Die Stiftskirche St. Maria, St. Johannes und St. Elisabeth zu Bützow befindet sich in der Stadt Bützow im Landkreis Rostock, Mecklenburg. Sie ist ein typischer Bau der norddeutschen Backsteingotik und Bestandteil der Europäischen Route der Backsteingotik.

Die Stadt- oder Stiftskirche wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts ursprünglich als Kollegiatstiftskirche der Residenz der Schweriner Bischöfe erbaut. Sie ist eine dreischiffige Hallenkirche mit polygonalem Chor und einem 74 Meter hohen Turm. Die Kirchengemeinde gehört zur Propstei Rostock im Kirchenkreis Mecklenburg der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland.

Denkmal von nationaler Bedeutung 75px|links Die Stiftskirche wurde im Jahr 2007 als Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung eingestuft. Somit stellt die Bützower Kirche einen bedeutenden Teil des kulturellen Erbes des Landes Mecklenburg-Vorpommern dar.

Geschichte hochkant|mini|Wappen der v. Bülow und Siegel der Bülowschen Bischöfe von Schwerin Seit 1239 war Bützow der Hauptsitz des Bistums Schwerin. Die neue Bischofsburg wurde ab 1252 errichtet und später zum Schloss ausgebaut. Das Domkollegiatstift entstand bereits 1248. Der Bau einer eigenen Domkirche wurde vor allem unter Bischof Friedrich II. von Bülow vorangetrieben.

Die Kirche war nach der Stiftungsurkunde dem Herrn Jesus Christus, der Jungfrau Maria, dem Evangelisten Johannes und der heiligen Elisabeth gewidmet. Johannes der Evangelist war der Schutzheilige des Domes und Bistums zu Schwerin. Das Patrozinium der heiligen Elisabeth ist ungewöhnlich, da diese erst 1231 gestorben und im Jahr 1235 heiliggesprochen wurde, also zur Zeit der Gründung des Kollegiatstiftes von Bützow 1248 noch eine sehr „junge“ Heilige war. Die Kirche zu Bützow war also eine Elisabethkirche. Später kam noch eine andere Lokalheilige dazu, die heilige Katharina von Schweden.

Ein Vorgängerbau entstand in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts und wurde vom Schweriner Bischof Brunward (1191–1238) geweiht. Ende des Jahrhunderts erfolgte die Errichtung eines basilikalen Chores im gebundenen System.

Der Bau der größeren Kirche begann dann in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Teile dieser älteren Kirche sind im östlichen, sich dem Chor anschließenden Teil zu sehen. Davon sind heute noch das aufwendige Nordportal mit profiliertem Feldsteinsockel und Spuren der ehemaligen Sakristei und die Mittelschiffspfeiler mit den Kapitellen und Ansätzen der Arkadenbögen sichtbar.

Anfang des 14. Jahrhunderts wurde das Langhaus als dreischiffige fünfjochige Hallenkirche in Richtung Westen erweitert und der Bau des eingezogenen Turmes vorbereitet. Das Dachwerk wurde errichtet, anschließend der geschmückte Westgiebel mit einer offenen Verzahnung auf der ganzen Innenwand für den geplanten Turm gemauert.

Der jetzige Chorraum wurde in der Zeit von 1365 bis 1375 erhöht und teilweise erweitert. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts wurde dann der quadratische Westturm aus Backstein mit einem Kern aus Feldsteinen mit seiner gewölbten Turmhalle angefügt und erhielt den mächtigen Turmhelm.

Im 18. und 19. Jahrhundert wurde die Kirche restauriert und teilweise umgebaut. Die erste Renovierung 1728 wurde an der westlich gelegenen Wand des nördlichen Seitenschiffes dokumentiert: In den Jahren von 1760 bis 1789 wurde die Kirche als Universitätskirche und als Aula der Universität Bützow genutzt. Von 1858 bis 1861 wurde der Innenraum neugotisch umgestaltet und renoviert. Außerdem wurde ein neugotischer Altar ergänzt.

Die im Jahr 1412 in der Glockenwerkstatt Rickert de Monkehagen hergestellte Große Glocke wurde im Jahr 1873 umgegossen. 200x250px|mini|Ansicht um 1900 Um 1900 wurde eine Warmluftheizung für den Innenraum eingebaut und der Marienaltar aus dem Jahr 1503 wurde wieder im Chor aufgestellt. In den folgenden Jahrzehnten wurde nur wenig an der Kirche verändert, lediglich die Fenster 1972 instand gesetzt und 1992 die Dachreiter notgesichert. In den 1990er Jahren begann eine grundlegende Sanierung der Kirche mit Arbeiten am Turmdach. Es folgte 1997 bis 1999 die Orgelsanierung mit der Rückführung auf den Ursprungszustand. Im Außenbereich wurde der Sockel freigelegt und mit der Mauerwerkssanierung begonnen. 2003 konnte der Marienaltar saniert werden und von 2005 bis 2006 die Priesterpforte.

Im Jahr 2007 wurde mit der Sanierung des Dachtragwerkes von Langhaus und Chor begonnen. Diese Arbeiten zogen sich bis in das Jahr 2010. Dabei wurden Kirchenschiff, Chor und Dachreiter komplett neu eingedeckt. Gleichzeitig wurden Maurerarbeiten an Traufen, Ortgängen und der inneren Giebelwand durchgeführt. 200x200px|mini|Bützower Stiftskirche vier Tage nach dem Tornado 2015 2015 kam es zu Beschädigungen durch einen Tornado der Stufe F3 auf der Fujita-Skala, der auch weitere nahe stehende Baudenkmale in Mitleidenschaft zog. Der Tornado fegte die Dacheindeckung vom Langhaus und hob das Dach des Kirchturms an, das dabei leicht verschoben wurde.SVZ: Bützower Stiftskirche schwer gezeichnet, 7. Mai 2015. Abgerufen am 23. August 2015. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz stellte anschließend zunächst einen Betrag von 210.000 Euro als Soforthilfe zur Verfügung. Zur kompletten Bauwerksicherung werden jedoch noch weitere Spendengelder benötigt.Beatrice Härig: Tornado in Bützow. In: Monumente, Magazin für Denkmalkultur in Deutschland. Nr. 4, August 2015, S. 7.

Architektur 200x200px|mini|Grundriss der Kirche Die Kirche ist eine gewölbte Backsteinhallenkirche mit drei gleich hohen Schiffen, von denen das Mittelschiff sehr breit und die beiden Seitenschiffe schmaler sind. Sie hat sieben Joche, ein Binnenchorjoch mit einem 3/8-Schluss und einen Umgangschor mit drei polygonalen Kranzkapellen. Letztere haben einen gleich hohen, weiten, polygonen Chorschluss. Der Außenbau wird durch Strebepfeiler, Kaffgesims und hohe drei- und vierteilige Spitzbogenfenster gegliedert. Die Portale sind qualitätsvoll verziert. Die Kirche hat ein hohes Satteldach mit barockem Dachreiter.

Haupt- und Nebenschiffe werden von Kreuzrippengewölben und das Chorpolygon von einem Sterngewölbe überspannt. Im westlichen Bereich der Seitenschiffe befinden sich hölzerne Emporen. Die Pfeiler haben eine ungewöhnliche Form mit sechs Halbrundvorlagen über einem gerundeten Pfeilerkern. Die Kapitelle sind figürlich gestaltet. Die westlichen Pfeiler sind besonders kräftig mit querrechteckigem Kern und sollten einen geplanten Westturm tragen. Den Ostteil des Mittelschiffes bestimmen die zwei Joche des Vorgängerbaues mit ihren Wandvorlagen, die aus der Hälfte eines Achtecks gebildet und mit einem Trapezkapitell gekrönt werden. Begleitet werden sie von Runddiensten mit Kelchkapitellen. In den Seitenschiffen zieren Knospenkapitelle die Pfeiler.

Mittelschiff 200x200px|mini|Langhaus (nach Westen) Von dem alten Kirchenbau aus dem Beginn des 13. Jahrhunderts sind im Mittelschiff noch die beiden Joche westlich vom Chor erhalten, die auf einem ganzen Pfeilerpaar und zwei halben Pfeilerpaaren ruhen. Dies dürfte das Schiff der alten Kirche gewesen sein, an das früher wahrscheinlich eine kleinere, viereckige Altarkirche im Osten angebaut war.

Diese alte Kirche musste in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts dem weiten polygonen Chorschluss weichen. Sie war nur halb so hoch wie die jetzige Kirche. Die Pfeiler der alten Kirche sind an den vier Seiten mit Halbsäulen und ebenso an den vier Ecken in den Winkeln bekleidet und haben mit Weinlaub geschmückte Kapitelle aus Ziegeln. An der Breite der Kirche wurde nichts verändert, was an den Resten der alten Pilaster sichtbar ist, die noch im Inneren an den Seitenwänden stehen. Das an der Nordseite befindliche mit Weinlaub verzierte, spitzbogige Hauptportal gehörte auch zum Vorgängerbau. Die Fenster wurden der neuen Form angepasst, erhöht und erweitert.

Der Anbau an die alte Kirche aus dem dritten Viertel des 13. Jahrhunderts verlängert das Kirchenschiff um die gleiche Länge, also zwei Gewölbe lang. Die Kirchenhöhe wurde verdoppelt. Die Pfeiler im neueren Anbau sind ebenfalls mit Halbsäulen versehen. Die reich geschmückten Kapitelle tragen verschiedenartige Verzierungen aus Laubwerk, grotesken Menschen- und Tiergestalten und Menschenköpfen.

Chor Der jetzt bestehende Chor ist kurz vor dem Jahr 1364 gegründet und in der Zeit von 1365 bis 1375 vollendet worden. Die Baunaht zum Langhaus ist außen und innen deutlich sichtbar. Der Chorumgang mit den Kranzkapellen unterscheidet sich stilistisch von den übrigen Teilen der Kirche. Der innere Chor wird von einem Gewölbe überfangen, das von hohen, schlanken Pfeilern getragen wird. Der Umgang hinter dem Chor ist zu drei großen Kapellen weit über die Ringmauern der Kirche hinausgerückt. Im Äußeren ähnelt der Bau den Kirchen der Hansestädte dieser Zeit, etwa der Marienkirche in Rostock. Für die Grundrissdisposition von Umgangschor mit polygonalen Kranzkapellen ist das Vorbild im Schweriner Dom zu suchen. Der Chor wurde auf einen hohen Granitsockel gegründet.

An allen fünf Pfeilern des neuen Chors ist an der Außenseite das von Bülow’sche Wappen angebracht, das auf den Bauherren, einen Bischof von Schwerin aus dem Hause von Bülow hinweist.

Kirchturm 252x252px|mini|Turm (2009) Der Kirchturm stammt vermutlich aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts und wurde wohl kurz nach dem Bau des neuen Kirchenschiffs errichtet. Dafür spricht, dass seine unteren Räume in die Kirche integriert wurden. Seine Erscheinung geht jedoch auf die Bauphase des 15. Jahrhunderts zurück: Der Turm der Stiftskirche zu Bützow gilt als die größte erhaltene mittelalterliche Turmkonstruktion im gesamten Ostseeraum und geht auf die Mitte des 15. Jahrhunderts zurück. An den Ecken des Turmes stehen vier rechtwinklige, ungegliederte Pfeiler aus glattem Mauerwerk, die sich ohne Schmuck weit in das Mittelschiff vorschieben und die Hauptlast des Turms tragen. Zwischen je zwei dieser massiven Pfeiler steht jeweils ein schmalerer Gewölbepfeiler, der die Gewölbekonstruktion unterstützt. Eine ursprünglich geplante steinerne Turmspitze wurde nie ausgeführt. Der quadratische Turm ist bis zur Spitze begehbar und wird von einem achtseitigen, holzschindelgedeckten Turmhelm nach Art der sogenannten mecklenburgischen „Bischofsmützen“ bekrönt. Ein Umbau des Turmes erfolgte im Jahr 1728.

Mauerwerk Die Ringmauern, die in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts beim Anbau des neuen Chores vielfach umgestaltet wurden, sind, wie auch der neue Chor und der neue Turm, aus roten Ziegeln erbaut. Das Innere und der ältere Teil der Kirche, d. h. die Pfeiler, Kapitelle, Gurtbögen und Gewölbe sind mit gelbweißen Ziegeln ausgeführt.

Dach Das Kirchendach ist ein aufgeständertes Kehlbalkendach (Hallenrahmendach) aus Eichenholz in seiner frühen Form. Das Oberdach in Bützow ist noch konventionell als Kreuzstrebendach verzimmert, wie es in Norddeutschland durch das ganze Mittelalter hindurch dominiert. Ähnlich einem niederdeutschen Hallenhaus wird die große Breite durch Aufständerung des Mittelschiffdaches unter gleichzeitiger Anschiftung der Sparren zur Überdeckung der Abseiten bzw. der Seitenschiffe überdeckt. Während die Längs-, weniger die Queraussteifung, anfangs noch sehr schwach entwickelt ist (Greifswald, St. Marien mit einer einzigen Riegelkette und wenigen aufgenagelten bauzeitlichen Streben), wurde das System im ausgehenden 14., vor allem aber im 15. Jahrhundert, perfektioniert.

Das Turmdach lagert auf zwei ineinandergeschachtelten Ständergerüsten. Das innere Gerüst beginnt bereits im Obergeschoss des Turmschaftes. Die Außenwände verjüngen sich entsprechend und wurden erst aufgemauert, nachdem die Zimmerer ihr Werk vollendet hatten. Die gesamte Konstruktion mit ihren diversen Stühlen ist offenbar vollständig erhalten.

Dachreiter Der Dachreiter wurde 1682 errichtet. Durch zahlreiche Reparaturen vom 17. bis 19. Jahrhundert ist die ursprüngliche Konstruktion kaum mehr zu erkennen. Die Sparren des Unterdaches wurden größtenteils um 1800 durch Kiefernholz ersetzt.

Ausstattung