mini|hochkant=1.2|alt=Foto von F. A. Hayek|rahmenlos|zentriert|klasse=skin-invert-image|Unterschrift Hayeks
Friedrich August von Hayek (* 8. Mai 1899 in Wien als Friedrich August Edler von Hayek, von 1919 bis 1938 aufgrund des Adelsaufhebungsgesetzes Friedrich August Hayek; † 23. März 1992 in Freiburg im Breisgau) war ein österreichischer Ökonom und Sozialphilosoph.Hans Werner Holub: Eine Einführung in die Geschichte des ökonomischen Denkens. Teil 1: Die österreichische Schule im 20. Jahrhundert und die Strömungen im Sozialismus des 20. Jahrhunderts. Band 5, Teil 1: Die Ökonomik im 20. Jahrhundert. LIT Verlag Münster, 2011, ISBN 3-643-50283-4, S. 152. Er war ein Theoretiker des Neoliberalismus und zählt zu den wichtigsten Denkern des LibertarismusIris Karabelas: Liberaler Kapitalismus, Libertarismus und Kulturtheorie: Zur Bedeutung Friedrich August von Hayeks für das staatskritische Denken im ausgehenden 20. Jahrhundert. Religion, Moral und liberaler Markt: Politische Ökonomie und Ethikdebatten vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Hrsg.: Michael Hochgeschwender, Bernhard Löffler, Bielefeld: transcript Verlag, 2011, S. 153. https://doi.org/10.1515/transcript.9783839418406.151 „Gegenwärtig am bekanntesten ist wohl die Rezeption Hayeks als Repräsentant der Ideologie des liberalen Kapitalismus bzw. des Libertarismus […]“ im 20. Jahrhundert. Neben Ludwig von Mises war Hayek einer der bedeutendsten Vertreter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie. 1974 erhielt er zusammen mit Gunnar Myrdal den Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften. Seine Arbeiten zur Preistheorie, d. h., wie Preise Informationen übertragen und ökonomische Tätigkeiten steuern, werden als sein wichtigster Beitrag zur Wirtschaftswissenschaft angesehen.
Friedrich von Hayeks Dienst im Ersten Weltkrieg und der Wunsch, Kriege zu verhindern, zogen ihn nach eigener Aussage zur Wirtschaftswissenschaft. An der Universität Wien studierte er diese sowie Philosophie und Psychologie; er promovierte 1921 in Rechtswissenschaften und 1923 in Politikwissenschaft. Anschließend arbeitete er in Österreich, Großbritannien, den USA und Deutschland. 1938 nahm er als Friedrich August von Hayek die britische Staatsbürgerschaft an. Er verbrachte sein akademisches Leben hauptsächlich an der London School of Economics, der University of Chicago und der Universität Freiburg. Obwohl als bedeutender Vertreter der Österreichischen Schule angesehen, hatte er auch enge Beziehungen zur Chicagoer Schule. Hayek war außerdem ein bedeutender Sozialtheoretiker und politischer Philosoph des 20. Jahrhunderts und trug als Mitbegründer der Mont Pèlerin Society zur Wiederbelebung des Liberalismus in der Nachkriegszeit bei. Sein populärstes Werk, Der Weg zur Knechtschaft (The Road to Serfdom), wurde weltweit über 2,25 Millionen Mal verkauft (Stand 2020).
Hayek wurde 1984 zum Companion of Honour für seine Verdienste um die Weiterentwicklung der Wirtschaftswissenschaften ernannt. Er war der erste Empfänger des Hanns-Martin-Schleyer-Preises im Jahr 1984. Außerdem erhielt er 1991 die Presidential Medal of Freedom von US-Präsident George H. W. Bush. Im Jahr 2011 wurde sein Artikel The Use of Knowledge in Society als einer der 20 besten Artikel ausgewählt, die bisher im The American Economic Review veröffentlicht wurden.
Leben Frühe Kindheit und Schulzeit mini|hochkant=1.2|Österreich-Ungarn im Jahr 1899 Hayek wurde als Friedrich August Edler von Hayek in Wien als Sohn des August Edlen von Hayek und der Felicitas Hayek (geborene von Juraschek) geboren. Sein Ur-Urgroßvater Josef Hayek (1750–1830) war am 11. August 1789 durch Kaiser Joseph II. in seiner Eigenschaft als König von Böhmen als Edler von Hayek in den erblichen böhmischen Adelsstand erhoben worden.Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser - Österreichs, Band 1, 1905, S. 302 Friedrich August von Hayek trug aufgrund des Adelsaufhebungsgesetzes von 1919 bis zu seiner Einbürgerung im Vereinigten Königreich 1938 den Namen Friedrich August Hayek. Der Familienname Hayek verwendet die deutsche Schreibweise des tschechischen Familiennamens Hájek.
Sein 1871 ebenfalls in Wien geborener Vater war Arzt beim städtischen Gesundheitsministerium. Er hatte eine Leidenschaft für Botanik, über die er eine Reihe von Monographien verfasste, und war nebenberuflich als Dozent für Botanik an der Universität Wien tätig. Felicitas von Juraschek wurde 1875 in eine wohlhabende, konservative und landbesitzende Familie geboren. Als ihre Mutter einige Jahre vor Hayeks Geburt starb, erhielt Felicitas eine bedeutende Erbschaft, die in den ersten Jahren ihrer Ehe etwa die Hälfte des Einkommens der Familie ausmachte. Friedrich war der älteste von drei Söhnen; seine Brüder Heinrich (1900–1969) und Erich (1904–1986) waren eineinhalb und fünf Jahre jünger als er.
Die Karriere seines Vaters als Universitätsprofessor beeinflusste Hayeks spätere Lebensziele. Seine beiden Großväter, welche Hayek noch persönlich kennenlernte, waren ebenfalls Akademiker. Franz von Juraschek war ein führender Ökonom in Österreich-Ungarn und ein enger Freund von Eugen Böhm von Bawerk, einem der Begründer der Österreichischen Schule. Hayeks Großvater väterlicherseits, Gustav Edler von Hayek, unterrichtete Naturwissenschaften am kaiserlichen Realobergymnasium in Wien. Er schrieb Arbeiten auf dem Gebiet der biologischen Systematik, von denen einige relativ bekannt sind.
Hayeks Mutter Felicitas war eine Cousine 2. Grades von Ludwig Wittgenstein. Seine Mutter spielte oft mit Wittgensteins Schwestern und kannte ihn gut. Aufgrund ihrer familiären Beziehung war Hayek einer der ersten, der Wittgensteins Tractatus Logico-Philosophicus las, als das Buch 1921 in seiner deutschen Originalausgabe veröffentlicht wurde. Obwohl er Wittgenstein nur wenige Male traf, sagte Hayek, dass Wittgensteins Philosophie und Analysemethoden einen tiefgreifenden Einfluss auf sein eigenes Leben und Denken hatten. In seinen späteren Jahren erinnerte sich Hayek an eine Diskussion über Philosophie mit Wittgenstein, als beide während des Ersten Weltkriegs Offiziere waren. Nach Wittgensteins Tod hatte Hayek zunächst vorgehabt, eine Biographie über Wittgenstein zu schreiben. Er arbeitete an der Sammlung von Familienmaterialien, aber half dann stattdessen anderen Biographen.
Hayek zeigte schon in jungen Jahren eine starke intellektuelle und akademische Neigung. Er las fließend und häufig, bevor er zur Schule ging. Trotz seiner Intelligenz und Neugier war er in der Schule aufgrund mangelnden Interesses und einiger Probleme mit seinen Lehrern ziemlich schlecht, was ihn zwang, die Schule zu wechseln. Er war in den meisten Fächern am unteren Ende seiner Klasse und erhielt in einem Schuljahr drei nicht bestandene Noten in Latein, Griechisch und Mathematik. Er interessierte sich sehr für das Theater und versuchte, eigene Tragödien zu schreiben. Außerdem half er seinem Vater regelmäßig bei seiner botanischen Arbeit und verfasste eigene Artikel über Biologie. Auf Vorschlag seines Vaters las Hayek als Jugendlicher die genetischen und evolutionsbiologischen Werke von Hugo de Vries und August Weismann, sowie die philosophischen Werke von Ludwig Feuerbach. Er bezeichnete Goethe als seinen größten frühen intellektuellen Einfluss. In der Schule wurde Hayek von den Vorlesungen eines Lehrers über die Nikomachische Ethik von Aristoteles sehr beeindruckt. In seinen unveröffentlichten autobiografischen Notizen erinnerte sich Hayek an eine gewisse Distanz zu seinen jüngeren Brüdern, die nur wenige Jahre jünger waren als er. Hayek glaubte, dass sie einer anderen Generation angehörten. Er zog es stattdessen vor, mit Erwachsenen in Kontakt zu treten. mini|Österreichisch-ungarische Artillerieeinheit 1914 1917 trat Hayek einem Artillerie-Regiment der österreichisch-ungarischen Armee bei und kämpfte im Ersten Weltkrieg an der italienischen Front. Einen Großteil seiner Kriegszeit verbrachte er als Spotter in einem Flugzeug. Hayek erlitt während des Krieges einen Gehörschaden am linken Ohr und wurde später für Tapferkeit ausgezeichnet. Während dieser Zeit überlebte Hayek auch die Spanische Grippe.
Hayek entschied sich dann für eine akademische Karriere, entschlossen, die Fehler zu vermeiden, die zum Krieg geführt hatten. Hayek sagte über diese Erfahrung: „Der entscheidende Einfluss war wirklich der Erste Weltkrieg. Er lenkte meine Aufmerksamkeit auf die Probleme der politischen Organisation.“ Er schwor sich, für eine bessere Welt zu arbeiten.
Studienzeit mini|Universität Wien An der Universität Wien studierte Hayek Philosophie, Psychologie und Wirtschaftswissenschaften. Er war zeitlebens der Ansicht, dass ein guter Ökonom an allen Wissensgebieten interessiert sein sollte. In Der Weg zur Knechtschaft schrieb er etwa: Niemand kann ein großer Ökonom sein, der nur Ökonom ist, und ich bin sogar versucht hinzuzufügen, dass der, der ausschließlich Ökonom ist, leicht zum Ärgernis, wenn nicht gar zu einer wirklichen Gefahr wird.Die Universität erlaubte es den Studenten, ihre Fächer frei zu wählen, und es gab kaum obligatorische schriftliche Arbeiten oder Tests, außer den Hauptprüfungen am Ende des Studiums. Am Ende seines Studiums interessierte sich Hayek mehr für Wirtschafts- und Rechtswissenschaften. Er plante, Rechtswissenschaft und Ökonomie zu verbinden, um eine Karriere im diplomatischen Dienst zu beginnen. Er promovierte 1921 und 1923 in Rechtswissenschaften und Staatswissenschaften bei seinem Doktorvater Friedrich von Wieser.
Für kurze Zeit, als die Universität Wien geschlossen wurde, studierte er am Institut für Gehirnanatomie von Constantin von Monakow, wo Hayek einen Großteil seiner Zeit damit verbrachte, Gehirnzellen zu färben. Hayeks Zeit in Monakows Labor und sein tiefes Interesse an der Arbeit von Ernst Mach inspirierten sein erstes intellektuelles Projekt, das schließlich als The Sensory Order (1952) veröffentlicht wurde. Es lokalisierte das konnektive Lernen auf der physiologischen und neurologischen Ebene und lehnte den Sinnesdaten-Assoziationismus der Empiristen und logischen Positivisten ab. Hayek präsentierte seine Arbeit in einem privaten Seminar, das er mit Herbert Furth unter dem Namen Der Geistkreis ins Leben gerufen hatte.
Während Hayeks Jahren an der Universität Wien haben ihn vor allem Carl Mengers Arbeit zur Methode der Sozialwissenschaften und Friedrich von Wiesers charismatische Präsenz im Hörsaal nachhaltig beeinflusst. Hayek wurde von Ludwig von Mises auf Empfehlung von Wieser als Spezialist für die österreichische Regierung eingestellt, der an den rechtlichen und wirtschaftlichen Einzelheiten des Vertrags von Saint Germain arbeitete. Zwischen 1923 und 1924 arbeitete Hayek als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Professor Jeremiah Jenks an der New York University und sammelte makroökonomische Daten über die amerikanische Wirtschaft und die Tätigkeit der Federal Reserve. Er wurde von Wesley Clair Mitchell beeinflusst und startete ein Doktorandenprogramm zu Problemen der Währungsstabilisierung, beendete es aber nicht. Seine Zeit in Amerika war nach eigener Aussage nicht besonders glücklich. Er hatte sehr begrenzte soziale Kontakte, vermisste das kulturelle Leben in Wien und war von seiner Armut geplagt. Die finanzielle Situation seiner Familie verschlechterte sich nach dem Krieg erheblich.
Hayek, der in seiner Jugend dem fabianischen Sozialismus anhing, begeisterte sich anfänglich für die planwirtschaftlichen Vorstellungen Walther Rathenaus und dessen Konzept des demokratischen Sozialismus. Mit zunehmendem Alter fand er den Marxismus jedoch immer rigider, ideologischer und unattraktiver. Seine sozialistische Phase dauerte nach eigenen Angaben etwa bis zu seinem 23. Lebensjahr.