Kottingbrunn ist eine Marktgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Südosten von Niederösterreich im Bezirk Baden, die ungefähr 30 km südlich von Wien liegt.

Geografie Gemeindegliederung An Ortschaften und Siedlungsnamen weist Kottingbrunn auf als Markt: Kottingbrunn, als Dorf: Aussiedlung, als Einzelhäuser: Pichlersiedlung, Rote-Kreuz-Siedlung sowie Siedlung am Wall.Österreichischer Amtskalender online. Jusline Österreich GmbH/Verlag Österreich, Wien 2002–, OBV, abgerufen am 18. September 2023. Nachbargemeinden

Geschichte Allgemein mini|Kottingbrunn (links unten) und Umgebung um 1873 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme) Kottingbrunn ist ein uraltes Siedlungsgebiet. Funde aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. und dem 4. Jahrhundert n. Chr. beweisen das. Sehr wahrscheinlich ist der Ortsname Kottingbrunn auf die Kotiner (römisch: Cotini) zurückzuführen. In den Blättern für Heimatkunde führt Göhlert Kottingbrunn auf das keltische „cot“ (Wald) und „bryn“ (Anhöhe) zurück.

Zur Zeit der Völkerwanderung wechselte die Bevölkerung sehr rasch, bis schließlich unter den Babenbergern die bisher ansässige slawische Bevölkerung von den zugewanderten Bayern und Franken assimiliert wurde. Es ist anzunehmen, dass aus dem keltischen Ortsnamen schließlich ein bayrisch-verdeutschtes Kottingbrunn wurde. Die Babenberger schoben die Grenze immer weiter nach Osten und sicherten sie durch die Errichtung von Felsen- und Wasserburgen. So entstand auch die Wasserburg Kottingbrunn. Ein Anselmus de Prunne wird im Jahr 1114 urkundlich erwähnt.

Die erste Türkenbelagerung (1529) hat die schwer befestigte Wasserburg wohl überstanden, doch 1683 wurde der ganze Ort und die Burg von den Türken verwüstet. Der Wiederaufbau erfolgte durch die Grafen Lamberg in der heutigen Form als Jagdschloss.

Kottingbrunn war bis zum Bau des Wiener Neustädter Kanals (Bauzeit von 1785 bis 1803) eine Agrargemeinde. Der Kanal ermöglichte eine kostengünstige Beförderung von Kohle, Rohstoffen und Fertigprodukten. Es entstanden die ersten Fabriken, eine Entwicklung, die durch den Bau der Südbahn (Inbetriebnahme 1841) wesentlich beschleunigt wurde.Marktgemeinde Kottingbrunn (Hrsg.): Geschichte. (…) Wirtschaftlicher Aufschwung und Niedergang. In: kottingbrunn.gv.at, abgerufen am 16. September 2023.

Die Zwischenkriegszeit, besonders nach 1930, brachte eine enorme Arbeitslosigkeit. Bei 2300 Einwohnern hatte Kottingbrunn 600 Arbeitslose. Der Zweite Weltkrieg kostete fast dreimal so viele Tote wie der Erste. Die Luftangriffe auf Wien zerstörten den Flugplatz und forderten auch Tote unter der Zivilbevölkerung. Nach Kriegsende waren alle Betriebe zerstört oder ausgeräumt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann auch in Kottingbrunn der Wiederaufbau. Am 11. April 1955 reiste vom Flugplatz Kottingbrunn eine österreichische Delegation nach Moskau und kehrte am 15. April mit dem fertiggestellten Entwurf des Staatsvertrages hierher zurück.

Einwohnerentwicklung Daten lt. Statistik AustriaBevölkerungsentwicklung Kottingbrunn bei Statistik Austria (PDF; 35 kB)

Galopprennbahn und Gestüt Kottingbrunn (1896–1932) mini|Kottingbrunn samt Rennbahn (um 1900) Ab 1876 wurde vom Jockey-Club für OesterreichGründung: 28. Dezember 1866. – Siehe: abgerufen am 25. August 2016. wiederholt die Gründung einer zweiten (neben der Galopprennbahn Freudenau), im Nahbereich von Sommerfrischen gelegenen (Hindernis-)Bahn erwogen. Nachdem die Projekte Krieau (Inneres der Trabrennbahn) sowie Laxenburg verworfen worden waren, stand 1894 der Ankauf des im Südosten von Baden gelegenen, dem Stift Melk gehörenden Haidhofs (der eine 2.400 Meter lange Bahn ermöglicht hätte) in Verhandlung, scheiterte jedoch an der Höhe des geforderten Preises.Zwei Jahre später pachtete eine Gruppe von Cavalieren unter der Führung von Alexander zu Solms-Braunfels (1855–1926) den Haidhof samt Gründen für 20 Jahre und errichtete darauf ein höchst erfolgreiches Trabergestüt, das 1901 an den Züchter und Gewerken Leopold Hauser (1845–1920) kam, der es zum größten Trabergestüt Österreichs und Ungarns machte. — Siehe: Unweit davon konnte noch im selben Jahr Schloss Kottingbrunn mit ausgedehnten Liegenschaften erworben und mit dem Bau (auf dem bedenklich steinig-harten Boden am Rande der Trockenen Ebene) begonnen werben.

Am 30. Juli 1896 wurde im Park des Schlosses eine 2.800 Meter lange Pferderennbahn eröffnet, für deren Betrieb der Renn-Verein-Kottingbrunn (R. V. K.) ins Leben gerufen worden war.Statuten des Renn-Verein-Kottingbrunn (R. V. K.). Reisser & Werthner, Wien 1896, OBV. Laut anlassbezogener erster Kundmachung des Jockey-Clubs bestanden die Stallungen aus 108 Boxen nebst Wohnräumen für das Stallpersonal, waren Wohnungen für Trainer und Jockeys in den Stallungen nicht vorhanden, würden jedoch durch die im Schloss residierende herrschaftliche Verwaltung besorgt werden.

1896 übernahm Aristides Baltazzi (1853–1914), bedeutendster österreichischer Pferdezüchter seiner Zeit (Gestüt Napajedla), die Geschäfte des Jockey-Clubs und brachte in den folgenden Jahren die Rennbahnen Freudenau sowie Kottingbrunn zu nie geahnter Höhe. Die Galopprennbahn Kottingbrunn, für deren Eröffnungsrennen bereits 130 Pferde gemeldet waren, erlangte für Flach- sowie Hindernisrennen große BedeutungErzherzog Otto von Österreich (1865–1906), Vater des letzten Kaisers/Königs von Österreich-Ungarn, übernahm 1896 die der Rennbahn nächstgelegene Herrschaft Schönau samt Schloss und übersiedelte seinen Pferderennstall von Oberweiden nach Schönau. – Siehe: und zählte bereits nach wenigen Jahren zu den schönsten und besten Rennplätzen des Continents. 1897 wurde auf Betreiben des Jockeyclubs für Österreich in Wien mit dem Bau einer von der nahegelegenen Strecke der Südbahn bis unweit des Hauptportals des Rennplatzes führenden Zweiglinie (einer mit Dampf zu betreibenden normalspurigen Kleinbahn) begonnen.1899 befand sich auf privatwirtschaftlicher Ebene der Bau einer schmalspurigen, elektrisch zu betreibenden Kleinbahn vom Bahnhof Vöslau der Südbahn zum Rennplatz Kottingbrunn in Planung. – Siehe: Bis zur Inbetriebnahme dieser am Ufer des Wiener Neustädter Kanals mit zwei Inselbahnsteigen endenden Stichbahn wurde die um einen Bahnsteig erweiterte Südbahnstation Kottingbrunn für An- und Abreise der Zuschauermassen adaptiert. Der Plan, an der Endstelle, möglichst nahe der Rennbahn, Züge zur kurzfristigen Abreise des Publikums anzubieten, war zunächst von der Gemeinde unterlaufen worden: dem Abriss eines Feuerwehrgebäudes (und Neubau durch den Jockey-Club) könne nicht zugestimmt werden.

1908/09 wurde elektrischer Strom eingeleitet und neben dem Betrieb des Pumpwerks zur Beleuchtung im Schloss, einzelnen Tribünenräumen sowie den Ställen installiert. Baulich wurde die Terrasse am Sattelraum vergrößert sowie Ausbesserungen an Bahnen, Tribünen und Gebäuden vorgenommen.

Zwischen 4. und 8. August 1911 fanden täglich, von dem im selben Jahr gegründeten Reit- und Polo-Club (Wien) initiiert, erstmals internationale Matches (Challenge-Cup) statt, zu denen unter anderem Klubs aus Frankfurt, Berlin, Hamburg und Budapest 60 Pferde gemeldet hatten. Die Wiener Mannschaft trat mit 19 Spielern an.

Am 10. Juni 1915 kam es (durch unsachgemäß ausgeführte Spenglerarbeiten) in der Anlage zu einem Brand, der die zweistöckige hölzerne Haupttribüne samt Hofloge sowie angrenzende Gebäude einäscherte. Stallungen wie Wirtschaftsgebäude blieben vom Feuer verschont. Da der geplante Wiederaufbau der zerstörten Gebäude unterblieb, hatte der Betrieb des Rennplatzes Kottingbrunn – in der bis dahin bekannten Form – mit der (durch den Kriegsbeginn verkürzten) Saison am 30. Juli 1914 sein Ende gefunden.Die Rennbahn Kottingbrunn veranstaltete ihre Bewerbe jährlich jeweils bis spätestens Mitte August. Die Rennen ab Ende Juli galten als ein Höhepunkt der Rennsaison, für den die Stallbesitzer ihre Pferde nach Kottingbrunn brachten, wo sie für die Zeit des Meetings blieben. Durch die militärische Mobilmachung 1914 entfielen die Kottingbrunner Augusttermine, die (184) Tiere konnten jedoch wegen der beschränkten zivilen Transportmöglichkeiten nicht in ihre angestammten Ställe zurückgebracht werden und mussten (bis annähernd Ende August) am Rennplatz ausharren, was nicht zuletzt wegen des Millionenwerts der Tiere zu einer schwierigen Lage führte. – Siehe: Nach Beginn der Kriegshandlungen wurden die Pferde aus dem Staatsgestüt in Radautz (Bukowina) sowohl in der Freudenau als auch in Kottingbrunn (ca. 400 Tiere) untergebracht. – Siehe: Das Gestüt Kottingbrunn bestand jedoch auf der Liegenschaft fort.;Gestüt Kottingbrunn: Vollblut-Jährlings-Auktion. Weiner (Drucker), Wien 1929, OBV. mini|Gestüt Kottingbrunn des Franz Hammerer (1919) Verstand sich das Gestüt Kottingbrunn als die vom Jockey-Club für Österreich nächst seiner Sommer-Residenz betriebene Zuchteinrichtung, so wurde ab 1914/15 dieser Begriff populäres Synonym für das auf dem Gelände wirkende Unternehmen von Franz Hammerer († 1932), ab 1906 Eigentümer des Hotel City,Wien-Innere Stadt, Walfischgasse 5. der eine über viele Jahre erfolgreiche Traberzucht zu etablieren vermochte.

1916 wurde entschieden, die in diesem Jahr für Kottingbrunn vorgesehenen Rennen in der Freudenau zu veranstalten (Kottingbrunn in Wien). In diesem Zusammenhang eröffneten sich auch die seit jeher bestehenden Nachteile der Kottingbrunner Bahn: kein durchgehend planes Gelände, ungeeignete Besprengungsanlage (Geläuf ausgedorrt; Niederbrüche teurer Pferde), längere, für eine Gerade bestimmte Fliegerrennen wurden über ein scharfes Knie gelaufen. Auch hatte die jährliche Übersiedlung der Ställe von der Freudenau nach Kottingbrunn zum Sommerbetrieb für den Jockey-Club stets eine beträchtliche finanzielle Belastung dargestellt.

Um 1919/20 wurden die in Kottingbrunn stationierten Reste des Staatsgestüts Radautz in das Halbblutgestüt Wieselburg des Landwirtschaftsministeriums verlegt, wo sie Teil einer staatlichen Vollblutzucht sein würden. Umgehend gründete der Jockey-Club in Kottingbrunn ein Pensionsgestüt (nur Deckhengste, keine Mutterstuten). Nach Einstellung der Vollblutzucht in Wieselburg, 1925, übernahm der Jockey-Club die Mutterstuten für eine nationale Vollblutzucht in Kottingbrunn. Der Ausbau der Zuchtstätte, in erster Linie die Bodenverbesserung der ehemaligen Rennanlage sowie der Trainierplätze, war erfolgreich, erbrachte erstklassiges Zuchtmaterial, verschlang jedoch über die Jahre Aufwendungen, die den Jockey-Club letztlich zur Aufgabe der Zucht zwangen.

Ein nach dem Ende des Ersten Weltkriegs lancierter Versuch des Offiziersrennvereins, Veranstaltungen von der verwaisten Rennbahn in Ödenburg nach Kottingbrunn zu verlegen, hatte keinen Erfolg: jahreszeitlich war die Konkurrenz mit Wien zu groß, und (im Gegensatz u. a. zu Deutschland) hatten die Namen der Militärreiter zu wenig Zugkraft, um Wettquoten attraktiv zu machen.

Im Februar 1922 fand sich im Fachorgan Allgemeine Sport-Zeitung die Anregung, die der Stadt Wien für die Abhaltung der Pferderennen zu leistenden Steuern und Abgaben einzubehalten, dafür die Kottingbrunner Bahn wieder instand zu setzen und den Wiener Galoppbetrieb dorthin abzusiedeln. In der öffentlichen Diskussion der für den österreichischen Galopprennsport gegebenen Lage sowie Aussichten, im Wesentlichen stets verbunden mit dem Standort Wien-Freudenau, blieb vor allem die Kottingbrunner Bahn ein Argument: Im Februar 1926 wurden, als gedankliche Hilfe in der Problematik, erneut medial die Vorteile einer umgehenden wie zukünftigen Nutzung von Kottingbrunn dargelegt. Unter anderem zeige das Beispiel Budapest, dass die neu gebaute, im Mai 1925 eröffnete Rennbahn (heute: Kincsem Park) anderen Bahnen des (Um-)Landes (siehe: Alag) nicht die Daseinsberechtigung nehme.

1927 wurde die (auf 60 Jahre befristet gewesene) Konzession für den Betrieb der Zweigbahn für erloschen erklärt.