mini|Otto von Taube – Zeichnung von Joachim Lutz 1950 Otto Adolf Alexander Freiherr von Taube (* in Reval; † 30. Juni 1973 in Gauting) war ein deutscher Schriftsteller, Jurist, Kunsthistoriker und Übersetzer.Genealogisches Handbuch der baltischen Ritterschaften. Teil 2, Band 1.2: Estland. Verlag für Sippenforschung und Wappenkunde C. A. Starke, Görlitz 1930, S. 386, Ziffer IX.
Biographie Otto von Taube war ein Nachkomme des alten deutsch-baltischen Adelsgeschlechts derer von Taube und wuchs im Schloss seines Großvaters in Estland auf.Rittergut Jerwakant im Kirchspiel Rappel, Harrien, Estland Die Erinnerungen an diese Zeit schlugen sich in späteren Werken (Aus dem alten Estland (1944) und Wanderjahre (1950)) nieder.
Nach Abschluss der Schulzeit studierte er zunächst Rechtswissenschaften an der Universität Leipzig (Dr. jur. 1902), wechselte jedoch zur Kunstgeschichte (Dr. phil. Universität Halle 1910), da er eine für ihn vorgesehene Beamtenlaufbahn ablehnte. Bald begann er ein Wanderleben. Die Erlebnisse mit Tippelbrüdern und Handwerksburschen verarbeitete er in seinem 1935 fertiggestellten Roman Die Metzgerpost.
Ab 1910 arbeitete er als freier Schriftsteller, intensiv auch für den Leipziger Insel Verlag. In der dortigen Insel-Bücherei gab er u. a. Übertragungen von Ausgewählten Sonetten des portugiesischen Nationaldichters Camões (IB 264) und Calderóns Stück Der Schulze von Zalamea (IB 354) heraus. Taube war eng befreundet mit den Verlagsautoren Hugo von Hofmannsthal und Rudolf Alexander Schröder. Die Begegnung mit ihnen und mit Rainer Maria Rilke, der ebenfalls im Insel Verlag veröffentlichte, schilderte er in seiner 1967 erschienenen Autobiographie Begegnungen und Bilder. Magnus Hirschfeld, ebenfalls ein Freund, nahm ihn 1914 in seine Liste der prominenten homosexuellen Dichter auf.Bernd-Ulrich Hergemöller, Mann für Mann : Ein biographisches Lexikon zur Geschichte von Freundesliebe und männlicher Sexualität im deutschen Sprachraum, Suhrkamp, Frankfurt 2001, ISBN 3-518-39766-4, S. 685 Eine nicht näher definierte Freundschaft verband ihn auch mit dem Archäologen Georg von Brauchitsch.
Als Romanautor debütierte Taube 1913 mit Der verborgene Herbst. 1921 gab er die Erinnerungen von Helene Freifrau von Taube, Am russischen Hof in den Jahren der deutschen Reichsgründung, im Berliner Kentaur-Verlag heraus und veröffentlichte 1925 bei C. H. Beck eine Biographie Rasputins.
Taube war auch befreundet mit Gregor Strasser.Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern. Bände 110–113, 1985, S. 130. Nach dem Kapp-Putsch trat er aus der DNVP aus.Frank-Lothar Kroll (Hrsg.): Die totalitäre Erfahrung: deutsche Literatur und Drittes Reich. Duncker & Humblot, Berlin 2003, S. 64. 1923 bekannte sich Taube in der Zeitschrift Der Türmer zum Nationalsozialismus:
Doch angesichts des Hitlerputsches im selben Jahr erkannte Taube seinen Irrtum und sagte sich vom Nationalsozialismus los. Er begann sogleich mit der Arbeit am Roman Das Opferfest, einer 1926 veröffentlichten humorvoll-bitteren Satire, in der er die Absonderlichkeiten der Deutschtümelei bloßstellte. Während der Zeit des Nationalsozialismus erschien seine zweibändige Geschichte unseres Volkes (1938 und 1942). Er stand auch in KontaktLiterarische Gesellschaft: Brief an Otto Taube, Gräfelfing 1947, in Deutsche Digitale Bibliothek (Volltext), Signatur OvT B 1770. mit der Literarischen Gesellschaft in Gräfelfing und sprach 1934 vor ihrOtto von Taube: Aus eigenen Werken, Vortrag vor der Literarischen Gesellschaft Gräfelfing, Jahrgang 1934/35, (Archiv im Volltext). Er stand im Kontakt zu Adam von Trott zu Solz und war 1940 bei einer konspirativen Besprechung u. a. mit Reinhold Schneider „über die Herbeiführung eines Regierungswechsels“ zugegen.Claudia Mosbach: Die Ohnmacht der Verzweiflung. „Innere Emigration“ am Beispiel Otto von Taubes. In: Frank-Lothar Kroll (Hrsg.): Wort und Dichtung als Zufluchtsstätte in schwerer Zeit. Gebr. Mann, Berlin 1996, ISBN 3-7861-1816-7, S. 55–74, hier S. 56 f., 70. 1943 versteckte die Familie von Taube ein jüdisches Kind.Michael Garleff: . Vortrag auf der Tagung „Das Baltikum. Literatur, Geschichte, Politik“ der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung in Frankfurt am Main am 12. März 2008.
Der polyglotte Taube – er soll acht Sprachen beherrscht haben – war ein vielgefragter Übersetzer. Er übertrug neben dem schon erwähnten Calderon Autoren wie den Heiligen Franziskus von Assisi, William Blake, Stendhal, D’Annunzio und Nikolai Leskow ins Deutsche. Otto von Taubes Bibliographie umfasst 1172 Einträge (Bücher, Beiträge in Zeitungen und Anthologien etc.).
Seit dem 14. Oktober 1918 war er verheiratet mit Marie Freiin von Doernberg (* 7. April 1891 in Altona; † 23. März 1961 in München).Marie Margarethe Hermine Karoline Adelheid Freiin von Dörnberg Das Paar hatte zwei Kinder: Christian (* 1919 in Weimar, gefallen am 3. Mai 1945), sowie Maria (* 1922 in Gauting; † 29. Juli 2013 in Starnberg).Maria von Taube mit 90 Jahren verstorben. Merkur Online, 1. August 2013. Maria Taube lebte nach dem Tod der Mutter bei ihrem Vater.
Ab 1921 bis zu seinem Tod lebte Taube in Gauting bei München, wo er auch begraben wurde.Gerd Otto-Rieke: Gräber in Bayern. Alabasta-Verlag, München 2000, ISBN 978-3-938778-09-8, S. 112.
Ehrungen Das Gymnasium in Gauting trägt seit 1975 den Namen Otto-von-Taube-Gymnasium.
Werke (Auswahl) Gedichtsammlungen Verse (1907) Gedichte und Szenen. Insel Verlag, Leipzig 1908. Licht der Welt. Eine Gedichtsammlung. Chr. Kaiser Verlag, München 1946.
Romane Der verborgene Herbst. Insel Verlag, Leipzig 1913. Die Löwenpranke. Insel Verlag, Leipzig 1921. Das Opferfest. Insel Verlag, Leipzig 1926. Die Metzgerpost. Verlag Friedrich Stollberg, Merseburg 1936. Die Wassermusik. Düsseldorf: August Bagel, 1948. Dokumentationen, Biografisches Das Buch der Keyserlinge. An der Grenze zweier Welten. Lebenserinnerungen aus einem Geschlecht. 1. bis 5. Auflage, S. Fischer, Berlin 1937. Wirkungen Luthers. Berlin: Eckart Verlag 1939. Klage und Jubel. Briefe um den Tod eines jungen Christen. Chr. Kaiser Verlag, München 1946.
Auszeichnungen ordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. 1949–1953: Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. 1952: Dr. theol. h.c. Universität Erlangen 1958: Komtur des Verdienstordens der Republik Italien 1961: Bayerischer Verdienstorden
Nachlass Der mehr als 180 Archivkartons umfassende schriftliche Nachlass von Otto von Taube liegt im Literaturarchiv der Monacensia in München. Ein kleinerer Bestand ist außerdem in der Handschriftenabteilung der Bayerischen Staatsbibliothek vorhanden.
Einzelnachweise
Literatur Abschied von Otto von Taube, hrsg. von der Rudolf Alexander Schröder-Gesellschaft, München 1973. Mit Beiträgen von Alfons Ott, Clemens Podewils, Alfred Rippel, Maria von Taube und Hans Wimmer.
Regina Mosbach: Otto von Taube (1879–1973). Visionismus zwischen Kunstautonomie und Engagement. Frankfurt am Main 1995 (zugl. München, Univ. Diss., 1994). Manfred Rosteck: „Diese leidige Zeit“: Studien zum Werk des baltendeutschen Dichters Otto Freiherr von Taube. Hamburg 1996 (Dissertation Universität: Heidelberg 1996).
Weblinks
Otto von Taube und Hertha Koenig, Pendragon Nachlass von Otto von Taube in der Bayerischen Staatsbibliothek
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