Apen () ist die westlichste Gemeinde im Landkreis Ammerland in Niedersachsen (Deutschland). Sie liegt inmitten der Parklandschaft Ammerland und dem ostfriesischen Fehngebiet. Kulturhistorisch ist die Gemeinde dem Oldenburger Land seit urkundlicher Erwähnung zugehörig.
Geographie Apen liegt in der zur Oldenburger Geest gehörenden naturräumlichen Einheit des Aper Geestrandes und bildet den Übergang von der Parklandschaft Ammerland in das ostfriesische Fehngebiet. Die Gemeinde befindet sich im Zuflussgebiet der Ems und noch im tideabhängigen Bereich; der Höhenunterschied zwischen Ebbe und Flut beträgt knapp einen Meter. In den vergangenen Jahrzehnten fanden umfangreiche Deichsicherungs- und Ausdeichungsmaßnahmen statt. Sie verhindern eine großflächige Überschwemmung des Gemeindegebietes in den Wintermonaten.
Die nächste Großstadt ist Oldenburg, etwa 28 km östlich von Apen.
Nachbargemeinden Die Gemeinde Apen grenzt, im Uhrzeigersinn, beginnend im Osten, an die Stadt Westerstede und die Gemeinde Edewecht im Landkreis Ammerland, an die Gemeinde Barßel im Landkreis Cloppenburg und an die Gemeinden Detern und Uplengen im Landkreis Leer.
Gemeindegliederung Die Gemeinde Apen ist unterteilt in Bauerschaften. Insgesamt 24 Ortsteile wurden neun Bauerschaften zugeordnet. Hierbei kommt es zur Besonderheit, dass einige Ortsteile wie Klauhörn, Lengenermoor und Nordloh-Kanal zwei Bauerschaften zugeordnet sind. Die neun Bauerschaften der Gemeinde Apen: Apen mit Roggenmoor sowie Teilen von Klauhörn und Lengenermoor Augustfehn I Augustfehn II mit Augustfehn III sowie den nicht zu Apen gehörenden Teilen von Klauhörn und Lengenermoor Espern mit Aperfeld, Apermarsch, Godensholterweg, Klampen und Winkel Godensholt mit Godensholterfeld, Rothenmethen, Rinzeldorf Hengstforde mit Aperberg, Hengstforderfeld und Teilen von Nordloh-Kanal Nordloh mit Teilen von Nordloh-Kanal Tange mit Teilen von Nordloh-Kanal Vreschen-Bokel mit Bokelermoor und Holtgast mini|Aper Tief, im Hintergrund Aussichtsplattform und Schöpfwerk mini|Aussichtsplattform am Aper Tief mini|Die Aufnahme entstand im Ausdeichungs- und Naturschutzgebiet Hengstforderfeld am Deich unmittelbar an der Straße „Unterster Weg“ in der Nähe der Abzweigung „Turmstraße“.
Klima und Natur Die Landschaft der Gemeinde wird geprägt von kleinen geschwungenen Wasserläufen und schnurgeraden Kanälen, Fehnbrücken, grünen Deichen, historischen Wallhecken sowie dem einzigartigen Süßwasserwatt des Nordwestens. Durch die Nähe zur Nordsee herrscht ein ganzjährig gemäßigtes maritimes Klima. Allgemein sind Sommer und Herbst feuchter, Winter und Frühjahr dagegen etwas trockener. Durch die Gemeinde führen eine Reihe von Wasserläufen, die gezeitenabhängig über Jümme, Leda und Ems mit der Nordsee verbunden sind. Der 1840 zur Entwässerung des Moores und als zukünftiger Transportweg für die Industrialisierung begonnene Augustfehn-Kanal ist heute nicht mehr schiffbar. An ihm reihen sich die Ortsteile Augustfehn I, Augustfehn II und Augustfehn III. Seit der Sanierung 1999 unterliegt der Kanal der Tide.
Ausdeichungsgebiete und Deichführung Apen/Hengstforde (ca. 70 ha) Im Nordwesten der Gemeinde befinden sich die seltenen Süßwasserwatten. Sie wurden 2005 durch Rückverlegung eines Deiches geschaffen, um eine Retentionsfläche für mögliche Überschwemmungen aus dem Aper Tief zu bilden. Durch die regelmäßig durch Ebbe und Flut bedingte Überschwemmung einiger Geländeteile bildet sich eine eigene Flora und Fauna in dem als Naturschutzgebiet „Aper Tief“ ausgewiesenen Bereich.
Vreschen-Bokel (ca. 40 ha) Das gesamte Ausdeichungsgebiet ist als Naturschutz- oder als Landschaftsschutzgebiet geschützt. Der die ehemaligen Wiesen von Ost nach West durchziehende Mittelgraben wurde über einen neuen „Schloot“ mit dem Aper Tief verbunden. Dadurch konnte eine prielähnliche Struktur mit deutlicher Strömungsdynamik hergestellt werden, die einen Anschluss auch bei Niedrigwasser gewährleistet. Mit den naturnah gestalteten Abgrabungsgewässern und den regelmäßig überfluteten Flächen sind neue aquatische und amphibische Lebensräume entstanden, die u. a. der heimischen Fischfauna als Laich- und Aufwuchsgebiete zur Verfügung stehen. Eine entsprechend reiche Besiedlung wurde durch erste fischökologische Untersuchungen nachgewiesen. Außerdem weist die Anwesenheit zahlreicher „Fischräuber“ wie Grau- und Silberreiher, Kormoran, Haubentaucher und immer wieder auch Seeadler auf den Fischreichtum hin. Nicht zuletzt sind neue Nahrungshabitate für Wiesenvögel entstanden. Seit Ende der Brutzeit konnten neben zahlreichen Entenvögeln auch Bestände von Kiebitzen, Uferschnepfen, Bekassinen und anderen Watvögeln im Gebiet beobachtet werden.
Geschichte Erste geschichtliche Erwähnungen des Ortes finden sich um 1230, als die Ritter von Apen dem Grafen von Oldenburg Heerfolge leisteten. Damals war es ein wichtiger Grenzort am Wasser- und Landweg nach Ostfriesland. Um diese Zeit wurde die St. Nikolai-Kirche errichtet. 1340 wurde die erste Windmühle des Ammerlandes in Apen erbaut. Apen war für Jahrhunderte der bedeutendste ammerländische Festungsort gegen das ostfriesische „Ausland“. Im Jahre 1457 ging Apen in einer Fehde zwischen den Ostfriesen und Oldenburgern in Flammen auf. Auch in nachfolgenden Jahren kam es in Apen immer wieder zu Bränden, so zum Beispiel 1465, 1468, 1473. Die Festung zu Apen wurde 1538 vom Fürstbischof von Münster erobert. 1582 richtete Graf Johann von Oldenburg in Apen zwei Märkte ein. Der traditionelle Herbstmarkt wird noch heute jedes Jahr gefeiert. Am Aper Rathausmarkt wurde 2021 aus recyceltem Metall ein Reiterstandbild des vermeintlich wieder auferstandenen „Ritters von Apen“ errichtet. Die um 1515 errichtete Festung Apen wurde zwischen 1710 und 1730 zu einem Fort ausgebaut, das 1773–1780 geschleift wurde. Nur der ehemalige Festungsgraben ist heute noch vorhanden. Die Hengstforder Mühle wurde 1742 erbaut.
Besonderheit erlangte ab 1850 die neugegründete Moorkolonie Augustfehn I–III, heute der größte Ort der Gemeinde, mit einer umfangreichen Industrieentwicklung und Bedeutung für die Industrialisierung des 19. Jahrhunderts im Oldenburgerland (siehe Eisenhütte Augustfehn).
Einwohnerentwicklung Der Ort Apen selbst hat 2500 Einwohner. Bevölkerungsreichste Ortschaft der Gemeinde ist mit 2975 Einwohnern Augustfehn. Im Raumordnungsprogramm des Landkreises Ammerland bilden Apen und Augustfehn I zwei Grundzentren. Aufgeführt sind die Einwohner mit Haupt- oder Nebenwohnsitz. mini|Rathausmarkt mit Rathaus, Kirche & Glockenturm Jahr EinwohnerBevölkerungsstatistik zum 31. Dezember 2019 (PDF) apen.de. 1998 10.349 2005 10.989 2015 11.599 2020 12.065202212.518
Religionen
Die Gemeinde Apen gehört zur Evangelisch-lutherischen Landeskirche Oldenburg und hier zum Kirchenkreis Ammerland. Sie hat ca. 8500 Gemeindeglieder, die von drei Pastoren versorgt werden. Die katholische Kapellengemeinde St. Johannes in Apen-Augustfehn und die Herz-Jesu Pfarrei in Westerstede wurden zu einer gemeinsamen Pfarrei zusammengelegt. Die ehemalige Gemeinde St. Johannes hatte (wann?) etwa 750 Gemeindemitglieder. Die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) hatte 2021 149 getaufte Mitglieder (ohne Kinder und Freunde).
Politik Gemeinderat Der Rat der Gemeinde Apen besteht aus 28 Ratsfrauen und Ratsherren und dem hauptamtlichen Bürgermeister kraft seines Amtes. Die 28 Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2021 und endet am 31. Oktober 2026. mini|Gemeindeverwaltung Apen Die letzte Kommunalwahl am 12. September 2021Gemeindewahl – Gemeinde Apen, abgerufen am 21. April 2022 ergab das folgende Ergebnis: Partei 12. Sept. 2021 SPD 25,96 % 4.454 Stimmen 7 Sitze UWG 43,11 % 7.396 Stimmen 12 Sitze CDU 16,45 % 2.823 Stimmen 5 Sitze GRÜNE 6,11 % 1.049 Stimmen 2 Sitze Die Linke 3,70 % 634 Stimmen 1 Sitz FDP 2,63 % 451 Stimmen 1 Sitz FWG Wir Ammerländer 1,47 % 253 Stimmen - LKR Niedersachsen 0,57 % 97 Stimmen - Wahlbeteiligung 5.861 von 9.776 59,95 % mini|150px|Gemeinde Apen Wappen mini|150px|Apen Flagge mini|150px|Apen Signet mini|Wappen der Partnergemeinden
Hauptamtliche Bürgermeister/Gemeindedirektoren seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1949 bis 1953: Ernst Buhrke 1953 bis 1984: Karl Janßen 1984 bis 2002: Willi Epkes 2002 bis 2011: Hans-Otto Ulken seit 1. November 2011: Matthias Huber
Ehrenbürgermeister Durch Beschluss des Rates der Gemeinde Apen vom 19. Oktober 2021 wurde Johann Hasselhorst aufgrund seiner 20-jährigen Tätigkeit als ehrenamtlicher stellvertretender Bürgermeister die Ehrenbezeichnung des „Ehrenbürgermeisters“ der Gemeinde Apen verliehen.nwzonline.de: Johann Hasselhorst zum Ehrenbürgermeister ernannt, abgerufen am 20. Januar 2023
Wappen Das Wappen der Gemeinde zeigt eine stilisierte Abbildung der ehemaligen Festung zu Apen. Die Türme sollen die Festung darstellen und das Tor mit dem für die Aper Festung typischen Zackengiebel flankieren. Das Blau soll den Burggraben und die von Flüssen und Kanälen durchzogene Landschaft darstellen. Das Rot stellt die überwiegende Bauweise in roten Ziegelsteinen dar; die Festung war aus Ziegelsteinen und die Kirchen in der Gemeinde sind aus diesen Steinen gemauert. Das Schwarz ist Symbol der früheren Industrieansiedlung im westlichen Gemeindeteil. Das Gold wurde gewählt, um einen Hintergrund zu haben, der diese Farben untermalt. Außerdem stimmen diese Farben mit denen des Landkreises Ammerland überein.
Die heraldische Beschreibung des Wappens lautet:
Flagge Die Streifenflagge zeigt in der oberen Hälfte die Farbe blau und in der unteren Hälfte die Farbe rot. Die Mitte der Flagge ist mit dem Gemeindewappen belegt. Die blaurote Flagge erinnert an die Zugehörigkeit zum Landkreis Ammerland und dem Oldenburger Land in Niedersachsen.
Signet 2004 wurde das Signet der Gemeinde entwickelt. Es zeigt eine aufgehende Sonne, eine angedeutete Welle für die Wasserzüge und einen stilisierten roten Turm, welcher sowohl die Aper Festung, als auch die Eisenhütte in Augustfehn symbolisiert.
Gemeindepartnerschaft Die Gemeinde führt seit 1997 eine Partnerschaft mit der polnischen Gemeinde Gizałki im Landkreis Plescew, der wiederum Partnerlandkreis des Landkreises Ammerland ist. Vor einigen Jahren wurde der Verein zur Förderung der partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden Apen und Gizalki e. V. gegründet.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Kunst Augustfehner Puddelöfen am Eisenhüttenplatz, Erinnerung an die Raseneisenerzverhüttung Die Späher, Eisenstatue an der Staaßen-Brücke, Augustfehn Büste des Großherzogs Paul Friedrich August von Oldenburg, Namenspate von Augustfehn Kunstgalerie Eisenhütte Aper Brückenbauer, eine Bronzeplastik auf Granitstelen zur Würdigung von bürgerschaftlichem Engagement Mehrgenerationen Platz „Lütje Festung“ mit Springbrunnen als Erinnerung an die Festung Apen Friedenseiche von 1874 in Godensholt nach dem deutsch-französischen Krieg (1870–1871), siehe auch Liste Friedenseiche Skulpturen der „Aper Lieblingsorte“ vom Oldenburger Künstler Jörg Ridderbusch (u. a. Reiterstandbild des „Ritters von Apen“ auf dem Rathausmarkt). Die Kunstwerke aus Stahl sollen an die Industrievergangenheit erinnern, in jede Skulptur ist eine Weltkugel eingebaut.Dürfen wir vorstellen? Aper Lieblingsorte, auf apen-touristik.de, abgerufen am 14. November 2020
Theater Männeken-Theater im Foyer des Freibads in Hengstforde zum Winterhalbjahr, Figurentheater „Annes Bühne“ Plattdeutsches Theater, „Tanger-Speelköppel“ (Saisontheater)
Museen Ammerländer Schinkenmuseum; älteste Schinkenräucherei des Ammerlandes, gegr. 1748. Als „aktiver“ Zeuge der althergebrachten Ammerländer Schinkenfertigung widmet sich das Schinkenmuseum heute insbesondere dem Erhalt der Bentheimer Landschweine. Eisenhütte mit Ausstellungsstücken aus der Eisenverarbeitung
mini|170px|Schinken-Museum mini|170px|Hengstforder Mühle mit Müllerhaus