mini|hochkant=1.3|Das Typschiff der Klasse: Steuerbordseite und Draufsicht der Bayern in der letzten Baustufe (1918) Die Bayern-Klasse war eine auf vier Einheiten ausgelegte Klasse von Großlinienschiffen, die während des Ersten Weltkrieges als letzte dieses Schiffstyps für die Kaiserliche Marine gebaut wurden. Sie war eine Weiterentwicklung der König-Klasse, jedoch ging die Kaiserliche Marine bei der Hauptbewaffnung der Bayern-Klasse vom Kaliber 30,5 cm auf 38 cm über. Von den nach deutschen Ländern benannten, 180 m langen und 32.200 t schweren Schiffen wurden lediglich die Bayern und die als Flottenflaggschiff vorgesehene Baden fertiggestellt und 1916 in Dienst gestellt. Der durch Arbeitskräftemangel und geringe Priorität verzögerte Bau der Sachsen und Württemberg musste bei Kriegsende eingestellt werden. Die Bayern sank am 21. Juni 1919 in Scapa Flow, die Baden ging als britisches Zielschiff am 16. August 1921 unter und liegt nun an der tiefsten Stelle im Ärmelkanal nahe Cherbourg.
Geschichte Entwurf Die Entwicklung der fünften Klasse von Großlinienschiffen der Kaiserlichen Marine begann im Jahr 1910. Zu diesem Zeitpunkt konnten die ersten Erfahrungen mit den gerade in Dienst genommenen Schiffen der Nassau-Klasse gesammelt werden. Die neue Klasse sollte vier Einheiten umfassen. Davon waren gemäß der im Flottengesetz festgeschriebenen Planung drei als Ersatz für die alten Linienschiffe Wörth (Brandenburg-Klasse), Kaiser Friedrich III. und Kaiser Wilhelm II. (Kaiser Friedrich-Klasse), das vierte Schiff als Ergänzungsbau konzipiert.
Bei den Planungen stellte die schwere Artillerie die größte Herausforderung dar. Bereits seit 1907 hatte sich das Reichsmarineamt mit der möglichen Nutzung von Drillingstürmen befasst. Andere Marinen stellten zu dieser Zeit ebenfalls ähnliche Überlegungen an. Erstmals eingesetzt wurden Drillingstürme auf dem 1910 vom Stapel gelaufenen italienischen Großkampfschiff Dante Alighieri, dessen Pläne ebenfalls ab 1907 erstellt wurden.Breyer: Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer 1905–1970. S. 397. Auch die österreichisch-ungarischen Schlachtschiffe der Tegetthoff-Klasse erhielten vier Drillingstürme. Für diese Geschützturm-Variante sprach, dass der Decksaufbau – der gepanzerte Bereich zwischen dem vordersten und dem achterlichsten Turm – kürzer ausfallen konnte, wodurch sich Panzerung und damit Gewicht sparen ließ. Es war außerdem möglich, die gesamte schwere Artillerie vor und hinter den Aufbauten in der Mittschiffslinie unterzubringen. Dies brachte bei gleicher Rohrzahl günstigere Bestreichungswinkel für alle Geschütze mit sich, als das bei den vier vorangegangenen deutschen Großlinienschiffsklassen möglich war. Das mittlere Rohr eines Drillingsturmes war jedoch durch die beengten Platzverhältnisse schwierig mit Munition zu versorgen, was die Ladezeit herauf- und damit die Feuergeschwindigkeit des Turms herabsetzte. Außerdem wären, bedingt durch den größeren Durchmesser eines Drillingsturms, deutlich größere Decksdurchbrüche nötig gewesen, was der Festigkeit des Schiffskörpers abträglich gewesen wäre. Beim Ausfall eines Drillingsturms hätte das Schiff zudem mehr an Gefechtswert verloren als bei einem Zwillingsturm gleichen Kalibers. Diese Nachteile konnten aus deutscher Sicht von den Vorteilen nicht überwogen werden, weshalb die Kaiserliche Marine letztlich an den Zwillingstürmen festhielt.
Der zweite schwerwiegende Aspekt bei der Hauptbewaffnung war deren Kaliber. Während die Nassau-Klasse noch mit 28-cm-Geschützen bewaffnet war, war man bei der noch im Bau befindlichen Helgoland-Klasse zu einem Kaliber von 30,5 cm übergegangen. Auf die deutsche Kalibersteigerung reagierte die britische Royal Navy, indem sie die 1909 begonnene Orion-Klasse mit 34,3-cm-Geschützen ausstattete. Die zuvor gebauten britischen Dreadnoughts hatten ebenfalls das Kaliber 30,5 cm erhalten. Die 34,3-cm-Geschosse erwiesen sich jedoch als nur geringfügig durchschlagskräftiger als die deutschen 30,5-cm-Granaten. Daher erhielten auch die deutschen Kaiser- und König-Klassen noch 30,5-cm-Geschütze. Im Zuge der Entwicklung der neuen Großlinienschiffklasse untersuchte 1910 das Waffendepartement unter Konteradmiral Gerhard Gerdes erneut eine mögliche Kalibersteigerung. Dies war dem immer besser werdenden Panzerschutz der Großkampfschiffe geschuldet. Zunächst zog man dabei ein Kaliber von 33,7 cm, 34 cm und auch 35,5 cm in Betracht. Alfred von Tirpitz gab im August 1911 die Untersuchung von 35 cm, 38 cm und sogar 40 cm als Kaliber der schweren Artillerie in Auftrag. Kaiser Wilhelm II. legte schließlich am 6. Januar 1912 die Armierung der neuen Schiffsklasse mit 38-cm-Geschützen fest. Mit diesem großen Kalibersprung setzte sich das Deutsche Reich international erstmals an die Spitze der Entwicklung. Die Royal Navy gab kurze Zeit später mit der – weitaus schneller fertiggestellten – Queen Elizabeth-Klasse vergleichbar bewaffnete Schlachtschiffe in Bau.
Bau Nachdem die Konstruktionspläne für die neue Klasse erstellt waren, vergab die Kaiserliche Marine am 1. und 3. April 1913 die Bauaufträge für den Ersatz Wörth (später Baden) sowie den Neubau T (später Bayern). Die beiden anderen Schiffe folgten im November 1913 und am 12. August 1914 nach einem geringfügig geänderten Entwurf, der rund 2 Meter länger und 300 Tonnen schwerer ausfiel und für die Ersatz Kaiser Friedrich III. (die spätere Sachsen) einen gemischten Dampf-/Dieselantrieb vorsah. Sämtliche Bauaufträge gingen an private Werften. Als Baukosten waren 49 bis 50 Millionen Mark pro Schiff vorgesehen. Am 20. Dezember 1913 begann die Danziger Werft F. Schichau mit dem Bau der Ersatz Wörth. Typschiff der Klasse wurde jedoch der rund einen Monat später begonnene Neubau T, der am 18. Februar 1915 als Bayern vom Stapel lief und der Klasse damit ihren Namen gab. Der Bau der Schiffe litt unter dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Waren die Verzögerungen bei der Fertigstellung der Bayern noch gering, nahmen sie bei der Baden bereits ein größeres Maß an. Die beiden letzten Schiffe der Klasse liefen zwar noch vom Stapel, ihr Weiterbau wurde aber nur sporadisch betrieben und letztlich ganz eingestellt. Die Gründe dafür waren vielfältig. So trat durch die Einberufungen während des Krieges ein zunehmender Arbeitskräftemangel ein, und die Materialversorgung gestaltete sich schwierig. Die Reparatur vorhandener Einheiten und der Neubau von U-Booten und kleineren Kriegsschiffen hatten zudem Vorrang vor der Fertigstellung der schweren Schiffe.Hildebrand/Röhr/Steinmetz, Bd. 4, S. 165.
Schiffe der Klasse Name Bauwerft Kiellegung Stapellauf Indienststellung Verbleib BayernHildebrand/Röhr/Steinmetz, Bd. 2, S. 45–47. Howaldtswerke, Kiel 22. Januar 1914 18. Februar 1915 18. März 1916 Am 21. Juni 1919 selbstversenkt, 1934 gehoben und anschließend abgewrackt Baden F. Schichau, Danzig 20. Dezember 1913 30. Oktober 1915 19. Oktober 1916 Am 16. August 1921 als Zielschiff versenkt SachsenHildebrand/Röhr/Steinmetz, Bd. 7, S. 97. Germaniawerft, Kiel 7. April 1914 21. November 1916 nicht fertiggestellt 1921 abgewrackt WürttembergHildebrand/Röhr/Steinmetz, Bd. 8, S. 120. AG Vulcan, Hamburg 4. Januar 1915 20. Juni 1917 nicht fertiggestellt 1921 abgewrackt
Einsatz Die Schiffe der Bayern-Klasse waren für den Einsatz in der Hochseeflotte gedacht. Die strategische Planung der Kaiserlichen Marine war auf einen Kampf gegen feindliche Schiffe in der südlichen Nordsee, also relativ nah an den deutschen Stützpunkten, ausgelegt. Während des Ersten Weltkrieges kam es jedoch nur zu wenigen Kämpfen zwischen deutschen und britischen Verbänden in der Nordsee, an denen keines der beiden in Dienst gekommenen Schiffe der Bayern-Klasse beteiligt war. Die Bayern hatte aufgrund ihrer ausgedehnten Probefahrtzeit nicht an der Skagerrakschlacht teilnehmen können und diente mit anderen Schiffen während des Unternehmens Albion als Rückendeckung gegen mögliche Angriffe schwerer russischer Einheiten, besonders denen der Gangut-Klasse. Während dieses Einsatzes erhielt sie einen schweren Minentreffer im Vorschiff, das aufgrund des eingedrungenen Wassers bis zum vorderen Geschützturm wegsackte. Die Baden war bereits bei ihrem Bau als Flottenflaggschiff vorgesehen und mit den dafür notwendigen zusätzlichen Räumen für den Flottenchef und seinen Stab ausgestattet. Im März 1917 löste sie die Friedrich der Große als Flottenflaggschiff ab. Als solches diente die Baden bis Kriegsende, ohne bei den Vorstößen in Gefechtsberührung zu geraten. Am 18. August 1918 schifften sich Kaiser Wilhelm II. und der Großherzog von Baden auf der Baden ein, um im Verband mit der Hindenburg, der Karlsruhe und mehreren Torpedobooten die Befestigungen Helgolands zu inspizieren.
Verbleib mini|hochkant|Bayern sinkt in Scapa Flow
Die Bedingungen des Waffenstillstandes sahen eine Auslieferung der modernen Schiffe der Hochseeflotte vor. Auf der Liste der zu internierenden Schiffe erschien unter anderem der nicht fertiggestellte Schlachtkreuzer Mackensen, die Baden hingegen fehlte. Das Flottenflaggschiff war übersehen worden. Der Fehler wurde nach kurzer Zeit bemerkt, und die Baden lief Anfang Januar 1919 ebenfalls nach Scapa Flow. Dort wurden im Juni sowohl die Bayern als auch die Baden, ebenso wie der Rest des Internierungsverbandes, für die Selbstversenkung vorbereitet. Dies geschah heimlich, um die kampfunfähigen Schiffe im Fall eines Scheiterns der Friedensverhandlungen nicht in die Hände der Royal Navy fallen zu lassen. Während die Versenkung der Bayern gelang, konnte die Baden von britischen Hilfsschiffen auf Grund gesetzt und wieder schwimmfähig gemacht werden. Das Schiff ging letztlich als Zielschiff bei Schießversuchen der Royal Navy unter.Hildebrand/Röhr/Steinmetz, Bd. 2, S. 31.
Technik Die Schiffe der Bayern-Klasse besaßen einen aus Stahl gefertigten und mit Quer- und Längsspanten versehenen Rumpf. Dieser war durch Schotten in 17 wasserdichte Abteilungen gegliedert. Der Schiffsboden war auf 88 % der Rumpflänge als Doppelboden ausgeführt. Bayern und Baden wiesen eine Konstruktionsverdrängung von 28.530 t auf. In einsatzbereitem Zustand verdrängten beide Schiffe 32.200 t. Die Gesamtlänge des Rumpfes betrug 180,0 m, wobei die Wasserlinie bei Konstruktionsverdrängung auf 179,4 m berechnet war. An ihrer breitesten Stelle maßen die Schiffe 30,0 m. Der maximale Tiefgang belief sich auf 9,39 m vorn und 9,31 m achtern. Die nach modifizierten Plänen gebauten Sachsen und Württemberg wichen von diesen Maßen nur geringfügig ab.
Vergleich der unterschiedlichen Abmessungen des originalen und des geänderten Entwurfes Gesamtlänge Wasserlinie Konstruktionsverdrängung Maximalverdrängung Bayern und Baden 180,0 m 179,4 m 28.530 t 32.200 t Sachsen und Württemberg 182,4 m 181,8 m 28.800 t 32.500 t
Die auf den Schiffen vorhandene elektrische Ausrüstung wurde mit einer Spannung von 220 V betrieben. Für die Stromversorgung befanden sich acht Generatoren an Bord. Diese wurden von Dieselmotoren angetrieben und leisteten 2400 kW. Die für die Sachsen gebauten Generatormotoren wurden, da das Schiff unvollendet blieb, letztlich als Antriebsmotoren auf U 151, U 156, U 157 und Bremen verwendet.
Antriebsanlage Für die Schiffe der Bayern-Klasse waren unterschiedliche Antriebskonzepte vorgesehen. Während Bayern, Baden und Württemberg einen reinen Dampfturbinenantrieb erhalten sollten, war für die Sachsen ein kombinierter Dampf-/Dieselantrieb geplant. Tatsächlich eingebaut wurde die Antriebsanlage jedoch nur auf den beiden fertiggestellten Schiffen.