mini|Das Hauptgebäude des Kaiserlichen Gesundheitsamts in Berlin (1907) stand im Hansaviertel in der Klopstockstraße

Das Kaiserliche Gesundheitsamt, später Reichsgesundheitsamt, war eine deutsche Reichsbehörde für den Verbraucherschutz im Gesundheits- und Veterinärwesen mit Sitz in Berlin.

Geschichte Das Kaiserliche Gesundheitsamt wurde am 28. April 1876Reichsgesetzblatt, Jahrgang 1875, S. 330. als zentrale Stelle für das Medizinal- und Veterinärwesen in Berlin gegründet. Zunächst war es im Geschäftsbereich der Reichskanzlei und seit 1879 dem Reichsamt des Innern unterstellt. 1879 wurde das „Gesetz betreffend den Verkehr mit Lebensmitteln, Genußmitteln und Gebrauchsgegenständen“ verabschiedet, für dessen Überwachung unter anderem das Kaiserliche Gesundheitsamt zuständig war. Es sah seine Aufgabe in erster Linie in der Förderung „der praktischen Verwertung wissenschaftlicher Lehren“.Kaiserliches Gesundheitsamt (Hrsg.): Gesundheitsbüchlein. Gemeinfaßliche Anleitung zur Gesundheitspflege. 3. Abdruck. Julius Springer, Berlin 1894, S. IV. Als Amtssitz wurde in den Jahren 1894 bis 1897 ein Gebäude in der Klopstockstraße 18 im Hansaviertel nach Plänen des Architekten August BusseUwe Kieling: Berliner Baubeamte und Staatsarchitekten im 19. Jahrhundert. Berlin 1986, S. 15. errichtet, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Der am 30. Juni 1900Reichsgesetzblatt, Jahrgang 1900, S. 315. errichtete Reichsgesundheitsrat, der aus Vertretern der Bundesstaaten bestand, unterstützte das Kaiserliche Gesundheitsamt bei seinen Aufgaben.

1918 wurde das Kaiserliche Gesundheitsamt in Reichsgesundheitsamt (RGA) umbenannt. In der Zeit des Nationalsozialismus setzte die Behörde die Rassenpolitik der Nationalsozialisten um, indem sie mit Gutachten Zwangssterilisationen anordnete. Das zuständige Reichsinnenministerium (RmdI) übertrug im Oktober 1934 dem Präsidenten des RGA Hans Reiter die Betreuung der wissenschaftlichen Gesellschaften und der medizinischen Kongresse. Innerhalb des RGA war der Pädiater und Sozialhygieniker Fritz Rott der hierfür zuständige Referent. Nach Kriegsende 1945 übernahm der Magistrat von Berlin Teile des Reichsgesundheitsamtes in das neu gegründete Zentralinstitut für Hygiene und Gesundheitsdienst. 1952 ging dieses im neu errichteten Bundesgesundheitsamt auf.

Leiter des Kaiserlichen Gesundheitsamtes 1876–1884: Direktor Heinrich Struck 1884–1885: kommissarische Leitung durch Robert Koch 1885–1905: Direktor, ab 1900 Präsident Karl KöhlerSiehe zu diesem 1905–1926: Präsident Franz Bumm (ab 1918 Reichsgesundheitsamt) 1926–1933: Präsident Carl Hamel 1933–: Präsident Hans Reiter

Wissenschaftliche Arbeit Der bekannteste Mitarbeiter des Kaiserlichen Gesundheitsamtes, mit dessen Gründung zum Beginn der modernen HygienePaul Diepgen, Heinz Goerke: Aschoff: Kurze Übersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin / Göttingen / Heidelberg 1960, S. 45. beigetragen wurde, war der Arzt und Bakteriologe Robert Koch, der hier einige seiner bahnbrechenden Entdeckungen machte. Julius Richard Petri erfand während seiner Arbeit im Kaiserlichen Gesundheitsamt die Petrischale.

Veröffentlichungen Vereinbarungen zur einheitlichen Untersuchung und Beurtheilung von Nahrungs- und Genussmitteln sowie Gebrauchsgegenständen für da Deutsche Reich. Ein Entwurf festgestellt nach den Beschlüssen der auf Anregung des Kaiserlichen Gesundheiitsmtes einberufenen Kommission deutscher Nahrungsmittel-Chemiker. Springer, Berlin / Heidelberg 1899; .

Literatur Hans-Jürgen Hilling: „… eine vermehrte Einsicht in das hohe Ziel der Unfruchtbarmachung …“ – Nikolaus Hilling (1909–1985) als NS-Eugeniker am Berliner Reichsgesundheitsamt. Zur Biografie eines entnazifizierten emsländischen Arztes. In: Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte (Hrsg.): Emsländische Geschichte, Band 27, Haselünne 2020, S. 48–136. Axel C. Hüntelmann: Hygiene im Namen des Staates. Das Reichsgesundheitsamt 1876–1933. Wallstein, Göttingen 2008, ISBN 3-8353-0343-0.

Manfred Stürzbecher: Aufgaben und Leistungen der öffentlichen Gesundheitspflege. Die Behördenchefs des Reichsgesundheitsamtes in Berlin 1876–1945. In: Jahrbuch „Der Bär von Berlin“, hrsg. v. Verein für die Geschichte Berlins, 25. Jahrgang, Berlin 1976. Kurt Jeserich (Hrsg.): Deutsche Verwaltungsgeschichte, Band 3 und 4, Stuttgart 1984–85.

Weblinks

Wolfgang Wippermann: 125 Jahre „Institut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin“. 2001; bfr.bund.de (PDF). Bundesarchiv R 86 Reichsgesundheitsamt bundesarchiv.de

Einzelnachweise

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