mini|hochkant=1.2|Der Titusbogen (Ostseite) am Ausgang des Forum Romanum
Der Titusbogen () ist ein eintoriger Triumphbogen auf der Velia, einem Hügel in Rom. Er ist der älteste erhaltene Triumphbogen der antiken Stadt und gehört heute zum archäologischen Gelände des Forum Romanum und des Palatin. Er ist Vorbild anderer Triumphbögen, so auch des Arc de Triomphe in Paris.
Kaiser Domitian ließ den Titusbogen in seinen ersten Amtsjahren errichten, um damit seinen verstorbenen Bruder und Vorgänger Titus zu ehren. Domitian hatte die Vergöttlichung des Titus nach dessen Tod 81 n. Chr. zügig durchgesetzt. Der Titusbogen, der zeitnah erbaut wurde, feiert diese Aufnahme des Titus unter die Götter. Er bezieht sich auf den gemeinsamen Triumph, der Titus und Vespasian im Sommer des Jahres 71 für ihren Sieg über Judäa gewährt wurde. Dieses damals gut zehn Jahre zurückliegende Ereignis wird aus zwei Gründen in Erinnerung gerufen: Der Triumph zu Lebzeiten weist voraus auf die Apotheose nach dem Tod, und die Beutestücke aus dem Jerusalemer Tempel erinnern an den größten Erfolg des Titus, die Eroberung Jerusalems im Jahr 70. Sie begründen, warum Titus unter die Götter aufgenommen wurde. Domitians Interesse dabei war die Verherrlichung der flavischen Dynastie, der er selbst angehörte, somit seine Herrschaftssicherung.
Es gab einen älteren, schon zu Lebzeiten des Titus errichteten ersten Titusbogen im Circus Maximus, der aber im Mittelalter abgetragen wurde.
Beschreibung des Monuments Lage Der Bogen steht auf der Höhe der Velia30,28 m über dem Meeresspiegel, gemessen an der Oberkante des Travertinfundaments. und am Kreuzungspunkt dreier Straßen: via sacra, via nova und clivus Palatinus.Michael Pfanner: Der Titusbogen, Mainz 1983, S. 101. Zugleich markiert er den Schnittpunkt dreier Regionen: Regio IV (Templum Pacis), Regio VIII (Forum Romanum) und Regio X (Palatium). Wahrscheinlich wurde er selbst der Regio IV zugerechnet.Michael Pfanner: Der Titusbogen, Mainz 1983, S. 13.
Inschriften Die an der Ostseite erhaltene antike Widmungsinschrift lautet:; Michael Pfanner: Der Titusbogen, Mainz 1983, S. 16.
mini|Dedikationsinschrift (Ostseite) mini|Vorderseite: Der vergöttlichte Titus (Divus Titus) auf kurulischem Stuhl, Rückseite: Kolosseum (Münzprägung Domitians, 81/82 n. Chr., Münzkabinett Berlin)
„SENATUS POPULUSQUE ROMANUS DIVO TITO DIVI VESPASIANI F(ILIO) VESPASIANO AUGUSTO“
(Der Senatund das Volk von Rom für den vergöttlichten Titus, den Sohn des vergöttlichten Vespasian, den Vespasian Augustus)
Diese vierzeilige Inschrift ist auf einer Tafel angebracht, welche aus drei Marmorplatten unterschiedlicher Größe besteht. Ursprünglich waren Bronzebuchstaben daran befestigt, d. h. wahrscheinlich an vorgefertigten Löchern aufgesteckt. Die Buchstabenhöhe nimmt von der ersten bis zur vierten Zeile ab. Die Verteilung der Buchstaben ist relativ ungeschickt, vor allem am Ende der dritten Zeile: Dort musste aus Platzmangel die Rahmenbreite reduziert werden.Michael Pfanner: Der Titusbogen, Mainz 1983, S. 16.
Von einer identischen Inschrift an der Westseite ist auszugehen. Der Text entspricht völlig dem Wortlaut, der bei der Widmung an einen vergöttlichten Kaiser üblich war. Es ist somit möglich, die Erbauung des Bogens nach dem Tod des Titus (13. September 81) und nach dessen von seinem Bruder und Nachfolger Domitian zielstrebig verfolgter Divinisierung zu datieren. Auf Münzen, die 81 und 82 geprägt wurden, ist Titus bereits als Divus dargestellt. Wahrscheinlich war die Vergöttlichung des Titus auch der Anlass für den Bau des Titusbogens; somit kann diese Baumaßnahme wohl in die ersten Regierungsjahre Domitians datiert werden (82 n. Chr. oder kurz danach).Michael Pfanner: Der Titusbogen, Mainz 1983, S. 91 f.
Anstelle der verlorenen antiken Inschrift der Westseite wurde bei der Restaurierung des Titusbogens 1823 eine sechszeilige Inschrift mit Bronzebuchstaben neu angebracht:Michael Pfanner: Der Titusbogen, Mainz 1983, S. 10.
mini|Restaurationsinschrift (Westseite)
„INSIGNE RELIGIONIS ATQUE ARTIS MONUMENTUM VETUSTATE FATISCENS PIUS SEPTIMUS PONTIFEX MAX NOVIS OPERIBUS PRISCUM EXEMPLAR IMITANTIBUS FULCIRI SERVARIQUE IUSSIT ANNO SACRI PRINCIPATUS EIUS XXIIII“
(Das bedeutende Denkmal der Religion und der Kunst, das durch sein Alter zu verfallen begann, hat Papst Pius der Siebente mit neuen Bauarbeiten, die das alte Vorbild nachbilden, stützen und erhalten lassen im Jahre seines heiligen Prinzipats 24.Übersetzung nach Klaus Bartels: Roms sprechende Steine. Inschriften aus zwei Jahrtausenden gesammelt, übersetzt und erläutert. 4. Auflage, Philipp von Zabern, Darmstadt/Mainz 2012, ISBN 978-3-8053-4478-4, S. 53.)
Die Inschrift dokumentiert das nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft erstarkte Selbstbewusstsein des Papstes. „Die Monumentalinschrift spiegelt Titus’ Monumentalinschrift. Durch ihre schiere Größe, die gewählte Schriftart, ihren Ort und ihre Länge erklärt sie Pius VII. für gleichwertig mit Titus, wenn nicht ihm überlegen.“Marina Caffiero: Valadier at the Arch of Titus: Papal Reconstruction and Archeological Restoration under Pius VII. In: Steven Fine (Hrsg.): The Arch of Titus. From Jerusalem to Rome – and Back, Leiden/Boston 2021, S. 103–114, hier S. 108.
Architektur Der Bogen ist etwa 14,50 Meter hoch, 13,50 Meter breit und 4,75 Meter tief. Die Bauausführung des Titusbogens war allerdings recht ungenau, und bei der Restaurierung des Bogens im frühen 19. Jahrhundert wurde dieser teilweise abgetragen und neu aufgebaut.Michael Pfanner: Der Titusbogen, Mainz 1983, S. 9 f. und 22.
Auf einem mindestens 4 Meter tiefen Gussfundament mit Bretterverschalung, das abwechselnd aus Kalkstein- und Basaltsteinlagen gefügt wurde, erhebt sich das aufgehende Mauerwerk des Bogens. Es besteht aus Travertinblöcken, die mit Marmor verkleidet wurden. Unten, für den Betrachter gut sichtbar, kam Pentelischer Marmor zum Einsatz, über dem Architrav der weniger kostbare Lunensische Marmor. Um das Gewicht über dem Gewölbe zu reduzieren, wurde eine Attikakammer eingezogen.Michael Pfanner: Der Titusbogen, Mainz 1983, S. 16 und 19.
Der Bogen hat sowohl horizontal als auch vertikal einen klaren dreiteiligen Aufbau:Michael Pfanner: Der Titusbogen, Mainz 1983, S. 20 f.
mini|Ostfassade des Titusbogens mit Tür im Nordpylon
Horizontal:
oben: Attika, Mitte: Säulenordnung mit Gebälk, unten: Sockel.
Die Trennlinien sind hier durch die jeweiligen Abschlussgesimse betont.
Vertikal: Zwei Pylone mit zurückspringenden Attikaflächen flankieren den Durchgang mit seinem vorspringenden Gebälk und der Inschrifttafel. Die vertikalen Trennlinien werden durch vier Frontsäulen und Verkröpfungen in Gebälk und Attika betont. Weitgehend glatte Außenfassaden kontrastieren mit der reichen Ornamentik und Reliefierung des Durchgangs.
An der Ostseite des Nordpylons befindet sich eine Tür, durch die man über eine Treppe in die Attikakammer und aufs Dach gelangt. Der Ansatz der Treppe ist römisch, der Rest wurde, ebenso wie die geziegelte und eingewölbte Attikakammer und das Dach (Kopfsteinpflaster), bei der Restaurierung im frühen 19. Jahrhundert ergänzt.Michael Pfanner: Der Titusbogen, Mainz 1983, S. 19.
Bauornamentik Basen, Sockel, Abschlussgesimse, Kämpfer und Rahmen weisen schmucklose Profile auf.
Die beiden Triumphzug-Reliefs im Durchgangsbogen sind von je zwei Pilastern flankiert, die vorspringende Kämpferkapitelle tragen: Aus einer Akanthusstaude wächst jeweils ein Stamm, von dem volutenförmige Ranken abgehen, die in Blüten oder Tierkörpern enden (erkennbar sind Ziege, Hase, Hund, Löwe und Esel). Vogelpaare sitzen in den einzelnen Etagen; Adler auf Blitzbündeln bekrönen die Pilaster. Die Ausführung ist sehr unterschiedlich, was als Defizit an Koordination und Planung, aber auch als Virtuosität und Abwechslungsreichtum beurteilt werden kann.Michael Pfanner: Der Titusbogen, Mainz 1983, S. 25–29.
mini|Kassettendecke im Inneren des Bogens
Das Gewölbe hat eine Kassettendecke von 7 × 15 Feldern, von denen das Scheitelrelief (siehe unten) 3 × 3 Felder ausfüllt. Die qualitätvollere Arbeit findet sich im unteren Bereich, während weiter oben schlechtere Steinmetzen eingesetzt wurden. Da am Bau gearbeitet wurde, hatten diese auch die schlechteren Arbeitsbedingungen. Sie standen auf der obersten Plattform eines im Durchgang eingezogenen Gerüsts und bearbeiteten Gewölbepartien auf bzw. über Kopfhöhe. Dabei lieferten sie entsprechend „monotone und qualitätslose“ Ornamentik ab. Zeitdruck erzwang schließlich den Abbruch der Kassettierungsarbeiten.Michael Pfanner: Der Titusbogen, Mainz 1983, S. 32.
Weitere Ornamentik findet sich an den beiden Schlusssteinen des Torbogens und den insgesamt acht kannelierten Säulen. Von ihren Kapitellen sind nur zwei bauzeitlich, und zwar die beiden Durchgangskapitelle der Ostseite. Sie galten lange, wenn auch unzutreffend, als früheste Beispiele der Verbindung von ionischem und korinthischem Kapitell zum Kompositkapitell. Ebenfalls an der Ostfassade blieb ein Teil des Gebälks erhalten. Es zeigt Akanthusstauden, aus welchen Ranken sprießen, die in Blüten enden, aus denen wiederum Tiere hervorgehen, und zwar abwechselnd Huftiere und Pfoten/Tatzentiere.Michael Pfanner: Der Titusbogen, Mainz 1983, S. 36 f.
Das gesamte Attika-Abschlussgesims ist eine moderne Ergänzung nach dem Vorbild des Trajansbogens von Ancona.Michael Pfanner: Der Titusbogen, Mainz 1983, S. 23.
Reliefschmuck Durchgangsreliefs
mini|Triumphatorrelief mini|Beuterelief
Innerhalb des Gewölbes befinden sich zwei große Bildtafeln: Triumphatorrelief (Nordseite): Kaiser Titus bewegt sich, bekränzt von der Siegesgöttin Victoria, auf einer Quadriga vorwärts. Die kriegerisch gekleidete Virtus, das tapfere Verhalten im Krieg, führt die Pferde an. Honos, die Verkörperung der ehrenvollen Bürgertugend, sowie zwölf Liktoren begleiten den Zug. Im Bildprogramm des Titusbogens ist der Triumphzug von 71 jenes Ereignis in der Biografie des Titus, das zu seinen Lebzeiten auf seine Apotheose vorausweist.Barbara Eberhardt: Wer dient wem? Die Darstellung des flavischen Triumphzuges auf dem Titusbogen und bei Josephus (B.J. 7.123–162). In: Joseph Sievers, Gaia Lembi (Hrsg.): Josephus and Jewish History in Flavian Rome and Beyond (= Supplements to the Journal for the Study of Judaism. Band 104). Brill, Leiden 2005, S. 257–277, hier S. 262 f. Der Triumphzug selbst wird in der antiken Literatur detailliert von Flavius Josephus beschrieben.