase stark herabsetzen. In einigen Fällen erreicht der verwertete Kunststoff durchaus das Eigenschaftsniveau der Primärware, insbesondere bei hoher Qualität und Sortenreinheit der Ausgangsstoffe.J. Brandrup; M. Bittner; W. Michaeli; G. Menges (Hrsg.): Die Wiederverwertung von Kunststoffen./ J. Brandrup (Hrsg.), Hanser Verl., München 1995, ISBN 3-446-17412-5.

Bei der Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen ist kein vollständiges Recycling möglich. Nach der Abtrennung und Entsorgung der Spaltprodukte können die restlichen Bestandteile des Kernbrennstoffs jedoch wieder zur Produktion neuer Brennelemente genutzt werden.

Geschichte mini|Antiker Dolch, gefertigt aus einem (wahrscheinlich gebrochenen) Schwert mini|Verladung von Altpapierballen in New York, 1937 mini|hochkant|US-Regierungsplakat aus dem Zweiten Weltkrieg, das zur Trennung von Essens- und Metallabfällen auffordert mini|Vorsortierung von Trümmersteinen an einem Leseband in Frankfurt am Main, 1947 Recycling ist kein Phänomen der Neuzeit, sondern wird seit etlichen Jahrtausenden systematisch praktiziert. Die frühesten Beweise sind zwischen 200.000 und 420.000 Jahre alt und stammen aus der Qesem-Höhle in der Nähe von Tel Aviv. Archäologen fanden dort kleine Feuersteinwerkzeuge, von denen sie annehmen, dass sie bei der Herstellung größerer Werkzeuge entstanden sind. Etwa 10 % der an der Fundstelle entdeckten Werkzeuge wurde auf irgendeine Weise wiederverwertet. Nach Angaben der Forscher war dies kein gelegentliches Verhalten, sondern Teil der damaligen Lebensweise.

Mindestens seit dem Altertum werden pflanzliche und tierische Abfälle, insbesondere Erntereste, Mist und Gülle, aber auch menschliche Exkremente als Düngemittel in der Landwirtschaft genutzt. Diese vollständige Wiederverwertung ist Basis der Subsistenzwirtschaft. Im antiken Rom wurden die Exkremente eingesammelt und den Bauern im Umland verkauft; zur Nutzung durch Gerber, Färber und Walker wurden öffentlich Urinbehälter aufgestellt. Auch Baustoffe werden seit jeher nicht nur wiederverwendet, sondern wurden nach dem Einsturz von Gebäuden, zum Beispiel nach Naturkatastrophen, auch weiterverwertet. Amphorenscherben endeten als Beimischung von Terrazzoböden, als Bodenlage in Kuppelöfen oder wurden als Grundlage für Mörtel oder für die Herstellung neuer Keramik genutzt. Auch ausrangierte Metalle und Glas wurden gesammelt, eingeschmolzen und umgearbeitet. Bereits damals war bekannt, dass die Beimischung von Glasbruch zum Rohglas einerseits die Schmelztemperatur verringert und damit die Verarbeitung erleichtert, andererseits die Glasqualität vermindert.

Auch im Mittelalter wurde systematisch recycelt. Die Wegwerfmentalität der Industriezeit existierte aufgrund des allgemeinen Mangels an Gütern nicht. Es war selbstverständlich, leere Flaschen, gebrauchte Holz- oder Metallgegenstände und Ähnliches weiter zu verwenden. Lumpensammler kümmerten sich um das Einsammeln, Sortieren und Weiterleiten von wiederverwertbarem Material. Altglas wurde in die Glashütten zurückgebracht, Metallteile wurden eingeschmolzen oder umgeschmiedet und aus Lumpen wurde Papier hergestellt. Holz- und Papierabfälle verheizte man zumeist, die Asche konnte zum Waschen verwendet oder für die Glasherstellung aufbereitet werden. 1774 entwickelte der Jurist Justus Claproth zusammen mit dem Papiermacher Johann Engelhard Schmid das erste Recyclingverfahren für bedrucktes Papier, bei dem die Druckerschwärze während der Aufbereitung im Stampfwerk mit Terpentinöl und Wascherde ausgewaschen wurde.

Mit der Industrialisierung veränderte sich nicht nur die Zusammensetzung, sondern vor allem die Menge des Abfalls, so dass 1874 in Nottingham die erste Müllverbrennungsanlage in Betrieb genommen wurde. Andere englische Städte folgten schnell; 1896 ging in Hamburg die erste MVA auf dem europäischen Festland in den Regelbetrieb. Etwa zur gleichen Zeit wurde in Deutschland mit der Gesellschaft für Hausmüllverwertung München eines der neben vergleichbaren Einrichtungen in Budapest und Chicago weltweit ersten Unternehmen zur industriellen Mülltrennung und Wiederverwertung gegründet. In der Verwertungsanlage in Puchheim wurde zunächst der Feinmüll über Siebtrommeln abgetrennt. Der verbleibende Grobmüll gelangte über ein Förderband in eine Arbeitshalle, in der Arbeiterinnen von Hand alle wiederverwertbaren Bestandteile aus dem Müll klaubten: Knochen für die Leimherstellung, Glas, Papier, Lumpen, Leder, Gummi, Kork, Metalle, Speisereste und Holz. Diese Materialien ließen sich gut vermarkten. Der vorher abgetrennte aschehaltige Feinmüll wurde auf sauren Wiesen und unfruchtbarem Moorgrund im Umland zur Humusbildung ausgebracht. Die angeschlossenen Einrichtungen wie Darre, Düngerfabrik und Waschhaus für Textilabfall und Lumpen wurden wenige Jahre nach dem Bau um eine Leimsiederei und eine Superphosphatfabrik ergänzt. Später kam eine eigene Müllverbrennungsanlage zum Betrieb einer Dampfkesselanlage hinzu, um das Werk mit der benötigten Energie zu versorgen. So wurde eine Verwertungsquote von nahezu 100 % erzielt.

Im Ersten Weltkrieg wurde im Deutschen Kaiserreich mit breit angelegten Propagandaaktionen für die Sammlung diverser Roh- und Altstoffe geworben, zunächst für Öle und Fette, später unter anderem für Abfälle von Nahrungsmitteln, Textilien und Haushaltswaren sowie für Altpapier. Ähnliche Sammelinitiativen gab es in Österreich-Ungarn. Auch im Zweiten Weltkrieg wurden Eisen und Buntmetalle so knapp, dass zur Waffenproduktion auf Metallgegenstände des zivilen Gebrauches zurückgegriffen wurde, unter anderem wurden Zehntausende Kirchenglocken aus Bronze beschlagnahmt und eingeschmolzen (siehe Metallspende des deutschen Volkes). Rohstoffsammlungen auf freiwilliger Basis starteten auch in anderen Ländern wie im Vereinigten Königreich und in den USA. Der Mangel an frischem Holz führte wiederum vielerorts zu einem Wiederaufleben des Altpapierrecyclings.

Nach den Weltkriegen veränderte sich die Wirtschafts- und Lebensweise der Menschen in den höher entwickelten Ländern innerhalb weniger Jahre fundamental (1950er-Syndrom). Als mit dem Wohlstand auch der Konsum kurzlebiger Produkte sowie aufwendig verpackter Lebensmittel und Luxusgüter signifikant anstieg, standen die Industriestaaten vor einem akuten Müllnotstand. Ein durchschnittlicher Haushalt, der vor 150 Jahren mit etwa 150 Dingen auskam, verwendete nun mehr als 20.000 Gegenstände – vom Haarfestiger bis zur Heftzwecke – und produzierte beispielsweise in der Bundesrepublik in den 1970er Jahren im Durchschnitt wöchentlich 4,7 kg Hausmüll pro Einwohner, also 244 kg pro Einwohner und Jahr. Im November 1971 berichtete das Nachrichtenmagazin Der Spiegel, aus dem bundesdeutschen Hausmüll ließe sich jährlich ein 3000 Meter hoher Abfallberg über dem Oval des Münchner Olympiastadions auftürmen – und jedes Jahr komme ein neuer Dreitausender dazu. Der Abfall wurde großteils nicht mehr wiederverwertet, sondern – oft zusammen mit schadstoffhaltigen Industrieabfällen – auf zumeist ungeordneten Deponien entsorgt. Weiterverwendung und Wiederverwertung waren in den Industrieländern nur in Notzeiten, besonders während und nach Kriegen, ein Thema.