Der versteinerte Wald (Originaltitel The Petrified Forest) ist ein Spielfilm von Archie Mayo aus dem Jahr 1935 mit Leslie Howard, Bette Davis und Humphrey Bogart in den Hauptrollen. Er basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von Robert E. Sherwood, das am 7. Januar 1935 in New York uraufgeführt wurde. Der Film hatte am 21. Januar 1936 in St. Louis in Missouri in den Vereinigten Staaten Premiere.

Jeremy Arnold schrieb bei Turner Classic Movies (TCM), dass die Rolle des Gangsters Duke Mantee Humphrey Bogarts erste große Filmrolle gewesen sei, die ihn sowohl in der Filmindustrie als auch in der Öffentlichkeit bekannt gemacht habe, eine Rolle, die er über viele Monate auf der Bühne habe perfektionieren können, und die er beinahe ironischerweise nicht bekommen hätte.Jeremy Arnold The Petrified Forest Articles&Reviews Turner Classic Movies (TCM; englisch), 28. Juli 2003. Abgerufen am 24. September 2024 (von Deutschland aus derzeit nicht abrufbar).

Handlung Während der Great Depression in einer abgelegenen Tankstelle in der Wüste Arizonas, nahe dem berühmten „Versteinerten Wald“: Eines Tages erscheint dort der mittellose, desillusionierte und romantische Herumtreiber Alan – ein einst ambitionierter, nun aber erfolgloser Schriftsteller und Intellektueller aus England, der nach einer Liaison mit einer reichen Gönnerin in Frankreich in die USA gereist ist und das Land als Tramp durchqueren will. Die Tankstelle wird betrieben von Jason Maple, dessen Tochter Gabrielle und dem betagten Großvater, der gerne Geschichten aus dem Wilden Westen und von seinen Begegnungen mit Billy the Kid erzählt. Gabrielle ist die Tochter einer inzwischen in ihr Heimatland zurückgekehrten Französin, die ihr Vater im Ersten Weltkrieg in Frankreich kennengelernt hatte.

Gabrielle verliebt sich fast sofort in Alan, der mit seinem kultivierten Auftreten für sie ein Mann von Welt ist. Sie zeigt Alan die Gemälde, die sie von der zerklüfteten Wüstenlandschaft gemalt hat, und liest ihm ein Gedicht aus ihrem Band von François Villon vor, den ihr ihre Mutter aus Frankreich zum Geburtstag geschickt hat. Alan erfährt auch, dass die naive, idealistische Gabrielle, halb romantische Französin und halb praktische Amerikanerin, davon träumt, ihrem langweiligen Leben zu entfliehen. Sie möchte gerne nach Bourges reisen, wo ihre Eltern sich einst begegnet waren, und dort Kunst studieren, kommt aber nicht von ihren Verpflichtungen an der Tankstelle los. Unterdessen wird der Tankwart Boze Hertzlinger, ein ehemaliger Football-Spieler mit kräftigen Muskeln, eifersüchtig auf Alan, da er Gabrielle schon über längere Zeit vergebens umworben hat. Alan entscheidet sich schließlich, die Tankstelle zu verlassen, und lässt sich von dem reichen Ehepaar Chisholm mitnehmen. Doch nur ein paar Meilen später wird das Auto der Chisholms von dem entflohenen Gangster Duke Mantee und dessen Komplizen angehalten. Duke und seine Bande nehmen das Auto der Chisholms und fahren zur Tankstelle, wo Duke auf seine Geliebte wartet, die mit anderen Bandenmitgliedern zusammen demnächst dort eintreffen soll. Wegen eines Sandsturmes müssen auch Alan und die Chisholms den Rückzug zurück zur Tankstelle antreten.

Zwischen den Gangstern und den in der Tankstelle festgehaltenen Menschen entwickeln sich im Laufe der Nacht dramatische Gespräche. So erzählt Mrs. Chisholm ihre Lebensgeschichte und es wird deutlich, wie unerfüllt ihre Ehe eigentlich ist. Alan meint, er und Duke seien Seelenverwandte, da beide zu den letzten Exemplaren des wirklichen Individualismus gehören würden, und bestimmt dazu, bald unterzugehen. Ähnlich wie der Versteinerte Wald nahe der Tankstelle sei er, Alan, ein Relikt aus der Vergangenheit, dessen Ideale und Gedanken mittlerweile ebenso tot seien wie der Wald draußen. Boze versucht unterdessen, Duke zu überlisten, als dieser einen Moment abgelenkt ist. Er ist aber zu zögerlich und Duke kann Boze in die Hand schießen. Während Gabrielle, die von einer gemeinsamen Zukunft mit Alan träumt, den Tankwart verarztet, wendet sich Alan mit einer ungewöhnlichen Bitte an Duke Mantee. Er zeigt dem Gangster seine hoch dotierte Lebensversicherung und vereinbart mit Mantee, sich von ihm erschießen zu lassen, damit Gabrielle in den Genuss seiner Lebensversicherung kommt, um sich ihren Traum von einer Reise nach Frankreich und einer Künstlerkarriere erfüllen zu können. Da er vollkommen mittellos und vom Leben gebrochen sei, sei dies die einzige Möglichkeit für ihn, Gabrielle seine Liebe zu beweisen. Alan bittet darum, seine Leiche in dem nahegelegenen Versteinerten Wald zu begraben.

Durch eine Radiodurchsage erfährt Duke, dass seine Geliebte gefasst wurde und die Bande an die Polizei verraten hat. Der Polizei gelingt es dadurch, Dukes Aufenthaltsort zu stürmen, wobei es zu einer heftigen Schießerei kommt. Duke will flüchten und die Chisholms als menschliche Schutzschilde verwenden. Alan stellt sich ihm in den Weg und wird, wie vereinbart, von Duke erschossen. Der Schriftsteller stirbt in den Armen von Gabrielle, wissend, dass diese sich nun ihre Träume erfüllen kann. Duke Mantee wird von der Polizei nur wenig später gefasst.

Produktion Produktionsnotizen, Hintergrundinformationen Gedreht wurde der Film von der Produktionsfirma Warner Brothers vom 14. Oktober bis zum 30. November 1935 im Red Rock Canyon State Park in Cantil sowie in Lancaster und in den Warner Brothers Burbank Studios, Bühne 6 bis 9 sowie Bühne 15 in Kalifornien in den USA.The Petrified Forest Notes bei TCM (englisch) tcm.com Dem Film stand ein geschätztes Budget von 500.000 Dollar zur Verfügung.

Der Song I’d Rather Listen to Your Eyes von Harry Warren (Musik) und Al Dubin (Text) erklingt während des Films aus dem Radio.

Die spannende und drückende Atmosphäre des Films wird vor allem durch den zeitlich engen Rahmen (ein Tag) und die wenigen Handlungsorte (fast ausschließlich die Tankstelle und deren Gastraum) sowie die überschaubare Anzahl der handelnden Personen erzeugt. Die Charaktere der Hauptakteure werden dabei intensiv herausgearbeitet. Auch wenn die Rahmenhandlung auf den ersten Blick etwas dürftig erscheint, hatten die Drehbuchautoren es verstanden, ins Drehbuch mehrere eindringliche Charakterstudien einzuflechten.Alan G. Barbour: Humphrey Bogart. Seine Filme – Sein Leben. In: Heyne Filmbibliothek Nr. 32/1. 6. Auflage. Heyne, München 1973(deutsche Erstausgabe 1984); ISBN 3-453-86001-2, S. 36–44. Sherwood basierte die Figur des Duke Mantee auf dem damaligen Staatsfeind Nr. 1, John Dillinger, mit dem Bogart zufällig große Ähnlichkeit hatte und dessen Manierismen er zu perfektionieren versuchte, indem er entsprechendes Filmmaterial studierte.

Das Stück lief ein Jahr zuvor bereits erfolgreich als Theaterstück am Broadway, auch mit Leslie Howard und Humphrey Bogart in ihren entsprechenden Rollen. Warner Brothers erwarben die Verfilmungsrechte und wollten auch mit Howard in der Hauptrolle drehen. Der dem Filmpublikum wenig bekannte Bogart – seine bisher 10 Filmauftritte waren Nebenrollen und ohne größere Resonanz geblieben – sollte aber in der Verfilmung durch den Star Edward G. Robinson ersetzt werden. Schließlich verdankte Bogart seine Rolle in der Verfilmung Leslie Howard, der von der Leistung seines Mitschauspielers am Broadway beeindruckt war. Der damals schon berühmte Howard bestand als Star des Films entgegen der Absicht der Produzenten vehement darauf, dass Bogart auch im Film die Rolle des Gangsters Duke Mantee übernehmen müsse.The Petrified Forest tvguide.com (englisch). Abgerufen am 24. September 2024. Für Bogart bedeutete Der versteinerte Wald den Durchbruch in Hollywood und er bekam einen festen Vertrag bei Warner Brothers. Bogart benannte seine 1952 geborene Tochter Leslie nach seinem Schauspielkollegen (Howard war inzwischen im Zweiten Weltkrieg bei einem Flugzeugabschuss gestorben). Edward G. Robinson sprach den Gangster Mantee dann in der CBS-Hörspielreihe Lux Radio Theatre im Februar 1943. Seine Partner waren Gail Patrick und Laird Cregar.

Bogart hatte nach seinem letzten Film geäußert, dass ihn nur etwas sehr Wichtiges jemals wieder dazu veranlassen könne, noch einmal nach Hollywood zu gehen. Einen solch wichtigen Anlass stellte sein Auftritt als Duke Mantee in The Petrified Forest dar. Neben Leslie Howard, der sich für Bogart in dieser Rolle eingesetzt hatte, war auch Broadway-Produzent Arthur Hopkins davon überzeugt, dass Bogart der Richtige für die Rolle sei, obwohl Robert Sherwood, der Autor des Stückes, das anders sah, und erklärt hatte, dass Bogart nicht die passende Besetzung für diese Rolle sei. Alan G. Barbour schrieb in seiner Biografie über Humphrey Bogart, dass Bogart dann bewiesen habe, dass der Autor falsch gelegen habe. Der Film verhalf Bogart dann auch zu einem gewaltigen Aufschwung in seiner Leinwandkarriere, da dieser Film allgemein als überzeugende Demonstration seines großen Talents angesehen wird.

Für Bette Davis war es ihr erster Film im Jahr 1936 und einer, in dem sie wieder einmal „eine anständige Rolle in einem größeren Warner-Film bekommen“ habe, wie Jerry Vermilye in seiner Biografin über die Schauspielerin schrieb. Davis’ Rolle der Gaby Maple war am Broadway von Peggy Conklin gespielt worden.Jerry Vermilye: Bette Davis. Ihre Filme – ihr Leben. In: Heyne Filmbibliothek Nr. 32/4. 3. aktualisierte Auflage. Heyne, München 1988; ISBN 3-453-86004-7, S. 54–57. Aus den Akten von Warner Bros. geht hervor, dass Arthur Aylesworth Willard Robertson ersetzte, Chic Sale für Gramp und Verree Teasdale für die Rolle der Mrs. Chisholm in Betracht gezogen worden waren.

Warner Brothers befürchtete, dass das ursprüngliche Ende des Films für das Publikum zu deprimierend sein könne, weshalb neben dem ursprünglichen Ende ein alternatives Happy End gedreht wurde. Die Fachpresse liebte das tragische Originalende jedoch ebenso wie die Zuschauer, die den Film vorab in Previews gesehen hatten, sodass der Film letztendlich in dieser Version veröffentlicht wurde.

In seiner Handlung und der Darstellung der Personen ist ein weiterer „Bogart-Film“ diesem sehr ähnlich: Gangster in Key Largo. Auch hier wird eine kleinere Gruppe von Menschen an einem abgelegenen Ort (diesmal ein Hotel auf Key Largo) von Gangstern gefangen gehalten und auch hier ist die Handlung zeitlich auf rund 24 Stunden beschränkt. Diesmal spielte Bogart den positiven Helden und Edward G. Robinson durfte hier nun den Gangster spielen, den er schon 1935 nach Meinung der Produzenten hätte mimen sollen.

Veröffentlichung Nach der Uraufführung des Films am 21. Januar 1936 in den Vereinigten Staaten lief er am 8. Februar 1936 insgesamt im Land an. In London im Vereinigten Königreich wurde der Film erstmals am 6. März 1936 veröffentlicht, in Argentinien am 8. April 1936, in Frankreich am 2. Mai 1936, in Mexiko am 25. Juni 1936, in Dänemark am 21. August 1936, im gesamten Vereinigten Königreich am 14. September 1936, in Schweden am 28. September 1936, in Italien am 19. Oktober 1936, in den Niederlanden am 27. November 1936, in Portugal am 29. Juni 1937, in Spanien am 19. Dezember 1944 und in Finnland am 13. Juni 1947. Am 12. August 1956 hatte der Film in Tucson in Arizona Fernsehpremiere. In Griechenland wurde er am 30. Juli 2022 auf dem Syros International Film Festival vorgestellt. Veröffentlicht wurde er zudem in Australien, Brasilien, Bulgarien, Kanada, Kroatien, Griechenland, Ungarn, Japan, Norwegen, Polen, Serbien, in der Sowjetunion, der Türkei, in Venezuela und in Jugoslawien.

In der Bundesrepublik Deutschland war der Film in einer deutsch synchronisierten Fassung erstmals am 19. Mai 1965 im Programm der ARD zu sehen. Das ZDF strahlte ihn erstmals am 15. November 1986 aus. In Österreich lief der Film unter dem Titel Kein Weg zurück im September 1936 an sowie später auch unter dem Titel Der versteinerte Wald.Kein Weg zurück Abb. Illustrierter Film-Kurier (Wien) Nr. 1491 (im Bild: Bette Davis, Leslie Howard)

Synchronisation