Das Kloster Vinnenberg ist ein ehemaliges Zisterzienserinnen- und Benediktinerinnenkloster, das heute als Seminar- und Exerzitienhaus für geistige Erfahrungen in Trägerschaft des Bistums Münster geführt wird. Es befindet sich im östlichen Münsterland nördlich von Warendorf im Ortsteil Milte, in unmittelbarer Nähe zur Bever. Kloster Vinnenberg ist einer der ältesten Wallfahrtsorte im Bistum Münster und ein Ort der Marienverehrung. Bekannt ist das Kloster vor allem wegen des Vinnenberger Gnadenbildes. Das ehemalige Kloster befindet sich inmitten des Naturschutzgebietes Vinnenberger Busch und des Landschaftsschutzgebietes Am Vinnenberger Busch – Großer Dyk.
Das Exerzitienhaus Das Exerzitienhaus besteht aus zwei Gebäuden: dem Klostergebäude und dem alten Rektorat. Das Klostergebäude hat insgesamt 28 Zimmer: 25 Einzel- und 3 Doppelzimmer mit Nasszelle, davon 2 als kleine Suiten und 2 als Referentenzimmer, 1 Vortragssaal (70 Personen), 4 Seminarräume (10–20 Personen), 1 Gesellschaftsraum mit Teeküche, 1 Refektorium (Speisesaal für 55 Personen), 1 kleines Refektorium, dazu 30.000 m² Klostergarten. Das Alte Rektorat bietet 9 Einzelzimmer (Nasszelle/Bad/WC auf dem Flur für je 2–3 Zimmer), 1 Essküche für 12 Personen, 1 Bibliothek, 2 Meditationsräume (14–26 Personen), 1 Schweigegarten am Wasser, 1 Bad/WC/Küche/Wohnzimmer.
Konzept Das Konzept zur „Erweckung zum neuen Leben“ ruht auf vier Säulen: 1. Säule: Kontinuität des kontemplativen Lebens (Raum und Zeit für Sinnsuche und Gottessehnsucht) Tage der Stille und Exerzitien Kompetente Begleitung für Einzelne und Gruppe Einübung in Gebet und Meditation und Kontemplation Anbetung – jahrhundertealte und neue Gebetsformen 2. Säule: Persönlichkeitsentwicklung (Reifender Glaube – sich wandelndes Leben) Spirituelle Selbst- und Körpererfahrung Pastoralpsychologische Schulung Rituale und religiöse Symbolsprache Training im seelsorgerischen Gespräch, Kommunikation und Beratung Auseinandersetzung mit Literatur, Kunst und Tanz 3. Säule: Erneuerung christlicher Wertorientierung (Herausforderung sehen – ethisch handeln) Wirtschaftsethik: Führungskultur für Menschen in Verantwortung Medizinethik: Umgang mit Grenzerfahrungen des Lebens Neue Quellen im Berufsalltag finden Achtsamkeit üben Nachhaltigkeit erreichen 4. Säule: Kontinuität religiöser Kultur (Das Erbe schätzen und weiterschreiben) Pflege der Wallfahrt und des Pilgerns Erweiterung und Vertiefung des liturgischen Angebots Geistliche Konzerte, Literatur und KunstProgramm des Klosters Vinnenberg 2018.
Für Einzelpersonen gibt es auch noch die Möglichkeit der „Oasentage“, bei denen man die Ruhe der klösterlichen Umgebung mit Wanderungen im Naturschutzgebiet Vinnenberger Busch auf sich wirken lassen kann. Insgesamt arbeiten 15 Angestellte für das Wohl der Gäste.
Bilder
Geschichte Name
Gründung Die Gründung des Klosters Vinnenberg trifft in die Zeit der religiösen Aufbruchbewegung im 13. Jahrhundert. Sehr wahrscheinlich gründeten um 1252 zwei Nonnen aus dem Zisterzienserinnenkloster St. Aegidii in Münster nahe dem Hof Winnenburg/Winnenberg (= Vinnenberg) ein kleines Kloster, mit Namen Mons Mariae (= Marienberg). Erste urkundliche Erwähnungen finden sich aus dem Jahr 1256. Der Münsteraner Bischof Graf Otto II. von der Lippe (1247–1259) übertrug dem Konvent die Milter Pfarrkirche mitsamt dem Recht, den Ortspfarrer einzusetzen.
Das Kloster erlangte für den Neubau und zu seinem Schutz außerordentlich zahlreiche päpstliche und bischöfliche Empfehlungen, weil die Stiftung namentlich jenen nordischen Gegenden zum Frommen gereichen sollte, wie es in der päpstlichen Urkunde von 1256 heißt. In einer Urkunde des gleichen Jahres findet sich der Bezug zum Gutshof Vinnenberg des Ritters Bernhard. Der Bischof übertrug die Rechte des Hofes, den Bernhard von Vinnenberg als sein Lehen besaß, auf das Kloster. Ritter Bernhard hatte in diesem Zuge den Hof allerdings nicht per Schenkung an das Kloster gegeben, sondern ihn an dieses verkauft. Schnell bürgerte sich der Name des Gutes als Name für das Kloster ein. Wurde es in den Urkunden oft noch „Marienberg“ genannt, hieß es in der Bevölkerung nunmehr Kloster Vinnenberg. 1267 erhielt das Kloster einen Hof im Kirchspiel Telgte. 1297 erwarb es Grundbesitz und Häuser in Warendorf. Durch Schenkungen und Ankäufe erwarb das Kloster weiteren Besitz.
Rengering und Vinnenberg, die Doppelgründung an der Bever Die Gründer des Klosters Rengering gründeten weniger als zehn Jahre später das Kloster Vinnenberg in etwa vier Kilometer Entfernung, ebenfalls an der Bever gelegen. Dies lag an den ungünstigen Bedingungen, die das Kloster Rengering in den ersten zehn Jahren nach seiner Gründung vorgefunden hatte: Während die zwei Brüder des Stifters, Bernhard und Johann von Vinnenberg, mit der Stiftung einverstanden waren, suchten zwei andere Verwandte, Hermann und Albero, die junge Stiftung 1252 durch Raub und Brand heim, söhnten sich aber 1253 gegen die Entschädigung von 5 Mark Silbers mit dem Kloster aus.Karl Hölker: Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen. Im Auftrag des Provinzialverbandes herausgegeben von Wilhelm Rave, Provinzialkonservator, 42. Band: Kreis Warendorf. Aschendorffsche Verlagsbuchhandlung, Münster 1936, S. 317. Es wird davon ausgegangen, dass diese frühe Auseinandersetzung die Gründung des Klosters Vinnenberg initiiert oder zumindest befördert hat. Es könnte nicht unwahrscheinlich sein, dass mit der Gründung des Klosters Vinnenberg 1256 das Kloster Rengering aufgegeben werden sollte. Doch 1257 forderte Papst Alexander IV. das Generalkapitel der Zisterzienser auf, das Kloster Rengering auch formal in den Orden aufzunehmen, „nachdem es schon zehn Jahre und mehr die Ordensregeln beobachtet habe“.
Die Klöster Vinnenberg und Rengering sind ca. 4,7 km über den Beverstrang miteinander verbunden. Von dieser Zeit ab bis zu ihrer Aufhebung im Jahr 1810 existierten diese beiden Zisterzienserklöster in unmittelbarer Nähe zueinander. Dies führte dazu, dass das Kloster Rengering sich mehr nach Westen, dem Beverstrom abwärts nach Ostbevern orientierend, entwickelte, während das Kloster Vinnenberg den Blick nach Osten wandte, der Bever aufwärts nach Füchtorf sowie nach Süden in Richtung Milte. Die Entwicklung des Klosters Rengering ist nicht ohne das Kloster Vinnenberg zu erklären und umgekehrt.
Gründungslegende mini|Die Vinnenberger Madonna In mittelalterlich frommer Denkweise berichtet eine alte Legende von der Entstehung des Klosters Vinnenberg. Die beiden wegen des Erbes zerstrittenen Brüder Ritter Bernhard von Rengering und Johannes von Vinnenberg sollen in mondheller Nacht gesehen haben, wie zwei Gestalten ihren Hof abschreiten. Sie identifizierten die Frau und den jungen Mann als Maria und den Apostel Johannes. Die beiden „Vermesser“ ließen sich nach einer Weile auf einem umherliegenden Holzstamm nieder. Als die beiden Ritterbrüder in den Hof liefen, waren die Gestalten aber verschwunden. Lediglich ein roter Seidenfaden fand sich auf dem Holzstamm. Die Brüder deuteten die Vision entsprechend und stifteten ihre Erbteile zu Ehren der Mutter Jesu, Johannes des Täufers und des Apostels Johannes den Schwestern des kleinen Klosters Marienberg „zur erweiterung und Stiftung vorerwänten Jungfrawen Cloisters“. Aus dem Holzstamm ließen sie der Überlieferung nach vier Heiligenfiguren schnitzen: drei Bildnisse der Mutter Gottes und eines der hl. Anna. Das kleinste dieser Bildnisse wurde das bekannte Vinnenberger Gnadenbild: die Mutter Gottes vom Himmelreich, welches seitdem in Vinnenberg verehrt wurde und Vinnenberg zur Pilgerstätte werden ließ.
Mittelalter Vinnenberg ist ein bedeutender Wallfahrtsort des Mittelalters in allen Bistümern Münster, Osnabrück und Paderborn: 1257 gewährt der Bischof von Münster Otto II. von Lippe wie auch im gleichen Jahr der Bischof von Osnabrück Bruno von Isenberg einen Ablass von 40 Tagen vor seine untergebenen Schäflein als Pilgramme nach Vinnenbergh. 1290 wiederholt der Bischof von Münster Everhard von Diest diese Anordnung 1291 stimmt der Bischof von Paderborn Otto von Rietberg zur Vermehrung der Andacht und Gottesfurcht an seine untergebenen Schäflein als Pilgramme nach Vinnenbergh dem 40-tägigen Ablass zu.Antonie Jüngst: Unsere Liebe Frau von Vinnenberg, Münster 1906, S. 12 1296 bestätigt eine Bulle von Bonifatius VIII., die die Siegel von dreizehn Kirchenfürsten trägt, über die verschiedenen Ablässe zu den Tagen: Geburt Christi, Erscheinung des Herrn, Ostern, Christi Himmelfahrt, Pfingsten, an allen Festen der allerheiligsten Jungfrau, an den Festen des Apostels Petrus und Paulus, der Heiligen Johannes, Laurentius, Martinus, des Erzengel Michaels, Allerheiligen, Maria Magdalena, Katharina, Magaretha, der Kirchenpatrone und der Kirchweih. 1297 erhielt das Kloster seinen ersten Grundbesitz in Warendorf, welches sich dann ständig vergrößerte. Viele Schenkungen wurden gegeben und für die Wallfahrt nach Vinnenberg wurde von Bischöfen und Päpsten mit besonderen Ablässen gefördert. Die erste Äbtissin, von der die Chronik berichtet, war eine gewisse Angela. Sie habe ihr Kloster in „aller auferbawiligkeit und geistigen eyffer regiret“ und sei 1301 gestorben. Von dieser Zeit schließt sich lückenlos eine Reihe von 28 Äbtissinnen in der Chronik an.Kirche+Leben, Offizialatsbezirk Oldenburger, Woche vom 31. Juli bis 6. August 1966, 21. Jahrgang / Nr. 31 / S. 13 Das Kloster Vinnenberg übte das Patronatsrecht in Milte aus. Es stellte das Kirchenpersonal und sorgte auch materiell für die Pfarrkirche. Zahlreiche Bauern der Ortschaft Milte waren dem Kloster hörig und verpflichtet. Bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts war das Kloster eine Zisterzienserinnenabtei und dem Kloster Marienfeld in Marienfeld unterstellt.
Im 15. Jahrhundert war ein innerer und äußerer Niedergang durch die Einbindung des Klosters in die Wirtschafts- und Gesellschaftsstrukturen der Zeit eingetreten. Die Nonnen waren zum Teil verweltlicht und einzelne besaßen Sondereigentum. Auf Initiative des Münsteraner Bischofs Johann und des Liesborner Abts Heinrich von KleveHelmut Müller: Die Bistümer der Kirchenprovinz Köln. Das Bistum Münster 5. Das Kanonissenstift und Benediktinerkloster Liesborn. Germania Sacra Neue Folge 23, 1987, S. 244 gelang es Äbtissin Ursula Swaneken 1465 im Rahmen der Erneuerung des klösterlichen Lebens, den Konvent in eine Benediktinerabtei umzuwandeln. Ab 1468 gehörte sie zur Bursfelder Kongregation und wurde nun dem Kloster Liesborn unterstellt.
Der Konvent besaß umfangreichen Güterbesitz in und um Milte und war Grundherr vieler Milter Bauern und Familien in der Umgebung. Der Güterbesitz des Klosters wurde vermutlich ab 1465 systematisch schriftlich notiert. Neben dem Wechselbuch, das von 1465 bis 1610 reicht, haben sich u. a. alte Einkünfteregister (von 1503) und ein altes Lagerbuch (von 1567) erhalten. Gleichzeitig war das Kloster selbst ein ansehnlicher Gutshof mit zahlreichen Wirtschaftsgebäuden: einer Mühle, einer Ölmühle, einer Brauerei, einem Wollhaus und großem Viehbestand. Angestellte Knechte und Mägde erledigten die schwere landwirtschaftliche Arbeit des Nonnenkonvents. Am Palmsonntag des Jahres 1550, vormittags um 10 Uhr brannte das Kloster ab. Nach mühsamem Aufbau verwüstete wieder ein Feuer 1568 die Klosteranlage. Doch jedes Mal wurde neu aufgebaut. Den Benediktinerinnen von Liesborn ist es zu verdanken, dass die Stürme der Reformation ohne größeren Schaden an dem Kloster (Bildersturm) vorübergegangen sind.
Dreißigjähriger Krieg und die schwere Folgezeit Die wirtschaftliche Situation im Dreißigjährigen Krieg war verheerend, sodass das Kloster oft zur Beute der marodierenden Soldateska wurde. 1639 wurde Anna Maria Plönies Äbtissin des Klosters. Durch die Initiierung und Beförderung der Vinnenberger Wallfahrt wird das Kloster vor dem Ruin bewahrt.
Säkularisation und Restauration