Edewecht (plattdeutsch Erwech, historisch Adewacht) ist eine Gemeinde im Landkreis Ammerland in Niedersachsen (Deutschland).

Geographie Geographische Lage Der Hauptort liegt 18 km westlich der Stadt Oldenburg. Westlichster Punkt der Gemeinde ist Lohorst, der östlichste Punkt liegt im Wildenloh, der nördlichste Punkt im Fintlandsmoor und der südlichste Punkt in Hohendamm.

Fließgewässer mini|Aue bei Wittenberge (Edewecht) Fließgewässer sind die vom Zwischenahner Meer kommende Aue sowie die aus Süden kommende Vehne, die bei der Ortschaft Osterscheps in die Aue mündet. Ein kleinerer, für die Edewechter Ortsentwässerung wichtiger Vorfluter ist die Espergöhler Bäke, die von Portsloge kommend in Edewecht in die Aue mündet. Sie ist der einzige im Gemeindegebiet entspringende Geestbach und im Oberlauf in Portsloge noch relativ naturnah, im Ortsbereich Edewecht begradigt und technisch ausgebaut.

Durch die Aue entwässert die Gemeinde natürlicherweise in südwestlicher Richtung über die Jümme und Leda zur Ems. Mitte des 20. Jahrhunderts beendete der Bau des Leda-Sperrwerkes die bis dahin üblichen winterlichen Überflutungen der Aue- und Vehneniederung, die bis an die Ortsränder von Osterscheps, Edewecht und Jeddeloh heranreichten. Für die Gewässerunterhaltung ist die Ammerländer WasserachtHomepage Ammerländer Wasseracht mit Sitz in Westerstede verantwortlich. Im Gemeindegebiet liegen die Fischereirechte an der Vehne sowie an der Aue bis Osterscheps beim Fischereiverein Edewecht e. V. Die Aue unterhalb Osterscheps wird vom Fischereiverein Scheps e. V. von 1931 betreut. Der Gemeindeabschnitt des Küstenkanals wird von beiden Fischereivereinen gemeinsam genutzt.

Ausdehnung des Gemeindegebiets und Landschaftsformen Edewecht ist mit einer Fläche von 11.340 ha die viertgrößte und zugleich südlichste Gemeinde des Ammerlandes. Das Gemeindegebiet erstreckt sich 20 km auf der West-Ost-Achse und 12 km in Nord-Süd-Richtung.

Die Geländehöhen liegen im westlichen Gemeindegebiet bei 3,5 m NN (Aueniederung) und steigen nach Osten auf 18 m NN (Wildenloh). Die Landschaft ist vom Wechsel der Geestrücken der oldenburgisch-ostfriesischen Grundmoräne mit den ehemaligen Hochmooren geprägt. Naturräumlich gehören der Westen und der Süden der Gemeinde (Bauerschaften Wittenberge, Süddorf, Husbäke, Jeddeloh I und II) zur moorreichen „Hunte-Leda-Moorniederung“, wohingegen die alten Ortschaften Edewecht und Scheps der höher gelegenen „Oldenburgen Geest“ (Untereinheit „Edewechter Geest“) zugeordnet sind. Im Gemeindegebiet bestehen vier Geesthügel, auf denen Esche geschaffen wurden. Darunter gilt der Edewechter Esch mit einer Fläche von etwa 100 ha als der größte und längste des Ammerlands. In den Randlagen dieser höhergelegenen, trockeneren Esche begann in vorgeschichtlicher Zeit die locker gestreute Besiedelung. Diese alten Dorfkerne befinden sich in Westerscheps, Osterscheps, Edewecht und Jeddeloh I. Mit der Eingemeindung Friedrichsfehns (1934) kamen zu diesen ursprünglichen Eschflächen noch die zwei Geesthügel des Großen und Kleinen Wildenlohs dazu.

Heute wird die kleinräumig durch offene Wiesen, Wallhecken und Waldflächen strukturierte Landschaft in der Tourismuswerbung mit dem Begriff Parklandschaft Ammerland plakativ beschrieben.

Naturschutzgebiete mini|NSG "Fintlandsmoor" Im Gemeindegebiet sind von den ehemals ausgedehnten Hochmooren fünf Restflächen mit einer Gesamtfläche von rund 350 ha als Naturschutzgebiet (NSG) ausgewiesen: Fintlandsmoor (NSG WE 88; 50 ha) Dänikhorster Moor (NSG WE 181; 20 ha) Moorkämpe Süddorf (NSG WE 199; 19 ha) Vehnemoor (NSG WE 270; Edewecht: 206 ha) Jeddeloher Moor (NSG WE 226; 50 ha)

Bei den NSG Fintlandsmoor, Dänikhorster Moor und Süddorfer Moorkämpe handelt es sich um Reste kleinräumig strukturierter, bäuerlicher Handtorfstiche. Diese entwässerten Bereiche haben sich durch natürliche Sukzession vielfach zu Moorbirken-Standorten entwickelt oder regenerieren sich nach Wiedervernässung als Lebensraum hochmoorgebundener Lebensgemeinschaften. In den unter Schutz gestellten Flächen des industriell abgetorften Vehnemoors leiten aktuell erste Vernässungsflächen eine großflächige Renaturierung ein. Langfristig soll hier über die verschiedenen Renaturierungsstadien der ehemalige Hochmoorcharakter wieder hergestellt werden.

Gemeindegliederung Die Gemeinde besteht aus 16 Bauerschaften. Nord Edewecht I, Nord Edewecht II und Süd Edewecht bilden als Ortszentrum ein geschlossenes Siedlungsgebiet. Dort befinden sich die Gemeindeverwaltung und die Kirche. Mit 7.260 Personen wohnen etwa 31 % der Gemeindebevölkerung im Ort Edewecht.

Zweitgrößter Ort der Gemeinde ist mit etwa 5.000 Einwohnern Friedrichsfehn. Der Ort Portsloge hat etwa 2.000 Einwohner. Die Bauerschaften Husbäke, Jeddeloh I, Jeddeloh II, Klein Scharrel und OsterschepsOrtsbürgerverein "Scheps" e.V. (Hrsg.): Chronik des Dorfes Osterscheps. Geschichtliches seit dem Jahr 1260. Edewecht-Osterscheps 2025 (ohne ISBN). haben jeweils unter 2.000 Einwohner. Noch kleiner sind Kleefeld, Süddorf, Westerscheps, Wittenberge und Wildenloh.Gemeinde Edewecht. Stand der Einwohnerzahlen: 30. Juni 2025.

Nachbarkommunen Die Gemeinde Edewecht grenzt an drei Städte und fünf Gemeinden. Das sind die Ammerländer Kommunen Apen, Westerstede und Bad Zwischenahn, die kreisfreie Stadt Oldenburg, die Gemeinde Wardenburg des Landkreises Oldenburg und die Kommunen Bösel, Friesoythe und Barßel des Landkreises Cloppenburg. Die Aufzählung beginnt im Nordwesten und setzt sich im Uhrzeigersinn fort.

Klima Das Klima in Edewecht ist durch die Nähe zur Nordsee mit moderat warmen Sommern und relativ milden Wintern stark atlantisch geprägt. Klimadaten der nächstgelegenen Messstation des deutschen Wetterdienstes in Friesoythe-Altenoythe nennen für den Bezugszeitraum 1991–2020 ein langjähriges Temperaturmittel von 10,0 °C und eine durchschnittliche Regenmenge von 778 mm / Jahr. Allgemein sind Sommer und Herbst feuchter, Winter und Frühjahr dagegen etwas trockener (Maximum Juli: 84 mm; Minimum April: 42 mm).Homepage DWD Friesoythe-Altenoythe

Geschichte Frühzeit Archäologisches Fundmaterial aus Osterscheps und Süddorf-Voßbarg belegt die Anwesenheit von Menschen seit der Altsteinzeit. In einer von einigen Findlingen umgebenen Bodenerhöhung am Portsloger Fischteich vermuten Archäologen ein zerstörtes Großsteingrab der jüngeren Steinzeit (sog. „Pastorengrab“). Wichtige Funde aus der römischen Kaiserzeit sind mehrere Moorleichen wie der Mann aus Hogenseth (Fundjahr: 1920) sowie der Mann von Husbäke von 1931 und der Mann von Husbäke von 1936 (Todeszeitraum zwischen 75 und 215 n. Chr.),Ortsverein Süddorf (Hrsg.) (2020): Chronik der Bauerschaft Süddorf - Eine Chronik zum 100-jährigen Bestehen. ein Bohlenweg zwischen Edewecht und Jeddeloh I (datiert um Christi Geburt) und eine seltene römische Bronzekasserolle.

Um 500 n. Chr. sind Bauern aus dem Stamm der Chauken im Ammerland und damit vermutlich auch in Edewecht sesshaft geworden. Diese gelten als Teilstamm der Sachsen und waren späten nur noch unter dem Namen dieses Großstammes bekannt. Nach dem Sieg Karls des Großen über die Sachsen (785 n. Chr.) erfolgte die Christianisierung und die Zehntpflicht wurde eingeführt. Gleichzeitig bildete die neue Grafschaftsverfassung die Grundlage fester Verwaltungsstrukturen („pagus ammeri“). Eine bedeutende Entdeckung aus dem 13./14. Jahrhundert ist eine knopfgroße, blauschillernde „Alsengemme“, als Glücksbringer vermutlich die Heiligen drei Könige darstellend (eine vergrößerte Nachbildung befindet sich heute vor der Süd-Edewechter „Alten Apotheke“).Dieter Zoller: Beiträge zur archäologischen Landesaufnahme für den Landkreis Ammerland Gemeinde Edewecht III.

Mittelalter bis Dreißigjähriger Krieg Der Ortsname Edewecht ist erstmals 1139 im Zusammenhang mit der Stiftung eines decimam adewacht (= der Zehnte zu Edewecht) an das Bremer Dom- und St. Willhadistift fassbar. Adewacht bezieht sich vermutlich auf die durch Edewecht fließende Aue, wacht ist in dieser Deutung mit Wachstelle, Zollstelle zu übersetzen (s. u. „Tollhus up’n Wurnbarg“). Die Orte Scheps (1260: „Scepesen“, 1390: „Schephusen“) und Jeddeloh („Yedelo“) werden erstmals im Bruchhauser Lehnsregister um 1260/’70 erwähnt.

Siedlungskerne der Gemeinde waren die vier ackerbaulich nutzbaren Eschfluren auf den Geestrücken. Urkundlich sind im Kirchspiel Edewecht aus dieser frühen Periode insgesamt 27 Hofstellen erwähnt. Wester- und Osterscheps (13 Vollbauern) wurde als Haufendorf besiedelt, während Jeddeloh eine Einzelhofsiedlung von zwei Vollbauern darstellte. In Edewecht bildeten zwölf Bauernhöfe westlich des langgestreckten Esches (heute etwa Verlauf der Landesstraße 831) ein Reihendorf. Diese Vollbauern („Hausleute“) bildeten über die folgenden Jahrhunderte die gesellschaftlich bestimmende „Bauerschaft“, die das Gemeinwesen auf genossenschaftlicher Basis selbstverwaltete. Grundlage der Selbstverwaltung waren die 16 Paragraphen des „Edewechter Bauerbriefs“ (schriftlich um 1600), die vor allem die wirtschaftlich-sozialen Fragen der Dorfgemeinschaft regelten. Die Autonomie von Bauerschaft und Bauerbrief wurde von der Landesherrschaft geduldet, soweit sie im Einklang mit deren Rechtsvorgaben standen.

Mit der vollständigen Besiedlung der Esche im 13. Jahrhundert war die erste Siedlungsperiode weitgehend abgeschlossen. In der folgenden Zeit wird in Nord-Edewecht im Jahr 1305 mit einer Kapelle die Vorläuferin der heutigen St.-Nikolai-Kirche erwähnt.

Ab 1400 gehen Lehnsrechte zunehmend auf das oldenburgische Herrscherhaus über und seitdem gehörte Edewecht zum Kerngebiet des Oldenburger Landes, das bis zu seiner Auflösung 1946 den übergeordneten historischen Rahmen Edewechter Lokalgeschichte bildete.

Um ihre neue Macht zur Geltung zu bringen, siedelten die oldenburgischen Grafen in der Folgezeit in Edewecht neben den etablierten Hausleuten auch einen niederen Ritteradel auf sieben kleinen Gütern („Ick slah de Eier in de Pann“) an. Westerscheps als Kreuzungspunkt des alten Heerweges nach Apen, eines Fahrwegs ins münsterländische Harkebrügge und der schiffbaren Aue wurde militärisch befestigt. Zwei zeitlich getrennt angelegte Verteidigungsanlagen sollten das oldenburgische Ammerland vor feindlichen Einfällen schützen. Ab etwa 1500 sperrte ein Wall mit vorgelagertem Grabensystem am natürlichen Engpass zwischen Aueniederung und Fintlandsmoor den Weg nach Godensholt und damit Richtung Grafschaft Ostfriesland. Eine zweite, sternförmig angelegte Schanze bewachte ab etwa 1440–1460 westlich der Oellienbrücke den Aueübergang ins Münsterland und sicherte ebenfalls gegen ostfriesische Einfälle. Hier befand sich auch eine Zollstätte, die den Schiffs- und Wagenverkehr Richtung Münsterland kontrollierte (vgl. „Tollhus up’n Wurnbarg“).

Diese Schanze kam aber bald schon ihrer Aufgabe nicht mehr nach, da bereits ab 1471 wegen Grenzstreitigkeiten an Aue und Vehne mehrfach kriegerische Einfälle aus dem benachbarten Niederstift Münster erfolgten. In diesen sog. „Münsterschen Fehden“ wurden Edewecht und auch umliegende Dörfer bis 1538 dreimal vollständig niedergebrannt. Nach Ende der Fehden sank die Bedeutung der gräflichen Ministerialen, die allmählich in den Bauernstand übertraten.

1450 raffte die Pest viele Einwohner dahin. Gleichzeitig belegen aber zu dieser Zeit mehrere Mühlen einen ertragreichen Ackerbau. So gestattete die „Bauerschaft“ ab Ende des 16. Jahrhunderts eine begrenzte Zusiedlung kleinbäuerlicher Höfe, sogenannte Köter. Die Beziehungen zwischen alteingesessenen Vollbauern und diesem neuen, minderberechtigten Mittelstand waren nicht ohne Spannungen und wurden explizit im Bauerbrief geregelt. Zu dieser Zeit galt der Ort Edewecht als das volkreichste Dorf des Ammerlandes. Um 1530 setzte in Edewecht mit Wirken des ersten lutherisch predigenden Pastors die Reformation ein. Um 1568 wird erstmals der Schiffbau an der Edewechter Vehne urkundlich erwähnt.