Das Massaker von Katyn (Originaltitel: Katyń) ist ein 2007 uraufgeführter Film des polnischen Regisseurs und Oscar-Preisträgers Andrzej Wajda über das Massaker von Katyn. Der Film basiert auf dem Buch Post mortem. Opowieść katyńska (Post mortem. Erzählung von Katyn) von Andrzej Mularczyk.
Am 17. September 2007, dem 68. Jahrestag des Einmarsches der Roten Armee in Ostpolen am 17. September 1939, kam Katyń in die polnischen Kinos und wurde auch von ganzen Schulklassen besucht. Er wurde Pflichtprogramm für die Angehörigen der polnischen Streitkräfte.Dlaczego „Katyń“ bije rekordy oglądalności? histmag.org, 8. Oktober 2007. Der Film wurde u. a. für den Oscar des Jahres 2008 (bester fremdsprachiger Film) nominiert.
Die Berlinale-Premiere des Films am 15. Februar 2008 wurde unter anderem von Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht.Deutsche im Rücken, die Russen vor sich. In: Berliner Zeitung, 16. Februar 2008. Zitat: „Die politische Grundlage dieses Massakers war der Hitler-Stalin-Pakt von 1939“. Am 17. September 2009, dem 70. Jahrestag des sowjetischen Einmarsches in Polen, lief der Film in deutschen Kinos an. Bereits im Jahr zuvor, am 25. April 2008, hatte das Berliner Hackesche Höfe Kino Das Massaker von Katyn im Rahmen der 3. Ausgabe des Festivals filmPOLSKA gezeigt. Aus Anlass des Andrzej-Wajda-Jahres 2026 widmete das 21. Festival dem Regisseur zu dessen 100. Geburtstag eine Retrospektive mit Spezialveranstaltung,filmPOLSKA spezial: Andrzej-Wajda-Jahr 2026. Aufgerufen am 11. September 2026. und so kam es im Rahmen von filmPOLSKA 2026 gemeinsam mit dem Veranstalter des Festivals, dem Polnischen Institut Berlin, am 10. September 2026 im Dokumentationszentrum der Stiftung Topographie des Terrors zu einer Aufführung des Spielfilms mit anschließendem Podiumsgespräch mit der Historikerin Claudia Weber.Das Massaker von Katyn | Katyń. Im Anschluss Podiumsgespräch zum Spielfilm mit Prof. Dr. Claudia Weber, Frankfurt/Oder, und Andreas Mix, Berlin. Aufgerufen am 11. September 2026.
Handlung
September 1939. Auf einer Brücke treffen polnische Flüchtlinge aus dem Westen, die vor den deutschen Truppen flüchten, auf polnische Flüchtlinge aus dem Osten, die vor der sowjetischen Besetzung flüchten. Polen ist geteilt. 14.000 polnische Offiziere kommen in sowjetische Gefangenschaft. Ihre Angehörigen erhalten nur wenige Informationen durch zensierte Briefe über ihren Verbleib. Unter den Gefangenen ist Andrzej. Sein Vater ist Professor an der Jagiellonen-Universität in Krakau. Seine Frau Anna flüchtet mit Töchterchen Nika über die Brücke in den Osten und findet ihn schließlich unter den Gefangenen in einem Lager. Sie kann Andrzej jedoch nicht zur Flucht überreden, da er seinen Fahneneid nicht brechen will. Anna kann schließlich dank der Hilfe eines Offiziers der Roten Armee nach Krakau zurückkehren.
Im Rahmen der Sonderaktion Krakau werden währenddessen sämtliche Professoren von den Nationalsozialisten verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt. Andrzejs Vater, der sich ebenfalls unter den gefangen genommenen Professoren befindet, stirbt schließlich im KZ Sachsenhausen. Die Offiziere in sowjetischer Gefangenschaft werden in Lager abtransportiert. 1943 wird die Bevölkerung von den deutschen Besatzern über das Verbrechen von Katyń informiert. Listen mit den Namen der toten polnischen Offiziere werden veröffentlicht. Andrzej erscheint nicht auf der Liste und so bleibt Anna und ihrer Schwiegermutter die Hoffnung auf seine Rückkehr. Die Nationalsozialisten nutzen das Verbrechen der Sowjetunion für ihre Propaganda.
Nach dem Krieg übernehmen die Sowjetunion und die polnischen Kommunisten die Macht in Polen. Die Krakauer Bevölkerung muss nun die Propaganda über sich ergehen lassen und hinnehmen, dass behauptet wird, die Deutschen hätten die polnischen Offiziere ermordet. Mit den sowjetischen Truppen kehrt auch Jerzy, ein ehemaliger Offizier aus Andrzejs Regiment, zurück nach Krakau, obwohl er auf der Katyń-Liste stand. Nun ist er Major der Polnischen Volksarmee. Er informiert Anna über den Tod ihres Mannes, denn dieser hatte seinen Pullover getragen, in den der Name Jerzys gestrickt war, weshalb Jerzy irrtümlich auf die Katyń-Liste gekommen war. Einige Zeit später erhält Anna die Tagebuchaufzeichnungen ihres Mannes. Sie beweisen, dass die Offiziere von sowjetischer Seite ermordet wurden. Erst jetzt zeigt Wajdas Film die Ermordung der polnischen Offiziere in 20 Minuten. Einzeln werden die Gefangenen mit Schüssen in den Hinterkopf erschossen. Der General wird in einem Kellerraum gedemütigt und exekutiert.Andrzej Wajdas Vater, Hauptmann Jakub Wajda, gehörte zu den Kriegsgefangenen des Lagers Starobielsk, er wurde mit seinen Kameraden in einem NKWD-Keller in Charkow erschossen. Wajda erinnert mit der Szene vom General an das Schicksal seines Vaters. welt.de Die Toten werden in Massengräbern verscharrt. Der Film endet mit dem Zuschütten der Gräber durch eine Planierraupe.
Musik Der Soundtrack stammt von Krzysztof Penderecki, der wie Wajda nahe Angehörige in Katyn verloren hat. Die Musik besteht aus Elementen seiner 2. und 3. Symphonie für Orchester (1980 und 1995) sowie seinem Polnischen Requiem (1984),welt.de wurde aber passagenweise auch von ihm neukomponiert.
Kritiken
Ausstrahlung im russischen Fernsehen
miniatur|Wajda 2006 bei den Aufnahmen
Im April 2008 wurde der Film auf dem Moskauer Filmfestival gezeigt, die Vorführung sahen 1600 Zuschauer, unter ihnen auch ranghohe Vertreter des Präsidialamtes. Allerdings bemühte sich das Polnische Kulturinstitut in Moskau vergeblich, den Film in die Kinos zu bringen. Andrzej Wajda pokazał "Katyń" w Moskwie gazeta.pl, 19. März 2008.
Im Vorfeld des Treffens zwischen dem russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin und seinem polnischen Amtskollegen Donald Tusk zum 70. Jahrestag des Massakers von Katyn strahlte der russische Fernsehkanal Kultura am 2. April 2010 im Spätprogramm erstmals Wajdas Film aus.Sensacionnaja prem'era na telekanale Kul'tura vesti.ru, 3. April 2010.
Der polnische Präsident Lech Kaczyński, der als scharfer Kritiker Russlands galt, reiste drei Tage nach dem Treffen von Putin und Tusk am 10. April 2010 zu einer rein polnischen Gedenkfeier nach Katyn. Auf dem Weg zu dieser vom Rat zur Bewahrung des Gedenkens an Kampf und Martyrium organisierten Veranstaltung verunglückte die Präsidentenmaschine. Alle 96 Insassen – darunter Kaczyński, dessen Ehefrau Maria und zahlreiche ranghohe Repräsentanten des Landes – fanden dabei den Tod.
Aus Anlass des Unfalls berichteten die russischen Medien auch über das Massaker von Katyn. Die russische Staatsführung sorgte dafür, dass Andrzej Wajdas Film am Abend nach dem Unfall erstmals im landesweit zu empfangenen Staatsfernsehen gezeigt wurde. Dadurch erfuhren viele Russen zum ersten Mal vom Massaker von Katyn.Mitgefühl auch ein Jahr danach. In: faz.net, 11. April 2011. Zitat: „Umfragen des Lewada-Zentrums hatten noch im März 2010 ergeben, dass der Hälfte der Russen das Verbrechen von 1940 unbekannt war und dass zwei Drittel derer, die etwas davon gehört hatten, noch immer die sowjetische Propagandalüge glaubten, dieser Massenmord sei eine deutsche Tat. Ende April gaben dann drei Viertel der Befragten an, über ‚Katyn‘ Bescheid zu wissen, und nur noch ein Viertel meinte, dass die polnischen Offiziere Opfer der Deutschen gewesen seien.“ Nach Angaben der Sender haben den Film 14 Millionen Russen im Fernsehen gesehen.
Wajda erhielt im Dezember 2010 für seinen Beitrag zur polnisch-russischen Verständigung aus der Hand von Staatspräsident Dmitri Medwedew den Freundschaftsorden der Russischen Föderation.Wajda o rosyjskim odznaczeniu: budowanie mostów między Polską i Rosją gazeta.pl, 4. Dezember 2010.
Auszeichnungen 2008 – Nominierung für den Oscar in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film 2008 – 7 Siege (bei 14 Nominierungen) bei der Verleihung des Polnischen Filmpreises Orzeł
Literatur Cordula Kalmbach: Das Massaker erinnern: Katyn als lieu de mémoire der polnischen Erinnerungskultur. Peter Lang Edition, Frankfurt a. M. 2015, ISBN 978-3-631-65871-0, S. 119–140. (Kapitel VIII: Ein besonderes Denkmal: Andrzej Wajdas Film ›Katyn‹ als cinematografisches Denkmal) Thomas Urban: Katyn 1940. Geschichte eines Verbrechens. C. H. Beck, München 2015, ISBN 978-3-406-67366-5. Andrzej Wajda: Katyń. Prószyński, Warschau 2007, ISBN 978-83-7469-555-8. Von Wajda kommentiertes Drehbuch (polnisch). Magdalena Saryusz Wolska: Zur Rezeption von Andrzej Wajdas Film ›Das Massaker von Katyń‹. In: Historie. Jahrbuch des Zentrums für Historische Forschung Berlin, 3 (2010), S. 241–260.
Weblinks
Offizielle deutschsprachige Website Offizielle Website (polnisch und englisch)
Filmweb (polnisch) Filmprofil auf cineuropa.org Anne Applebaum: Filmreview. In: The New York Review of Books (englisch)
Fußnoten
Kategorie:Filmtitel 2007 Kategorie:Polnischer Film Kategorie:Zweiter Weltkrieg im Film !Film Kategorie:Kriegsfilm Kategorie:Andrzej Wajda