Der Baldeneysee ist der größte der sechs Ruhrstauseen. Er liegt im Süden der Stadt Essen zwischen den Stadtteilen Werden, Bredeney, Heisingen, Kupferdreh und Fischlaken. Betreiber der Stauanlage Baldeneysee ist der Ruhrverband.
Geschichte mini|Villa Hügel an der Ruhr 1907, vorn links das Bootshaus Hügel mini|Fliegeraufnahme aus den 1920er Jahren mit Villa Hügel; der Baldeneysee existiert noch nicht. Es gab erste Planungen im Jahre 1927 durch den ersten Ruhrverbands-Geschäftsführer Karl Imhoff, der die Ruhr wieder sauberer machen sollte. Er plante neben anderen Ruhrstauseen den Baldeneysee, um die Selbstreinigungskraft des Flusses zu verstärken. Durch Aufstauung wird die Fließgeschwindigkeit verringert, so dass sich Schwebstoffe absetzen. Damit konnte sich die Ruhr auf natürliche Weise durch Sedimentation und Abbau von Verunreinigungen durch Mikroorganismen und Algen selbst reinigen. Diese Aufgabe übernehmen heute in erster Linie zahlreiche Kläranlagen. Damals versuchte man, die Versorgung mit Trinkwasser trotz steigender Verbräuche und qualitativer Verschlechterung durch Industrie und Bevölkerungsanstieg zu gewährleisten. Die bereits erfolgreich gebauten Seen Harkort- und Hengsteysee bestätigten das Vorhaben. So entstand zwischen Mai 1931 und März 1933 in Werden ein Ruhr-Stauwehr.
Der Name Baldeneysee stammt daher, dass erste Planungen das Stauwehr in Höhe des Schlosses Baldeney im Ortsteil Baldeney vorsahen. Da sich dieses Vorhaben wegen zu geringen Gefälles und daher zu geringer Stromerzeugung als unwirtschaftlich herausstellte, entschied man sich, das Stauwehr weiter flussabwärts bei Werden zu errichten. Von dort erstreckt sich der Stausee heute bis zur Kampmannbrücke. Die ersten Arbeiten am See wurden in der Bevölkerung zunächst als ökologische Katastrophe gesehen, da sie ihr lieb gewonnenes Ruhrtal schwinden sah. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 18. September 2008; Artikel zur 75-Jahr-Feier Zum Bau des Sees wurden Grundstücke von Krupp benötigt. Als Gustav Krupp von Bohlen und Halbach aber zugesichert bekam, dass man den See von seiner Villa Hügel aus werde sehen können, stimmte er dem Bau zu. Auch das Pachtgut Schürmannhof in Fischlaken musste der Aufstauung des Sees weichen.Vor 95 Jahren: Diese Gebäude und Zechen versanken in den Fluten des Baldeneysees. In: Neue Ruhr Zeitung vom 28. März 2026
Ende 1929 begann die Weltwirtschaftskrise. Die Baustelle wurde im Dezember 1931 nach sieben Monaten Bauzeit insolvent, so dass der Bau des Wehres und des Wasserkraftwerks bis Februar 1932 stillgelegt wurde, da die Mittel des Ruhrverbands für Schuldentilgungen notwendig wurden. Die Erdarbeiten gingen jedoch weiter. Ab Ende Februar 1932 setzte man bis zu 2000 Arbeiter im Rahmen des FAD (Freiwilliger Arbeitsdienst) ein.Die Jahresversamlung des Ruhrverbandes. Einschränkung der Arbeiten am Baldeneyer Stausee. In: Essener Volkszeitung vom 1. Dezember 1931 So profitierte der Ruhrverband durch die Einnahme von Darlehensgeldern aus der Erwerbslosenfürsorge für den Bau. Die Arbeiter waren oft nur mit primitiven Werkzeugen ausgerüstet. Sie erhielten zwischen 1,00 und 1,80 Reichsmark und eine warme Mahlzeit am Tag.
Trotz der Verzögerungen Anfang 1932 wurde im Juni 1932 mit dem Aushub am Stauwehr begonnen. Am Ende des Folgemonats wurden die Wehrwalzen montiert. Ende Februar 1933 war das Stauwehr fertiggestellt und die Ruhr wurde probeweise aufgestaut. Am 15. März des Jahres fand die Abnahme der Dämme durch die Regierungskommission statt, nachdem eine Woche zuvor die Aufstauung bis auf 1,25 Meter unter dem späteren Wasserspiegel erfolgte. Nach dieser Abnahme wurde der Wasserspiegel um weitere 1,5 bis 2 Meter abgesenkt, um Restarbeiten bis zur endgültigen Füllung vorzunehmen.Baldeneysee wieder abgesenkt; In: Essener Volkszeitung vom 16. März 1933
Im Frühjahr 1933 wurde ein erster Probelauf des Wasserkraftwerks Baldeney im Stauwehr vorgenommen.Die Verkehrsboote auf dem Baldeney-See. In: Essener Volkszeitung vom 25. April 1933 Es erzeugt bis heute mit zwei Kaplan-Turbinen 26,7 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr bei einem Gefälle von 8,7 Metern. Aufgrund der Machtergreifung der NSDAP im Januar 1933 gab es keine offizielle Einweihungsfeier. Ende 1933 wurde die Mündung des Deilbachs in Kupferdreh fertiggestellt. Der Ingenieur Karl Imhoff wurde 1934 von der NSDAP als Geschäftsführer des Ruhrverbandes abgesetzt.
1933 nahm die Verkehrsgesellschaft m.b.H. Baldeneysee, die spätere Weisse Flotte Baldeney, ihren Fahrgastschiffbetrieb auf. Nach der Essen kam am 23. April 1933 ein weiteres Fahrgastschiff hinzu. Bis Juni des Jahres folgten zwei weitere Schiffe. Eine neue Schleuse wurde im Stauwehr für Ausflugsschiffe und Freizeitkapitäne errichtet. Die alte Schleuse Neukirchen, die der Ruhrschifffahrt hauptsächlich zum Kohlentransport diente, fiel durch die Aufstauung des Baldeneysees trocken.
Die Deutsche Reichsbahn bot ab 6. Mai 1933 für sonntags und mittwochs eine vergünstigte Baldeneysee-Fahrkarte für die zweite und dritte Wagenklasse an. Damit sollte die Verkehrsanbindung an den Baldeneysee erleichtert werden. Man konnte damit von Essen Hauptbahnhof über Essen-Stadtwald zum Haltepunkt Essen-Hügel, oder von Werden bis dorthin fahren. Nach einem Spaziergang am See war der Einstieg unter anderem in Heisingen oder Kupferdreh wieder möglich, um auch über Steele wieder zurückzufahren.Reichsbahn beschert die Baldeneysee-Karte. In: Essener Volkszeitung vom 13. April 1933
Im Zweiten Weltkrieg wurde 1941 – im Zusammenhang mit dem Bau der auf dem Velberter Rottberg errichteten Kruppschen NachtscheinanlageErich Hampe: Der Zivile Luftschutz im Zweiten Weltkrieg – Dokumentation und Erfahrungsberichte über Aufbau und Einsatz. Bernard und Graefe Verlag, 1963, Seite 560Dr. Helmut Grau, Jürgen Lohbeck, Sven Polkläser: Die Krupp’sche Nachtscheinanlage in Velbert. Scala Verlag, Velbert 2017 – das Seewasser abgelassen, um der Luftwaffe der Alliierten mit der nicht mehr vorhandenen Wasseroberfläche die Orientierung zu nehmen. Durch die Flutwelle nach der Zerstörung der Möhnetalsperre im Mai 1943 gab es auch an den Ufern des Baldeneysees schwere Zerstörungen. 1944 brannte nach einem Bombenangriff unter anderem das Bootshaus Hügel am nördlichen Seeufer ab, das der Industrielle Alfred Krupp nach dem Vorbild englischer Ruderclubs hatte errichten lassen, welches am 13. Juni 1899 seiner Bestimmung übergeben wurde. Die dort beheimatete Ruderriege gehört heute zum ETuF Essen. 1951 wurde auf den Fundamenten des alten Bootshauses der heutige sachliche Bau fertiggestellt.
1954 und 1993 wurden die Wehrwalzen saniert.
Ehemaliges Freibad Baldeney Ursprünglich waren drei Strandbäder am Baldeneysee vorgesehen. Aus wirtschaftlichen Gründen musste die Planung von zwei Bädern aufgegeben werden. Das betraf eines in Heisingen und ein kleineres bei Fischlaken. Das Strandbad Baldeney hingegen konnte wie geplant errichtet werden, da die Sparkasse Essen 150.000 Reichsmark zur Verfügung stellte, die aus einer guten Bilanz ihres vergangenen Geschäftsjahres hervorgegangen waren. Die Sparkasse war verpflichtet, von ihrem Reinertrag einen Teil für gemeinnützige Zwecke zu verwenden.Das erste Strandbad am Stausee. In: Essener Volkszeitung vom 13. April 1933
Das umfangreiche Grundstück des ehemaligen Freibads Baldeney, des heutigen Seaside Beach, gehörte ursprünglich zum Schloss Baldeney. Der Ruhrverband hatte es im Einvernehmen mit der Stadtverwaltung zunächst bis zum 31. Dezember 1961 gepachtet, um die Erschließung für den öffentlichen Bade- und Ausflugsverkehr zu gewährleisten. Aus wirtschaftlichen Gründen hat der Ruhrverband die Nutzung des Grundstücks an die Verkehrsgesellschaft m.b.H. Baldeneysee, aus der später die Weisse Flotte Baldeney hervorging, abgetreten. An dieser Verkehrsgesellschaft waren unter anderem die Stadtverwaltung, die Friedrich Krupp AG und die Süddeutsche Eisenbahn-Gesellschaft (SEG), die auch die Essener Straßenbahn betrieb, beteiligt. Ihre Aufgabe war, neben der Durchführung des Schiffs- und Fährverkehrs auf dem Baldeneysee, unter anderem auch die Einrichtung eines großen neuzeitlichen Strandbades.Der Ausbau des Baldeney-Bades. In: Essener Volkszeitung vom 25. April 1933
In der Ratssitzung vom 2. Oktober 1936 wurden die bereits genannten 150.000 Reichsmark zum Ausbau des Baldeneyseebades für die badefreudigen Volksgenossen freigegeben,Wichtige städtische Aufgaben vor der Durchführung; In: Essener Allgemeine Zeitung, 2. Oktober 1936 das 1937 offiziell eröffnet wurde. Bis 1984 diente es als Freibad mit einem 100 mal 25 Meter großen Schwimmerbecken, einem 220 mal 50 Meter großen Nichtschwimmerbecken und einem abgegrenzten, im Baldeneysee befindlichen Sprungbecken mit Sprungturm. Für Kinder gab es eine Wasserrutsche. Als nach dem Krieg Essen von britischen Streitkräften besetzt wurde, teilten sie das Freibad in eine deutsche und eine britische Seite, was am 30. November 1949 wieder aufgehoben wurde. Am 26. Juli 1952 wurde das Bad wegen allgemein starker Ausbreitung der Kinderlähmung geschlossen. Man baute eine neue Chloranlage und 1954 eine Entwässerungsanlage ein. 1959 verzeichnete das Freibad Baldeney mit 327.800 Badegästen seinen höchsten Zulauf. Weil die Sanierungskosten für das inzwischen marode Bad zu hoch erschienen, wurden 1984 alle Schwimmbecken geleert und das Freibad geschlossen. Ein weiterer Grund für die Schließung war, dass die Schwimmbecken zuvor mit Grundwasser gespeist wurden. Durch den kontinuierlich fallenden Grundwasserspiegel wurde dieses zunehmend schwierig und schließlich nahezu unmöglich. Ein Jahr später wurde das vormalige Bad als trockengelegtes Licht- und Luftbad wiedereröffnet. In jenem Jahr wurde das Sonnen oben ohne erlaubt. 1997 wurde der Sprungturm abgerissen; aus den sandgefüllten Schwimmbecken wurden Volleyballfelder. 2005 übernahm die Seaside Beach Club GmbH das Areal mit neuem Konzept. Das Bad kann gegen Gebühr genutzt werden.
Die ehemaligen Schwimmbecken wurden für die Dreharbeiten des deutschen Fernsehfilms Die Sturmflut über die Sturmflutkatastrophe in Hamburg wieder vom Sand befreit und mit Wasser gefüllt.
Das Schwimmen in der Unteren Ruhr, und damit auch im Baldeneysee selbst, wurde, begründet mit dem hohen Bakteriengehalt des Wassers, im September 1952 durch Erlass der Bezirksregierung Düsseldorf verboten. Einige Strandbäder waren allerdings davon ausgenommen, darunter auch das Bad Baldeney. Hier verbot man schließlich 1973 das Schwimmen im See. DerWesten.de, 6. Juli 2010 Am 23. Mai 2017 wurde am Ufer des Seaside Beach Baldeney, wie das Freizeitgelände um das einstige Freibad heute heißt, unter Anwesenheit von Oberbürgermeister Thomas Kufen und Christian KellerDas blaue Wunder, in: Welt am Sonntag Nr. 22, 28. Mai 2017, NRW, S. 2. eine neu eingerichtete Badestelle in der Ruhr offiziell eröffnet. Die Wasserqualität ist durch die Modernisierung der Kläranlagen in den vergangenen Jahrzehnten wieder so gut, dass die Behörden gesundheitliche Bedenken ausgeräumt haben. Bei bestimmten Wetterlagen gilt jedoch weiterhin ein Badeverbot.Schwimmen im Baldeneysee – Baden in der Ruhr ist wieder möglich. In: Rheinische Post, 23. Mai 2017; abgerufen am 28. Mai 1027
Technik mini|Das Stauwehr des Sees von Essen-Werden aus