Wolferborn ist ein Stadtteil von Büdingen im hessischen Wetteraukreis.
Geographische Lage Wolferborn liegt siebeneinhalb Kilometer nordöstlich von Büdingen am Seemenbach.
Ortsgeschichte
Mittelalter Am 11. August 1276 verlieh König Rudolf I. von Habsburg in Worms dem Grafen Heinrich I. von Weilnau ein Burglehen zu Gelnhausen. In dieser Urkunde wird Wolferborn als „Wolfratzbrunnen“ erstmals erwähnt.Heinrich Reimer: Hessisches Urkundenbuch. Zweite Abtheilung. Urkundenbuch zur Geschichte der Herren von Hanau und der ehemaligen Provinz Hanau. Erster Band. 767-1300, Leipzig 1891, S. 383f. Nr. 530.
Am 11. Februar 1294 verkauften Ludwig v. Isenburg, seine Frau Heilwig und ihr gemeinsamer Sohn Heinrich Stadt und Burg Dieburg an den Mainzer Erzbischof Gerhard und die Mainzer Kirche. Die Kaufsumme bestritt der Erzbischof u. a. aus Einkünften aus Wolferborn, die zuvor der Mainzer Kirche zugestanden hatten.Friedrich Battenberg: Isenburger Urkunden. Regesten zu Urkundenbeständen und Kopiaren der fürstlichen Archive in Birstein und Büdingen. 947 - 1500. Bd. 1: Einleitung; Regesten Nr. 1 - 1696 (947 - 1444), Darmstadt/Marburg 1976, S. 62 Nr. 217.
Am 1. Oktober 1390 bekundeten Johann v. Isenburg-Büdingen und Friedrich v. Lißberg, dass ihre Streitigkeiten von Ritter Sibold Löw von Steinfurth, den Gebrüdern Henne und Werner v. Cleen und Gise v. Windhausen in einer „gutlich, gruntlich, fruntliche Rachtunge“ behoben worden seien. Der Zwist hatte sich wegen ihrer Rechte am Dorf Lichenroth, der Eisengruben zu Bracht, der Schmieden zu Wolferborn und Rinderbügen sowie der Wiesen zu Hellstein entzündet. Es war insbesondere um die Frage gegangen, wie den beiderseitigen Untertanen Rechtshilfe gewährt werden sollte.Regest in: Friedrich Battenberg: Isenburger Urkunden. Regesten zu Urkundenbeständen und Kopiaren der fürstlichen Archive in Birstein und Büdingen. 947 - 1500. Bd. 1: Einleitung; Regesten Nr. 1 - 1696 (947 - 1444), Darmstadt/Marburg 1976, S. 243 Nr. 910. Urkundenwortlaut abgedruckt bei: Gustav Simon: Die Geschichte des reichsständigen Hauses Ysenburg und Büdingen. Band III., Ffm 1865, S. 222 Nr. 206.
Am 24. Juni 1398 verlieh König Wenzel dem Johann von Isenburg-Büdingen das Gericht Wolferborn, in dem er mit Friedrich v. Lißberg in Ganerbschaft gestanden hatte, zu einem Burglehen, mit allem Zubehör (nämlich mit Hitzkirchen, Kefenrod, Bindsachsen und Rinderbügen).Friedrich Battenberg: Isenburger Urkunden. Regesten zu Urkundenbeständen und Kopiaren der fürstlichen Archive in Birstein und Büdingen. 947 - 1500. Bd. 1: Einleitung; Regesten Nr. 1 - 1696 (947 - 1444), Darmstadt/Marburg 1976, S. 263 Nr. 989.
Nach 1400 wird Wolferborn in der heutigen Schreibweise erwähnt. Wolferborn war im Mittelalter zeitweise Gerichtsort (Erwähnungen des Gerichts Wolferborn bereits 1353Friedrich Battenberg: Isenburger Urkunden. Regesten zu Urkundenbeständen und Kopiaren der fürstlichen Archive in Birstein und Büdingen. 947 - 1500. Bd. 1: Einleitung; Regesten Nr. 1 - 1696 (947 - 1444), Darmstadt/Marburg 1976, S. 153 Nr. 577. und 1357Friedrich Battenberg: Isenburger Urkunden. Regesten zu Urkundenbeständen und Kopiaren der fürstlichen Archive in Birstein und Büdingen. 947 - 1500. Bd. 1: Einleitung; Regesten Nr. 1 - 1696 (947 - 1444), Darmstadt/Marburg 1976, S. 162 Nr. 610.), im Übrigen reine Landwirtschaftsgemeinde. Die Kirche ist ein romanischer Bau und wurde als Wehrkirche gebaut, die einschließlich der Orgel jüngst aufwändig renoviert wurde.
Neuzeit Ab 1787 besteht ein Birsteiner Anteil am Gericht Wolferborn. 1806 kamen alle isenburgische Lande zum RheinbundArtikel 24 Abs. 11 der Rheinbundakte, amtlich: Vertrag zwischen dem Bevollmächtigten Sr. Majestät des Kaisers der Franzosen, Königs von Italien mit den im Vertrage selbst genannten Bevollmächtigten deutscher Fürsten vom 12. Juli 1806. URL: http://www.documentarchiv.de/nzjh/1806/rheinbundsakte.html Stand: 25. Mai 2013.-Fürstentum Isenburg; nach dem Beschluss des Wiener Kongresses kam das Fürstentum 1815 zu Österreich,Artikel 52: Das Fürstenthum Isenburg wird unter die Souverainetät Sr. Maj. des Kaisers von Österreich gestellt, und wird mit demselben in solche Beziehungen kommen, wie die Föderativ-Constitution Deutschlands es für die mediatisirten Staaten bestimmen wird. wo es aber nur ein Jahr verblieb. Österreich trat das gesamte Gebiet Mitte 1816 an das Großherzogtum Hessen (Hessen-Darmstadt) ab. Großherzog und Kurfürst (Hessen-Kassel) einigten sich am 29. Juni 1816 auf eine Teilung der nordmainischen Gebiete, der ehemaligen Grafschaften im alten römisch-deutschen Reich (Ysenburg-Büdingen-Meerholz und Ysenburg-Büdingen-Wächtersbach), und schlossen einen Territorial-Ausgleichs-Vertrag.Convention Territorial entre le Grand Duc de Hesse et Electeur de Hesse. — Signèe à Francfort sur Mein, le 29 Juin, 1816. British and Foreign State Papers 1815–1816, Band 3, Compiled by the Librarian and Keeper of the Papers, Foreign Office, James Ridgway and Sons, Piccadilly, London: 1838, S. 812–819; (größtenteils in deutscher Sprache) Digitalisat; auch abgedruckt in Grindaha, Heft 26, Geschichtsverein Gründau e. V., Gründau 2016 S. 4–12 mit Anmerkung von Norbert Breunig Wolferborn kam zu Kurhessen, und zwar zunächst zum Kreis Salmünster und nach dessen Auflösung 1830 zum Kreis Gelnhausen. Nachdem Kurhessen an der Seite Österreichs den preußisch-österreichischen Krieg 1866 verloren hatte, ging Wolferborn mit Kurhessen an Preußen (Provinz Hessen-Nassau) bis 1945.
Wolferborn bekam bereits 1926 Wasserleitung und 1934 Kanalisation. Von 1914 bis 1920 wurde eine Flurbereinigung durchgeführt. Heute ist Wolferborn Landwirtschafts- und Arbeiterwohngemeinde mit einigen kleinen Gewerbebetrieben.
Hessische Gebietsreform (1970–1977) Obwohl die vormals selbständige Gemeinde Wolferborn nicht zum Landkreis Büdingen gehörte, sondern ab 1830 zum Kreis Gelnhausen (bzw. nach 1938 zum Landkreis Gelnhausen), wird sie mit Wirkung vom 1. August 1972 kraft Landesgesetz im Rahmen der Gebietsreform in Hessen in die Stadt Büdingen als Stadtteil eingegliedert.http://starweb.hessen.de/cache/GVBL/1972/00017.pdf#page=16 vom 26. November 1971. und gehört seitdem zum Wetteraukreis. Durch Wolferborn fließt der Seemenbach. Für Wolferborn wurde ein Ortsbezirk errichtet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Vonhausen angehört(e):
vor 1806: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft/Fürstentum Isenburg-Birstein, birsteiner Anteil am Gericht Wolferborn ab 1806: Fürstentum Isenburg (Rheinbund),Infolge der Rheinbundakte. Amt Wächtersbach, Gericht Wolferborn ab 1813: Generalgouvernement Frankfurt,Infolge der Befreiungskriege. Amt Wächtersbach ab 1815: Kaisertum Österreich,Mediatisierung infolge der Beschlüsse des Wiener Kongresses. Amt Wächtersbach ab 1816: Kurfürstentum Hessen,Durch Staatsvertrag mit Österreich und dem Königreich Preußen sowie Einigung zwischen Großherzogtum Hessen und Kurhessen. Amt Wächtersbach ab 1822: Kurfürstentum Hessen, Kreis SalmünsterTrennung zwischen Justiz (Justizamt Wächtersbach) und Verwaltung. ab 1830: Kurfürstentum Hessen, Kreis Gelnhausen ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hanau ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Kreis Gelnhausen ab 1867: Königreich Preußen,Infolge des Deutschen Krieges. Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Gelnhausen ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Gelnhausen ab 1918: Deutsches Reich,Infolge des Ersten Weltkriegs entsteht die Weimarer Republik. Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Gelnhausen ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Landkreis Gelnhausen ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Gelnhausen ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Gelnhausen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Gelnhausen ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gelnhausen ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Wetteraukreis, Stadt Büdingen
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Wolferborn 939 Einwohner. Darunter waren 24 (2,6 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 174 Einwohner unter 18 Jahren, 375 zwischen 18 und 49, 222 zwischen 50 und 64 und 171 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 363 Haushalten. Davon waren 90 Singlehaushalte, 117 Paare ohne Kinder und 129 Paare mit Kindern, sowie 24 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 63 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 246 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung
Historische Religionszugehörigkeit • 1961: 731 evangelische (= 86,41 %), 111 katholische (= 13,12 %) Einwohner
Politik Für Wolferborn besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Wolferborn) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 52,83 %. Alle Kandidaten gehörten der „Bürgerliste Wolferborn“ an. Der Ortsbeirat wählte Patrick Appel zum Ortsvorsteher.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke Kulturdenkmäler im Stadtteil Wolferborn: Gesamtanlage Wolferborn Ost Gesamtanlage Wolferborn West Am Kaspersberg 7 Brunnen an der Wehrtbornstraße Herzbergstraße 10 – Evangelische PfarrkirchePfarr- und Wehrkirche St. Peter und Paul zu Wolferborn auf der Webseite der Kirchengemeinde Wolferborn Wehrtbornstraße 23 – Backhaus Wehrtbornstraße 31 – Schule Wehrtbornstraße 34 – Hof Rapp Wehrtbornstraße 41 und 41a Wehrtbornstraße 46 Wehrtbornstraße 57
Vereine Männergesangverein 1884 Freiwillige Feuerwehr (seit 1894) Sportgemeinschaft (gegründet 1914) Landfrauenverein Tennisclub (gegründet 1950) Natur- und Vogelschutzgruppe zwei Reit- und Fahrvereine Dorfverein Wolferborn (gegründet 2024)
Wirtschaft und Infrastruktur Öffentliche Einrichtungen Evangelische Kindertagesstätte, seit 1995. (Seit 1885 gibt es bereits einen Kindergarten in Wolferborn, damals Kleinkinderschule genannt.) Evangelische Kirchengemeinde Wolferborn
Unternehmen Die Röder Zeltsysteme und Service AG. Die börsennotierte Firma produziert, vertreibt und vermietet Zeltsysteme.
Literatur Hans Georg Ruppel und Karin Müller: Historisches Ortsverzeichnis für das Gebiet des ehem. Großherzogtums und Volksstaats Hessen mit Nachweis der Kreis- und Gerichtszugehörigkeit von 1820 bis zu den Veränderungen im Zuge der kommunalen Gebietsreform = Darmstädter Archivschriften 2. Historischer Verein für Hessen, Darmstadt 1976. Siegfried R.C.T. Enders: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Abteilung: Baudenkmale in Hessen. Wetteraukreis I. Hrsg. vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Vieweg, Braunschweig/Wiesbaden 1982, ISBN 3-528-06231-2, S. 185–188. Heinrich Reimer: Historisches Ortslexikon für Kurhessen (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck 14, ). Elwert, Marburg 1926, (Unveränderter Neudruck. ebenda 1974, ISBN 3-7708-0509-7), S. 526–527. Hans Philippi: Territorialgeschichte der Grafschaft Büdingen. Elwert, Marburg 1954 (Schriften des hessischen Amts für geschichtliche Landeskunde 23), S. 164–165, 189–190.
Weblinks
Stadtteil Wolferborn. In: Webauftritt der Stadt Büdingen.
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise 2014:
Kategorie:Ort im Wetteraukreis Kategorie:Geographie (Büdingen) Kategorie:Büdinger Wald Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Wetteraukreis) Kategorie:Ersterwähnung 1276