Als Zahlungsverfahren werden im Zahlungsverkehr alle Formen und Prozesse der Übertragung von Eigentumsrechten an Zahlungsmitteln bezeichnet.Kimmo Soramäki/Benjamin Hanssens: , S. 5
Allgemeines Die Zahlungsmittel wechseln bei ihrer Übertragung vom Zahlungspflichtigen zum Zahlungsempfänger. Alternativ wird auch von Bezahlverfahren oder Zahlungssystemen gesprochen. Eine einheitliche Verwendung dieser Begriffe hat sich bislang noch nicht durchgesetzt. Das Spektrum der Zahlungsverfahren reicht von der einfachen Barzahlung an der Kasse bis hin zu elektronischen Lösungen (z. B. Mobile Payment).
Klassifizierung von Zahlungsverfahren Zahlungsverfahren können nach unterschiedlichen Kriterien klassifiziert werden. Häufig wird beispielsweise zwischen klassischen und elektronischen Zahlungsverfahren unterschieden. Klassische Zahlungsverfahren sind demnach die Nachnahme, der (Papier-)Scheck und die Überweisung, die entweder vor Lieferung (Vorauskasse) oder nach Lieferung (Zahlung per Rechnung) erfolgen kann. Zu den elektronischen Zahlungsverfahren werden die Verfahren gezählt, bei denen die Zahlung unmittelbar über elektronische Medien freigegeben werden kann (z. B. Kreditkarten- und Lastschriftzahlungen).
Unklar ist jedoch, wie die Überweisung per Onlinebanking in diese Klassifikation einzuordnen ist. Im Unterschied zur beleghaften Überweisung wird die Zahlung zwar über elektronische Medien freigegeben, allerdings kann die Freigabe nicht unmittelbar erfolgen. Stattdessen muss der Zahlungspflichtige sich zunächst in das Onlinebanking seiner Bank einloggen und dann die Überweisungsdaten manuell eingeben. Bei dem auf dem Onlinebanking basierenden Zahlungsverfahren giropay entfallen einige dieser Zwischenschritte, weshalb es eindeutig zu den elektronischen Zahlungsverfahren gezählt werden kann.
Eine weitere Unterteilung unterscheidet nach dem Zahlungszeitpunkt: „Pay before“ bedeutet Zahlung vor dem Lieferzeitpunkt, „pay now“ Zahlung zum Lieferzeitpunkt und „pay later“ Zahlung nach dem Lieferzeitpunkt. Eine eindeutige Zuordnung ist jedoch auch nach dieser Systematisierung nicht für jedes Zahlungsverfahren möglich. Wird eine über ein Mobiltelefon initiierte Zahlung über die abgerechneten Telefoneinheiten in Rechnung gestellt, so kann dies einerseits über die monatliche Telefonrechnung geschehen, was für eine Einstufung als „pay later“ sprechen würde. Es könnte sich andererseits jedoch auch um eine Prepaidkarte handeln, das Verfahren wäre dann der Kategorie „pay before“ zuzuordnen.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik verzichtet daher auf die genannten Klassifizierungen und unterscheidet zwischen originären und abgeleiteten Zahlungsverfahren:Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik: , S. 6 (PDF; 1,2 MB) Originäre Zahlungsverfahren umfassen die physische Übertragung von Geldeinheiten (Bargeld oder elektronisches Geld), die Überweisung und die Lastschrift. Abgeleitete Zahlungsverfahren, z. B. die Kreditkarte, der Scheck oder die Vielzahl der für den elektronischen Handel entwickelten Zahlungsverfahren, greifen bei der Zahlungsabwicklung letzten Endes auf eines der originären Zahlungsverfahren zurück. Die abgeleiteten Zahlungsverfahren werden weiter in die folgenden Gruppen unterteilt: Scheckbasierte Verfahren verbriefen eine Anweisung an das Kreditinstitut des Zahlungspflichtigen, die im Scheck genannte Geldsumme zu Lasten von dessen Konto zu zahlen. Kreditkarten- und debitkartenbasierte Verfahren dienen der Bargeldbeschaffung am Bankschalter oder am Geldautomaten sowie der bargeldlosen Bezahlung von Waren und Dienstleistungen bei Vertragsunternehmen der kartenherausgebenden Organisationen. Wertkartenbasierte Verfahren verwenden vorausbezahlte Guthabenkarten, die in der Regel nicht wieder aufgeladen werden können. Beispiele hierfür sind T-Pay MicroMoney, die paysafecard oder die ukashcard. E-Mail-basierte Verfahren nutzen E-Mail-Nachrichten zur Übertragung von Buchungsinformationen. Vom Anbieter des Verfahrens werden mit einer E-Mail-Adresse verknüpfte Referenzkonten geführt; bekannte Beispiele hierfür sind PayPal und moneybookers. Mobiltelefonbasierte Verfahren nutzen das Mobiltelefon zur Übertragung von Buchungsinformationen. Das Mobiltelefon dient dabei gleichzeitig zur Authentifizierung. Ein Anbieter von mobiltelefonbasierten Verfahren ist mpass, ein Gemeinschaftsprojekt von Vodafone und O2. Inkasso- und Billingverfahren sind alle sonstigen Verfahren, bei denen fällige Beträge von Dritten eingezogen werden. Hierzu gehört die Nachnahme, bei der ein Zustelldienst als Inkassostelle auftritt, die speziell für den elektronischen Handel entwickelten Verfahren ClickandBuy, iclear und T-Pay (bis 2011) sowie die Abrechnung über telefonische Mehrwertdienste oder Dialer.
Verlässlichkeit Die Verlässlichkeit von Zahlungssystemen in einer Volkswirtschaft ist von Liquidität, Finalität, Transaktionsrisiko und systemischem Risiko abhängig.Jane Kaufman Winn, Clash of the Titans: Regulating the Competition between Established and Emerging Electronic Payment Systems, in: Berkeley Technology Law Journal vol. 14/675, März 1999, S. 678 ff. Die Liquidität hängt davon ab, ob und wie leicht (mit welchen Transaktionskosten) abgeleitete Zahlungsverfahren in gesetzliche Zahlungsmittel () oder Buchgeld umgewandelt werden können und wie viele Händler bereit sind, sie zu akzeptieren.Markus B. Hofer/Hans-Helmut Kotz/Diethard B. Simmert (Hrsg.), Geld- und Wirtschaftspolitik in gesellschaftlicher Verantwortung, 2004, S. 163 Sie müssen zudem gegen Zentralbankgeld im Verhältnis 1:1 umtauschbar sein.Markus B. Hofer/Hans-Helmut Kotz/Diethard B. Simmert (Hrsg.), Geld- und Wirtschaftspolitik in gesellschaftlicher Verantwortung, 2004, S. 164 Eine Zahlung ist dann final (also endgültig), wenn sie nicht mehr widerrufen werden kann.Jane Kaufman Winn, Clash of the Titans: Regulating the Competition between Established and Emerging Electronic Payment Systems, in: Berkeley Technology Law Journal vol. 14/675, März 1999, S. 679 Wenn der Zahlungspflichtige keine rechtliche Möglichkeit mehr besitzt, seine Zahlung zu widerrufen, ist die Zahlung final. Das ist nach Abs. 1 BGB nach dem Zugang des Zahlungsauftrags beim Zahlungsdienstleister der Fall. Jede abzuwickelnde Transaktion enthält für den Zahlungsempfänger ein Transaktionsrisiko (Kreditrisiko, Erfüllungsrisiko, Fälschungsrisiko von Bargeld). Hat der Zahlungsempfänger seine Leistung bereits erbracht und die Zahlung steht noch aus (Vorleistung), ist er dem Kreditrisiko des Zahlungspflichtigen ausgesetzt. Das größte Risiko beim Einsatz von Finanzierungsmöglichkeiten stellt bei den Händlern zum einen der mögliche Zahlungsausfall und zum anderen ein Reputationsverlust bei Ablehnungen nach der Bonitätsprüfung dar. Das Ausfallrisiko wird in den meisten Fällen durch gründliche Prüfung von Seiten der Finanzinstitute verringert. Durch die Gesetzgebung sind nicht alle Transaktionsrisiken ausgeschlossen. Immer mehr Anbieter übernehmen teilweise oder komplett das Ausfallrisiko und ermöglichen dem Händler dadurch konkrete Planungssicherheit. Das systemische Risiko besteht darin, dass ein Zahlungssystem durch Fehlverhalten oder Insolvenz der Beteiligten Marktstörungen unterliegt oder ganz zusammenbrechen kann. Die Überwachung des Zahlungsverkehrs durch Zentralbanken und Bankenaufsicht kann dieses Risiko minimieren.
Auswahl von Zahlungsverfahren Die Bedeutung des Angebots bargeldloser Zahlungsverfahren hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Zum einen verzeichnet das EuroHandelsinstitut einen starken Anstieg bei den bargeldlosen Zahlungen im stationären Handel.Hauptverband des Deutschen Einzelhandels: Zum anderen nutzen immer mehr Händler das Internet als Vertriebsweg und sind hierfür auf geeignete Verfahren zur bargeldlosen Bezahlung der Waren und Dienstleistungen angewiesen.
Insbesondere im elektronischen Handel wird ein geeignetes Angebot von Zahlungsverfahren (Elektronisches Geld) immer mehr zum Erfolgsfaktor. Häufig werden Käufe abgebrochen, wenn nicht das geeignete Zahlungsverfahren zur Verfügung steht. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Auswahl von Zahlungsverfahren an Bedeutung. Die Auswahl von Zahlungsverfahren hat sich an der Eignung für das vorliegende Zahlungsszenario, an den Anforderungen des Zahlungspflichtigen sowie den Anforderungen des Zahlungsempfängers zu orientieren.
Zahlungsszenarien Zahlungsszenarien werden nach dem Einsatzszenario, der Betragshöhe, der Herkunft der Kunden und der Häufigkeit der Zahlung unterschieden.
Kategorisierung nach dem Einsatzszenario Bezahlung am Verkaufsort (): Der Verkaufsort ist der Ort, an dem Verkäufer und Käufer physisch zusammentreffen. Häufig ist dies ein stationärer Kassenarbeitsplatz oder Verkaufsautomat. Das Zusammentreffen kann aber auch außerhalb der Räume des Verkäufers stattfinden (z. B. bei Taxis oder Lieferdiensten). Bezahlung im Fernabsatz: Zum Fernabsatz zählen alle Kauf- oder Dienstverträge, die zwischen Verkäufer und Käufer per Telefon, Internet, Brief oder über andere Fernkommunikationsmittel abgeschlossen werden. Damit umfasst der Fernabsatz sowohl den klassischen Versandhandel als auch den elektronischen Handel über das Internet (E-Commerce).
Kategorisierung nach der Betragshöhe Macropayment (ab ca. 5 Euro) Micropayment (ab ca. 5 Cent bis ca. 5 Euro) Millipayment, Minipayment, Picopayment oder auch Nanopayment (bis ca. 5 Cent)
Kategorisierung nach der Herkunft der Kunden Inlandszahlungsverkehr, Auslandszahlungsverkehr. Bei ausländischen Kunden ist darauf zu achten, dass die angebotenen Zahlungsverfahren auch im Ausland verfügbar sind. Dies ist zum Beispiel bei der Lastschrift im Europäischen Zahlungsraum (SEPA) eingeführt worden.
Kategorisierung nach der Häufigkeit der Zahlung Einmalig: Kunde und Händler treffen nur einmal zusammen. Wiederkehrend: Kunde und Händler treffen wiederholt zusammen. Bei wiederkehrend genutzten Leistungen nehmen Kunden vermutlich einen höheren einmaligen Registrierungsaufwand in Kauf als bei selten genutzten Leistungen. Auch das Risiko für den Händler nimmt ab, wenn bereits positive Erfahrungen über das Zahlungsverhalten eines Kunden vorliegen. Für den Einzug regelmäßig wiederkehrender Forderungen ist insbesondere das Lastschriftverfahren gut geeignet.
Anforderungen des Zahlungspflichtigen Aus Sicht des Zahlungspflichtigen ist eine möglichst sichere Zahlungsabwicklung gewünscht. Zu den weiteren Anforderungen zählen ein geringer Installations- und Registrierungsaufwand, geringe Kosten sowie eine hohe Anzahl an Akzeptanzstellen. Sicherheit: Unter dem Sicherheitsaspekt werden organisatorische und rechtliche Regelungen betrachtet, die dazu geeignet sind, das Eintreten von Schäden aus Sicht des Zahlungspflichtigen zu verhindern. Die Sicherheitsanforderungen lassen sich weiter in die Transaktionskontrolle, Authentifizierung, Sperrmöglichkeit und geringer Haftungsbetrag unterteilen: Transaktionskontrolle: Der Zahlungspflichtige möchte zum einen sicher sein, dass eine von ihm gewünschte Transaktion erfolgreich initiiert wurde. Zum anderen möchte er kontrollieren können, dass keine unberechtigte Transaktion durchgeführt wurde. Authentifizierung: Die Stärke der Authentifizierung gibt Hinweise darauf, wie leicht es für einen Dritten sein kann, unberechtigt Zahlungen zu Lasten des Zahlungspflichtigen zu initiieren. Sperrmöglichkeit: Bei einer Sperre gegen zukünftige Verfügungen sind Schäden selbst dann ausgeschlossen, wenn ein Dritter den Authentifizierungsmechanismus überwunden hat. Haftungsbetrag: Der Haftungsbetrag gibt an, für welchen Betrag der Kunde maximal aufkommen muss, wenn vor einer eventuellen Sperre unberechtigte Verfügungen zu seinen Lasten vorgenommen wurden.