Wolf-Dieter Hauschild (* 6. September 1937 in Greiz; † 18. Mai 2023 in Leipzig) war ein deutscher Dirigent, Chorleiter, Intendant, Komponist, Cembalist und Hochschullehrer.
Nachdem er ab 1971 beim Berliner Rundfunk tätig gewesen war, wirkte er von 1978 bis 1985 als Chefdirigent des Rundfunk-Sinfonieorchesters und des Rundfunkchors Leipzig. Noch 1984 mit dem Nationalpreis ausgezeichnet, überwarf er sich 1985 mit den DDR-Behörden und siedelte in die BRD über.
In Stuttgart wurde er zum Generalmusikdirektor ernannt und verhalf den dortigen Philharmonikern zu überregionaler Anerkennung. 1991 ging er nach Essen, wo er von 1992 bis 1997 auch Opernintendant des Aalto-Theaters war. In den 2000er Jahren kehrte er zurück in die neuen Bundesländer und leitete das Philharmonische Staatsorchester Halle und die Norddeutsche Philharmonie Rostock. Letztere ernannte ihn 2004 zu ihrem Ehrendirigenten.
Insbesondere mit den Berliner und Leipziger Rundfunkklangkörpern brachte er zahlreiche zeitgenössische Werke zur Uraufführung. Außerdem spielte er das gesamte Chorwerk von Johannes Brahms ein. In Essen konnte er den kompletten Ring von Richard Wagner realisieren.
Leben Greizer Herkunft Wolf-Dieter Hauschild wurde 1937 als SohnWolfgang Helfritsch: In achtzig Jahren durch drei Welten – Erinnerungen und Episoden aus einem kurzen Leben. „Wechselnd wolkig und zeitweise heiter“. Aus Wetterprognosen der Jahre 1935 und 2015. Ille & Riemer, Leipzig u. a. 2015, ISBN 978-3-95420-009-2, S. 65; vgl. auch „mein Vater war Musikdramaturg“ in: Wolf-Dieter Hauschild, Robert Schuppert: Auftakt. Gespräche mit Dirigenten: Wolf-Dieter Hauschild im Gespräch mit Robert Schuppert. In: Theater der Zeit, 9/1984, S. 35–38, hier: S. 38. des Journalisten und Theaterdramaturgen Franz Hauschild (1907–1996) im thüringischen Greiz geboren.Günther Buch: Namen und Daten wichtiger Personen der DDR. 4., überarbeitete und erweiterte Auflage. Dietz, Berlin u. a. 1987, ISBN 3-8012-0121-X, S. 109. Sein Vater war Mitbegründer der „Greizer Musikwochen“ und des „Stavenhagen-Wettbewerbes“.Henriette Joseph, Haik Thomas Porada (Hrsg.): Das nördliche Vogtland um Greiz. Eine landeskundliche Bestandsaufnahme im Raum Greiz, Weida, Berga, Triebes, Hohenleuben, Elsterberg, Mylau und Netzschkau (= Landschaften in Deutschland. Band 68). Im Auftrag des Leibniz-Instituts für Landerkunde und der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, Böhlau, Köln u. a. 1996, ISBN 3-412-09003-4, S. 458. Im Alter von fünf Jahren erhielt Wolf-Dieter Hauschild seinen ersten Klavierunterricht, später machte er Theater. Rückblickend erinnerte er sich an Käthe Reichel, Reimar Johannes Baur und Dieter Franke, mit denen er in Greiz gespielt hatte. Früh begann er mit dem Komponieren u. a. schrieb er eine Kinderoper. Ab dem fünfzehnten Lebensjahr komponierte er Schauspielmusiken für das Theater seiner Heimatstadt. Als Oberschüler erhielt er ferner Kompositionsunterricht bei Ottmar Gerster in Leipzig.
Studium und berufliche Anfänge in Weimar Mit siebzehn Jahren nahm er an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar ein Musikstudium auf, das er 1959 mit drei Staatsexamen beendete: Komposition (Ottmar Gerster), Dirigieren (zunächst bei Hermann Abendroth, dann Gerhard Pflüger) und Klavier.Carl Dahlhaus, Hans Heinrich Eggebrecht (Hrsg.): Brockhaus-Riemann-Musiklexikon. In vier Bänden und einem Ergänzungsband. Ergänzungsband: A–Z. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Schott, Mainz 1995, ISBN 3-7957-8359-3. Für seine Abschlussarbeit gestaltete er eine Bühnenfassung zu Mozarts Singspiel Bastien und Bastienne, die an der Deutschen Staatsoper Berlin aufgeführt wurde. Seine Ausbildung vervollständigte er in Meisterkursen bei Hermann Scherchen und Sergiu Celibidache.Vera Grützner: Musiker in Brandenburg vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Jaron, Berlin 2004, ISBN 3-89773-507-5, S. 106. Bis 1956 wurde er vor allem durch seinen Lehrer Hermann Abendroth geprägt, dessen „Gesamtpersönlichkeit und Autorität“ er sehr schätzte. Dieser ließ ihn in selbständig in Weimar mit dem Hochschulorchester und Laienchören arbeiten. Ferner war für Hauschild der Musiker und Kulturpolitiker Helmut Koch „eine künstlerische und menschliche Vaterfigur“.Wolf-Dieter Hauschild, Robert Schuppert: Auftakt. Gespräche mit Dirigenten: Wolf-Dieter Hauschild im Gespräch mit Robert Schuppert. In: Theater der Zeit 9/1984, S. 35–38, hier: S. 38.
Nach seinem Studium begann er seine künstlerische Karriere als Solorepetitor am Deutschen Nationaltheater Weimar.Hella Kaden: Hauschild, Wolf-Dieter. In: Gabriele Baumgartner, Dieter Hebig (Hrsg.): Biographisches Handbuch der SBZ, DDR. 1945–1990. Band 1: Abendroth–Lyr. Saur, München 1996, ISBN 3-598-11176-2, S. 285. Auch hier komponierte er Schauspielmusiken. Schon bald durfte er zeitgenössische Werke nachdirigieren und einstudieren. Nach zwei Jahren wurde er Kapellmeister. In Weimar brachte er 1963 die Nasreddin-OperErnst Krause: Oper von A–Z. Ein Opernführer. 6. Auflage. Breitkopf und Härtel VEB, Leipzig 1967, S. 168. Der fröhliche Sünder seines Lehrers, Ottmar Gerster, zur Uraufführung.Aus dem Kulturleben. In: Neues Deutschland, 22. Februar 1963, Jg. 18, Ausgabe 53, S. 4.
Station in Frankfurt (Oder) mini|Ehemalige Franziskanerkirche, spätere Konzerthalle Carl Philipp Emanuel Bach Frankfurt (Oder) (1967) Von 1963 bis 1970 war er Musikalischer Oberleiter am Kleist-Theater und ständiger Dirigent der Philharmonie in Frankfurt (Oder). Seine dortigen Aufgaben erstreckten sich entsprechend sowohl auf das Musiktheater als auf die Konzertreihen. Zu seinem Repertoire gehörten u. a. Verdi, Mozart und Bizet. 1966 dirigierte er die Kurt-Hübenthal-Inszenierung von Händels Oper Serse. Ferner verantwortete er hier die Uraufführung des sinfonischen Werks Schwedter Impulse von Nikolai BadinskiSchwedter Impulse vor Uraufführung. In: Neues Deutschland, 22. März 1970, Jg. 25, Ausgabe 81, S. 11. sowie die DDR-Erstaufführungen der Opern Der zerbrochene Krug von Zbyněk VostřákCSSR-Oper erstaufgeführt. In: Neues Deutschland, 15. April 1964, Jg. 19, Ausgabe 104, S. 4. und The Rake’s Progress von Igor Strawinsky. Durch die Nähe zu Berlin, wie Hauschild ausführte, konnten namhafte Sänger wie beispielsweise Reiner Süß für Partien gewonnen werden. Mit dem Politiker Erich Mückenberger setzte sich Hauschild seinerzeit für einen neuen Veranstaltungsort, die nachmalige Konzerthalle Carl Philipp Emanuel Bach, ein.
Engagement beim Berliner Rundfunk Im Jahr 1971 wurde Hauschild am Berliner Rundfunk verpflichtet, wo er zunächst den Berliner Rundfunkchor leitete. Von 1973 bis 1976 war er Stellvertreter Heinz Rögners beim Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin. Beim Rundfunk traf er erneut auf Helmut Koch, eine „schicksalhafte Bekanntschaft“, wie er sich später erinnern sollte. So vertrat er ihn auch bei der Uraufführung von Fritz Geißlers Oratorium Schöpfer Mensch.Manfred Schubert: Hohes Niveau in den Darbietungen. Eine Betrachtung zu den letzten Sinfoniekonzerten der IV. Musikbiennale in Berlin. In: Berliner Zeitung, 1. März 1973, Jg. 29, Ausgabe 60, S. 6. Weitere Uraufführungen bei der Musik-Biennale Berlin sollten folgen u. a. 1975 Wilbrandts Mein Haus hat Erde und Meer (Sprecher: Horst Westphal)Hans-Peter Müller: Im Zentrum: Gegenwartskunst. Am Wochenende: Sinfonielkonzert und Kammermusik. In: Berliner Zeitung, 18. Februar 1975, Jg. 31, Ausgabe 42, S. 6. und Zechlins Klavierkonzert (mit Eva Ander),es: von aggressiver Fröhlichkeit. Klavierkonzert von Ruth Zechlin zur Biennale uraufgeführt. In: Neue Zeit, 20. Februar 1975, Jg. 31, Ausgabe 43, S. 4. 1976 Strauß’ 4. Sinfonie mit Sopran-Solo (mit Renate Frank-Reinecke)Hans-Peter Müller: Junge Interpreten und neue Werke. Eindrücke von den 2. DDR-Musiktagen in unserer Hauptstadt. In: Berliner Zeitung, 24. Februar 1976, Jg. 32, Ausgabe 47, S. 6. und Matthus’ Laudate pacem (mit Renate Krahmer, Elisabeth Breul, Annelies Burmeister, Armin Ude und Hermann Christian Polster) und 1977 Köhlers Der gefesselte Orpheus und Voigtländers Canto General (mit Brigita Šulcová).Eckart Schwinger: Orpheus und Dichter von heute. Notizen von der VI. Musik-Biennale. In: Neue Zeit, 24. Februar 1977, Jg. 33, Ausgabe 47, S. 4.
Im Jahr 1976 wurde er in der Nachfolge von Herbert Kegel Leiter des Rundfunk-Musikschulorchester der DDR.Wolf-Dieter Hauschild, Inge Könau: Junge Leute musizieren mit großer Begeisterung. ND-Gespräch mit Prof. Wolf-Dieter Hauschild. In: Neues Deutschland, 17. März 1982, Jg. 37, Ausgabe 64, S. 4; Ehemalige Dirigenten. musikschulen.de; abgerufen am 25. April 2020. Auch nach seinem Wechsel nach Leipzig pflegte er die Verbindung in die Hauptstadt und wirkte als Gastdirigent an der Deutschen Staatsoper und der Komischen Oper. So übernahm er an letzterer die musikalische Leitung bei der Götz-Friedrich-Inszenierung von Verdis Il trovatore.Hans-Jochen Genzel (Red.): Die Komische Oper. Hrsg. von der Komischen Oper, Nicolai, Berlin 1997, ISBN 3-87584-656-7, S. 219.
Chefdirigat beim RSO und Rundfunkchor Leipzig