Locus iste („Dieser Ort“) sind die Anfangsworte der lateinischen Motette Locus iste, WAB 23, in C-Dur für vierstimmigen gemischten Chor a cappella von Anton Bruckner. Er komponierte das Werk im Jahre 1869 für die Einweihung der Votivkapelle im Mariä-Empfängnis-Dom in Linz.
Geschichte Als Bruckner von 1855 bis 1868 Organist am Alten Linzer Dom war, erhielt er von Bischof Franz Joseph Rudigier den Auftrag, eine Festkantate zur Grundsteinlegung des neuen Doms zu komponieren. Er schrieb die Festkantate Preiset den Herrn, die am 1. Mai 1862 auf der Baustelle aufgeführt worden war. Die Votivkapelle wurde 1869 als erster Teil des neuen Doms fertiggestellt.
Bruckner komponierte Locus iste am 11. August 1869C. van Zwol, S. 706. für die Einweihungsfeier der Votivkapelle.The Cambridge Companion to Bruckner. S. 58. Die Aufführung kam zum Festtag der Einweihung der Votivkapelle nicht zustande, aber vier Wochen später, am 29. Oktober, am selben Ort.
Bruckner widmete das Werk Oddo Loidol, einem seiner Schüler am Wiener Konservatorium. Die Motette, deren Handschrift sich in einer Privatsammlung befindet (Dr. Arthur Wilhelm, Bottmingen),U. Harten, S. 261. wurde mit drei weiteren Gradualien (Christus factus est, WAB 11, Os justi, WAB 30, und Virga Jesse, WAB 52) von Theodor Rättig, Wien 1886 herausgegeben. Das Locus iste erschien in Band XXI/25 der Gesamtausgabe.Gesamtausgabe – Kleine Kirchenmusikwerke
Text Der Text ist das Graduale Locus iste für das Kirchweihfest. Noch heute wird es gerne zu diesem Anlass gesungen.
Locus iste a Deo factus est, inaestimabile sacramentum, irreprehensibilis est.Dieser Ort ist von Gott geschaffen, ein unschätzbares Geheimnis, kein Fehl ist an ihm. Zum biblischen Kontext vergleiche (Bet-El).
Musik Die Motette in C-Dur von 48 Takte ist für gemischten Chor a cappella konzipiert. Die Ausführungszeit beträgt etwa drei Minuten.
Bruckner vertonte die drei Textzeilen in der Form „A-B-A“, die mit einer Coda endet. „A“, das die erste Zeile des Textes enthält, umrahmt die zweite und dritte Zeilen.
Zitate
Sonstiges Das Stück gilt als Inspiration für das Titellied Ecce homo der britischen Comedyserie Mr. Bean, komponiert von Howard Goodall.
Diskographie Die erste Ausgabe des Locus iste erfolgte zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Karl Luze, Chor der Kaiserlichen Hofmusikkapelle – 78 rpm G. C./HMV 44762, c. 1907 Eine Auswahl der mehr als 200 Aufnahmen Matthew Best, Corydon Singers, Bruckner: Motets – CD: Hyperion CDA66062, 1982 Philippe Herreweghe, la Chapelle Royale/Collegium Vocale, Ensemble Musique Oblique, Bruckner: Messe en mi mineur; Motets – CD : Harmonia Mundi France HMC 901322, 1989 Frieder Bernius, Kammerchor Stuttgart, Bruckner: Mass in E minor; Ave Maria; Christus factus est; Locus iste; Virga Jesse – CD : Sony CL SK 48037, 1991 John Eliot Gardiner, Monteverdi Choir, Bruckner: Mass No. 1; Motets – CD : DG 459 674-2, 1998 Dan-Olof Stenlund, Malmö Kammarkör, Bruckner: Ausgewählte Werke – CD : Malmö Kammarkör MKKCD 051, 2004 Peter Fiala, Tschechischer Philharmonischer Chor Brünn, Anton Bruckner: Motets – CD : OMD 322 1422-2, 2006 Ulf Samuelsson, Ungdomskören OPQ, Sous höga valv – CD : Olaus Petri Församling OPCD001, 2006 Michael Stenov, Cantores Carmeli, Benefizkonzert Karmelitenkirche Linz – CD/DVD herausgegeben vom Chor, 2006 - kann auch auf YouTube angehört werdenAnton Bruckner – Motette Locus iste à 4 voces a cappella Stephen Layton, Polyphony Choir, Bruckner: Mass in E minor & Motets – CD : Hyperion CDA 67629, 2007, Erwin Ortner, Arnold Schoenberg Chor, Anton Bruckner: Tantum ergo – CD : ASC Edition 3, herausgegeben vom Chor, 2008 Otto Kargl, Domkantorei St. Pölten, Bruckner: Messe E-Moll, CD : ORF CD 3174, 2013 Philipp Ahmann, MDR-Rundfunkchor Leipzig, Anton Bruckner & Michael Haydn - Motets – SACD : Pentatone PTC 5186 868, 2021
Literatur Anton Bruckner – Sämtliche Werke, Band XXI: Kleine Kirchenmusikwerke. Hans Bauernfeind und Leopold Nowak (Hrsg.), Musikwissenschaftlicher Verlag der Internationalen Bruckner-Gesellschaft, Wien 1984/2001. Cornelis van Zwol: Anton Bruckner 1824–1896 – Leven en werken. Ed. Thot, Bussum 2012, ISBN 978-90-6868-590-9. Uwe Harten: Anton Bruckner. Ein Handbuch. Residenz Verlag, Salzburg 1996, ISBN 3-7017-1030-9. The Cambridge Companion to Bruckner. Cambridge University Press, 2004, ISBN 978-0-521-00878-5. Felix Diergarten: Anton Bruckner. Das geistliche Werk. (Ein Werkführer). Salzburg 2023, ISBN 978-3-99014-248-6.
Weblinks
Locus iste C-Dur, WAB 23 - Kritische Diskografie von Hans Roelofs
Einzelnachweise
Kategorie:Motette von Anton Bruckner Kategorie:Musik 1869 Kategorie:Geistliches Chorwerk Kategorie:Chorwerk aus dem 19. Jahrhundert