mini|Wilmersdorfer Moschee, seit 1925 Zentrale der „Lahore Ahmadiyya-Bewegung“ in Deutschland mini|Shah-Jahan-Moschee in Woking, wurde von der „Lahore Ahmadiyya-Bewegung“ von 1913 bis Mitte der 1960er-Jahre betrieben. Die Lahore-Ahmadiyya-Bewegung zur Verbreitung islamischen Wissens (;Die Schreibweise „Ischat-i-Islam“ ist nicht korrekt; eine richtige eingedeutschte Schreibweise wäre Ischa'at-i-Islam, allerdings hat die Gesellschaft auch in deutschen Publikationen immer nur die englischen Schreibweisen Ishaat-i Islam und (vereinfacht) Ishaat Islam verwendet. Die aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg stammende Steintafel am Haupteingang der Wilmersdorfer Moschee enthält allerdings folgenden Text: „Erbaut 1924–1927 / Die Ahmadijja / Andjuman Jschaat-el-Islam / Lahore, Pakistan“; Abbildung in Manfred Backhausen: Die Lahore-Ahmadiyya-Bewegung in Europa. Wembley, England, 2008, S. 191. AAIIL) gründete sich, als Ergebnis eines DissensesMuhammad Ali: Split in the Ahmadiyya Movement. 1918, ISBN 978-0-913321-26-3. innerhalb der Ahmadiyya-Bewegung, nach dem Tode Nur-ud-Dins 1914, des ersten „Kalifen des Messias“, d. h. Nachfolgers des Gründers Mirza Ghulam Ahmad. Aus der Ahmadiyya-Bewegung ging neben der Lahore-Ahmadiyya-Bewegung die heute bedeutendere Ahmadiyya-Muslim-Gemeinschaft hervor.

Die sich selbst als Reformgemeinschaft verstehende Ahmadiyya entstand mitten in einer Vielzahl von Bildungsbestrebungen und Erneuerungsbewegungen der islamischen Welt am Ende des 19. Jahrhunderts, in einer Zeit als es in Britisch-Indien große Kontroversen zwischen christlichen Missionaren und islamischen Gelehrten gab. Neben Koran, Hadith und Sunna haben die Schriften und Offenbarungen des Gründers Mirza Ghulam Ahmad große Bedeutung.Der Islam III: Islamische Kultur – zeitgenössische Strömungen – Volksfrömmigkeit (= Die Religionen der Menschheit. Band 25,3). Kohlhammer, Stuttgart 1990, S. 420.Kathrin Weiß: Ahmadiyya, Sonderform des Islam. S. 5+7

Von der Ahmadiyya Muslim Jamaat grenzt sich die Lahore-Ahmadiyya-Bewegung durch die Ablehnung des als autokratisch empfundenen Kalifentums ab.Manfred Backhausen (Hrsg.): Die Lahore-Ahmadiyya-Bewegung in Europa. 2008, S. 270 f. Dazu wird der von der AMJ als Prophet verehrte Gründer Mirza Ghulam Ahmad als „Reformer“ und „Erneuerer“ verstanden.

Führung Emire in Lahore Imame (und Verwalter) in Deutschland Muhammad Ali (1914–1951) Sadr-ud-Din (1951–1981) Saeed Ahmad Khan (1981–1996) Asghar Hameed (1996–2002) Abdul Karim Saeed Pasha (seit 2002) Maulana Sadr-ud-Din, Gründer und Imam (1922) Maulana Abdul Majid, Imam in Vertretung (1921) Maulana Fazal Karim Durrani, Imam (1925) Dr. S. Muhammad Abdullah, Imam (1928) Dr. Mirza Aziz-ur-Rahman, Imam in Vertretung (1933) Dr. Nazir-ul-Islam, Imam in Vertretung (1938) Prof. Dr. Ahmad Galwash, amtierender Imam (ab etwa 1939) Dr. Herbert und Lotte Gaedicke, Haus- und Vermögensverwalter (ab 1939) Amina Alexandrine Mosler, Moscheeverwalterin (ab etwa 1939) Muhammad Aman Herbert Hobohm, Imam (1949) Abdul Aziz Khan, kommissarischer Imam (Februar 1959) Maulana Muhammad Yahya Butt, Imam (Nov.1959) Saeed Ahmad Chaudhry, Imam (1987) Abdul Aziz, Imam in Vertretung (1987) Riaz Ahmad Chaudhry, Imam (2004) A.S. Abdul Santoe, kommissarischer Imam (ab 2002) Muhammad Ali, Imam in Vertretung (ab 2005); Imam (ab 2007)Manfred Backhausen (Hrsg.): Die Lahore-Ahmadiyya-Bewegung in Europa. 2008, S. 175.

Motto „Sei nicht traurig! Gott ist mit uns.“ („In-Allah-ha-Ma'anaa.“ [arabisch: inna 'llāha maʿanā]) aus Koranvers 9:40.

Organisation Die Lahore-Gruppe, von westlichen Ideen beeinflusst, wollte angeblich das Kalifat abgeschafft wissen.Werner Ende, Udo Steinbach, Renate Laut: Der Islam in der Gegenwart. C.H. Beck Verlag, München 2005, S. 731. Sie hatte von Anfang an mehr den „Charakter eines Intellektuellenzirkels im Umfeld einer Zeitschrift“.Werner Ende, Udo Steinbach, Renate Laut: Der Islam in der Gegenwart. C.H. Beck Verlag, München 2005, S. 756.

Mitgliedschaft Über eine formelle Mitgliedschaft ist nichts bekannt. Nach Manfred Backhausen gab es in „ganz Deutschland 2006 nur eine Handvoll Lahore-Ahmadis“.Manfred Backhausen (Hrsg.): Die Lahore-Ahmadiyya-Bewegung in Europa. 2008, S. 204f. Auch weltweit kommt ihr kaum noch Bedeutung zu.„The Lahori Ahmadi number no more than 30,000 members worldwide.“ , American Chronicle, November 22, 2008. Mit Publikationen und Missionsaktivitäten, besonders im englischsprachigen Raum, blieben sie jedoch bis heute aktiv.Werner Ende, Udo Steinbach, Renate Laut: Der Islam in der Gegenwart. C.H. Beck Verlag, München 2005, S. 730.

Rechtlicher Status In Deutschland ist in Berlin der am 17. November 1990 entstandene Förderverein für die Wilmersdorfer Moschee, die „Gesellschaft zur Erhaltung der Moschee e. V.“ (Berlin VR 11145)Handelsregister: „Gesellschaft zur Erhaltung der Moschee e. V.“, Vereinsregisterauszug Berlin (Charlottenburg) VR 11145 registriert.

Veranstaltungen Vom 25. bis 27. Mai 2007 wurde eine Konferenz von der deutschen und niederländischen Sektion der AAIIL in der Wilmersdorfer Moschee abgehalten, an der auch der Präsident und Emir der weltweiten Gemeinschaft Abdul Karim Saeed Pasha und seine Frau Sahiba Saeed teilnahmen.Lahore Ahmadiyya Conference at the Berlin Mosque (PDF; 2,7 MB), Mai 2007.

Geschichte Die Ahmadiyya Anjuman Isha'at-i-Islam Lahore entstand durch Abspaltung aus der Ahmadiyya-Bewegung als Ergebnis eines Dissenses über die „Kalifatfrage“ nach dem Tod Nur-ud-Dins 1914. Die Zentrale der Organisation ist die „Darus-Salam-Moschee“ in Lahore.

Großbritannien Die Lahore Ahmadiyya-Bewegung in Großbritannien und die Woking Muslim Mission.

Khwaja Kamal ud-Din war der erste Ahmadiyya-Missionar, erwarb die leerstehende Shah-Jahan-Moschee und eröffnete 1913 in Woking (nahe London) eine Missionsstation, die von der Lahore Ahmadiyya-Bewegung bis in die 1960er Jahre unterhalten wurde. Maulana Muhammad Ali übersetzte im Jahr 1917 den Koran ins Englische.The Holy Quran. Arabic Text with English Translation, Commentary and comprehensive Introduction by Maulana Muhammad; 1. Auflage 1917. (Auflage 2002, ISBN 0-913321-01-X)

1974 wurde in Tooting das „Ahmadiyya-House“ () gekauft.Manfred Backhausen (Hrsg.): Die Lahore-Ahmadiyya-Bewegung in Europa. 2008, S. 41. 1982 wurde in Wembley ein neues Zentrum „Dar us-Salam“ () eingerichtet.Manfred Backhausen (Hrsg.): Die Lahore-Ahmadiyya-Bewegung in Europa. 2008, S. 45.

Deutschland Die Lahore Ahmadiyya-Bewegung in Deutschland und die Berlin Muslim Mission.

Maulana Sadr-ud-Din und Maulvi Abdul Majid waren die ersten islamischen Missionare in Deutschland und 1922 schlossen sich in Berlin lebende Muslime aus 41 Nationen, vornehmlich Ahmadiyya-Anhänger, zur „Islamischen Gemeinde Berlin e. V.“ (Sitz Berlin-Charlottenburg) zusammen.Manfred Backhausen (Hrsg.): Die Lahore-Ahmadiyya-Bewegung in Europa. 2008, S. 54f. Die Berliner Moschee (heute Wilmersdorfer Moschee) wurde in den Jahren 1924–1928 erbaut und ist seitdem die Zentrale der Gemeinschaft in Deutschland. Seit dem 22. März 1930 führte die Moscheegemeinde den Namen Deutsch-Muslimische Gesellschaft e. V. Mit dieser Umbenennung war ein ungewöhnliches Programm verbunden. Die neue Gemeinschaft nahm auch Christen und Juden als Mitglieder auf, was für die damalige Zeit ungewohnt war, und betrieb einen regen interreligiösen Dialog. Sadr ud-Din erstellte eine englische Koranübersetzung, die der Berliner Konvertit Hugo Marcus in die deutsche Sprache übertrug. Diese Übersetzung wurde 1939 veröffentlicht. Der Großteil der ersten Auflage verbrannte bei einem Bombenangriff auf Berlin., übersetzt von Maulana Sadr-ud-Din, 1. Auflage 1939; 2. unveränderte Neuauflage 1964; 3. unveränderte Neuauflage 2006.Manfred Backhausen (Hrsg.): Die Lahore-Ahmadiyya-Bewegung in Europa. 2008, S. 76 ff.

Für zehn Jahre bildete die Berliner Moschee das Zentrum des Islams in Deutschland. Mit dem Zweiten Weltkrieg wurden die Aktivitäten unterbrochen und die Missionare kehrten nach London bzw. Lahore zurück. Nach dem Krieg führte die isolierte Lage Berlins und in den 1960er Jahren der starke Zustrom von muslimischen Migranten, die ihre eigenen Hinterhofmoscheen einrichteten, dazu, dass die Moschee keine bedeutende Rolle für den Islam in Deutschland spielen konnte. Obwohl die Berlin Muslim Mission bescheidene Missionserfolge erzielte, konnte keine kontinuierliche deutsche Gemeinde etabliert werden.

Heute kämpft die Moscheegemeinde mit Geldnöten ums Überleben und den Erhalt der Moschee. Zeitweise gab es in Hamburg eine Zweiggemeinde.

Niederlande Die Lahore-Ahmadiyya-Bewegung in den Niederlanden.

Die Lahore-Indonesien-Holland-Route

Die Geschichte der Lahore-Ahmadiyya-Bewegung in den Niederlanden beginnt gewissermaßen in Indonesien. In den frühen 1930er Jahren war Mirza Wali Ahmad Baig Missionsleiter in Indonesien. Der indonesische Intellektuelle Soedewo übersetzte die englische Ausgabe des Koran von Maulana Muhammad Ali in den Jahren 1934 bis 1938. 1939 gründete Mirza Wali Baig den ersten Missionsposten in Holland und nahm in Den Haag seine missionarische Arbeit mit Vorträgen und Gebetsversammlungen auf. Der Zweite Weltkrieg unterbrach aber bald alle Aktivitäten, die erst im Jahr 1950 wiederaufgenommen werden konnten. Im Jahre 1961 wurde das „Institut für islamische Studien in Europa“ eröffnet und im März 2005 wurde eine Neuübersetzung des Korans veröffentlicht.Manfred Backhausen (Hrsg.): Die Lahore-Ahmadiyya-Bewegung in Europa. 2008, S. 208–228.

mini|Moschee in Paramaribo, Suriname Die Lahore-Suriname-Holland-Route

Ein großer Arbeitskräftemangel auf den niederländischen Plantagen in Westindien führte zu einer erheblichen Migration indischer Vertragsarbeiter zu den westindischen Inseln. Am 4. Juni 1873 erreichte die erste Schiffsladung mit Arbeitern aus übervölkerten Teilen Indiens den Hafen von Paramaribo. Im Gegensatz zu den früheren britischen Kolonien, in denen die Muslime alles Britische übernommen haben und die Sprache Hindustans längst verloren haben, ist in den ehemaligen niederländischen Kolonien die Urdu-Sprache in Form des Suriname-Dialektes bis heute gebräuchlich.

Im Jahre 1929 bauten die Neuankömmlinge eine Moschee in Paramaribo aus Holz, die mehr als 60 Jahre später durch einen festen Bau ersetzt wurde. Die staatlich anerkannte Moschee-Gemeinschaft „Suriname Islamische Vereinigung (SIV)“ suchte Unterstützung und fand sie in Maulvi Amir Ali, welcher im Ahmadiyya-Zentrum in Lahore ausgebildet und geschult worden war. Zuständig für Trinidad und Guyana übernahm er 1935 für ein Jahr die Schulung der Gemeinde in Paramaribo. Andere Missionare folgten und festigten die Gemeinden in Trinidad, Guyana und Suriname.International Ahmadiyya Convention, Trinidad and Tobago, August 18-20, 2000Mosque of the Lahore Ahmadiyya Movement in Georgetown, GuyanaSuriname Convention: Shaan-i-Islam Mosque

Vor allem seit Surinam 1975 ein unabhängiger Staat wurde, unternahmen viele Muslime, welche ursprünglich vom indischen Subkontinent oder aus Indonesien stammten, eine erneute Hidschra und siedelten nach Europa in die Niederlande über. Um das Jahr 1976 entstanden in Holland nicht weniger als fünf Lahore-Ahmadiyya-Gemeinden mit eigenen Zentren und Bethäusern im selben Jahr in Den Haag, Utrecht, Rotterdam, Amsterdam und Arnheim.

Niederlande heute

Heute bestehen kleine Moscheegemeinden in Amsterdam, Den Haag, Rotterdam und Utrecht.

Südafrika Khwaja Kamal ud-Din und Lord Headley unternahmen eine erste Missionsreise nach Südafrika im Jahr 1926. Seit den späten 1950er Jahren gibt es in Kapstadt eine kleine Zweigstelle der AAIIL.The South Africa Ahmadiyya Court Case (1982–1985)

Der „South Africa Ahmadiyya Court Case“