mini|Lage des Bistums in Deutschland mini|Logo des Bistums Limburg mini|Der Limburger Dom ist die Kathedralkirche des Bistums mini|Der Frankfurter Kaiserdom St. Bartholomäus, das Zentrum des Katholizismus in Frankfurt am Main

Das Bistum Limburg ist eine römisch-katholische Diözese in Teilen der Bundesländer Hessen und Rheinland-Pfalz. Die Kathedralkirche des Bistums ist der Dom St. Georg in Limburg an der Lahn. Es wurde im Jahr 1827 als Landesbistum für das Herzogtum Nassau und die Freie Stadt Frankfurt gegründet. 1884 kamen die Grafschaft Hessen-Homburg und der Kreis Biedenkopf hinzu. 1930 wurde das Gebiet des Bistums um vier Frankfurter Pfarreien und im Jahr 1933 um den Kreis Wetzlar erweitertGebet- und Gesangbuch für das Bistum Limburg, S. VII f., Frankfurt am Main 1957.

Vorgeschichte Das Bistum Limburg war entsprechend der Staatskirchendoktrin der Restauration als „Landesbistum“ für das im August 1806 gegründete Herzogtum Nassau geplant, wurde aber erst im Jahr 1827 eingerichtet. Zuvor hatte das spätere Bistumsgebiet den Erzbistümern Trier und Mainz angehört, wobei wesentliche Teile im Nordwesten kurtrierisch gewesen waren und damit auch weltlich vom Trierer Erzbistum regiert wurden.Klaus Schatz: Geschichte des Bistums Limburg, Mainz 1983, S. 7, siehe auch S. 11 (Karte: „Politische und konfessionelle Grenzen vor 1803“).

mini|Verteilung der vorherrschenden Religionen im Herzogtum Der Grund für die späte Ordnung der Kirchenverhältnisse war die Schwäche der katholischen Kirche in Nassau, aber auch im gesamten rheinischen Gebiet. Die Katholiken stellten in weiten Landesteilen des konfessionell heterogenen Herzogtums die Bevölkerungsmehrheit. Die Amtskirche war jedoch in hohem Maß durch die Folgen der Säkularisation von 1803 geschwächt. Das Herzogtum Nassau und sein protestantisches Herrscherhaus hatten in den katholischen Gebieten im Rhein- und Lahntal, im Rheingau und im Westerwald die Möglichkeiten der Verstaatlichung von Kirchenbesitz voll ausgeschöpft.

Die Zeit zwischen der Gründung des Herzogtums und der des Bistums Limburg nutzten die Herzöge, um kirchliche Rechte einzuschränken, die inneren Strukturen der Pfarreien zu schwächen und Pfarrer eigenmächtig einzusetzen. In dieser Zeit existierte lediglich ein „Vikariat Limburg“. Generalvikare waren zunächst Josef Ludwig Beck und ab dem Jahr 1816 Hubert Corden. Aus Sicht des Herzogtums ging es darum, die eigene legitime Herrschaftsstruktur zu festigen und den Einfluss „von außen“ durch die Kirche möglichst zu verringern. Auch in der protestantischen Kirche trieben die Herzöge und ihre Verwaltung die Entwicklung zu einer geschlossenen Landeskirche voran und nahmen in dieser Beziehung zeitweise eine Spitzenstellung im Deutschen Bund ein. Trotz dieses strukturellen Vorgehens kann von einer Diskriminierung der katholischen Religionsausübung oder der bereits im Dienst befindlichen Pfarrer keine Rede sein.

Gründungsjahre mini|Jakob Brand, Bischof von Limburg 1827–1833

Den Grundstein für das neue Bistum Limburg legte 1821 nach langen Verhandlungen die Schaffung der rheinischen Kirchenprovinz. Grundlage hierzu war die Zirkumskriptionsbulle Provida solersque von 1821. Jedem der beteiligten Staaten wurde ein flächengleiches Bistum zugeordnet: Freiburg (für das Großherzogtum Baden und Hohenzollern-Sigmaringen), Rottenburg (für das Königreich Württemberg), Mainz (für das Großherzogtum Hessen), Fulda (für das Kurfürstentum Hessen und das Herzogtum Sachsen-Weimar) und schließlich Limburg.Klaus Schatz: Geschichte des Bistums Limburg, Mainz 1983, S. 56. Im Jahr 1827 kam es zur Gründung des Bistums Limburg, das neben dem Herzogtum Nassau die Freie Stadt Frankfurt mit insgesamt 136.000 Katholiken umfasste.Klaus Schatz: Geschichte des Bistums Limburg, Mainz 1983, S. 57. Schon die Bezeichnung Landesbistum in Anlehnung an die evangelischen Landeskirchen mit dem jeweiligen Fürsten an der Spitze machte den Herrschaftsanspruch des Staates gegenüber der Kirche deutlich. Mit Jakob Brand setzte Herzog Wilhelm seinen Wunschkandidaten als ersten Bischof durchKlaus Schatz: Geschichte des Bistums Limburg, Mainz 1983, S. 80–83. – gegen den Willen der Mehrheit der Geistlichen in der Leitung des Vikariats und der römischen Kurie.

Die folgenden Jahre waren von der Aufbauarbeit der Kirchenstruktur geprägt. Obwohl das Bistum und der Klerus sich mit politischen Äußerungen zurückhielten, kam es doch bereits vor 1848 zu Auseinandersetzungen mit dem Herzogtum. Neben regionenübergreifenden Themen wie den Kölner Wirren entzündete der Streit sich in Nassau immer wieder an den bereits 1817 eingeführten Simultanschulen, in denen Kinder beider Konfessionen und des jüdischen Glaubens gemeinsam unterrichtet wurden. Das Herzogtum Nassau hatte in dieser Frage eine Vorreiterrolle eingenommen. Wiederholt kam es auch zu Auseinandersetzungen um die Frage der konfessionellen Mischehen. Weitere Konflikte ergaben sich aus einer Serie von Verordnungen, mit denen Herzog Wilhelm 1830 die staatliche Kontrolle über die Kirche intensivierte. Andererseits führten in den Folgejahren Verhandlungen auch dazu, dass diese Kontrollen wieder abgebaut wurden.

Beginn der „Ära Blum“ und Deutsche Revolution mini|Bischof Peter Joseph Blum

Zu Beginn der 1840er Jahre verschärfte sich der Ton zwischen Staat und Kirche erneut. Auch die Öffentlichkeit erfuhr durch Presseartikel und bischöfliche Veröffentlichungen wie die Hirtenbriefe verstärkt von den Auseinandersetzungen. Am 26. Januar 1842 wurde Peter Josef Blum zum neuen Bischof gewählt.Klaus Schatz: Geschichte des Bistums Limburg, Mainz 1983, S. 112–116. Am 2. Oktober wurde er (im Alter von 34 Jahren) geweiht. Damit begann eine neue Ära; er sollte das Amt bis zu seinem Tod im Jahr 1884 innehaben. Herzog Adolf versuchte vergeblich, Blums Wahl zu verhindern.

Blum steuerte von Beginn an einen konfliktreichen Kurs. Als Blum den Bischofsstuhl einnahm, machte er klar, dass er sich der Kirche mehr verpflichtet sehen werde als dem Staat. Diese Einstellung äußerte sich bis 1848 unter anderem in Streitigkeiten über die Gründung verschiedener religiöser Gemeinschaften, über die Bestimmungen der Zensur für Veröffentlichungen des Bistums, über die Verwaltung des Kirchenvermögens und den (in einer konfessionellen Mischgegend besonders explosiven) deutlich antiprotestantischen Kurs Blums.Klaus Schatz: Geschichte des Bistums Limburg, Mainz 1983, S. 122–125. Zudem erteilte Blum intern Tendenzen zum aufgeklärten Katholizismus eine klare Absage; damit entsprach er der überwiegenden Einstellung unter Klerikern und Laien des Bistums, bei denen die „kirchliche Aufklärung“ relativ wenig Rückhalt gefunden hatte. Damals gab es in der katholischen Kirche eine als Antimodernismus bekannte Strömung; sie begann um 1846 und ging Hand in Hand mit dem Ultramontanismus.

Auch der Streit um die Simultanschulen nahm an Schärfe zu. Unter Blum wurde die Abschaffung dieser Schulform zum wichtigen politischen Ziel des Bistums; sie blieb ein Konfliktthema bis zum Ende des Kulturkampfes.Klaus Schatz: Geschichte des Bistums Limburg, Mainz 1983, S. 161.

Die Revolution von 1848 war auch in Nassau vor allem von liberalen Aktivisten geprägt. Daneben formierte sich auch schnell ein politischer Katholizismus. Diese Katholiken wurden in erster Linie im Wahlkampf für das neue Parlament aktiv, das die Revolution zuvor dem Herzog abgetrotzt hatte. Am 22. Mai trat die Ständeversammlung erstmals zusammen. Zuvor hatte sich als erster Wahlverein am 21. März in Limburg – und nicht etwa in den Zentren Nassau oder Wiesbaden – der „Zentralverein für religiöse Freiheit“ als Organisation der Katholiken gegründet. Bischof Blum hatte den Beginn des politischen Vereinskatholizismus (wenn auch verdeckt) vorangetrieben, und zwar so stark, dass ihn sogar einzelne Katholiken aus der nassauischen Beamtenschaft zu Zurückhaltung aufforderten. Auch auf das Wahlverhalten der katholischen Nassauer nahm der Bischof mit einem Wahlaufruf und auf lokaler Ebene die einzelnen Pfarrer Einfluss. Mit den Gottesdiensten verfügte die Kirche gewissermaßen über ein „Massenmedium“. Insgesamt fand die erste Welle katholischer Vereinsgründungen im direkten Kontext der Revolution vor allem auf dem Land statt, weniger in den städtischen Zentren des Bistums.

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