mini|Hauptgebäude des Amtsgerichtes (2015) mini|Nebengebäude des Amtsgerichtes (2011)

Das Amtsgericht Biedenkopf ist ein Gericht der ordentlichen Gerichtsbarkeit im mittelhessischen Biedenkopf und eines von fünf Amtsgerichten im Bezirk des Landgerichtes Marburg. Seinen Sitz hat es in der Hainstraße 70–72 in Biedenkopf.

Historische Entwicklung mini|hochkant|Siegelmarke (um 1900)

Vorgeschichte Nach dem verlorenen Krieg von 1866 musste das Großherzogtum Hessen mit dem Friedensvertrag vom 3. September 1866 Gebietsteile an Preußen abtreten. Dazu gehörte auch das Hessische Hinterland (der „Kreis Biedenkopf“) mit dem Bezirk des Landgerichtes Biedenkopf.Art. 14 Friedens-Vertrag zwischen Preußen und Hessen vom 3. September 1866, Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Jahrgang 1866 S. 403 f., Digitalisat; Details regelte eine gesonderte Übereinkunft zwischen den Vertragsschließenden vom gleichen Tag. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 43 vom 2. Oktober 1866, S. 408–410. Landgerichte waren im Großherzogtum Hessen seit 1821 die Gerichte erster Instanz.

Amtsgericht Biedenkopf (ab 1867) Im Juni 1867 passte Preußen in den eroberten Gebieten die Gerichtsorganisation an die eigene Struktur an: Die bisherigen Landgerichte wurden aufgehoben§ 3 Verordnung über die Gerichtsverfassung in dem vormaligen Herzogthum Nassau und den vormals Großherzoglich Hessischen Gebietstheilen mit Ausschluß des Oberamtsbezirks Meisenheim. Vom 26. Juni 1867. In: Gesetz-Sammlung für die Königlichen Preußischen Staaten Nr. 64 (1867), S. 1094–1103. und durch Amtsgerichte ersetzt.§ 1 Verordnung über die Gerichtsverfassung in dem vormaligen Herzogthum Nassau und den vormals Großherzoglich Hessischen Gebietstheilen mit Ausschluß des Oberamtsbezirks Meisenheim. Vom 26. Juni 1867. In: Gesetz-Sammlung für die Königlichen Preußischen Staaten Nr. 64 (1867), S. 1094–1103. Funktionaler Nachfolger des Landgerichtes Biedenkopf wurde so das Amtsgericht Biedenkopf.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Amtsgericht Biedenkopf zum hessischen Amtsgericht.

Das Amtsgericht Gladenbach wurde 1968 zur Zweigstelle des Amtsgerichtes Biedenkopf. 2003 wurde dann auch die Zweigstelle aufgelöst und räumlich vollständig in das Amtsgericht Biedenkopf eingegliedert.

Zuständigkeit Örtliche Zuständigkeit alt=Lage des Amtsgerichtsbezirks Biedenkopf in Hessen|mini|Lage des Amtsgerichtsbezirkes Biedenkopf in Hessen Zum Gerichtsbezirk des Amtsgerichtes Biedenkopf gehören Angelburg, Bad Endbach, Biedenkopf, Breidenbach, Dautphetal, Gladenbach sowie Steffenberg.

Sachliche Zuständigkeit Im Amtsgericht Biedenkopf sind neben fünf Richtern und sechs Rechtspflegern drei Gerichtsvollzieher, sechs Beamte im einfachen und mittleren Dienst sowie 13 Angestellte beschäftigt. Direktorin am Amtsgericht Biedenkopf ist die Richterin Jutta Dreisbach. Für Handels- und Vereinsregistersachen, Insolvenzsachen sowie für Strafsachen, die vor dem Schöffengericht verhandelt werden, ist das Amtsgericht Marburg zuständig. Für das gerichtliche Mahnverfahren ist in Hessen ausschließlich das Amtsgericht Hünfeld zuständig.

Das Amtsgericht ist in einzelne Abteilungen untergliedert, denen wiederum bestimmte Sachgebiete zugeordnet sind. Es bestehen die Abteilungen Beratungshilfe, Familiensachen, Grundbuchamt, Nachlass, Strafprozess, Verwaltung, Vormundschaftssachen, Zivilprozess, Zwangsversteigerungen und Zwangsvollstreckung.

Instantielle Zuordnung Das Amtsgericht Biedenkopf war zunächst dem Kreisgericht Dillenburg und dem Appellationsgericht Wiesbaden untergeordnet. Mit dem Inkrafttreten der Reichsjustizgesetze 1877 war das Landgericht Marburg das Gericht zweiter Instanz. 1944 wurde das Gericht kurzzeitig dem Sprengel des Landgerichtes Limburg zugeordnet, bevor es am 1. Januar 1949 wieder zum Landgericht Marburg kam.

Gebäude Das Landgericht Biedenkopf war zunächst in der Hainstraße 12 untergebracht. Am 8. August 1891 erwarb die Justizverwaltung ein 1508 m² großes Grundstück (damals am Stadtrand gelegen) für 6718,50 Mark. Der Neubau wurde schnell umgesetzt, so dass das Gericht vom 19.–23. Juli 1893 das neue Gebäude in der Hainstraße 72 beziehen konnte. In die Hainstraße 12 zog zunächst das Katasteramt ein, bevor das Haus 1932 in Privatbesitz überging.

Da der Raumbedarf im Amtsgericht stieg, wurde 1964/65 ein Anbau errichtet und für das Grundbuchamt genutzt. 1977 wurde das Gericht durch Übernahme des Nebengebäudes Hainstraße 70 (ehemalige Buderus-Villa) noch einmal erweitert, das es ab dem 1. Juli 1977 nutzte. Dort sind nun die Familienabteilung und die Bewährungshilfe untergebracht.Amtsgericht Biedenkopf – Geschichte der Gerichtsbarkeit im Hinterland. ag-biedenkopf.justiz.hessen.de; abgerufen am 19. Februar 2011; Beide Gebäude sind Kulturdenkmäler aufgrund des Hessischen Denkmalschutzgesetzes.Amtsgericht Biedenkopf – Geschichte der Gerichtsbarkeit im Hinterland. ag-biedenkopf.justiz.hessen.de;

Richter Ab 1867 bestanden zwei Richterstellen am Amtsgericht.

1850–1873: Landrichter (ab 1867: Amtsrichter, ab 1868: Oberamtsrichter) Wilhelm Klingelhöffer 1873–1875: (Ober-)Amtsrichter Dilthey 1875–1879: (Ober-)Amtsrichter Eduard Bork 1879–1887: Amtsrichter Wilhelm Winter 1879–1913: Amtsrichter Hugo Hatzfeld (spätere Beförderungen bis zum geheimen Justizrat) 1887–1898: Amtsrichter Colnot (ausgeschieden als Amtsgerichtsrat) 1898–1923: Amtsrichter Karl Fuchs (spätere Beförderungen bis zum geheimen Justizrat) 1913–1945: Amtsrichter Karl Gerstenberg (ausgeschieden als Amtsgerichtsrat) 1926–1943: Amtsrichter Karl Wagener (ausgeschieden als Amtsgerichtsrat) 1941–1945: Arnold Freiherr von Breidenbach 1945–1948: Amtsgerichtsrat Walter Weitze 1947: Amtsgerichtsrat Werner Massengeil 1948–1949: Amtsgerichtsrat Otto von Sethe 1949–1960: Amtsgerichtsrat Ernst Wolff 1952–1974: Beauftragter Richter Helmut Schemel 1961–1962: Amtsgerichtsrat Hans Kumpe 1962–: Amtsgerichtsrat Helmut Forst 1968–: Oberamtsrichter Wilhelm Dörr 1975–: Richter a. Pr. Rainer Hagen

Siehe auch Liste deutscher Gerichte Liste der Gerichte des Landes Hessen

Literatur Otfried Keller: Die Gerichtsorganisation des Raumes Marburg im 19. und 20. Jahrhundert. Marburg 1982, ISBN 3-9800490-5-1, S. 97–102, 171–172. Georg Schmidt von Rhein: Zur Geschichte der Gerichtsorganisation im Landgerichtsbezirk Limburg. In: Nassauische Annalen, 1988, Band 99, S. 75–87.

Weblinks

Internetpräsenz des Amtsgerichtes Biedenkopf. Übersicht der Rechtsprechung des Amtsgerichtes Biedenkopf. dejure.org/

Einzelnachweise

Biedenkopf Biedenkopf Kategorie:Kulturdenkmal in Biedenkopf Kategorie:Organisation (Biedenkopf) Kategorie:Gerichtsgründung 1867