mini|hochkant|Das Expeditionsschiff Quest Die Quest-Expedition (offizieller Name: Shackleton-Rowett-Expedition 1921–1922) war eine Forschungsreise in die Antarktis und zugleich die letzte Expedition des Polarforschers Ernest Shackleton. Die von dem englischen Geschäftsmann John Quiller Rowett finanzierte Entdeckungsfahrt ist nach dem Forschungsschiff Quest benannt. Obwohl Shackleton die Umrundung des antarktischen Kontinents und die Suche nach „verschollenen“ subantarktischen Inseln als Ziele genannt hatte,Huntford: Shackleton. 1985, S. 684. blieb der genaue Zweck dieser nach eigenen Worten Fisher: Shackleton. 1957, S. 446: . in Bezug auf wissenschaftliche Erkenntniserweiterungen weitgehend unklar. Noch vor dem Erreichen des Zielgebiets starb Shackleton in Grytviken auf der südatlantischen Insel Südgeorgien an einem Herzinfarkt.

Unter der Leitung von Shackletons Stellvertreter Frank Wild wurde die Expedition mit einem verkürzten Programm fortgesetzt. Die Quest erwies sich jedoch aufgrund ihrer geringen Größe und der schwachen Motorisierung als ungeeignet, weit in das antarktische Packeis vorzustoßen. Stattdessen ließ Wild das Schiff Kurs auf Elephant Island nehmen, wo sechs Jahre zuvor 21 gestrandete Teilnehmer der Endurance-Expedition mehrere Monate auf ihre Rettung gewartet hatten. Im Anschluss daran sollte die Quest für einen weiteren Vorstoß ins Packeis in Kapstadt überholt werden. Dort erreichte Wild und die anderen Expeditionsteilnehmer die in den Quellen unbegründete Order von Rowett, die Expedition abzubrechen und nach England zurückzukehren.

Obwohl der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn kaum erwähnenswert ist, so ist die Reise zumindest von historischer Bedeutung. Sie markiert das Ende des sogenannten Goldenen Zeitalters der Antarktis-Forschung und den Übergang zu einer technischen Epoche antarktischer Forschungsreisen. Das Ereignis, durch das die Expedition der Öffentlichkeit in Erinnerung blieb und das den Ablauf der Reise überschattete, war der plötzliche Tod Ernest Shackletons.

Vorgeschichte und erste Planung mini|hochkant|Ernest Shackleton (links) und John Quiller Rowett an Bord der Quest Shackleton kehrte von der Endurance-Expedition, bei der er durch seinen persönlichen Einsatz alle Expeditionsteilnehmer vor dem sonst sicheren Tod bewahrt hatte, im Mai 1917 in das unter dem Eindruck des Ersten Weltkriegs stehende England zurück. Obwohl er eigentlich schon zu alt dafür war, meldete er sich als Kriegsfreiwilliger und wurde im Rang eines Majors auf eine Militäroperation nach Nordrussland geschickt.Mill: The Life of Sir Ernest Shackleton. 1923, S. 257. Wenig zufrieden mit seinen Aufgaben schrieb er nach Hause: Fisher: Shackleton. 1957, S. 435: Nach Kriegsende kehrte Shackleton im März 1919 nach England zurück. Er hoffte auf finanzielle Gewinne durch die Gründung eines Unternehmens, das sich um die wirtschaftliche Förderung der nordwestrussischen Region bemühen sollte.Fisher: Shackleton. 1957, S. 437. Zu diesem Zweck begab er sich auf die Suche nach weiteren Investoren, doch alle Planungen kamen nach der Machtübernahme der Bolschewiki im Zuge des Russischen Bürgerkriegs zum Erliegen.Huntford: Shackleton. 1985, S. 671–672. Während der folgenden fünf Monate um den Jahreswechsel 1919/1920 hielt Shackleton in der Philharmonic Hall in London zweimal täglich an sechs Tagen pro Woche Vorträge über die Endurance-Expedition.Fisher: Shackleton. 1957, S. 441.Sir Ernest Shackleton - marvellous moving pictures, Veranstaltungsplakat zu Shackletons Vorträgen in der Philharmonic Hall in London. University of Exeter. Abgerufen am 7. März 2012. Zunehmend ermüdet von dieser Tätigkeit begann er trotz hoher Schulden aus vorangegangenen Unternehmungen, die Möglichkeiten zu einer weiteren Expeditionsreise auszuloten.Mill: The Life of Sir Ernest Shackleton. 1923, S. 268.

Shackleton plante, eine Reise in die Arktis zu unternehmen, Fisher: Shackleton. 1957, S. 443: Dieses Gebiet nördlich von Alaska und westlich des kanadisch-arktischen Archipels war zu diesem Zeitpunkt noch weitgehend unerforscht. Aufgrund bereits existierender Aufzeichnungen zu Gezeitenströmungen vermutete Shackleton dort große Landmassen, die Fisher: Shackleton. 1957, S. 442: wären. Außerdem hoffte er, erstmals den nördlichen Pol der Unzugänglichkeit zu erreichen.Wild: Shackleton’s Last Voyage. 1923, 2. Im März 1920 wurden seine Pläne von der Royal Geographical Society befürwortet und fanden auch bei der kanadischen Regierung Unterstützung. In der Folgezeit bemühte sich Shackleton um die Finanzierung seines Vorhabens, dessen Kosten er zunächst mit £ 50.000 (heute rund £  [£ 1 =  €])Berechnung mit Hilfe von Vorlage:Inflation und Vorlage:Wechselkurs. bezifferte.Fisher: Shackleton. 1957, S. 443. Dabei traf er seinen alten Schulfreund aus der Zeit am Dulwich College, den erfolgreichen Geschäftsmann John Quiller Rowett (1874–1924). Dieser stellte ihm ein Startkapital zur Verfügung, mit dem Shackleton den norwegischen Robbenfänger Foca I und weitere Ausrüstung kaufen sowie mit der Anwerbung von Expeditionsteilnehmern beginnen konnte.Mill: The Life of Sir Ernest Shackleton. 1923, S. 269–270.

Im Mai 1921 zeichnete sich bei der kanadischen Regierung aufgrund einer angespannten Haushaltslage ein Umdenken ab. Nach einer Reihe von Telegrammen zwischen Shackleton und dem kanadischen Premierminister Arthur Meighen zog die Regierung ihre Zusage, die Expedition finanziell zu unterstützen, zurück.Huntford: Shackleton. 1985, S. 680–682. Statt alle Planungen aufzugeben, entschloss sich Shackleton zu einer Neuorientierung. Mitte Mai informierte er seinen alten Gefährten Alexander Macklin, der sich zu dieser Zeit in Kanada zum Kauf von Schlittenhunden für die Expedition aufhielt, dass das neue Ziel die Antarktis sei, um dort ozeanografische Forschungsarbeiten und solche zur Küstenkartografie sowie Studien zum Vorkommen an Mineralien durchzuführen.Fisher: Shackleton. 1957, S. 442–445.

Vorbereitungen Neuausrichtung, Finanzierung und Ausrüstung der Expedition mini|hochkant|Frank Wild auf der Mastspitze der Quest mit dem elektrisch beheizbaren AusguckLow-Latitude Antarctic Gazetteer (Site No. 280): Das Krähennest befindet sich heute als Kanzel in der Kirche „All Hallows-by-the-Tower“ in London. Bereits vor dem Rückzug der kanadischen Regierung hatte Shackleton Überlegungen zu einer Antarktisexpedition anstelle einer Reise in die Beaufortsee angestellt. Laut der späteren Aussage seines Freundes Hugh Robert Mill (1861–1950), eines langjährigen Bibliothekars der Royal Geographical Society, hatte er schon im März 1920 unterschiedliche Pläne ausgearbeitet. Als Alternative zur Expedition in die Beaufortsee hatte Shackleton nach eigener Aussage Mills: Frank Wild. 1999, S. 287: vorgesehen. Dazu gehörte die Suche nach „verschollenen“ oder falsch kartografierten subantarktischen Inseln (zum Beispiel Dougherty Island und die Nimrod-Gruppe),Shackleton’s Search for Antarctic Islands of Doubt. In: New York Times. 3. Juli 1921, S. 68. Abgerufen am 19. Januar 2010. die Untersuchung der mineralischen Vorkommen auf diesen Inseln und ein umfangreiches wissenschaftliches Forschungsprogramm. Letzteres beinhaltete Tiefenmessungen vor der Gough-Insel, um einer vermuteten bathyalen Kontinentalverbindung zwischen Afrika und Südamerika nachzugehen.Shackleton to Sail to Antarctic Again, New York Times vom 29. Juni 1921, S. 13. Abgerufen am 19. Januar 2010. Die Autoren und Shackleton-Biografen Margery und James Fisher bezeichneten diese Pläne als und Fisher: Shackleton. 1957, S. 446: , Nach Meinung des Shackleton-Biografen Roland Huntford hatte die Expedition kein wirkliches Ziel und war Huntford: Shackleton. 1985, S. 685:

Shackleton selbst nannte seine Absichten Fisher: Shackleton. 1957, S. 448: . und bezog sich in dieser Einschätzung insbesondere auf das bei der Expeditionsreise mitgeführte Wasserflugzeug, das schließlich jedoch nicht zum Einsatz kam.Fisher: Shackleton. 1957, S. 446–449. Zudem wurden zahlreiche technologische Neuerungen für Forschungsschiffe eingeführt, wie zum Beispiel zwei Exemplare der erst kurz zuvor patentierten Schleuderscheibe,Wild: Shackleton’s Last Voyage. 1923, S. 11. ein Kreiselkompass mit selbstleuchtender Skale, ein elektrisch beheizbarer Ausguck und ein sogenannter Odograph, mit dessen Hilfe die Geschwindigkeit und die Route des Schiffes ermittelt und aufgezeichnet wurden. Trotz schlechter Erfahrungen mit einem Funkwellenempfänger auf der EnduranceShackleton: South. 1920, S. 37. waren auf der Quest zwei Funkgeräte unterschiedlicher Reichweite installiert.Wild: Shackleton′s Last Voyage. 1923, S. 10. Shackleton hatte bei seinen vorherigen Expeditionen besonderen Wert auf die Dokumentation durch Fotografien und Filmaufnahmen gelegt. Daher wurde auch für diese Reise Mills: Frank Wild. 1999, S. 289: Für die ozeanografischen Vermessungsarbeiten war der Einsatz einer Lotmaschine vorgesehen.Wild: Shackleton’s Last Voyage. 1923, S. 13. All diese Anschaffungen wurden mit Hilfe der von Rowett stammenden Sponsorengelder finanziert. Dieser hatte sich inzwischen bereiterklärt, die gesamten Kosten der Expedition zu übernehmen, die Shackleton schließlich mit etwa £ 100.000 (heute rund £ ) veranschlagte.Mill: The Life of Sir Ernest Shackleton. 1923, S. 271. Hierdurch wurde die Quest-Expedition zur ersten vollständig aus privater Hand finanzierten Forschungsreise in die Antarktis. Frank Wild schrieb hierzu später: Frank Wild: The Voyage of the Quest. In: Geographical Journal. 61(2), 1923, S. 74: Abgerufen am 19. Januar 2010. Die einzige öffentlich wahrnehmbare Anerkennung, die Rowett erfuhr, war, dass sein Name in der offiziellen Benennung der Expedition Erwähnung fand.Mills: Frank Wild. 1999, S. 287–288. Nach Darstellung des Shackleton-Biografen Roland Huntford war Rowetts Erscheinungsbild eigentlich das eines schwerfälligen und nüchternen Geschäftsmanns,Huntford: Shackleton. 1985, S. 682. der im Wein- und Spirituosengeschäft ein Vermögen verdient hatte. 1920 war er Mitgründer und Hauptkapitalgeber eines an der University of Aberdeen ansässigen Forschungsinstituts für Tierernährung gewesen und hatte zahnmedizinische Forschungsarbeiten am Middlesex Hospital in London unterstützt. 1924 nahm er sich offenbar aufgrund einer bevorstehenden Privatinsolvenz das Leben.David Smith: . Agricultural History Review, Fußnote No. 106, S. 60. British Agricultural History Society 1998. Abgerufen am 19. Januar 2010.

Schiff mini|Die Quest beim Durchfahren der Tower Bridge in London