Die Familie Donati (auch Donat) war eine Orgelbauerfamilie in Mitteldeutschland. In mehreren Generationen sind nach heutigem Forschungsstand über 40 Orgeln errichtet worden, von denen ca. 12 größtenteils bis heute erhalten sind.
mini|Orgel der Nikolaikirche Luckau, eines der größten Werke der Donatis
Wirkungsbereich Der Wirkungsbereich der Familie erstreckte sich auf die Gebiete Sachsens, Thüringens, Brandenburgs und Niedersachsens.
Leben und Werk mini|Beschwerde Donats aus dem Jahre 1703 über die Tischlerinnung
Erste Generation Der Begründer der Dynastie Christoph Donat (auch Christoph Donati) (* 30. September 1625 in Marienberg; † 14. August 1706 in Leipzig) wird erstmals 1653 als Helfer von Matthias Tretzscher beim Bau der Orgel in der Stadtkirche Bayreuth erwähnt (II/P/20; nicht erhalten) und erhält am 4. Oktober 1662 das Bürgerrecht der Stadt Leipzig. Im Jahre 1663 führte er die Reparatur der 1639 von Tobias Weller errichten Orgel in der Stadtkirche Weißenfels für 200 Mfl. durch.Gustav Heinrich Heydenreich: Kirchen & schul-chronik der stadt & Ephorie Weissenfels seit 1539 Keil, Weißenfels, 1840, S. 137.
Von 1665 bis 1690 war er als Nachfolger von Johann Diettrich Hoforgelbauer in Altenburg. In Altenburg war er in dem 1665 geschlossenen Vertrag verpflichtet worden, zusätzlich zu der Orgel in der Schlosskapelle sowie den im Schloss befindlichen kleineren Orgeln, sowohl das Regal wie auch das zum Taffel dienst angeschaffte Tisch Positiv und auch alle anderen sich in herrschaftlichen Besitz befindlichen, besaiteten Tasteninstrumente zu pflegen. Donat solle in Altenburg jeweils zu Pfingsten und an Martini erscheinen und erhielt 25 Taler Entlohnung.
1683 erweiterte er die sogenannte Kleine Orgel in der Thomaskirche Leipzig von 1489 um 6 Register (1740 abgebrochen).Christoph Wolff, Markus Zepf: Die Orgeln Johann Sebastian Bachs: ein Handbuch Evangelische Verlagsanstalt, Berlin, 2006, S. 71. Im Jahre 1689 baute er die von Henricus Compenius aus Halle im Jahre 1617 errichtete Orgel in Markranstädt umCornelius Gurlitt: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen, Ausgabe 16 Meinhold, 1894, S. 87. und 1691 renovierte er die in Eilenburg.Rudolf Wustmann, Arnold Schering: Musikgeschichte Leipzigs: 1650 bis 1723 Merseburger, Kassel, 1974, S. 256. Er war u. a. Pate der Kinder von Werner Fabricius. Aus dem Jahre 1703 ist eine Beschwerde Donats über die Tischlerzunft Leipzigs aktenkundig, in der er gegen die Vorenthaltung zweier Tischlergesellen zu dem von ihm durchzuführenden Neubau der Orgel der Neukirche klagt. Sein Sohn Christoph d. J. ging ihm bei vielen Werken zu Hand. Er stellte in seiner Leipziger Werkstatt auch Clavichorde her. Seine nachweisbaren Kinder waren: Christoph der Jüngere (getauft 2. Dezember 1659 in Leipzig; † 14. Juni 1713 ebenda) Johannes Jacobus (Johann Jacob) der Ältere (getauft 27. Juni 1663 in Leipzig; † 7. Oktober 1750 in ZwickauEmil Herzog: Chronik der Kreisstadt Zwickau: Jahresgeschicht. Band 2. Zückler, Zwickau 1825, S. 625.)
Werkliste Die Größe der Instrumente wird in der fünften Spalte durch die Anzahl der Manuale und die Anzahl der klingenden Register in der sechsten Spalte angezeigt. Ein großes „P“ steht für ein selbstständiges Pedal, ein kleines „p“ für ein angehängtes Pedal. Eine Kursivierung zeigt an, dass die betreffende Orgel nicht mehr erhalten ist. Jahr Ort Kirche Bild Manuale Register Bemerkungen1658–1660ZschopauSt. MartinÜbergabe am 16. September 1660: Prüfung durch Organisten Johann ConradErnst Friedrich Wilhelm Simon: Historisch-geographisch-topographische Nachrichten von der Bergstadt Zschopau Dresden, 1821, S. 264.; 1753–1755 durch Orgel von Jacob Oertel ersetzt1660–1662Neuenkirchen (Hadeln)St. MarienII/P18Neubau 1660/1661 in Leipzig, auf dem Wasserwege nach Neuenkirchen transportiert und 1662 aufgebaut; 1695 kleine Dispositionsänderung durch Donat; Renovierungen 1738 durch Dietrich Christoph Gloger und 1751 durch Johann Hinrich Klapmeyer; 1835/1836 neues Gehäuse durch Johann Georg Wilhelm Wilhelmy; restauriert 2012 von Rowan West; 6 Register ganz und 5 teilweise von Donat erhalten1667MeißenDomseitlich auf dem neuen Singchor angebracht, 1698 von Gräbner verbessertAlbert Schiffner: Handbuch der Geographie, Statistik und Topographie des Königreiches Sachsen, Band 2 Fleischer, Leipzig, 1840, S. 362. 1672–1674LuckauNikolaikirchezentriert|160x160pxIII/P36nach 35 Jahren noch nicht voll einsatzfähig; drei Orgelbauer (Piotr Ostrowski aus Fraustadt 1675, der Dresdner Hoforgelbauer Andreas Tamitius 1677 und Christoph Junge aus Doberlug 1677) bescheinigten Mängel;Wolf Bergelt: Die Mark Brandenburg. Eine wiederentdeckte Orgellandschaft Pape, Berlin, 1989. S. 102–105. später auf 44 Register (inkl. ein Blindregister) umgebaut, neobarocker Neubau von Orgelbau Schuke Potsdam in drei Bauabschnitten; nur in zehn Registern sind noch Pfeifen von Donat erhalten.1674KnauthainHoffnungskirche1798 durch Johann Gottlieb Ehregott Stephani instand gesetzt; Kirche wurde 1844 abgebrochen1683–1688Eisenberg (Thüringen)Schlosskirche160x160pxII/P21Am 26. Oktober 1683 schloss Christian von Sachsen-Eisenberg einen Kontrakt mit dem Orgelmacher und Bürger zu Leipzigk Christoph Donat zum Bau einer Orgel mit 20 Registern und Kosten von 550 Talern. Beim Orgelbau wirkten die Söhne Donats und der Hofkapellmeister Johann Krieger als Berater mit; nach 1683 Erweiterung auf 22 Register auf Anraten KriegersHartmut Haupt: Die Orgel der Kapelle im Schloss Eisenberg: ein bedeutendes Denkmal der barocken Orgelbaukunst in Thüringen Rat der Stadt Eisenberg, 1981, S. 16.; 1731–1733 von Tobias Heinrich Gottfried Trost umgebaut, 1805 vom Urenkel August Friedrich Wilhelm Donati renoviert; größere Anzahl der Register von Donat sind erhalten1684LiemehnaDorfkircheEinweihung am Johannesfeste; Kosten 70 TalerCarl Geißler: Chronik der Stadt Eilenburg und der Umgebung Meyner, Delitzsch, 1829, S. 184.1686BelgershainJohanniskircheEinweihung am Johannestag; 1905 durch neue Orgel durch Firma Schmeisser aus Rochlitz ersetztInfo zu Kirche Belgershain 1686GrimmaKlosterkirchedie Orgel kostete 350 Taler; 1786 durch Johann Georg Friedlieb Zöllner aus Hubertusburg renoviertChristian Gottlob Lorenz: Die Stadt Grimma im Königreiche Sachsen, historisch beschrieben Dyk’sche Buchhandlung, Leipzig, 1856, S. 65. 1693WechselburgStiftskircheauf hölzernem östlichen Anbau der Westempore angebracht, Examination am 8. Januar 1694 durch Gottfried Ernst Bestel (Altenburger Hoforganist)Herbert Küas, Hans-Joachim Krause: Die Stiftskirche zu Wechselburg Akademie-Verlag, Berlin, 1968, S. 143.1696MutschauDorfkircheKosten waren 130 Thaler; im Jahre 1828 repariertGustav Heinrich Heydenreich: Kirchen & schul-chronik der stadt & Ephorie Weissenfels seit 1539 Keil, Weißenfels, 1840, S. 287. 1696WiesenburgSt. Marien1755 durch neue Orgel aus der Werkstatt von Johann Ephraim Hübner (1713–1781) aus Wittenberg ersetzt.1702-1704Leipzig NeukircheII/P21Erster Organist auf der Orgel war Georg Philipp TelemannChristoph Wolff, Markus Zepf: Die Orgeln Johann Sebastian Bachs: ein Handbuch Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig, 2006, S. 73.; 1722 instand gesetzt und umgestaltet von Johann Scheibe, 1753 Reparatur durch Johann Emanuel Schweinefleisch; 1847 neue Orgel von Johann Gottlob Mende 1705 Brandis Stadtkirche Brandis zentriert|160x160px II/P 16 Zum großen Teil erhalten; älteste zweimanualige Orgel mit Zwillingswindlade in Sachsen; 2006/2007 durch Orgelbau Wünning restauriert; Informationen zur Orgel in der Stadtkirche zu Brandis
Zweite Generation
Christoph Donati d. J. Von ihm sind keine Werke bekannt, er arbeitete ab 1693 in der Werkstatt seines Vaters.
Seine Kinder waren:
Johann Christoph Gottlob (* 19. Oktober 1694 in Leipzig; † 8. September 1756 in Glauchau), führte die Orgelbautradition weiter. Johann Gottfried (* 1706 in Leipzig; † 1782 in Greiz) wurde Komponist und Organist.
Johannes Jacobus Donati d. Ä. Johannes Jacobus wird anlässlich der Trauung mit der Tochter des gebürtigen dänischen Orgelbauers Severin Holbeck († 1700) aus Zwickau 1701 als Gothaischer und Altenburger Hoforgelbauer genannt und wurde am 28. Juni 1704 Bürger von Altenburg. Er führte die Orgelwerkstatt von Holbeck in Zwickau weiter. Im Jahr 1711 verlegte er seine Werkstatt vollständig nach Zwickau, nahm aber gleichzeitig seine Aufgabe als Hoforgelbauer in Altenburg war. Er baute 1701 die Orgel in der Schlosskirche Altenburg und 1704 die Orgel in der Dorfkirche zu Saara um. Auch reparierte er 1699/1700 die Orgel der Leipziger Thomaskirche und 1716 die in der Altenburger St. Bartholomäi-Kirche. Er baute auch Orgeln in Reinhardsbrunn (Schlosskirche) und Lohma. Auch ein Orgelbau in Ortmannsdorf wird ihm zugeschrieben.o.A.: Aus dem Leben der Orgelbauerfamilie Donati. in Der Spiegelwaldbote. Nr. 7/2012 S. 16ff.
Er hatte am 23. November 1723 einem Streit mit Tobias Heinrich Gottfried Trost um Orgelbauprivilegien (Trost warf Donati mangelhafte Arbeit vor). Der Gutachter war Gottfried Silbermann, der gute kollegiale Beziehungen zu Trost hatte. Silbermann hatte am 9. April 1723 auf Vorschlag von Trost die Orgel in Treben besucht und bestätigte Trosts schlechte Meinung über Johann Jacob Donatis Orgelbaukunst. Der Streit mit Trost brach 1726/1727 erneut aus. Das Altenburger Hoforgelbauer-Privileg ging an Trost.
Er baute ebenfalls Clavichords, ein Instrument (gebaut um ca. 1700) ist im Musikinstrumentenmuseum Leipzig erhalten.
Seine Kinder waren:
Johann Jacob der Jüngere (* 15. Oktober 1715 in Zwickau; † nach 1742) hatte selbst keine Kinder. Von ihm sind keine Orgeln bekannt.
Werkliste Jahr Ort Gebäude Bild Manuale Register Bemerkungen1696AltkirchenDorfkirche1696–1698GößnitzSt. Annen1700LumpzigDorfkirche1704HarpersdorfDorfkirche1706DobitschenDorfkirche1710 und 1720TrebenDorfkirche Treben1715/1716WernsdorfDorfkirche1716RositzDorfkirche1722WeltewitzDorfkircheI/P10http://www.orgelrestauratoren.eu/.cm4all/iproc.php/Peter_Petersohn.pdf?cdp=a&cm_odfile2008 durch Peter Petersohn restauriert Webseite der Kirche Weltewitz1722/1723DennheritzDorfkirche1723MarienbergSt. MarienErsetzt 1782 durch Orgel von Carl Eduard Schubert 1724GelenauDorfkircheseit 1886 in Klingenberg, Gehäuse erhalten1724/1725SchlunzigDorfkircheI/P10Restauriert 1999 von Orgelwerkstatt Christian ReinholdHinweis auf Donati Orgel Schlunzig unter www.orgelwerkstatt-reinhold.de1728OssaLutherkircheFertigstellung der von Trost 1721–1726 unvollendeten Orgel; 1892 durch Neubau von Richard Kreutzbach (Borna) ersetzt1728BeierfeldPeter-Paul-KircheI/P12Kosten waren 170 Taler; im Jahre 2014 restauriert durch die Firma Vogtländischer Orgelbau Thomas Wolf.Bild der Beierfelder Donati-Orgel mit Informationen zur Geschichte1730NitschareuthDorfkirche1732ZwönitzStadtkirche St. TrinitatisII/P221993 Einbau Orgel der Firma Hermann Eule in Gehäuse von DonatiArtikel von Jiří Kocourek: Der sächsische Orgelbau zur Zeit Zacharias Hildebrandts 1732CaselwitzMartin-Luther-KircheHenriette Amalie von Obergreiz spendete ein Orgelpositiv aus dem Oberen Schloss in Greiz und aus Langenwetzendorf wurde eine alte Orgel für 5 Gulden gekauft. Donati hatte aus den beiden alten Orgeln für 36 Reichstaler eine neue Orgel herzustellen. Um Kosten zu sparen, versprach man ihm dafür freie Wohnung und freie Lieferung der nötigen Bretter und sonstige nötige Handlangerdienste. Als Orgelprospekt wurde das alte, aber inzwischen überarbeitete Langenwetzendorfer Prospekt verwendet.1882 durch neue Orgel der Firma Kreutzbach ersetzt.
Dritte Generation Johann Christoph Gottlob Donati Nach 1726 ist er in Glauchau nachweisbar. Er war auch Rechtsassistent am dortigen Gericht.
Seine Kinder waren:
Christian Gottlob (* 3. August 1732 in Glauchau; † 13. November 1795 in Altenburg) sein Sohn führte die Orgelbautradition weiter. Gotthold Heinrich (* 24. Oktober 1734 in Glauchau; † 28. Dezember 1799 in Altenburg) hatte keine Kinder.