mini|Kardinal François de Tournon mini|Kardinalswappen (moderne Nachzeichnung) François II. de Tournon CRSAnt (* 1489 in Tournon-sur-Rhône; † 22. April 1562 in Saint-Germain-en-Laye) war ein französischer Geistlicher. Er war unter anderem von 1551 bis zu seinem Tod Erzbischof von Lyon.
Leben Seine Eltern waren Jacques de Tournon und Jeanne de Polignac. Er trat schon als Kind dem Orden der Antoniter bei und studierte an der Abtei Saint-Antoine de Viennois.
Papst Leo X. ernannte François de Tournon 1518 zum Erzbischof von Embrun. Als Erzbischof war er 1525 an den Verhandlungen beteiligt, die zum Frieden von Madrid zwischen dem französischen König Franz I. und dem römisch-deutschen Kaiser Karl V. führten. 1519 hatte er zu seinem Erzbischofsamt die Pfründe eines Kommendatar-Abt der Abtei La Chaise-Dieu erhalten, die er bis seinem Tod behielt. Im Januar 1526 wurde er zum Erzbischof von Bourges berufen.
Am 9. März 1530 wurde François de Tournon von Papst Clemens VII. als Kardinalpriester mit der Titelkirche Santi Marcellino e Pietro ins Kardinalskollegium aufgenommen. Er reiste im Auftrag des Papstes nach England, um den dortigen König Heinrich VIII. am Bruch mit der römisch-katholischen Kirche zu hindern. Von Karl V. beeinflusst, exkommunizierte Clemens VII. König Heinrich letztlich. Kardinal de Tournon nahm 1534 am Konklave teil, das Paul III. zum Papst wählte. Dieser ernannte ihn 1538 zum Apostolischen Administrator des Erzbistums Auch. Dieses Amt hatte er bis etwa 1551 inne.
Schon 1534 hatte er die bedeutende Pfründe als Kommendatar-Abt der Abtei Saint-Germain-des-Prés (Paris) übernommen, die er bis zu seinem Tod innehatte. 1537 kam die Pfründe eines Kommendatar-Abt der Benediktiner-Abtei Tournus hinzu. Diese Pfründe gab er jedoch 1547 auf. Von 1540 bis 1551 war er zum Kommendatar-Abt der Abtei Saint-Martin d’Ainay in Lyon berufen worden. 1541 bis 1543 hatte er zudem die Pfründe eines Kommandatar-Abtes der Collegiale Notre-Dame-et-Saint-Laurent d’Eu inne.
François de Tournon wurde 1542 Abt des Klosters Saint-Antoine und damit das Oberhaupt des Antoniter-Chorherrenordens. Allerdings trat er nur vier Jahre später von diesem Amt zurück. Er versuchte ab 1547, den Einfluss der Jesuiten in Frankreich zu bekämpfen, und nahm 1549 bis 1550 am Konklave teil, das Julius III. am 7. Februar 1550 zum neuen Papst wählte. Dieser beförderte ihn am 28. Februar 1550 zum Kardinalbischof des Bistums Sabina und ernannte ihn am 11. Mai 1551 zum Erzbischof von Lyon. Nach dem Tod von Papst Paul IV. im Jahr 1559 stand François de Tournon kurz davor, zu dessen Nachfolger gewählt zu werden. Unter dem schließlich gewählten Pius IV. erhielt er ab 1560 das suburbikarische Bistum Ostia.
Neben seinen kirchlichen Ämtern wurde er von König Heinrich II. in verschiedenen diplomatischen Missionen im Ausland eingesetzt. François de Tournon war der Bauherr des Schlosses in Roussillon (Dépt. Isère), in dem zwei Jahre nach seinem Tod das Edikt von Roussillon unterzeichnet wurde.
François de Tournon wurde nach seinem Tod am 22. April 1562 zunächst in Saint-Germain-en-Laye beigesetzt, wo er im Schloss Saint-Germain-en-Laye gestorben war. 1720 wurde sein Leichnam in die Kapelle des Collège de Tournon (in Tournon-sur-Rhône) überführt, das er 1536 gegründet hatte. Das Collège wurde später als Lycée Gabriel Faure bekannt, vor dem eine Bronzestatue von François de Tournon aufgestellt wurde.
Collège de Tournon Zum ersten Vorsteher der Einrichtung hatte de Tournon nach dessen Gründung 1536 Jean Pélisson (1500–1599) aus Condrieu ernannt, den Verfasser einer lateinischen Grammatik. Im Jahr 1552 wurde das Collège durch Papst Julius III. und König Heinrich II. von Frankreich zur Universität erhoben. Um das Eindringen des Protestantismus unter den Schülern der Anstalt zu verhindern, wurde deren Leitung 1561 den Jesuiten übertragen, woraufhin die Zahl der Studierenden bis auf 1800 anwuchs. Unter diesen befanden sich viele Ausländer. Im Jahr Die Bezeichnung Universität wurde der Einrichtung 1626 durch einen Parlamentsbeschluss abgesprochen. Die Jesuiten leiteten sie bis zur Aufhebung ihres Ordens in Frankreich im Jahre 1764. 1819 wurde das Collège durch Pater Verdet der Regierung übergeben und es wurde ein Teil der Université de France.C. Bursian: Bericht über die von Januar bis August 1878 erschienenen die Geschichte der celassischen Alterthumswissenschaft betreffenden Schriften. In: Jahresbericht über die Fortschritte der klassischen Altertumswissenschaft. S. Calvary, Berlin 1873, S. 95–148, hier S. 133 (, hier ist als Geburtsjahr 1486 angegeben).
Literatur Hippolyte Dijon: L’église abbatiale de Saint-Antoine en Dauphiné: histoire et archéologie. Dom H. Falque & Félix Perris, Grenoble & Alphonse Picard, Paris, 1902, hier S. XXIV. Michel François: Le Cardinal François de Tournon. Homme d’État, Diplomate, Mécène et Humaniste (1489-1562). Boccard, Paris 1951. Alexander Koller: Tournon, François de. In: Lexikon für Theologie und Kirche. Band 10: Thomaschristen bis Zytomyr. 3., völlig neu bearbeitete Auflage, Herder Freiburg im Breisgau / Basel / Rom / Wien 2001, ISBN 3-451-22010-5, Sp. 142–143 ( – hier ist der 21. April 1562 als Todestag angegeben). Gustave Vallier: Armorial des grands maîtres et des abbés de Saint-Antoine de viennois. Typografie et lithografie Barlatier-Feissat Père et Fils, Marseille, 1881, hier S. 57/58.
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