Marie Antoinette ist ein Musical von Michael Kunze (Text) und Sylvester Levay (Musik), den Autoren von Elisabeth, Mozart! und Rebecca. Das Libretto wurde in Englisch verfasst und für die asiatische Inszenierung ins Japanische übersetzt. Die Premiere fand am 1. November 2006 im Imperial Garden Theater in Tokio, Japan, statt. Regie bei der Produktion führte Tamiya Kuriyama. Nach Aufführung in Tokio wurde das Musical in Fukuoka, Osaka, und von April bis Mai 2007 wieder in Tokio inszeniert.

Die Europapremiere des Stücks war am 30. Januar 2009 im Musical Theater Bremen. Nach der Premiere einer komplett überarbeiteten Fassung in Südkorea 2014 wurde das Stück in Ungarn und erneut in Japan gezeigt.

Geschichte Die Idee zu dem Musical basiert auf einem Buch des japanischen Autors Shusaku Endo. Kunze bat die japanische Theaterproduktionsgesellschaft Toho, sich um die Rechte zu kümmern, woraufhin Toho auch die Produktion des Drama-Musicals übernehmen wollte. Eine Idee des Buches war die, der unglücklichen Königin von Frankreich ein gleichaltriges Mädchen aus dem Volke gegenüberzustellen. Während der Stern von Marie Antoinette sinkt, steigt dieses Mädchen, ihr Name ist Margrid Arnaud, mit der Revolution auf. Im zweiten Teil des Musicals treffen Margrid Arnaud und Marie Antoinette aufeinander. Damit entwickelt die Geschichte eine Dramatik, die weit über die Darstellung der historischen Tatsachen hinausgeht.

Produktionsgeschichte Seit der Weltpremiere 2006 wurden 374 Aufführungen der ursprünglichen Fassung gespielt, davon 234 in Japan und 140 in Deutschland.

: Tokio: Weltpremiere: 1. November 2006, Derniere: Dezember 2006 (79 Aufführungen) Fukuoka: Premiere: Januar 2007, Derniere: Januar 2007 (38 Aufführungen) Osaka: Premiere: Februar 2007, Derniere: März 2007 (38 Aufführungen) Tokio: Wiederaufnahme: Premiere: April 2007, Derniere: Mai 2007 (79 Aufführungen) : Bremen: Europapremiere: 30. Januar 2009, Derniere: 31. Mai 2009 (120 Aufführungen) Tecklenburg: Premiere: 23. Juni 2012, Derniere: 26. August 2012 (20 Aufführungen) Nachdem das Stück sowohl für die erste europäische Aufführung in Bremen als auch für die Freilichtinszenierung in Tecklenburg leicht verändert wurde, kam es zu einer vollständigen Überarbeitung in Südkorea. Nachstehende Handlungsangaben und Musiknummern beschreiben daher auch weiterhin die ursprüngliche Fassung des Stücks.

Die neue Fassung wurde in mehreren Spielzeiten in Japan, Südkorea und Ungarn gezeigt.

Handlung Die Handlung setzt ein Jahr nach der Thronbesteigung von Marie Antoinette und ihrem Gemahl Louis XVI. ein. Rauschhaft gibt sich die Regentin ihren luxuriösen Ausschweifungen hin und zeichnet damit ihr ganz eigenes Bild. Vollkommen gegensätzlich dazu die zweite zentrale Frauenfigur des Musicals, das arme Mädchen aus dem Volk: Margrid Arnaud. Ein Kunstgriff von Michael Kunze, die beiden scheinbar so ungleichen Frauen gegenüberzustellen und ihre Leben immer wieder in Kontakt treten zu lassen. Denn auch wenn zu Anfang nur Abneigung und Hass zwischen der Königin und dem Bettlermädchen besteht, haben ihre Leben mehr gemein, als beide ahnen. Erst die Ereignisse werden zeigen, wie sich die Schicksale der beiden Frauen mit den gleichen Initialen ähneln. Und schließlich, als die Schatten der Französischen Revolution bereits dunkel über Paris fallen, ist aus der anfänglichen Feindseligkeit gegenseitiger Respekt und Verständnis geworden.

Prolog Cagliostro, der Zauberer und Illusionist, lässt die glorreiche Zeit wieder auferstehen, als er berühmt und bewundert war. Es war eine Zeit der Liebe und der Lügen, der Intrigen und der Gier, der hohen Ideale und der blutigen Grausamkeit, das Frankreich von Ludwig XVI. und Marie Antoinette. Er beginnt zu erzählen, wie eine kleine Ursache damals Weltumstürzendes bewirkt hat. („Illusionen“)

Erster Akt Das Bettlermädchen Margrid Arnaud verkauft in den Straßen von Paris Blumensträußchen an einen vornehmen Passanten. Als sie bemerkt, dass er sie um den Kaufpreis betrogen hat, läuft sie ihm nach und dringt in einen Ballsaal ein, in dem sich Frankreichs Hochadel amüsiert. Unter den Gästen ist auch Königin Marie Antoinette. Sie tanzt mit dem schwedischen Adligen Axel von Fersen. Das zerlumpte Mädchen fleht die Königin an, den Hungernden in den Straßen von Paris zu helfen. Marie Antoinette gießt dem Bettlermädchen unter dem Gelächter der Ballbesucher ein Glas Champagner über den Kopf. Dann lässt der Gastgeber, der reiche Herzog von Orléans, Margrid auf die Straße werfen. („Langweilen will ich mich nicht.“)

Vor draußen blickt Margrid zu den hell erleuchteten Fenstern des Ballsaals hoch und prophezeit, dass Gott die Reichen verfluchen wird, die zu blind seien, das Elend der Armen zu sehen („Blind vom Licht der vielen Kerzen“). Axel von Fersen kommt aus dem Saal, um sich bei Margrid zu entschuldigen. Er bietet Margrid zum Trost Geld von der Königin an, doch das Bettlermädchen lässt sich ihren Zorn nicht abkaufen.

Im Schloss von Versailles bemühen sich die königliche Schneiderin Rose Bertin und der Friseur Léonard um das Aussehen der Königin. Marie Antoinette prahlt mit ihrem Auftritt auf dem Ball des Herzogs und kauft nebenbei Juwelen und ein Schloss für ihre Freundin. Als der Finanzminister des Königs sie bittet, weniger Geld auszugeben, wird Marie Antoinette wütend. Sie verlangt von ihrem Gatten, dem König von Frankreich, den Minister augenblicklich zu entlassen. Seine Einwände lässt sie nicht gelten. Louis XVI. gibt nach.

Eines Abends wird Margrid Zeugin, wie eine Mutter zweier Kinder im Rinnstein eines Pariser Elendsviertels stirbt. Eine Nonne, die sich um die Frau kümmerte, singt ein tröstendes Kinderlied für ihre zwei Kinder, das Margrid wiedererkennt („Still, still“). Der Name der Nonne ist Agnès, Margrid war vor einiger Zeit in einer Klosterschule ihre Schülerin. Als das Gespräch auf Margrids Vater kommt, der das Lied anscheinend oft gesungen hat, behauptet diese, dass sie keinen Vater hat, da er sich schließlich nie um sie gekümmert hat.

Cagliostro sorgt dafür, dass Margrid die Bordell-Betreiberin Madame Lapin trifft. Dieser fällt die Ähnlichkeit des Bettlermädchens mit der jungen Königin auf und sie bietet ihr an, für sie zu arbeiten. Gegen den Rat von Agnès nimmt Margrid die Chance wahr, auf diese Weise zu Geld zu kommen.

Im Bordell verkehrt auch der Herzog von Orléans. Mit Margrid verbindet ihn der Hass auf das Königspaar. Zwar ist Orléans ein enger Verwandter des regierenden Königs, doch er hält diesen für unfähig. Deshalb intrigiert er gegen Versailles („Weil ich besser bin“). Er nimmt Margrid auf einen Maskenball in der Oper mit. Dort verwechselt Axel von Fersen sie einen Moment lang mit Marie Antoinette („Wenn“).

König Louis XVI. arbeitet gern in einer kleinen Schlosserei, die er sich in Versailles eingerichtet hat. Dort führt ihm Dr. Guillotin seine neueste Erfindung vor, eine moderne Hinrichtungsmaschine. Der König macht einen klugen Verbesserungsvorschlag. Als Marie Antoinette dazu kommt, prophezeit eine Vision Cagliostros, dass König und Königin beide unter der Guillotine sterben werden.

Fünf Jahre später auf dem Platz von Notre Dame. Eine Gruppe von Schauspielern singt ein Spottlied auf die Königin. Es wird angedeutet, dass sie zahlreiche Liebhaber hat und der vor kurzem geborene Kronprinz möglicherweise gar nicht der leibliche Sohn von Louis XVI. ist. Unter den Zuhörern sind auch Margrid und Agnès. Der Auftritt wird unterbrochen, als Soldaten Madame Lapin durch die Menge zerren. Ein königlicher Beamter verkündet die Verurteilung der Bordellbesitzerin. Eine grausame Auspeitschung folgt, die Madame Lapin nicht überlebt. Margrid wendet sich an die Menge auf dem Platz. In einer leidenschaftlichen Rede fordert sie die Bürger von Paris auf, sich gegen das Unrecht und die ausländische Königin aktiv zur Wehr zu setzen („Ich weine nicht mehr“). Sie ist zur Revolutionärin geworden.

An einem Sommerabend wartet Marie Antoinette im Park ihres Schlösschens Grand Trianon auf Axel von Fersen („Die Frau die er liebt“). Er kommt, doch nur, um Abschied zu nehmen. Im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg will er für die Freiheit kämpfen. Vergebens versucht die Königin ihn festzuhalten („Gefühl und Verstand“). Er versichert sie seiner Liebe und rät ihr, sich mehr um die Leiden ihrer Untertanen zu kümmern. Als er von Margrids Rede auf dem Platz vor Notre Dame berichtet, wird Marie Antoinette zornig. Sie trennen sich im Streit.

Der Herzog von Orléans beauftragt Cagliostro, das tödliche Gift der Verleumdung zu brauen, um das Königspaar zu stürzen. Cagliostro tut dies, indem er die berühmte Halsbandaffäre initiiert: Alles soll so aussehen, als hätte die verschwenderische Marie Antoinette den einfältigen Kardinal de Rohan als Strohmann benutzt, um die teuersten Juwelen der Welt zu kaufen. In Wahrheit wird Rohan das Opfer einer geschickten Gaunerei. Margrid spielt in diesem Komplott die Doppelgängerin der Königin.

Am Himmelfahrtstag des Jahres 1785 findet im Schloss Versailles der traditionelle Empfang von Adel und Bürgertum statt. Bei dieser Gelegenheit mahnt der Juwelier Boehmer die Bezahlung des Halsbandes an, das er der Königin verkauft zu haben glaubt. Dies führt zur Entdeckung der Halsbandaffäre. Kardinal de Rohan erkennt seine Irreführung. Obwohl er seine Unschuld beteuert, wird er auf Drängen der zornigen Marie Antoinette verhaftet. Margrid wird ebenfalls festgenommen. Doch davor gelingt es ihr noch, der Königin das blutige Tuch der Madame Lapin vor die Füße zu werfen und sie des Mordes zu beschuldigen.

Zweiter Akt Vor dem Justizpalast in Paris erwartet eine Menschenmenge die Urteile im Halsbandprozess. Als Kardinal de Rohan aus dem Gebäude kommt und verkündet, dass er freigesprochen wurde, empfinden das alle als öffentliche Verurteilung der Königin. Die Menge verflucht Marie Antoinette. Margrid, die ebenfalls freigesprochen wird, heizt den Zorn der Menge noch weiter an. Agnès mahnt ihre ehemalige Schülerin zur Mäßigung. Sie hält Hass und Lüge für verkehrte Mittel, die Welt zu ändern („Gott sieht uns zu“).

Von einem Balkon des Schlosses beobachten Marie Antoinette und Louis XVI. den festlichen Einzug der Generalstände. Die Königin hält die Einberufung der Versammlung für einen Fehler; der König versucht, zu erklären, dass ihm wegen der zerrütteten Staatsfinanzen keine andere Wahl blieb. Ihr Streit wird belanglos, als sie die Nachricht vom Tod ihres ältesten Sohns erreicht. Beide sind untröstlich. Die Abgesandten der Stände, Herzog von Orléans und Robespierre, verlangen gleichwohl das Erscheinen des Königs vor den Delegierten.

Während sich die Versammlung in Versailles radikalisiert, wächst in Paris die Bereitschaft zum Aufruhr. Nach dem Sturm auf die Bastille wendet sich Margrid Arnaud, inzwischen eine der Führerinnen der beginnenden Revolution, an die Wäscherinnen am Ufer der Seine („Frauen von Paris“). Sie fordert sie auf, nach Versailles zu ziehen, um als Mütter Brot für ihre Kinder zu verlangen. Doch die Frauen sind nicht bereit, die Arbeit liegen zu lassen. Erst als der Herzog von Orléans ihnen Geld bietet, machen sie mit. Auch Männer ziehen sich rasch Frauenkleidung an, um dabei zu sein. Margrid ist empört über den Zynismus des Herzogs, erklärt sich aber trotzdem bereit, den Zug der Frauen anzuführen.