Nossen ist eine Kleinstadt im sächsischen Landkreis Meißen. Sie liegt an der Freiberger Mulde und am Autobahndreieck Nossen, welches die A 14 an die A 4 anbindet. Sehenswürdigkeiten sind das auf einem Felssporn gelegene Schloss Nossen sowie das Kloster Altzella.

Geographie Geographische Lage mini|Blick von der Pöppelmann-Brücke über die Freiberger Mulde auf das Schloss Nossen mini|Luftbild von Nossen

Nossen liegt am Südrand des Mittelsächsischen Hügellands, im Erzgebirgsvorland, im Tal und an den Hängen der Freiberger Mulde. Das Rathaus der Stadt liegt hoch. Dresden liegt 31 Kilometer östlich, Chemnitz 36 Kilometer südwestlich und Leipzig 73 Kilometer nordwestlich. Südwestlich liegt der Zellwald, eines der größten sächsischen Waldgebiete als Rest des ehemals das gesamte Erzgebirgsvorland und Erzgebirge bedeckenden Urwaldes. Die nördlichen Ortsteile der ehemaligen Gemeinden Ketzerbachtal und Leuben-Schleinitz gehören zum Naturraum Lommatzscher Pflege.

Ausdehnung des Stadtgebiets Die Kernstadt liegt im Tal, begrenzt durch die geomorphologischen Vollformen (von Süden im Uhrzeigersinn) Rodigt, Steinbusch, Pfarrberg, Dechantsberg, Kirschberg, Kronberg, Seminarbastei.

Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden sind Döbeln, Roßwein, Großschirma, Reinsberg und Striegistal im Landkreis Mittelsachsen sowie Käbschütztal, Lommatzsch und Klipphausen im Landkreis Meißen.

Stadtgliederung Nossen gliedert sich seit dem 1. Januar 2014 nach der Eingemeindung von Ketzerbachtal und Leuben-Schleinitz in die nachfolgenden Ortsteile.Stadtplan auf www.nossen.de Seit 1. Juli 2014 lautet die Anschrift 01683 Nossen.Die Deutsche Post AG informiert. In: Amtsblatt der Stadt Nossen, 2. Juni 2014, Seite 12. Einige mehrfach auftretende Straßennamen mussten dafür umbenannt werden.Unser neues Nossen. In: Amtsblatt der Stadt Nossen, Ausgabe 1/2014, 30. Dezember 2013, Seite 4.

Abend (K) Augustusberg (N) Badersen (L) Bodenbach (K) Deutschenbora (N) Dobschütz (L) Elgersdorf (N) Eula (Ober- und Niedereula) (N) Eulitz (L) Gallschütz (K) Gohla (N) Göltzscha (N) Graupzig (L) Gruna (K) Heynitz (N) Höfgen (K) Ilkendorf (N) Karcha (K) Katzenberg (N) Klessig (K) Kottewitz (N) Kreißa (K) Leippen (K) Leuben (L) Lossen (L) Lösten (K) Mahlitzsch (N) Mergenthal (N) Mertitz (L) Mettelwitz (L) Mutzschwitz (K) Neubodenbach (K) Nossen (N) Noßlitz (K) Oberstößwitz (K) Perba (L) Pinnewitz (K) Praterschütz (L) Priesen (K) Pröda (L) Radewitz (N) Raßlitz (L) Raußlitz (K) Rhäsa (K) Rüsseina (K) Saultitz (K) Schänitz (K) Schleinitz (L) Schrebitz (K) Stahna (K) Starbach (K) Wahnitz (L) Wauden (L) Wendischbora (N) Wolkau (K) Wuhsen (N) Wunschwitz (N) Zella (N) Zetta (K) Ziegenhain (K) Legende: (N): Bis 31. Dezember 2013 bisherige Stadt Nossen (K): Bis 31. Dezember 2013 Gemeinde Ketzerbachtal (L): Bis 31. Dezember 2013 Gemeinde Leuben-Schleinitz

Geschichte

mini|hochkant|Nossener Markt mit Kirche um 1900 mini|Sicht auf Nossen mit Kirche und Schloss

Nossen wurde erstmals 1185 indirekt urkundlich als ein Herrensitz des Ritters Petrus de NozinUrkunden des Markgrafen von Meissen S. 352, Zeile 7 erwähnt. Er hatte das Land vom Bischof von Meißen zu Lehen. Unbekannt ist, ob die Ritter von Nozin damals auf dem Rodigt, einer slawischen Wallanlage auf einer Anhöhe in Nossen ihren Sitz hatten, oder sie bereits eine Burg auf dem Schlossberg bewohnten.

Im Jahr 1264 ist eine Kirche in Nossen erwähnt. Burg und Ort gingen 1315 in den Besitz der Bischöfe von Meißen über, 1436 in den Besitz des Klosters Altzella.vgl. auch abweichend dazu in Johannes Hoffmann von Schweidnitz Nach den Silberfunden in Freiberg wurde auch um Nossen Bergbau betrieben (im Tal der Freiberger Mulde, nahe dem Kloster sowie im Zellwald). 1899 wurde der Bergbau eingestellt.

Nachdem 1540 der Klosterbesitz säkularisiert worden war, wurde der umfangreiche Besitz bis zur Gründung des Amtes Nossen im Jahr 1555 im Auftrag des Kurfürsten weiterhin unter Federführung ehemaliger Klosterinsassen verwaltet. Wenige Dörfer aus dem vorherigen Klosterbesitz kamen zum Kreisamt Freiberg. Im Jahr 1565 wurde die heutige Kirche nach einem Großbrand mit den Steinen des Klosters gebaut. Im Jahr 1664 erhielt Nossen das Stadtrecht.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde Nossen regional bedeutsamer Eisenbahnknoten: 1868 wurden die Eisenbahnlinien von Dresden–Meißen–Nossen–Döbeln–Leipzig, 1873 nach Freiberg (Zellwaldbahn / Bahnstrecke Nossen–Moldau), 1880 nach Riesa (Bahnstrecke Riesa–Nossen) sowie 1899 nach Wilsdruff (Wilsdruffer Schmalspurbahnnetz) eröffnet.

Ab 1871 entstanden Leder- und Waagenfabriken und 1896 die Zelluloidpuppenfabrik Buschow & Beck. Unter dem Bürgermeister Johann Christian Eberle (Amtszeit 1898–1919) folgte ein wirtschaftlicher Aufschwung. Besondere Verdienste erwarb er sich bei der Durchsetzung der Girokassen – er war 1. Vorsitzender des Sparkassen-Verbandes. In seine Amtszeit fiel auch der Neubau des Rathauses 1914/1915.

mini|Nossener Markt um 1965, Wartburg 313

In den Jahren 1944 und 1945 befand sich im Pitzschebachtal vor dem Klosterpark Altzella das Außenlager Nossen/Roßwein des KZ Flossenbürg, von dem aus 650 KZ-Häftlinge in den Metallbetrieben Fa. E.Warsitz, Nossen (Nowa-Gesellschaft) und in den Press- und Schmiedewerken E.Broier (Ebro-Werke), Roßwein, Zwangsarbeit in der Rüstungsproduktion verrichten mussten. Auf dem Todesmarsch Richtung KZ Theresienstadt am 14. April 1945 starben mindestens 67 dieser Häftlinge.

Am 6. Mai 1945 gegen 16 Uhr wurde die Stadt von der aus Richtung Lommatzsch anrückenden Roten Armee besetzt. Kurz vor ihrem Einmarsch sprengte die Wehrmacht die Eisenbahnbrücke und die Straßenbrücke unterhalb des Schlosses (Pöppelmannbrücke). Die Sprengung der südöstlich gelegenen Autobahnbrücke Siebenlehn konnte hingegen von Reinhold Ehrlich, dem damaligen Wirt des Huthauses, einer Ausflugsgaststätte im Tal unter der Brücke, am 5. Mai 1945 verhindert werden.Alfred Harendt: Der Wirt vom „Huthaus“ In: Die Stunde Null: Tatsachenberichte über Erlebnisse aus d. letzten Tagen d. 2. Weltkrieges, Hrsg. von Ursula Höntsch Die Stunde Null.Berlin 1966, S. 129. Inhaltsverzeichnis

Etymologie und Schreibweisen des Ortsnamens Nossen hat seinen Namen von einem Geschlecht derer von Nossen, das hier in bischöflichem Auftrag einen Streifen Landes mit Bauern besiedelte. Der Name, wahrscheinlich auch das Geschlecht der Herren von Nossen, ist slawischer Herkunft. Das Wort wird aus dem Sorbischen „Nosno“ (nos = nase) abgeleitet, was mit „Siedlung an einer vorspringenden Felsnase“ übersetzt werden kann. Die auch mögliche Übersetzung „Nasenberg“Klaus Bartusch: Nossen in alten Ansichten Band 1, ISBN 978-90-288-6624-9. wird nahegelegt, wenn man den Rodigt aus südöstlicher Richtung z. B. von der Autobahn 4 betrachtet.

Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es keine einheitliche Deutsche Rechtschreibung. Das zeigt sich auch bei den verschiedenen Schreibweisen des Namens von Nossen. Trotz der unterschiedlichen Schreibweisen wurden sie alle fast gleich ausgesprochen. In der ersten schriftlichen Überlieferung von 1185 wird ein Petrus von Nozin genannt.

Die heute geläufige Schreibweise „Nuzzin“ (bzw. Ritter von Nuzzin) für das historische NossenGeschichte – Ritterburg und AbtsitzAlfred Berger: Ein Streifzug durch die Nossener Geschichte. Gedenkschrift zum Heimatfest Nossen 1936. geht vermutlich auf die Geschichtsliteratur des 19. Jahrhunderts zurück.Eduard Beyer: Das Cistercienser-Stift und Kloster Alt-Zelle in dem Bisthum Meißen. Janssen 1855, S. 197 ()Albert Schiffner: Beschreibung von Sachsen und der Ernestinischen, Reußischen und Schwarzburgischen Lande. Grimm 1845, S. 204 (). Ob sie sich auch in zeitgenössischen Quellen findet, ist fraglich.

Folgende historischen Namensformen sind urkundlich belegt: 1185: Petrus de NozinUrkunden des Markgrafen von Meissen S. 352, Zeile 7 1197: Noscin 1218: Nozzin 1228: Nuzin 1373: Nussin 1403: Nussen 1432: NossinHöfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich. Ein dynastisch-topographisches Handbuch (= Residenzenforschung, Bd. 15.I) Thorbecke Verlag Ostfildern 2003, ISBN 3-7995-4515-8, . 1529: Nossaw 1552: Nossen 1553: Nossa

Gedenkstätten Grabstätte am Weg zur Schäferei des Ortsteiles Heynitz für einen sowjetischen Kriegsgefangenen, der im April 1945 ermordet wurde Gedenkstein im Nordwestteil des Nossener Friedhofs an der Freiberger Straße für 87 Opfer des KZ-Außenlagers

Eingemeindungen Im Mai 2012 wurden Überlegungen bekanntgegeben, die Nachbargemeinde Reinsberg mit Nossen zusammenzuschließen. Hierfür wäre allerdings ein Kreiswechsel notwendig, der der Zustimmung des sächsischen Innenministeriums bedurft hätte. Nach der Ablehnung durch das Innenministerium wurde eine Fusion mit den Gemeinden Ketzerbachtal und Leuben-Schleinitz zum 1. Januar 2014 beschlossen.

+ Eingemeindungen in die Stadt Nossen Ehemalige Gemeinde bzw. Gutsbezirk Datum Anmerkung Augustusberg (früher Keseberg)Das Sachsenbuch, Kommunal-Verlag Sachsen KG, Dresden, 1943. 1. November 1935 DeutschenboraStatistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Gebietsänderungen 1. Januar 1996 EulaGemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt 1. Oktober 1973 Heynitz 1. Januar 2003 Ketzerbachtal 1. Januar 2014 Leuben-Schleinitz 1. Januar 2014 Zella 1. November 1935 Zella (Kammergut) mit KummersheimVerzeichnisse der seit Mai 1945 eingemeindeten Gemeinden und Nachweis über die Aufgliederung der selbständigen Gutsbezirke und Staatsforstreviere, 1952, Herausgeber: Ministerium des Innern des Landes Sachsen 11. Dezember 1948 Umgliederung des Ortsteils Kummersheim am 1. Juli 1950 nach Marbach (jetzt: OT von Striegistal)

Am 1. Dezember 1939 wurden Teile von Rhäsa (mit 3 Bewohnern) nach Nossen umgegliedert.Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich auf Grund der Volkszählung 1939, 2. Auflage. Verlag für Sozialpolitik, Wirtschaft und Statistik GmbH, Berlin, 1941, Herausgeber Statistisches Reichsamt