Der Hausmeister (englisch: The Caretaker) ist ein Theaterstück des Literatur-Nobelpreisträgers Harold Pinter. Erschienen 1959, fand es seine Welturaufführung am 27. April 1960 im Londoner Arts Theatre mit Donald Pleasence als Davies, Peter Woodthorpe als Aston und Alan Bates als Mick unter der Regie von Donald McWhinnie, und wechselte einen Monat später an das größere Duchess Theatre. Von der Uraufführungsinszenierung wurden 425 Vorstellungen gegeben. Am 4. Oktober 1961 folgte die amerikanische Erstaufführung am New Yorker Broadway im Lyceum Theatre weitgehend mit der Londoner Besetzung, wobei allerdings Robert Shaw die Rolle des Mick übernahm. Die deutschsprachige Erstaufführung in der Übersetzung von Michael Walter fand am 29. Oktober 1960 am Düsseldorfer Schauspielhaus statt mit Otto Rouvel als Davies, Klaus Knuth als Aston und Karl-Heinz Martell als Mick, Regie führte Friedhelm Ortmann.Siehe Martin Esslin: Pinter : A Study of His Plays. Norton, New York 1976, S. 17–23. Siehe auch Martin Esslin: Harold Pinter: The Caretaker. In: Heinrich F. Plett (Hrsg.): Englisches Drama von Beckett bis Bond. Fink Verlag, München 1982, ISBN 3-7705-2037-8, S. 152 f.

Das Werk bedeutete für Pinter nicht nur den Durchbruch als international anerkannter Dramatiker, sondern stellt zugleich einen Wendepunkt in seinem dramatischen Schaffen dar mit der Abkehr von früher verwendeten absurdistischen Techniken und der Hinwendung zu einem zumindest äußerlich realistischen Stil.Martin Esslin: Harold Pinter: The Caretaker. In: Heinrich F. Plett (Hrsg.): Englisches Drama von Beckett bis Bond. Fink Verlag, München 1982, ISBN 3-7705-2037-8, S. 142 f.

Inhalt Der jüngere Aston nimmt den älteren Landstreicher Davies zum Übernachten mit auf sein Zimmer in einem heruntergekommenen Anwesen voller Gerümpel. Zuvor hat er Davies in dem Café, in dem er arbeitet, vor einer Prügelei bewahrt. Aston, der freundlich, mental aber langsam und schwerfällig ist, hat mit psychischen Problemen zu kämpfen. Die eigentliche Identität des heimatlosen Landstreichers bleibt im Unklaren: Mal behauptet er, sein wahrer Name sei zwar Davies, mal gesteht er, jahrelang als Jenkins gelebt zu haben. Um seine Identität unter Beweis stellen zu können, müsste er sich ausweisen können. Seine Papiere habe er jedoch vor Jahren bei einem Mann in Sidcup zurückgelassen. Es sei für ihn jedoch schwierig, nach Sidcup zu kommen, da das Wetter schlecht sei und er keine ordentlichen Schuhe habe.

Kaum in Astons Zimmer angekommen, lästert Davies über die Belegschaft des Cafés, über die Schwarzen und über Ausländer überhaupt. Müde und abgebrannt wie er ist, nimmt er das Angebot an, nicht ohne Aston vorher noch weitschweifig davon zu berichten, wie er versucht habe, in einem Kloster im Norden Londons ein Paar Schuhe zu erhalten. Aston bietet ihm ein Paar gebrauchter Schuhe an, das er aber ablehnt. Schließlich ziehen die beiden unter dem Gerümpel ein Bett hervor und Davies legt sich erschöpft schlafen. Aston repariert während des Gesprächs – und schließlich sogar des gesamten Stückes – entweder einen alten Toaster oder einen Elektrostecker. Beides wird ihm bis zum Ende nicht gelingen. Außerdem behauptet er, mit dem im Zimmer herumliegenden Holz im Garten hinter dem Haus einen Schuppen errichten zu wollen.

Am nächsten Morgen geht Aston aus dem Haus, bietet aber Davies an zu bleiben. Der stöbert sofort in den Sachen herum, wird aber von einem Fremden überrascht, zur Rede gestellt und mit merkwürdigen Spielchen und Fragen zu seiner Identität irritiert. Es handelt sich um Mick, Astons jüngeren Bruder, dem das Wohnhaus zu gehören scheint und der vorgibt, das baufällige Haus renovieren zu wollen, um den ganzen Komplex in eine moderne Wohnung mit Penthouse zu verwandeln. Als Aston zurückkommt und Davies Tasche mitbringt, die dieser im Café vergessen hatte, spielt Mick wieder seine Spielchen mit dem Alten, bis er schließlich verschwindet. Bei der Tasche handelt es sich allerdings nicht um die von Davies. Aston gibt zu, dass es eine andere ist, hat aber ein Hemd und eine Hausjacke für den Alten mitgebracht. Der lehnt das Hemd ab, nimmt aber die Jacke. Plötzlich bietet Aston ihm an, Hausmeister bei ihm zu werden. Davies zögert.

Als Davies wieder einmal in das Zimmer zurückkommt, ist Mick anwesend und spielt erneut sein Spielchen mit ihm, zieht ihn aber dann ins Vertrauen und fragt ihn nach seiner Ansicht über seinen Bruder, mit dem etwas nicht ganz in Ordnung sei. Auch das entpuppt sich letztendlich als Falle, obwohl er anschließend Davies unvermittelt auch seinerseits den Hausmeisterposten anbietet. Micks Motive und Beweggründe für sein widersprüchliches Verhalten gegenüber Davies bleiben indes weitgehend im Dunkeln.

Davies fängt an sich bei Aston wohlzufühlen, klagt aber eines Morgens über die Kälte und den Windzug im Zimmer. Und neue Schuhe hat er immer noch keine. Vertrauensselig berichtet Aston Davies, dass er als Jugendlicher noch vor seiner Volljährigkeit in einer Nervenheilanstalt einer Elektroschockbehandlung unterzogen wurde, nachdem seine Mutter dazu die Erlaubnis erteilt hatte. Dies erklärt seine schleppende Sprache, sein Langsamkeit im Denken, jedoch auch seinen Hang zu Basteleien mit einfachen Mitteln.

Hatte Davies ungeachtet der ihm durch Aston zuteil gewordenen Freundlichkeit bereits vorher versucht, die beiden Brüder zu seinem eigenen Vorteil gegeneinander auszuspielen, so deutet er nun das Geständnis der Krankengeschichte Astons als Zeichen seiner Schwäche und sieht die Chance gekommen, die Oberhand über seinen bisherigen Wohltäter im Kampf um die Vorherrschaft in dem Zimmer zu gewinnen.

Zwei Wochen später ist Davies immer noch da und beschwert sich bei Mick über Aston. Im Gegenzug erklärt Mick ihm detailliert, wie er das Haus umzubauen gedenkt. Als Aston zurückkommt, verschwindet Mick. Aston hat ein Paar Schuhe für Davies dabei, der allerdings ist wieder unzufrieden, klagt und jammert, bis Aston wortlos verschwindet.

Am nächsten Morgen kommt es wieder zu einem großen Streit zwischen den beiden, Davies lässt sich dazu hinreißen, Aston als ehemaligen Insassen einer Irrenanstalt und als Durchgeknallten zu beschimpfen. Als Aston ihn aus der Wohnung hinauswerfen will, zieht er ein Messer, bedroht Aston und beruft sich auf Micks Angebot. Aston lässt sich davon jedoch nicht beeindrucken und setzt Davies vor die Tür.

Davies kommt mit Mick zurück, Aston ist nicht da. Als Davies sich bei Mick über den Bruder auslässt, erkennt dieser anscheinend intuitiv die Gefahr für seinen Bruder und führt Davies in Versuchung, indem er zum Schein auf dessen Taktik eingeht. Als Davies in einem Anfall von Hybris Aston aus der Wohnung verweisen will, muss er jedoch erkennen, dass er den Zusammenhalt der beiden Brüder unterschätzt hat. Mick fängt ein weiteres Spielchen mit ihm an, nennt ihn schließlich ein wildes Tier und einen Barbaren, wirft ihm eine Münze hin und zerschmettert voller Zorn Astons kleine Buddha-Statue. Aston kommt zurück, Mick geht. Davies versucht noch einmal, sich bei Aston einzuschmeicheln, bietet Hilfe bei der Wohnung und beim Bau des Schuppens an, zieht aber den Kürzeren. Schließlich steht er hilflos im Zimmer und bittet Aston stotternd um Gnade und die Chance, trotz allem bleiben zu dürfen. Als Aston jedoch kein Wort mehr sagt, muss Davies schließlich einsehen, dass er den Kampf um die Vorherrschaft ebenso wie seine Bleibe endgültig verloren hat.

Bedeutung Obwohl Der Hausmeister werkgeschichtlich in Pinters Entwicklung als Dramatiker einen entscheidenden Bruch mit der traditionellen Verwendung absurder Stil- und Ausdrucksmittel oder Techniken in seinen frühen Stücken darstellt und eine Hinwendung zu einer zumindest auf der äußerlichen Ebene realistischen Darstellungsweise erkennen lässt, ist doch die Auseinandersetzung mit seinen grundlegenden Themen geblieben, wie etwa dem geschlossenen Raum, der vermeintlich sicheren Heimstatt als zu verteidigendes Territorium, der Bedrohung durch einen Eindringling sowie dem auf sprachlicher und außersprachlicher Ebene ausgetragenen Macht- oder Positionskampf.Vgl. Martin Esslin: Harold Pinter: The Caretaker. In: Heinrich F. Plett (Hrsg.): Englisches Drama von Beckett bis Bond. Fink Verlag, München 1982, S. 142.

Das Stück ist in seinem Aufbau wie auch in seinem Handlungsverlauf auf den ersten Blick überaus einfach gehalten: ein einzelner Schauplatz, nur drei Personen und eine Handlung, die simpel strukturiert ist: Ein alter heimatloser Vagant wird von dem jüngeren psychisch beschädigten Aston auf sein Zimmer mitgenommen, das anscheinend seinem Bruder Mick gehört. Dieser ist im Gegensatz zu Aston geistig wendig, intelligent und elegant. Sein Beruf bleibt unklar; er könnte ein Häuserspekulant oder Schwarzhändler sein, ohne dass es dafür jedoch eindeutige Hinweise im Dramentext gibt. Aus Einsamkeit bietet Aston dem heimatlosen Davies ein Heim und eine Position als Handlanger und caretaker an, wobei die deutsche Übersetzung des titelgebenden Begriffs als „Hausmeister“ die konnotativen Nuancen des englischen Originalbegriffs nicht völlig wiedergibt. Als Beweis seiner Freundschaft und seines Vertrauens gesteht Aston dem Vaganten seine zurückliegende Elektroschockbehandlung, die eine Erklärung für seine geistige Langsamkeit und schleppende Sprache liefert. Davies ist jedoch nicht in der Lage, diesen Vertrauensbeweis wertzuschätzen, und versucht die eingestandene Schwäche Astons zu seinem eigenen Vorteil zu nutzen. Der jüngere Bruder Mick erkennt jedoch intuitiv die drohende Gefahr für Aston und führt seinerseits Davies in Versuchung, in dem er scheinbar auf dessen Taktik gegen Aston eingeht, um ihn zu entlarven. Die beiden Brüder zeigen sich solidarisch; am Ende muss der um Gnade bettelnde Davies sein neues Heim verlassen; Astons Schweigen in dem Schlusstableau bedeutet sein Todesurteil.Vgl. Martin Esslin: Harold Pinter: The Caretaker. In: Heinrich F. Plett (Hrsg.): Englisches Drama von Beckett bis Bond. Fink Verlag, München 1982, S. 142 f. sowie Alrene Sykes: The Caretaketaker and “Failure of Communication.” In: Alrene Sykes: Harold Pinter. University of Queensland Press, St. Lucia, und Humanities Press, New York 1970, S. 69 f. Siehe auch Arnold P. Hinchcliffe: Harold Pinter. Twayne Publishers. Revidierte Auflage, Boston 1981, S. 89–95, sowie William Baker und Stephen Ely Tabachnick: I Don’t Dream. I’ve Never Dreamed: «The Caretaker». In: William Baker und Stephen Ely Tabachnick: Harold Pinter. Oliver & Boyd, Edinburgh 1973, ISBN 0-05-002707-7, S. 75 ff.

Die augenfällige Simplizität des Werkes suggeriert auf den ersten Blick Esslin zufolge „Armeleuterealismus“ und „Milieuschilderung auf der Line des kitchen-sink-Dramas“, vergleichbar mit den Werken von Osborne und Wesker in der neuen Welle der englischen Nachkriegsdramatik. Diese erste Eindruck erweist sich jedoch bei näherer Betrachtung als verfehlt, da es nach Esslin in Pinters Werk nicht um eine sozialkritische Ausrichtung geht. Die Zeichnung des sozialen Hintergrundes und der gesellschaftlichen Bezugskoordinaten der dramatischen Figuren sind dafür zu ungenau und haben ebenso wenig eine repräsentative Gültigkeit: Davies ist kein typischer Arbeitsloser oder Vertreter der Arbeiterklasse; ebenso wenig repräsentiert Mick in charakteristischer Weise den erfolgreichen Geschäftsmann oder Unternehmer. Auch die soziale Zuordnung Astons am Rande der Gesellschaft bleibt äußerst verschwommen; zudem ist der Konflikt zwischen den dramatischen Personen persönlicher, nicht aber sozialer Natur.