mini|Kronenstraße 73–74, Berlin-Mitte Der Deutsche Juristinnenbund e.V. (djb) ist ein 1948 gegründeter gemeinnütziger Verein von Frauen, die Rechts- oder Wirtschaftswissenschaften studieren oder studiert haben, der in der Nachfolge des von Margarete Berent, Margarete Meseritz und Marie Munk 1914 gegründeten Deutschen Juristinnenvereins steht.
Entstehungsgeschichte Auf Betreiben von Hildegard Gethmann wurde am 28. August 1948 die „Vereinigung weiblicher Juristen und Volkswirte e.V. “ mit Sitz in Dortmund gegründet. Gründungsmitglieder waren die Assessorin Luise Purps, die Rechtsanwältin Ruth Rogalski-Rohwedder, die Regierungsrätin Anna Schlieper, die Anwaltsassessorinnen Alma Schmidt-Perchner und Annette Schücking sowie die Rechtsanwältinnen Elisabeth Späth-Uden und Hildegard Gethmann. Vorbild für die Gründung war der Deutsche Juristinnenverein, der von 1914 bis 1933 existierte. Mitglied werden konnte jede Frau, die Rechts- oder Volkswirtschaftslehre studiert hatte und es ging darum, Juristinnen und Volkswirtinnen zu ermitteln und sich für gemeinsame Interessen einzusetzen. Die Vereinigung konnte mit Juristinnen und Volkswirtinnen aller Berufssparten mithelfen, Justiz und Verwaltung neu aufzubauen.
1950 wurde die Vereinigung von der internationalen Juristinnenvereinigung Federacion International de Abogadas (FIDA) nach Rom eingeladen und als Mitglied aufgenommen.
1959 wurde der Name in Juristinnenbund (Vereinigung der Juristinnen, Volkswirtinnen und Betriebswirtinnen) und 1977 in Deutscher Juristinnenbund (Vereinigung der Juristinnen, Volkswirtinnen und Betriebswirtinnen) umbenannt. Die Abkürzung DJB wird seit der Schaffung eines Logos auch als djb verwendet.
Aufgaben und Organisation Der Verein will die „Fortentwicklung des Rechts auf allen Gebieten“ vorantreiben, setzt sich für die Gleichberechtigung und Gleichstellung der Frauen in allen gesellschaftlichen Bereichen und für die rechtliche Absicherung der Lebenssituation von Frauen, Kindern und älteren Menschen ein, bietet Fortbildungen an und führt wissenschaftliche Veranstaltungen durch. Er arbeitet mit ähnlichen Organisationen auf internationaler Ebene zusammen. Mitglied werden kann jede Frau, die Rechts- oder Wirtschaftswissenschaften studiert oder studiert hat, unabhängig von einer Berufsausübung. Die Organisation leistet Lobbyarbeit und dient der Förderung und Vernetzung ihrer Mitglieder.
Der Verein ist Mitglied im Netzwerk Europäische Bewegung. Der sich als unabhängig, überparteilich und überkonfessionell begreifende Zusammenschluss von über 6.000 Juristinnen und Wirtschaftswissenschaftlerinnen hat seinen Sitz in Dortmund, die Bundesgeschäftsstelle ist in Berlin.
Bekannte Mitglieder waren u. a. Marie-Elisabeth Lüders, Wiltraut Rupp-von Brünneck, Elisabeth Selbert, Erna Scheffler und Elisabeth Schwarzhaupt.
Ab 2011 war die inzwischen am brandenburgischen Oberlandesgericht tätige Richterin Ramona Pisal drei Amtsperioden lang Präsidentin des Bundes. Im September 2017 wurde die Dortmunder Hochschullehrerin Maria Wersig zu ihrer Nachfolgerin gewählt. 2023 wurde die Rechtsanwältin Ursula Matthiessen-Kreuder zur Präsidentin gewählt.
Bisherige 1. Vorsitzende und Präsidentinnen Quelle für den ganzen Abschnitt: 1949–1958: Hildegard Gethmann 1958–1960: Agnes Nath-Schreiber 1960–1963: Renate Lenz-Fuchs 1963–1965: Charlotte Graf 1965–1967: Hertha Engelbrecht 1967–1969: Renate Lenz-Fuchs 1969–1975: Helga-Christa Partikel 1975–1977: Renate Lenz-Fuchs 1977–1981: Lore Maria Peschel-Gutzeit 1981–1983: Annelies Kohleiss 1983–1989: Renate Damm 1989–1993: Antje Sedemund-Treiber 1993–1997: Ursula Raue 1997–2001: Ursula Nelles Nach einer Satzungsänderung im September 2000 steht dem Deutschen Juristinnenbund statt einer Vorsitzenden eine Präsidentin vor: 2001–2005: Margret Diwell 2005–2011: Jutta Wagner 2011–2017: Ramona Pisal 2017–2023: Maria Wersig 2023–2025: Ursula Matthiessen-Kreuder seit 2025: Susanne Baer Marie-Elisabeth-Lüders-Wissenschaftspreis Der mit 3.000 Euro dotierte, nach Marie-Elisabeth Lüders benannte Wissenschaftspreis wird alle zwei Jahre an Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlerinnen vergeben, die sich in ihren wissenschaftlichen Arbeiten mit den Themen Recht, Geschlecht und Gleichstellung von Frauen und Männern auseinandersetzen. Er wurde von Melitta Büchner-Schöpf gestiftet.
Bisherige Preisträgerinnen: 2009: Marion Röwekamp 2011: Frauke Brosius-Gersdorf 2013: Nora Markard 2015: Berit Völzmann 2017: Frederike Misselwitz 2019: Cara Röhner 2021: Dana-Sophia Valentiner 2023: Anja Schmidt
Aktionärinnen fordern Gleichberechtigung
Seit 2009 führt der djb das Projekt Aktionärinnen fordern Gleichberechtigung durch, mit dem Ziel, auf die Unterrepräsentanz von Frauen im Top-Management aufmerksam zu machen. Durch den Besuch der Hauptversammlungen von börsennotierten Unternehmen, darunter die aller 30 DAX-Unternehmen, und unter Nutzung des Auskunftsrechts ( AktG) von Aktionärinnen und Aktionären, werden die Unternehmen hinsichtlich ihrer Ziele, Strategien und Maßnahmen zur Besetzung von Führungspositionen befragt. Die Ergebnisse dieser Befragungen werden in Studien qualitativ und quantitativ analysiert und bewertet. Diese Studien sind bereits viermal erschienen.
Publikationen (Auswahl) Buch
Deutscher Juristinnenbund (Hrsg.): Juristinnen. Lexikon zu Leben und Werk. Nomos Verlag, Baden-Baden 2024.
Zeitschriften Zeitschrift des Deutschen Juristinnenbundes – djbZ. Vierteljährliche Verbandszeitschrift, Nomos Verlag, Baden-Baden, doi:10.5771/1866-377X. Deutscher Juristinnenbund (Hrsg.): 55 Jahre djb – von 1948 bis 2003. Sonderausgabe, Berlin 2003 (Online, archiviert vom Original am 14. September 2016). Deutscher Juristinnenbund (Hrsg.): Juristinnen. Lexikon zu Leben und Werk. Nomos, Baden-Baden 2005, ISBN 3-8329-1597-4. Juristinnen. Lexikon zu Leben und Werk. 2. Auflage. Nomos-Verlag, Baden-Baden 2024, doi:10.5771/9783748919766-1, ISBN 978-3-75601-437-8.
Aktionärinnen fordern Gleichberechtigung Bundesministerium für Familie, Frauen und Jugend (Hrsg.): Aktionärinnen fordern Gleichberechtigung – 2010. Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen. Berlin, 2010 (PDF; 2,7 MB). Bundesministerium für Familie, Frauen und Jugend (Hrsg.): Aktionärinnen fordern Gleichberechtigung – 2011. Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen im europäischen Kontext. Berlin, 2011 (PDF; 4,1 MB). Bundesministerium für Familie, Frauen und Jugend (Hrsg.): Aktionärinnen fordern Gleichberechtigung – 2012. Ziele, Strategien und Maßnahmen für mehr Frauen in Führungspositionen. Berlin, 2012 (PDF; 4,1 MB). Bundesministerium für Familie, Frauen und Jugend (Hrsg.): Aktionärinnen fordern Gleichberechtigung – 2009 bis 2013. Mehr Frauen in Führungspositionen. Fazit und Forderungen. Berlin, 2013. Bundesministerium für Familie, Frauen und Jugend (Hrsg.): Aktionärinnen fordern Gleichberechtigung – 2017. Mehr Frauen in Führungspositionen. Fazit und Forderungen. Berlin, 2017 (PDF; 2,7 MB, archiviert vom Original am 5. Februar 2020).
Schriftenreihe Deutscher Juristinnenbund Deutscher Juristinnenbund (Hrsg.): Juristinnen in Deutschland. Die Zeit von 1900 bis 2003 (= Schriftenreihe Deutscher Juristinnenbund. Bd. 1). 4. neu bearbeitete Auflage. Nomos, Baden-Baden 2003, ISBN 978-3-832-90359-6. Ursula Nelles, Dagmar Oberlies (Hrsg.): Reform der Nebenklage und anderer Verletztenrechte (= Schriftenreihe Deutscher Juristinnenbund. Bd. 2). Nomos, Baden-Baden 1998, ISBN 978-3-789-05269-9. Hildegard Becker-Toussaint (Hrsg.): Berufsorientierung und Karriereplanung. Informationen und Tipps für junge Juristinnen (= Schriftenreihe Deutscher Juristinnenbund. Bd. 3). Nomos, Baden-Baden 2000, ISBN 978-3-789-06803-4. Christine Kreuzer (Hrsg.): Frauen im Recht – Entwicklung und Perspektiven (= Schriftenreihe Deutscher Juristinnenbund. Bd. 4). Nomos, Baden-Baden 2001, ISBN 978-3-789-07436-3.
Literatur Eva Hehemann: Frauengesellschaft(en) in Deutschland – von der privaten Feier bis zum Berufsverband. Aviva, Berlin 2010, ISBN 978-3-932338-40-3. (S. 208–213) Marion Röwekamp: Die ersten deutschen Juristinnen. Eine Geschichte ihrer Professionalisierung und Emanzipation (1900–1945) (= Rechtsgeschichte und Geschlechterforschung. Band 11). Böhlau, Weimar 2011, ISBN 978-3-412-20532-4. Oda Cordes: Frauen als Wegbereiter des Rechts: Die ersten deutschen Juristinnen und ihre Reformforderungen in der Weimarer Republik. Diplomica Verlag, Hamburg 2012, ISBN 978-3-836-69240-3.
Weblinks
Offizielle Website Justitias Töchter – Der Podcast zu feministischer Rechtspolitik des Deutschen Juristinnenbund
Einzelnachweise
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