Die Verteidigungskräfte Georgiens (georgisch , sak'art'welos tawdatswis dsalebi) sind die militärischen Verteidigungskräfte der georgischen Republik. Sie sind in zwei autonome Militärbezirke (Ost und West) aufgeteilt. Es besteht eine Wehrpflicht ab 18 Jahren.

Geschichte Die erste Republik, 1917–1921 Georgiens erste Republik, die Demokratische Republik Georgien, unterhielt die Volksgarde als offizielle Streitkräfte des Landes. Sie wurde am 5. September 1917 zunächst als „Arbeitergarde“ gegründet, wurde dann in „Rote Garde“ umbenannt und erhielt schließlich ihren endgültigen Namen. Ihre Organisation war stark politisiert und unterstand unmittelbar der Kontrolle des georgischen Parlaments. Das Verteidigungsministerium hatte nur eingeschränkte Befehlsgewalt. Kommandeur der Garde von 1917 bis 1921 war der Menschewist Waliko Dschugheli.

Die erste Republik stellte zugleich eine reguläre Armee auf. Nur ein Teil von ihr stand zu Friedenszeiten unter Waffen. Die Mehrheit der Soldaten hatte Fronturlaub und wartete auf Befehle. Im Falle einer Bedrohung der Republik sollten sie vom Generalstab zu den Waffen gerufen worden. Obgleich Georgien über knapp 200.000 Veteranen des Ersten Weltkriegs verfügte, darunter viele ausgebildete Generäle und Offiziere, gelang es der Regierung nicht, ein effektives Verteidigungssystem aufzubauen. 1921 trug das zur Niederlage der ersten Republik nach der Invasion durch Truppen der Roten Armee bei. Bedeutende Vertreter der damaligen georgischen Armee waren Leo Kereselidse, Giorgi Kwinitadse und Kakuza Tscholoqaschwili.

Die zweite Republik, 1921–1991 mini|Georgische Partisanen, 1922–24

Nach der sowjetrussischen Besetzung Georgiens lösten sich seine regulären Streitkräfte auf. Bis 1924 kämpften Teile der georgischen Armee einen Partisanenkrieg gegen die Sowjetunion. Die bedeutendste Partisanengruppe war die im März 1922 gegründete Einheit Treueeid (georgisch ) unter dem Kommando Kakuza Tscholoqaschwilis.

Im Rahmen des 1923 gegründeten Transkaukasischen Militärbezirks (ZakVO) der Sowjetischen Streitkräfte gab es nach einheimischen Nationalitäten benannte Divisionen. Zu ihnen zählten die 1. und die 2. Georgische Gebirgsjäger-Division. Sie setzten sich aus früheren Soldaten der 11. Armee der Roten Arbeiter- und Bauernarmee, der kaukasischen Rotbanner-Armee sowie Einheiten georgischer, armenischer und aserbaidschanischer Kommunisten zusammen.

Im Zweiten Weltkrieg kämpften Georgier auf beiden Seiten der Front: Mindestens 30.000 in den Reihen der Ostlegionen der Wehrmacht, in der Georgischen Legion, der Nordkaukasischen Legion und anderen Legionen ethnischer Kaukasier. Sie wurden jedoch nicht an der Ostfront eingesetzt. Im April 1945 erhob sich ein georgisches Bataillon auf der Nordseeinsel Texel gegen die Wehrmacht. Die Mehrheit, über 700.000 Georgier, kämpfte in den Reihen der Roten Armee. 2500 georgische Rekruten verteidigten die Festung von Brest gegen den deutschen Angriff.

Die dritte Republik, seit 1991 mini|Georgische Streitkräfte im Ausland seit 1991

Die Streitkräfte des unabhängigen Georgiens wurden ab 1991 aus Verbänden des transkaukasischen Militärbezirks der Sowjetarmee, Nationalgarde, irregulären Milizen und Heimkehrern aus Armeeverbänden in den übrigen Sowjetrepubliken gebildet. Georgien zählte 1994 zu den ersten Ländern der früheren Sowjetunion, die am NATO-Programm „Partnerschaft für den Frieden“ teilnahmen.

Die Vereinigten Staaten unterstützen Georgiens Militär seit 1997 aus dem Foreign Military Financing (FMF) Programm. Zwischen 1997 und 2005 flossen daraus 79.390.000 US-Dollar in die Kaukasusrepublik. Andere Quellen nennen für den Zeitraum bis 2007 eine Investition von 200 Millionen Dollar der US-Regierung und noch einmal zwei Milliarden Dollar der georgischen Regierung.Cooperation with the United States, Ministry of Defense of Georgia Von 2002 bis 2004 schulten US-Ausbilder die georgischen Streitkräfte im Georgia Train and Equip Program (GTEP) für Einsätze gegen Aufständische an der Grenze zu Tschetschenien.

2002 schlossen Georgien, die USA und die Türkei ein Ausbildungs-Abkommen. Es ermöglicht georgischen Piloten in der Türkei zu üben, was wegen des kleinen Staatsgebiets daheim schlecht möglich ist. In Israel lässt Georgien seine SU-25-Frogfoot-Kampfflugzeuge umrüsten. Außerdem importiert das Land Sturmgewehre mit der Bezeichnung Tavor TAR-21 von der israelischen Armee. Weitere favorisierte Produkte sind das deutsche Sturmgewehr G36 sowie das amerikanische M4A1.

mini|190px|Georgische Soldaten üben Verwundetenrettung während des Manövers Agile Spirit 2025 Während der Verteidigungshaushalt Georgiens im Jahr 2003 noch bei 18 Millionen Dollar lag, ist er bis 2008 auf 900 Millionen Dollar angestiegen.Welt online: Russland will UN-Waffenembargo gegen Georgien, 9. September 2008. Die Verteidigungskosten haben so einen vergleichsweise hohen Anteil des georgischen Bruttoinlandsprodukts erreicht (annähernd 10 Prozent).

mini|190px|Georgische Truppen im Training mit US-Streitkräften Seit April 2005 wurden etwa 14.000 Soldaten, unter anderem von US-Militärberatern, für Einsätze im Irak, die im Rahmen des Georgia Sustainment and Stability Operations Program (GSSOP) stattfinden, und für multinationale Friedenseinsätze ausgebildet. Im Irak waren etwa 2500 Soldaten der leichten 3. Infanteriebrigade stationiert, die im Rahmen der von den USA geführten multinationalen Streitkräfte eingebunden waren. Dabei kamen im Irak 5 georgische Soldaten ums Leben. In Zusammenarbeit mit Deutschland wurden etwa 200 Soldaten im Kosovo, dem dortigen Hauptquartier der Bundeswehr zugeteilt.

mini|190px|Eine Soldatin der georgischen Verteidigungskräfte Ferner beteiligen sich seit 2001 georgische Soldaten in Afghanistan. Zuerst wurden einzelne kleine Einheiten für medizinische Zwecke unter US-Führung aufgestellt. Danach beteiligte sich das Land mit dem Entsenden von einzelnen Infanteriebataillonen aktiv an ISAF Operationen. 2010 wurde das Kontingent durch ein weiteres Bataillon auf 1500 Mann verstärkt. Durch ein konstantes Rotationssystem durchgehen alle Brigaden einen Auslandseinsatz in Afghanistan, wodurch der Erfahrungswert der Landstreitkräfte angehoben wird. Seit 2010 wurden 29 Soldaten, nach anderen Angaben 31, durch Überfälle, Kampfeinsätze und Sprengfallen getötet, etwa 435 verwundet.https://old.civil.ge/eng/article.php?id=27498https://www.georgianassociation.org/georgias-contribution-to-the-international-security-assistance-force-in-afghanistan/ Den schwersten Schlag erlitt die Truppe am 6. Juni 2013 als ein Lastwagen voll beladen mit Sprengstoff vor einem Außenposten detonierte und anschließend eine bewaffnete Gruppe versuchte in die Basis einzudringen. Dabei starben alle Angreifer, aber auch sieben Angehörige der Streitkräfte. Neun weitere wurden verletzt.https://civil.ge/eng/article.php?id=26154

Des Weiteren sind georgische Kontingente Teil der EUFOR RCA in Zentralafrika und in Mali stationiert.https://mod.gov.ge/en/mission

Grundlagen In den Streitkräften dienen rund 37.000 Mann. Den Kern bilden Berufssoldaten. In Georgien kann sich jeder Staatsbürger ab 18 Jahren für den auf Kontrakt basierenden Wehrdienst anmelden. Die aktive Reserve umfasst rund 120.000 Mann und kann im Ernstfall auf 250.000 Mann aufgestockt werden.

Seit 2004 werden die Streitkräfte Georgiens beschleunigt nach NATO-Standards modernisiert. 2006 gab Georgien 139 Millionen Lari (78 Millionen US-Dollar) für die Verteidigung aus. 2003 waren es lediglich 87 Millionen Lari (24 Millionen US-Dollar) gewesen.Spiegel Online: Waffen, Drohnen, Panzer: Wer unterstützt Georgien? 2007 waren es 22 % des Staatshaushalts, bzw. 7 % des Bruttosozialprodukts und somit mehr als 2,7 Milliarden US-Dollar. Durch hohe Verschuldung unter der Führung vom ehemaligen Präsidenten Micheil Saakaschwili musste die neue Regierung Ausgaben für das Militär stark einschränken, wodurch das derzeitige Budget von 2016 mit knapp 350 Millionen US-Dollar auf dem tiefsten Stand seit Jahren ist.

Teilstreitkräfte mini|190px|Struktur der Verteidigungskräfte Georgiens mini|190px|Georgische Spezialkräfte nach dem Sprung aus einer amerikanischen C-130 Die georgische Armee konnte seit den letzten größeren Kampfhandlungen im Jahr 2008 die sichtbare Lücke in ihren motorisierten Verbänden, größtenteils durch mehrere ausgehandelte Waffenlieferungen aus der Ukraine, schließen.

Heer Das 36.553 Mann starke Heer (1910 Offiziere, 6.166 Unteroffiziere und 28.477 Soldaten)http://mod.gov.ge/?page=-10&Id=25&lang=1 ist in fünf Infanteriebrigaden, zwei Artilleriebrigaden, eine Kommandobrigade und mehrere selbständige Bataillone eingeteilt. Diese selbständigen Bataillone sind: zwei Panzerabwehrbataillone, ein Panzerbataillon, ein medizinisches Versorgungsbataillon, ein ABC-Bataillon, ein Kommunikationsbataillon, ein Fernmeldebataillon, ein Flugabwehrbataillon, ein Aufklärungsbataillon und zwei Pionierbataillone.

Jede Infanteriebrigade besteht grundsätzlich aus mehreren leichten Infanteriebataillonen, Aufklärungs- und Kommunikationseinheiten, Flugabwehr- und Panzerabwehrbataillonen, sowie motorisierten und mechanisierten Verbänden.

Spezialkräfte mini|190px|Soldaten der Spezialkräfte erlernen den Umgang mit Panzerabwehrwaffen mini|190px|Georgischer Kommandosoldat während des Manövers Trojan Footprint 2024 Die georgischen Spezialkräfte sind direkt dem Oberkommando des Heeres unterstellt und agieren unabhängig von den Landstreitkräften. Sie sind auf unkonventionelle Kriegsführung spezialisiert und werden in diesem Zusammenhang in verschiedenen NATO-Ländern und Israel trainiert. Eine erstmalige internationale Kooperation entstand im Jahre 2001 im Rahmen der regionalen Terrorismusbekämpfung. Die Türkei spielte für die Gründung dieser Einheit 1999 eine maßgebliche Rolle, da sie finanzielle Hilfe und Ausrüstung gewährleistete. Vor der Gründung der offiziellen militärischen Kommandokräfte gab es diverse ähnliche Verbände, vor allem während der Kriege von 1991 bis 1993, sie waren allerdings eine Mischung aus Polizei und Nachrichtendienst die vom russischen Speznas ausgebildet wurden und später aktiv an Kampfhandlungen teilnahmen. Die Armee selbst besaß in diesem Zeitraum lediglich Infanterieeinheiten die durch bestimme Erfolge einen elitären Status gewannen.